Dienstag, 26. November 2019

Das Buddha-Momentum beim Bogenschießen

Meister Onuma: Das Momentum

Das japanische Bogenschießen, Kyudo, ist ein buddhistischer Weg, um zu sich selbst zu kommen, also zum wahren offenen Selbst. Dieses Selbst verbindet Klarheit im Augenblick mit erprobtem Vertrauen und Wissen vom eigenen Können. Das bringt Ruhe und Harmonie in unser Leben. Dieses wahre Selbst ist der Kern der Vier Edlen Wahrheiten Buddhas, mit denen das unwahre täuschende und egoistische Ich und der dogmatische Âtman, zur Ruhe kommen und verschwinden.

Was hat das mit Bogenschießen zu tun? Ist nicht der Bogen seit vielen Jahrtausenden eine Waffe zur Jagd und zum Kampf, wie wir dies von den amerikanischen Indianer wissen? Das mag sein, aber japanische Bogenschießen ist viel mehr. Denn als spirituelle buddhistische Praxis ist es genau der klare Weg zu sich selbst.

Und wann ereignet sich dieser Buddha-Augenblick beim Bogenschießen? Genau wenn unser Körper seine Aufgabe der richtigen Haltung, des Hebens und Spannens des Bogen usw. erledigt hat und wir Ruhe, Kraft und Gleichgewicht erlangt haben.

Dann geben wir "den Stab an das Göttliche weiter", so zitiert der große Kyudo-Meister Onuma[1]. Dann sind wir genau im spirituellen Flow des Jetzt. Nietzsche sagt dazu: Wir müssen den Pfeil über uns selbst hinaus werfen und unser kleines angepasstes Ich hinter uns lassen:

Wenn Körper und Geist ihre Aufgabe getan haben, geben wir hier und jetzt den Stab weiter an das Universum, das Göttliche: das Buddha-Momentum. Und das ist der berühmte ZEN-Augenblick des Bogenschießens: ES trifft mit direkter einfacher Klarheit von selbst. Und das eigene, oft verhärtete Ich stört wirklich nicht mehr.

Dann hat sich die Trennung von Körper, Geist, Bogenschießen und Buddha aufgelöst. Wo sind denn in diesem Momentum irgendwelche Unterschiede? Sie sind überhaupt nicht zu finden!

Eugen Herrigel zitiert seinen japanischen Lehrer in dem berühmten Buch, ZEN in der Kunst des Bogenschießen,: "Soeben hat ES geschossen". Und weiter, dass er dann seinen Bogen-Lehrer fassungslos anstarrte: "Als ich endlich begriffen hatte, was er meinte, konnte ich die jäh aufbrechende Freude darüber nicht unterdrücken". Warum sollte er denn auch die Freude und deren wunderbare Kraft unterdrücken?

Hättest Du gedacht, dass sich so etwas durch Bogenschießen ereignet? Man kann es wirklich erleben, auch sonst im Leben.




[1]Onuma, Hedeharu: Kyudo The Essence and Practice of Japanese Archery, S. 76 ff.

Mittwoch, 20. November 2019

Neues Buch: Sternstunden des Buddhismus Band 2


Liebe Freundinnen und Freunde des Buddhismus,

nun kann ich den zweiten Band meines Titels "Sternstunden des Buddhismus" vorlegen. Es geht um die zentralen Aussagen des frühen unverfälschten Buddhismus von Gautama selbst, um die genialen Meister Indiens Nagarjuna und des Zen-Buddhismus, Dogen. Viele Jahre konnte ich mit meinem hochverehrten Lehrer Nishijima Roshi zusammen daran arbeiten, sicher einer der größten Zen-Meister des zwanzigsten Jahrhunderts. Die ganz neue Übersetzung des Mittleren Weges (MMK) aus dem Sanskrit haben die Indologin Elisabeth Steinbrückner und ich erarbeitet.

Bei diesen äußerst wertvollen Texten habe ich mich um größtmögliche Verlässlichkeit und Verständlichkeit der Übersetzung ins Deutsche bemüht. Diese Basis-Werke sind weltweit unbestritten die maßgeblichen Fundamente für die weitere Verbreitung des Buddhismus.

Kurz zum Inhalt: Die Transformation des Menschen auf dem Buddha-Weg, die Dynamik des Handelns und der klaren Wahrnehmung sowie das Gleichnis vom Feuer und der Ablauf unseres Lebens. Und weiter: Wahre Überwindung des Leidens, unsere formenden Kräfte, die Leerheit, die wirkliche Wirklichkeit, Bindung und Befreiung des Menschen und schließlich Karma und Verantwortung in einem gelungenem Leben


Nun wünsche ich Ihnen viel Freude und tiefe buddhistische Weisheits-Erlebnisse, wenn Sie zu diesem Buch greifen. Die bewährte Lehre des Buddhismus ist wichtiger denn je in unserer Welt, in der Stress stark zugenommen hat. Und mit Buddhismus können wir den Stress effektiv abbauen: daher ist dieses Buch vielleicht auch ein Geschenk zu Weihnachten.

Mit herzlichen Grüßen
Yudo J. Seggelke


Dienstag, 12. November 2019

Die Angst-Augen der Osterinsel: Ökologische Katastrophe versus Zen


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Die weit aufgerissene Augen der riesigen menschlichen Steinfiguren auf der einsamen Osterinsel sind Angst-Augen. Überall auf der Welt erzeugen die Augen Angst, wenn das Weiße rund um das Dunkle zu sehen ist. Wovor hatten die Einwohner dieser einst so blühenden Insel Angst und Panik? Die Figuren starren die Bewohner an und wenden Ihren Rücken der See zu, von der ihre Vorfahren vor etwa eintausend Jahren kamen. Was ist das furchtbare Geheimnis dieser Angst-Augen? ?

Neue Forschungen beweisen, dass die Insel durch See fahrende Polynesier besiedelt wurden. Wegen der guten Fruchtbarkeit der Böden, dem Fisch-Reichtum und der großen üppigen Wälder vermehrte sich die Bevölkerung in den folgenden Jahrhunderten auf fast zwanzig Tausend Einwohner.

Als Kapitän James Cook jedoch im Jahre 1774 dort landete, schrieb er in sein Logbuch, dass er noch nie so elende Menschen gesehen habe. Hier hatte sich eine furchtbare ökologische und menschliche Tragödie bis zur der Ankunft der Europäer ereignet. Cook schreibt:

"Die Natur hat diese Insel kaum mit irgendetwas ausgestattet, was für den Menschen zu essen oder zu trinken gut sein könnte". 

Die Wälder wurden abgeholzt und der Boden ausgebeutet. Der dauernde Wind erodierte den Boden immer mehr. Um überirdische Kräfte für die Hilfe der Menschen zu aktivieren, wurden in größter Not und mit gewaltigem Aufwand die riesigen Stein-Figuren erarbeitet und über viele Kilometer an die Küste transportiert. Für den weiten und schwierigen Transport der Tonnen-schweren Figuren wurde sehr viel Holz verbraucht. Aber geholfen hat es nicht. Durch grausame Bürgerkriege und den Zerfall der Gesellschaft wurde die Bevölkerung drastisch dezimiert, vermutlich etwa auf ein Zehntel in der Blütezeit der Insel. Die Nahrungsmittel waren viel zu knapp und ohne Holz gab es keine Kanus für den Fischfang. Es ist nachgewiesen, dass die Menschen sogar zu Kannibalen wurden.

Wie die Gehirnforschung nachgewiesen hat, vermindert andauernde Angst die menschliche Vernunft, Empathie, Planungs-Kapazität, Moral, soziale Intelligenz und Kreativität ganz erheblich. Das wird im Gehirn maßgeblich durch die Aktivierung des sog. Mandelkerns bewirkt. Die Menschen vegetieren dann meist in einem primitiven "Tier-Modus", den es nicht einmal bei Tieren gibt. Und genau das passt zu den Angst-Augen. Die ökologische Katastrophe und der Angst-Modus führten dann zum unaufhörlichen Niedergang der Gesellschaft.

Wie könnte nun der Zen-Buddhismus den Niedergang verhindern und den Menschen ein gutes Leben ermöglichen?

Die Zen-Meditation vermindert Stress und Angst ganz wesentlich. Das gemeinsame stressfreie Handeln im Hier und Jetzt, Flow, verbessert den Ertrag an Nahrungsmitteln nachhaltig und zum Segen der Menschen. Besonders wichtig ist der sorgsame und schonende Umgang mit der Natur, hier also das Gleichgewicht von Wald, Anbaufläche und Düngung. Vor allem brauchen die Menschen in Notsituationen Klarheit, um die wirklichen Probleme klar zu erkennen und sie brauchen Kreativität, um diese Probleme wirklich längerfristig zu lösen und so den Alltag gut zu gestalten. Dabei sind besonders die Veränderungen und deren Verursachungen und Vernetzungen wichtig. Also: Welche negativen und dramatischen Veränderungen folgten aus dem Abholzen des Waldes für die Nahrungsmittel der Osterinsel? Außerdem geht es um das Gleichgewicht, die Wechselwirkung und Verstärkung von spirituellem und praktischem Handeln. Beides ist überhaupt kein Gegensatz.

Buddha nannte das: "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung": daher geht es je nach der konkreten Situation um aktives Gestalten oder kluges Geschehen-Lassen bei guter sozialer Vernetzung. Also das Heilsame aktiv gestalten und das Unheilsame unterlassen. Dogmatische Extreme führen ins Unglück und Leiden, richtig ist dagegen der Mittlere Weg. Das Drama auf der Osterinsel hat sich besonders durch den Niedergang der Ethik und den Zerfall der menschlichen Ordnung immer mehr beschleunigt: bis zum Kannibalismus. Weder Angst, Dogmatismus, Leichtsinn noch Hass und Gier konnten von den Menschen gesteuert und kontrolliert werden.

Machen wir es besser mit unseren Planeten Erde! Von Außer-Irdischen werden wir keine Hilfe bekommen. Wir müssen selbst achtsam sein, vernünftig denken und planen, nachhaltig mit unseren begrenzten Ressourcen umgehen und tatkräftig gemeinsam handeln.


Freitag, 1. November 2019

Buddha und der Kampf-Modus auf den Straßen


Ein Mitarbeiter des "Gelber Engels" beklagt seit 2014 zunehmend bei Pannen und Unfällen: "Eine solche Härte habe ich noch nie erlebt". Wie kann man mit solcher menschlichen Härte und Unduldsamkeit gegenüber den wahren Helfern umgehen?

Der ADAC bietet daher bestimmte Kurse für Konflikte im Straßenverkehr an. Was wird dort gelernt? Aktives Zuhören, Empathie, De-Eskalations-Techniken in der Kommunikation und die Besänftigung verärgerter Mitglieder. Und offensichtlich besonders wichtig: Souveräner Umgang mit einem Senior, der meint alles bereits zu wissen. Oder muss man sagen "Alles besser zu wissen als die gelben Engel" und dadurch in Wirklichkeit die effiziente Hilfe massiv behindert?

Viele Autofahrer sind im "Kampfpilot-Modus" unterwegs, so der ADAC. Aber irgendwann kommt gegenüber den Helfern dann doch der Satz: "Wissen Sie, das geht gar nicht gegen Sie..."

Was ist nun der Kampf-Modus? Das sind Verhaltensweisen, bei denen das aufgebrachte Ich, also der aggressive Ego-Modus, die alleinige Herrschaft über den Menschen hat. Dann sind Vernunft und Ethik in unserem Geist und unsere Psyche tatsächlich abgeschaltet, die Vernunft ist tatsächlich offline. Dieses Abschalten kann nach der heutigen Gehirnforschung einfach erklärt werden: Die Gehirn-Module der Steuerung von Vernunft, Planung und Ethik werden abgeschaltet und es wird Adrenalin ins Blut ausgeschüttet. Es dauert übrigens mindestens 10 bis 15 Minuten, bis das Adrenalin abgebaut ist. Erst dann können unser Vernunfts-Module im Gehirn wieder normal arbeiten und sie sind online. Erst dann sind Freundlichkeit und Empathie wieder im neuronalen Netz online zugeschaltet und kommen zum Zuge. Solange sollte man also warten.

Dieser Kampf-Modus war in den Frühzeiten der Menschheit (vor 1,5 Mill. Jahren !) bei sehr großen Gefahren und  bei Todesangst existentiell für das eigene Überleben. Er wird heute immer noch fälschlich als Helden-Modus besungen, aber das ist ein fast tragischer Irrtum. Vereinfacht gesagt: Wer im Kampf-Modus ist, handelt im aggressiven  Tier-Modus!

Also besonders wichtig: Gelassen bleiben und nicht selbst in den ungesteuerten Kampf-modus verfallen, auch nicht bei Beleidigungen und Aggressionen des anderen. Sie sagen sicher: Leichter gesagt als getan.

Dabei hat sich Buddhas zentrale Weisheit bewährt: Der Mittlere Weg und die Gelassenheit sind für das Zusammenleben und zum Wohlbefinden von zentraler Bedeutung. In den Grundlagen der Achtsamkeit sagt Buddha weiter: Ärger und Hass sind keine ewigen Phänomene, sie entstehen, dauern eine Weile an und vergehen dann wieder. Durch Meditation lernen wir, dass Ärger und Hass seltener entstehen und schneller wieder vergehen. Und den Kampfmodus braucht man in der heutigen Gesellschaft wirklich sehr selten. Dieser Modus ist im Straßenverkehr völlig sinnlos. Nutzen Sie den kontrollierten Kampfmodus lieber politisch für den Schutz unserer Natur und einer menschen-freundlichen Umwelt.

Der Kampfmodus ist nicht die wahre Natur des Menschen, sondern eine Konstruktion des Geistes und der Psyche, die heute auf der Straße gar nichts bringt und sogar gefährlich ist. Wie Buddha sagt: Er entspricht nicht der wahren Natur des Menschen. Denn der Mensch ist das sozialste aller Lebewesen auf diesem schönen Planeten.

Es fragt sich, welches Ich eigentlich verletzt und beleidigt wird? Ist es vielleicht ein Konstrukt ohne positive Wirksamkeit und nicht real? Ein solches absolutes Ich gibt es nach Buddha in der Wirklichkeit nicht. Die Beleidigungen und verbale Verletzungen des fiktiven Ichs, das nicht wirklich existiert, gehen also voll ins Leere. Die Aggressionen treffen in Wirklichkeit überhaupt Nichts, sie sind Schattenboxen und treffen Luftlöcher. Die Realität des Menschen besteht nach Buddha aus den fünf Komponenten des Menschen, den Skandhas, die in Wechselwirkung mit einander funktionieren. Aber es gibt keinen zentralen Ich-Kern, der Zielscheibe der Aggressionen und Beleidigungen sein könnte. Das ist die Leerheit des Ich-Kerns, nicht mehr und nicht weniger. Diese tiefe Wahrheit ist bei Aggressionen im Straßenverkehr besonders nützlich. Was ist der Kampfmodus? Ein Kampf gegen etwas, das es nicht existiert, das leer von der Fiktion einem solche Ich-Kerns ist.

Damit ergibt sich eine erstaunliche Tatsache: Ohne diesen Kampf-Modus ist unser Gehirn und unser Geist voll funktionsfähig. Dagegen ist ein ganz wichtiger Teil des Gehirns in diesem Kampf-Modus  abgeschaltet und  dadurch kann unser Geist gar nicht richtig funktionieren. In Buddhas Sprache heißt das: Wenn der Geist leer und ohne diesen Kampfmodus ist, handel der Mensch natürlich, im Gleichgewicht und mit voller Leistung. Damit ist die buddhistische Leerheit gut beschrieben. Oder vereinfacht: Ohne diesen Kampf-Modus kann sich wirklich die Erleuchtung des gesamten Körper-und-Geistes ereignen. Genau im Jetzt!

Wenn Sie also im Kampf-Modus angegriffen werden, reagieren Sie bitte nicht mit Ihrem eigenen Ich-Modus eines fiktiven Ego. Eine solches Ego und einen solchen Âtman gibt es gar nicht. So entgehen Sie der Ego-Falle. Denn der Ich-Âtman ist leer wie der Kampf-Modus: Sie können aber im Gleichgewicht und in Ihrer Mitte bleiben und ersparen sich dauernden Stress, viel Ärger und ungebremste Wut, die Ihnen selbst am meisten schaden. Wem denn sonst?

Dadurch stärken Sie gleichzeitig Ihr Immun-System, haben mehr Lebens-Power, Freude und sind weniger krank!


Freitag, 25. Oktober 2019

Meditation: Sei vertraut mit dir selbst!





Meister Deshimaru sagt zum Zazen:
“Zazen-Praxis ist der Prozess des mit sich selbst Vertraut-Werdens. Man schaut nicht außerhalb seiner selbst. Beim Zazen ist es notwendig, dass Sie sich auf Ihre Haltung konzentrieren; Sie müssen jedoch den Körper nicht vergessen.“

Der Zen-Buddhismus lehrt uns in Theorie und Praxis, wie wir zur Wirklichkeit und Wahrheit selbst gelangen und damit ein freies, friedliches Leben voller Klarheit und Freude führen können. Dabei ist die Zazen-Praxis oder, wie es im Indischen heißt, der Samadhi, der Kern der Übung. Beim Zazen werden Gedanken, Bilder und Emotionen zum Verschwinden gebracht, so dass der gewöhnliche meist hektische und gestresste Alltagsgeist überschritten wird. Wir befreien den wahren Körper-und-Geist vor allem von quälenden und einengenden Vorstellungen. Und wir erlernen dabei fast von selbst eine wirkungsvolle Selbst-Steuerung und Selbst-Kontrolle, die wir so dringend benötigen

Der große Zen-Meister der Neuzeit, Kodo Sawaki, sagt: „Alle klagen, so beschäftigt zu sein, dass sie keine Zeit mehr haben. Warum sind sie so beschäftigt? Es sind bloß ihre Illusionen, die sie beschäftigt halten. Wer Zazen übt, hat dagegen Zeit.“
Das wahre Selbst, das sich uns durch diese Übungspraxis intuitiv und ganzheitlich eröffnet, hat also den Bereich der kleinliche Unterscheidung von Ich und Du, von Ich und Welt, von Subjekt und Objekt verlassen und überwunden. Und er gewinnt buddhistische Automonie: "Wir haften an nichts in der Welt", wie Buddha sagt


Dôgen sagt in der kräftigen Sprache eines Dichters zum Zazen:
„Mit einem Mal überschreiten Millionen Dinge und Phänomene der Welt die Grenzen der verengten Erfahrung und Erkenntnis. Wir sitzen aufrecht wie der König (Gautama Buddha) unter dem Bodhi-Baum und drehen in einem Augenblick das große Dharma-Rad, das in seiner vollkommenen Ausgewogenheit nicht Seinesgleichen hat. Die Menschen verströmen den höchsten, natürlichen und tiefgründig-einfachen Zustand des Prajñā (der umfassende Weisheit).“

Wer im Zazen sitzt, erfährt intuitiv und ganzheitlich, dass er den Körper und den denkenden Geist, fallen lässt und die festgefahrenen Ansichten, rotierende Gedanken und aufwühlende Gefühle jäh abschüttelt. Er schüttelt auch und gerade das kleine, ängstliche oder aggressive Ich ab. Dies ist nach Meister Nishijima die erste Erleuchtung und bereits die tatsächliche Erfahrung, ein Buddha zu sein. Die erste Erleuchtung ist kein willentliches Tun, nicht das Erreichen eines vorgestellten Ziels, denn gerade dadurch würde das wahre Handeln des Zazen unmöglich, es würde verhindert. Die erste Erleuchtung ereignet sich natürlich. Es ist wichtig, regelmäßig zu praktizieren, besonders wenn man nicht gut drauf ist, wenn es uns also schlecht geht! Das kann ich voll und ganz bestätige, aus langer Erfahrung in meinem Leben.

Was die erste Erleuchtung ist, können wir uns vorher nicht theoretisch ausdenken. Ganz einfach: Tut es einfach, just do it. Von zentraler  Bedeutung sind allerdings der feste und klare Wille zur Wahrheit und das tiefe Vertrauen darauf, dass die Wirklichkeit und Wahrheit des Lebens und der Welt unser Leiden überwindet und auflöst. Und diese Vertrauen bewahrheitet sich wirklich. Es ist auch Teil des Achtfachen Pfades von Gautama Buddha. Wenn der Wille zur Wahrheit den Menschen auf den Buddha-Weg geführt hat und Zazen praktiziert, ereignet sich die erste Erleuchtung unmittelbar, und dann verschwinden die Gedanken des gewöhnlichen Verstandes und die von Gier gesteuerten Emotionen und Ängste. Damit verflüchtigen sich quälende Zwangsvorstellungen und Zwangsbilder und wir gelangen zur Freiheit.

Ich möchte es für unsere von medialen Informationen und Fake News schwer gezeichnete Welt radikaler ausdrücken: Ohne Meditation können wir heute kaum ausgeglichen und weitgehend stressfrei leben. Zazen ermöglicht gerade unser modernes natürliches Leben. Ohne Zazen wird es verdammt schwierig für uns.