Dienstag, 20. Oktober 2020

Buddhistischen Mitte: Falsche Ideologien und Fake News kommen zur Ruhe

(Aus meinem neuen Buch: Sternstunden des Buddhismus, Band 3)



Meister Nāgārjuna sagt in dem grandiosen Werk des Mittleren Weges: Wenn nun die Befreiung und Emanzipation des Menschen gelingt, kommen Unwissenheit und Verblendung zur Ruhe. Sie sind beendet! Und Extreme sind unwahr. Dann kommt die rechte Dynamik der heilsamen formenden Kräfte des Menschen in Gang. Die unheilsamen und hemmenden formenden Kräfte der Extreme sind dann überwunden und wirkungslos. Einseitige Behauptungen sollten wir vermeiden. Der Mensch lebt dann mit Freude und im handelnden Flow, denn Freude und Handeln sind nach den Gehirnforschung eng miteinander verbunden. Was ist dabei wichtig: Gleichgewicht, Achtsamkeit und Meditation. Aus der Mitte kommt die wahre Kraft.

Glück und Freude machen klug und kreativ. Stress und Angst machen dumm und depressiv. Neu auftretende Probleme können nach der Befreiung gelassen bewältigt werden. Alle fünf Komponenten des Menschen wirken dann sinnvoll zusammen. Die formenden bewussten und unbewussten formenden Kräften können sich in Harmonie ungehindert in Wechselwirkung kreativ weiterentwickeln. Denn die Entwicklung des Menschen geht auch und gerade nach der Erleuchtung und Befreiung weiter. Erleuchtung ist kein statischer Zustand einer erstarrten Schein-Substanz. Darauf hat auch der große Zen-Meister Dōgen in aller Klarheit hingewiesen.

Nagarjuna sagt wörtlich im Mittlerer Weg, Vers 26.11


Wenn das Nicht-Wissen zur Ruhe gekommen ist, entwickelt sich kein (unheilsames) Zusammen-Werden der  formenden Kräfte (des Menschen).

Das Nicht-Wissen kommt aber durch die Entwicklung eben dieser heilsamen Kenntnis (der Befreiung) zur Ruhe.

Dieses Wissen und Können ist der Weg Buddhas aus dem Leiden. Aus Stress und Angst in die Freiheit des inneren Gleichgewichts und der Autonomie. Buddha sagt zu einem solche Menschen: "Unabhängig lebt er und haftet an nichts in der Welt!" Dies gilt besonders in schwierigen Zeiten wie in der jetzigen Corona-Pandemie! der Buddhismus eröffnet neue Chancen zur Überwindung der Krise.

Meister Nishijima erläutert: „In den verschiedenen Formen der Ignoranz oder in verschiedenen restriktiven Bedingungen kann wirkliches Handeln überhaupt nicht stattfinden. Restriktionen, die durch Ignoranz entstehen, sind immer weit weg von der Realität und führen zur Isolation und in die Sackgasse. Dies gilt, wenn man dem ignoranten Wissen folgt und wenn man die eigentlich konkrete Dinge in diesem Irrtum (falsch) anpackt.“[1] Gutes Handeln wird durch Gier und Hass verhindert.

Wahres Handeln ist vollkommen verschieden vom wildem Denken und von der ungehemmten Stimulierung der Sinnesorgane. Denn Ignoranz und Restriktion sind wirklich nur Konzepte. Man kann sich wunderbare Vorstellungen machen, was man alles tun und leisten will, aber es geht um die wirklichen Fähigkeiten und die wirkliche Realisierung beim Handeln. Über die Ignoranz kann man viel diskutieren, aber das ist kein wahres Verstehen. „Ignoranz und Intelligenz sind nur ‚Aufkleber‘ und Konzepte: Sie sind nur Restriktionen, aber keine Wirklichkeit.

Dies ist so, weil die Dinge, Phänomene und Ereignisse genau das sind, was sie sind.

Restriktionen sind aber Täuschungen. Wenn man sie im Geist hat, bedeutet das, etwas zu imaginieren, was nicht wirklich ist“, betont mein Lehrer Meister Nishijima. Klares Denken ist in Wechselwirkung mit klarem Handeln.

Zum weiter lesen


[1] Nagarjuna: Fundamental Wisdom of the Middle Way. Commentary by Gudo Wafu Nishijima and Brad Warner.


Donnerstag, 8. Oktober 2020

Die intuitive große Intelligenz im Zen, jenseits des Denkens

Ist das nicht paradox und ein Widerspruch? Nein, denn es geht im Zen grundsätzlich um ein anderes universelles und umfassendes Denken als das übliche eingeengte Denken! Es geht um die großen intuitiven und unbewusste Leistungen unseres Gehirns und Geistes. Es geht um die wunderbare Gesamtheit von Körper und Geist. Denn auch der Körper besitzt großes Wissen. Diese alles erfahren wir in der Meditation des Zazen. Das übersteigt das bewusste und eventuell abstrakte intellektuelle Denken, das aber verengt ist. Und es wird in unserer Welt meist viel zu hoch eingeschätzt. Warum gibt es denn heute so viele selbst erzeugte Probleme und Dramen?

Meister Dogen sagt: "Wenn wir die Wahrheit jetzt genau untersuchen ist diese natürliche große Wahrheit schon da, um uns herum,... Und darüber hinaus übersteigt der ganze Körper bei weitem Staub und Schmutz". Wenn wir aber im Dualismus von Körper und den Geist des Intellekts oder sogar im Streit hängen bleiben, "ist die Trennung so gewaltig wie zwischen Himmel und Erde". Du lässt dann einen großen Teil deiner geistigen Power ungenutzt.

Das wahre umfassende Denken ist also jenseits des intellektuellen aber eingeengten Denkens, das wir im Westen auch bewusstes Denken nennen. Dieses klare umfassende Denken des Zen ist aber jenseits des üblichen Denkens. Es eröffnet  neue Dimensionen des Geistes. Und des Handelns: die positive Wechselwirkung von Geist und Tun! Das ist wahrer ZEN.

Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass das bewusste Denken nur ein sehr kleiner Teil unseres Gehirns ist. Die umfassenden Fähigkeiten des Gehirns und unseres Geistes können aber viel mehr, als wir meistens denken. [1]

Daher sagt der bekannte Gehirnforscher Manfred Spitzer: Das bewusste Denken ist nur für einfache Fragen und Entscheidungen des Lebens nützlich. Für komplizierte Probleme und Entscheidungen ist unser Unbewusstes und damit unsere Intuition viel leistungsfähiger. Man kann also diese großen Stärken des Unbewussten für sich gut arbeiten lassen. Das ist  die umfassende Intuition, die wir im Zen entdecken und weiter entwickeln. Diese universelle Intuition ist trainierbar und kommt bei der Meditation zum Zuge. Sie ist offen und eine machtvolle Steuerungskraft unseres Lebens.

Daher mein Tipp besonders in schwierigen Lebensfragen und Problemen: Mit dem bewussten Denken sollten wir zunächst möglichst viele verschiedene Teilbereiche unseres Problems angehen und sie gut untersuchen. Also ist es sinnvoll viele Informationen einfach sammeln. Das heißt sich möglichst gut ganzheitlich zu beobachten, ohne dem Ego zu verfallen. Buddha nennt das die Achtsamkeit. 

Und dann überlässt du am besten die Arbeit deiner Intuition und deinem Unbewussten. Störe bitte nicht  dein Unbewusstes durch unnötiges Denken und Grübeln. Das bringt nichts und schadet nur, du drehst dich dann im Kreis und kommst mit deinem Problem nicht weiter. Also ins Bett gehen und schlafen, etwas anderes tun wie Wandern, Sport machen oder Musik hören usw.. Zen-Meditation ist dabei besonders wirksam, Dogen sagt: "Körper und Geist fallen lassen!" Meist erkennst dann später eine gute Lösung, fast von allein. Diese Erkenntnis  gibt uns der Zen und sie ist durch die aktuelle Gehirnforschung voll bestätigt. Dann kannst Du dein Problem wirksam angehen und gute Lösungen finden

Und die großen alten buddhistischen Meister kannten diese tiefe Weisheit der intuitiven Intelligenz schon vielen Jahrhunderte vor unserer Wissenschaft, besonders natürlich Buddha und Zen-Meister Dogen.



[1] Nach Manfred Spitzer ist die Leistung des Unbewussten mehr als hundert tausend mal größer als des Bewussten. Das Unbewusste, die Intuition und deren Steuerungskraft bezeichnete Buddha übrigens als samskara.

Dienstag, 29. September 2020

Neue Interpretation des Yogacara und Übersetzung aus dem Urtext des Vasubandhu


Die Kernlehren des Yogacara sind in der Literatur umstritten und verwirrend. Ich habe versucht, mir anhand der Litratur ein stimmiges und überzeugendes Bild von der authentischen Lehre des Meisters Vasubandhu zu machen. Leider ist mir das nicht gelungen: Zu weit divergieren diese sicher intelligenten Aussagen.1)

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Was ist zu tun
? Wir müssen eine neue möglichst wortgetreue Übersetzung aus dem Urtext des Sanskrit machen. Von einer Übersetzung aus anderen Sprachen ist daher abzuraten. Dieser neu übersetzte Urtext muss die Grundlage einer zeitgemäßen Interpretation sein.

Die erste Kernfrage lautet: Sollen wir von einer weitgehenden Überstimmung mit dem authentischen Text des frühen Buddhismus ausgehen oder nicht? Ich meine ja. Begründung: Buddha ist ein so überragendes Genie der Menschheit, dass die Falsifizierung seiner Lehre mir abenteuerlich oder ignorant erscheint. Weder Nagarjuna, Mittlerer Weg, noch Vasubandhu, Yogacara, und auch nicht Dogen, Zen-Buddhismus, haben etwas anderes behauptet. Es geht die Weiterentwicklung und Integration des Buddhismus mit dem Zeitgeist und den verschiedenen Kulturen.

Danach kann Yogacara also nicht abstrakt-metaphysisch, überspitzt philosophisch oder idealistisch sein. Yogacara ist auch kein grundsätzlich neuer Buddhismus, sondern konzentriert sich auf die Ganzheit von Geist und Psyche des realen Menschen, wie Du und ich. Yogacara lehnt weder Form und Körper noch Wahrnehmung des Menschen grundsätzlich ab.

Vasubandhu hat die buddhistische falsche Doktrin von unveränderlichen ewigen Substanz von Menschen und Phänomenen, Dharmas, durchschaut. Er hat diese Fehlentwicklung detailliert dokumentiert und falsifiziert. Es handelt sich bei dieser Doktrin um zwar schönes, illusionäres aber falsches Wunschdenken, das reales Leiden nicht überwinden kann.


Er hat auch die Ideologie von metaphysischen zeitlichen Atome durchschaut und abgelehnt, die unendlich klein sind. Das ist die Ideologie der statischen kleinsten Substanzen und Momente. Sicher die super intelligente Denkleistung einer philosophischen Minderheit, aber unbrauchbar und kein authentischer Buddhismus. Vasubandhu ist dieser Ablehnung der modernen Physik zuvor gekommen,weil die Atome wirklich teilbar sind und sich sogar in Prozesse umwandeln können. Materie kann sich auch in Strahlung und Energie umwandeln.

Beide Doktrinen werden übrigens auch von Nagarjuna im Mittleren Weg präzise falsifiziert. Diese Doktrinen sind statisch, starr und unveränderlich und letztlich ideologisch. Bei ihnen gibt es kein Fließen des Geistes und keine Emanzipation. Die buddhistischer Wahrheit ist leer von diesen Doktrinen. Wie sollen wir damit Freiheit verwirklichen? Das ist nicht möglich! Genau dabei setzt der Yogacara präzise an. 

Nach Meister Nishijima wirken im Zen vier Lebens-Philosophien zusammen:  Materialismus, Idealismus und Handeln, aber diese sind nur Teil-Philosophien. Durch die Erleuchtung, (Kensho, Satori)  werden sie  zusammengebracht und vor allem zur Wahrheit überschritten und erweitert. Die Teil-Philosophie des Idealismus kann nicht die Gesamtheit des authentischen Buddhismus sein. Diese Philosophie ist einseitig. Der Idealismus kann sich sogar zu schädlichen Ideologien, extremen Dogmen, Illusionen und Fake News verkehren. Ein solches Verständnis des Yogacara wäre nach meiner Einschätzung verengt und von geringem Mehrwert an Informationen.

Vasubandhu hat meines Wissens auf der Grundlage des authentischen frühen Buddhismus die mentalen und psychischen Phänomene des menschlichen Handeln, Fühlens und Denkens mit neuer Frische vertieft untersucht. Seine große theoretische und praktischer Erfahrung kommen ihm dabei zugute. Sehr vereinfacht gesagt: Beim Menschen läuft alles mit Geist und Gehirn. Aber wie?

Aus meiner Sicht ist seine Kern-Lehre: Bei Allem was wir tun, fühlen, sehen und denken müssen wir die Wechselwirkung mit mentalen und psychischen Informationen von innen und außen einbeziehen. Das wahre Leben ist nicht isolierbar, nicht ideologisch sondern dynamisch vernetzt, eben in Wechselwirkung und im Gleichgewicht. Es ist ähnlich wie das dynamischen Gleichgewicht unseres Sonnen-Systems. Deswegen können wir hier relativ sicher leben. 

Die fortlaufend aktiven Kräfte des Geistes können bewusst oder unbewusst sein. Das ist übrigens auch die Kern-Aussage der aktuellen Gehirnforschung. Vasubandhu geht sogar über die Gehirnforschung hinaus: Für ihn ist die lebendige Spiritualität eine wichtige Voraussetzung für die Erleuchtung. Dem möchte ich zustimmen.

1) David J. Kalupahana: ThePrinciple of Buddhist Psychology, 1987, schätze ich besonders. Ich stimme überein mit meinem Lehrer Meister Nishijima für Zen und den Mittleren Weg. 

Zum Weiterlesen: Die vier Lebensphilosophien



Sonntag, 20. September 2020

Buddhas Gesang der großen ökologischen Verbundenheit

 

Buddhas Lehre ist ein großer Gesang der Verbundenheit mit der Gemeinschaft der Menschen und dem ganzen Universum. Was sagt Meister Dogen dazu? In einem berühmten Kapitel seines Shobogenzo heißt es, dass Buddha in der Meditation beim Aufleuchten des Morgensterns erkannte:

Die ganze Erde und alle Lebewesen verwirklichen zusammen die Wahrheit.“

 Ihm wurde plötzlich umfassend klar, dass er über das gewöhnliche unterscheidende Denken und die isolierende Wahrnehmung hinausgehen konnte. Dann war es möglich, diese Wahrheit und Wirklichkeit der Welt direkt zu erfahren und zu erleben. Das ist die große ökologische Verbundenheit, die manche Menschen heute leider vergessen haben. Das ist die Sehnsucht besonders der jungen Menschen, wenn sie den Raubtier-Kapitalismus der heutigen Großkonzerne und der verantwortungslose Macht-Eliten angreifen:  Das sind menschlich verkrüppelte Narzisten. Sie zerstören unsere ökologische Verbundenheit und unser Erwachen. Sie stecken fest in der Sackgasse des Ego-Materialismus und der sinnlosen Verschwendung!

So verstärken die scheinbar sozialen Netze unsere Einsamkeit, und die digitalen Konzerne verkaufen unsere persönlichen Daten an kapitalistische Gewinn-geile Firmen. Aber wir sollten uns erinnern und aufwachen: Zurück zur Natur und zur ökologischen Verbundenheit mit der Natur. Buddha war wohl der Erste, der diese Einheit mit der wunderbaren, dynamisch vernetzten Ökologie wirklich und tiefgreifend erkannt hat. Das hat der Westen vergessen, verdrängt und die Natur missbraucht. Buddha erkannte die große wunderbare ökologische Harmonie und Wechselwirkung von Menschen und Natur. Er sagte zu den Menschen: Meditiert bitte unter einem schützenden Baum, in der Harmonie des Waldes. Das ist der Gesang des "Großen Wir" mit der Natur.

 Durch das meditative Sitzen im Augenblick, also im Hier und Jetzt verlassen wir das verarmte dualistische Bewusstsein der Trennung von Ich und Du. Wir erfahren unser Leben im Einklang und in der Harmonie mit dem Universum, ganzheitlich und unmittelbar. Das geht natürlich über dualistisches Denken und Fühlen hinaus.

In der großen Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit beschreibt Buddha im Gegensatz dazu die fünf Hemmnisse des Erwachens.[i] Sie blockieren unsere Befreiung und Emanzipation und hemmen unsere Entfaltung. Wir sollten tatkräftig gegensteuern und die Hemmnisse wegbeamen. Welches sind sie?

- Auf oberflächlichen Genuss und Sinnlichkeit gerichtetes Wollen, z. B. durch materielle und sexuelle Gier

- Übelwollen gegenüber anderen Menschen. Das schafft Trennung, Isolation und überhaupt keine  Verbundenheit

- Erstarren und Trägsein ohne aktives Handel, also ohne Dynamik in der Gemeinschaft

-  Aufgeregtheit, Stress und Unruhe ohne inneres Gleichgewicht und ohne Gelassenheit

- Zerstörerische Zweifelsucht durch tiefgreifenden Pessimismus und Nihilismus, oft mit materieller Gier gekoppelt

 Diese Hindernisse und Blockaden versperren uns den Weg zum Erwachen: Sie kennzeichnen ein verengtes Spektrum menschlichen Handelns, Fühlens und Denkens. Buddha sagt zu seiner Sangha über die Achtsamkeit:

„Da weilt ein Mönch bei fünf Hemmnissen.“ Er würde dann erkennen, dass sie eigentlich leer sind. Und wenn er dies erkannt und überwunden hat, ist er "frei und haftet an nichts in der Welt". Frei für das Große Wir.

In der Gemeinschaft, der Verbundenheit mit der Natur und der Meditation befreien wir uns von diesen Hemmnissen: Fridays for Future.


[i] Gäng, Peter: Meditationstexte des Pali-Buddhismus I, S. 39ff.

Donnerstag, 10. September 2020

Wie erlangt man Erleuchtung, Entscheidungskraft und den großen Frieden? Das Ego weg-beamen!

(Aus meinem Buch "Sternstunden des Buddhismus Band 1")

 1.) Meditation und Sammlung

Von großer Bedeutung für den großen inneren Frieden ist die meditative Vertiefung, die meistens als Sammlung bezeichnet wird. Bei den Vier Edlen Wahrheiten ist dies ein wichtiger Teil des Achtfachen Pfades. Ohne Meditation kommt man bei der Erleuchtung nicht voran. Sehr wirkungsvolle Meditationen werden im Sitzen praktiziert. Im Zazen  sagen wir: "Körper und Geist fallen lassen". Durch Zazen konnte ich mich aus einer fast aussichtslosen Berufs-Krise befreien. Ähnliches gilt für die Koan-Meditation.  Dabei ist der gerade und senkrechte Rücken von zentraler Bedeutung. Diese Sammlung ist das Gegenteil von Hektik, Stress, Zerstreutheit und Fragmentierung der Gedanken und Gefühle. Derartiges oberflächliches Multitasking widerspricht unserem wahren Geist und ist ihm grundsätzlich fremd. Oder um es klarer auszudrücken, solches Multitasking im Stress kann von unserem Geist überhaupt nicht geleistet werden und ist ein gravierendes Hemmnis auf dem Erleuchtungs-Weg: Großer Frieden und wunderbarer Flow.

Ich habe auch gute Erfahrung mit meditativer Bewegung gemacht, also Flow: Bogenschießen und Zen-Flöte.

 Wir sollten jeden Tag mindestens einmal am Tag  aus Stress, Hektik und Zukunfts-Angst aussteigen. Das ist der natürliche Weg zur Erleuchtung. Diese Wahrheiten der Erleuchtung sind seit über zweitausend Jahren erprobt und helfen dir bestimmt!

Das Tor durch aktives Handeln öffnen!

2.) Aktiv handeln und das Ego vergessen

Kürzlich habe ich mich in der Chariteé in Berlin untersuchen lassen und kam mit dem erfahrenen Arzt über Leben und Tod ins Gespräch: Er sagte kurz und trocken: "Wer im Bett liegt stirbt". Wer also nicht aktiv ist und bequem herumliegt, fühlt sich halb tot und stirbt früher. Das gilt natürlich besonders für unsere zweite Lebenshälfte. Und sind nicht manche Menschen schon geistig und spirituell tot, wenn sie körperlich noch leben? Die wichtigsten Zivilitations-Krankheiten sind bekanntlich Bewegungsmangel und Einsamkeit. Und beides erhöht die Gefahr der Demenz. Der Mensch ist nämlich das sozialste Wesen mit wechselwirkenden Handeln auf dieser Erde.

Denn Geben ist besser als nehmen, das ist die große Wahrheit des Mahayana und Zen für ein gutes und sinnvolles Leben.  Die aktuelle Gehirnforschung hat diese Wahrheit übrigens eindeutig bestätigt! Das ist auch die Wahrheit des Bodhisattva-Handelns. Und der Sinn des Lebens wird uns nicht von außen irgenwie zugereicht oder gar vorgeschrieben, sondern den schaffen wir uns selbst durch aktives Handeln. Aber Egoismus schadet vor allem uns selbst und verarmt unser Leben, das ist kein soziales Handeln. Diese tiefe Wahrheit will die heutige, materiell orientierte Werbung allerdings vergessen machen. Aber sie irrt grundsätzlich!

Daher: Aktiv handeln lässt Kummer, Gram und Unsicherheit zur Ruhe kommen und löst sie auf. Gutes Handeln macht frei und heilt seelische und körperliche Schmerzen. Und besonders wichtig die fast mystische Wirkung den Zen-Weges: In zentralen Momenten des Lebens, entscheidet man schnell, mit großer Klarheit und richtig. So verstehe ich die wahre Bedeutung der Leerheit im Augenblick.

3.) Beobachten und Achtsamkeit

Achtsamkeit ist nach Buddha die Klarheit des Augenblicks für Denken, Fühlen, Körper und Handeln. Wie Boris Becker zum Tennis sagt: "Wenn der Moment bleibt". Das ist die möglichst offene und ungehinderte Achtsamkeit des ganzen Menschen für sich selbst und für die wunderbare Klarheit des Augenblicks. Dafür braucht es wirklich mehr als intellektuelle Spitzfindigkeit und komplizierte Philosophie. Von zentraler Bedeutung ist ein realistisches und spirituelles Selbst, das dogmatische Ideologien und Extreme überwunden hat. Und genau so wichtig ist ein lebendiges Wir, also die positive Wechselwirkung mit anderen Menschen, mit und ohne Worte. Das ist gute Empathie und das Gegenteil von Narzissmus und aufgeblasenem Ich-Stolz. Auch das Ich-Gejammer führt nicht weiter. Die großen Meister Nagarjuna und Dogen haben diese Wahrheiten der Achtsamkeit ganz neu zum Leben erweckt. Aus der Gehirnforschung wissen wir übrigens, dass es für Empathie bestimmte neuronale Leistungen gibt, die von vernetzten Spiegel-Neuronen erbracht werden.

Durch das Training der Achtsamkeit kommen wir auf dem Weg der Erleuchtung wirklich voran. Und wie Dogen es nach seinem großen Erleuchtungs-Erlebnis sagte: "Ich bin weicher geworden" ! Er hatte nämlich erst in China die wahre Zen-Meditation erfahren und verwirklicht.

4.)  Genaue Unterscheidungen und richtige Entschlüsse

Buddha nennt als wichtigen Faktor der Erleuchtung die rechte Unterscheidung. Warum? Dadurch lernen wir uns selbst kennen: unser Denken,  Fühlen und Handeln. Uns wird dann immer klarer, was heilsam ist für uns und was nicht. Mit diesen echten Erfahrungen können wir unsinnige Weltanschauungen, Ideologien und Fake-News durchschauen und entkräften. Der Erleuchtungs-Faktor Unterscheidung ist besonders wichtig, weil manche buddhistischen Linien der gründlichen Unterscheidung von Dingen, Phänomenen und Entwicklungen eine viel zu geringe Bedeutung geben. Ganzheit und Genauigkeit im Detail sind keine Gegensätze, sondern haben eine besonders gute Wechselwirkung. Sie sind beide wichtige Faktoren des Erwachens.

Es kommt darauf an, die ganzheitliche Sichtweise einerseits und die präzise Unterscheidung andererseits zu üben und weiter zu entwickeln. Das ist von großer Bedeutung, um die Praxis des Lebens selbständig zu meistern und frei zu werden. Und dieser Entwicklungsprozess verläuft dabei in mehreren Schritten, in einer fortlaufenden, verbundenen Kette, wie Vasubandhu sagt. Also dran bleiben!

Wie wir im Zen sagen: "Mit der Faust die Eisenplatte durchschlagen!" Sich nicht wegducken, wenn es wirklich darauf ankommt und auch nicht in die Komfort-Zone oberflächlicher und falscher Spiritualität flüchten. Dann braucht man manchmal im Augenblick sogar den Kampf-Modus. Wie beim Bogenschießen: Der Schuss entscheidet sich im Moment des Abschusses, nicht vorher und schon gar nicht nachher. Der Schuss wird dann gut, wenn das Ego nicht stört! Richtige Entscheidungen sind besonders wichtig für den großen Frieden. Das ist auch meine eigene Erfahrung.

 5.) Energie und Freude

 Und wie entwickeln wir bisher ungekannte Energien? Durch Freude! Denn Freude macht klug und kreativ, das wissen wir aus der aktuellen Gehirnforschung. Also beobachte dich selbst: Was bringt dir wirkliche Freude und damit Energien, und was nicht? Oder anders ausgedrückt: Die tiefgründigen Entwicklungs-Prozesse auf dem Weg zur Befreiung sind nicht zuletzt wahre Freude. Künstlich erzeugte Glückszustände sind schlimme Sackgassen, etwa durch Drogen und Illusionen.

Buddha nennt gesammelte Energie als einen wichtigen Faktor von sieben zur Erleuchtung . Ein erwachter Mensch entwickelt durch Freude im Augenblick die Energie zum Handeln und zu geistigem und psychischem Tun. Wer sich in seinem Leben überhaupt nicht anstrengen will und keine eigene Energie entfaltet, wird auf dem Weg der Erleuchtung nicht vorankommen. Der Ausspruch "Nichts tun" darf nicht falsch verstanden werden, wie es bei manchen Aussteigern und angeblichen Querdenkern zu beobachten ist. Es geht auch um „geschenkte“ Energie, zum Beispiel von der Natur, von anderen Menschen und dem Kosmos, aber vor allem um die eigenen Energie: "dran bleiben". Wir dürfen nicht vergessen: Der Buddha-Weg eröffnet und verstärkt gerade die eigenen Energien und bisher ungeahnte Potentiale!

6.) Gleichgewicht, Gestilltheit und Gleichmut

Die Gestilltheit ist bei Buddha ein sehr wichtiger Faktor des Erwachens. Es geht vor allem darum, nicht immer etwas Anderes haben zu wollen, das man nicht hat, und mit dem zufrieden zu sein, was man jetzt hat. Gestilltheit führt zu Gleichgewicht, Ruhe und Gleichmut. Es handelt sich dabei um das Gleichgewicht unseres Gemüts, um es altdeutsch zu sagen, also unsere ausgeglichene Gestimmtheit und unseren zufriedenen geistig-psychischen Zustand. Also kurz: Wie und Wann bist du gut drauf. Das möchtest du doch sicher häufig erleben?

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