Dienstag, 22. Juli 2014

Der Geist ist das ganze Leben und Sterben



Wie Dōgen in dem zentralen Kapitel des Shōbōgenzō „Die Sein-Zeit der Wirklichkeit im Hier und Jetzt“ ausführt, gibt es im Buddhismus eine unauflösbare Einheit der Wirklichkeit und Wahrheit einerseits und der wahren Zeit andererseits. Außerdem sind Geist und Zeit ohne jeden Abstand und ohne jede Unterscheidung, sodass „kein Haar dazwischen passt“.

Diese Einheit, die Überwindung des Dualismus, kann durch unterscheidendes Denken nicht erfahren werden, denn dies basiert auf der Tätigkeit des Verstandes und kann daher nur die gedankliche und theoretische Teilsicht der Wirklichkeit und Wahrheit vermitteln. Solche Gedanken und Ideen des Menschen, und seien sie noch so intelligent, sind damit nur ein kleiner Teil des hier von Dōgen beschriebenen Geistes, der nicht erfasst werden kann, und dürfen nicht mit ihm verwechselt werden.

Wir gelangen mit Dōgen zu der wesentlichen Aussage:

Der Geist ist das ganze Leben und Sterben sowie Kommen und Gehen, ist also das Handeln und das Leben selbst.

Diese totale Wirklichkeit kann nicht durch Denken erfasst werden, sondern es gibt nur einen umfassenden intuitiven Zugang in der Gegenwart, im klaren Hier und Jetzt und im tätigen Handeln. Damit verschiebt sich die Frage, ob man den Geist erfassen kann oder nicht, dahingehend, dass die umfassende Wirklichkeit des Hier und Jetzt nicht vollständig begriffen und schon gar nicht mit dem unterscheidenden Verstand gedacht werden kann.

Diese Wirklichkeit umfasst sowohl die Lehre des Buddhismus als auch alle konkreten Gegebenheiten und Dinge wie Mauern, Zäune, Ziegel und Kieselsteine - in der Tat eine für westliches Denken erstaunliche Aussage. Dann ist diese Wirklichkeit also ganz real, vielfältig und unser Alltag. Der Geist offenbart sich laut Dōgen in der Wirklichkeit, der buddhistischen Praxis und im Alltag. Er ist nichts Dauerhaftes oder Statisches und bleibt nicht irgendwo konstant am Ort oder im Ablauf der Zeit. Aber je nach Klarheit des Menschen gibt es sehr unterschiedliche konkrete Zustände eines solchen handelnden Geistes:

"Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen"

Das Denken über den Geist kann also mit dem Bild des Reiskuchens verglichen werden, auf das Dōgen im Kapitel „Die Stimmen des Tales und die Form der Berge“ eingeht. Dieses Bild ist ein stark vereinfachtes Modell der Wirklichkeit. Als solches ist es durchaus von gewissem Nutzen. Aber man kann dieses Modell nicht essen, um seinen Hunger zu stillen und sich zu ernähren.


In diesem Sinne kannte der Gelehrte Tokuzan zunächst nur die Theorie des Diamant-Sūtra, hatte also nur das Abbild oder Modell der Wirklichkeit erfasst. Erst durch das Lernen in der Praxis unter einem wahren buddhistischen Meister konnte er zur Wirklichkeit, Wahrheit und Freiheit vorstoßen. Erst dadurch wurde er von einem Gelehrten zu einem buddhistischen Lehrer und Meister, der anderen Menschen den Buddha-Dharma lehren konnte.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Die alte Frau verkauft keinen Reiskuchen an den großen Gelehrten





Dōgen gibt eine bekannte Geschichte über die Begegnung eines Gelehrten mit einer einfachen Frau wieder, die am Wegesrand Reiskuchen verkauft. Er zitiert dabei eine zentrale Aussage aus dem Diamant-Sūtra:

„Der vergangene Geist kann nicht erfasst werden, der gegenwärtige Geist kann nicht erfasst werden, und der zukünftige Geist kann nicht erfasst werden.“

Um zu erfahren, was dieser Satz wirklich bedeutet und was es heißt, dass der Geist nicht erfassbar ist, sind nach Dōgen theoretische Studien unzureichend, da die Lehre des Buddha-Dharma unauflösbar mit der Praxis und der authentischen Übertragung durch einen wahren Meister verbunden ist. Dies wird durch die Geschichte von der alten Verkäuferin und dem berühmten Gelehrten Tokuzan beleuchtet.

Er war der große Experte des Diamant-Sūtra und hatte umfangreiche Kommentare dazu verfasst. Auf sein intellektuelles Können war er sehr stolz, und er nahm sich selbst außerordentlich wichtig. Auf einer Reise zu einem konkurrierenden Meister begegnete er der alten Reiskuchenverkäuferin. Tokuzan stellte sich ihr als „König des Diamant-Sūtra“ vor und bat sie, ihm Reiskuchen zu verkaufen, weil er seinen Geist erfrischen wolle.

Sie wollte ihm jedoch nur Kuchen verkaufen, wenn er ihr eine Frage beantworten könne, und sie sagte:

„Ich habe gehört, dass es im Diamant-Sūtra heißt: ‚Der vergangene Geist kann nicht erfasst werden, der gegenwärtige Geist kann nicht erfasst werden, und der zukünftige Geist kann nicht erfasst werden.‘ Welchen Geist willst du mit meinem Reiskuchen erfrischen?“

Der Gelehrte war verblüfft, und es verschlug ihm tatsächlich die Sprache. Daraufhin weigerte sich die alte Frau konsequent, ihm die gewünschten Reiskuchen zu verkaufen. Er empfand das Ganze als eine sehr bittere Niederlage.

Schließlich überwand Tokuzan jedoch seinen geistigen Hochmut und setzte seine Reise zu dem großen Meister fort, den er nicht mehr als Konkurrent ansah. Er wurde dessen Schüler und erhielt schließlich die Dharma-Übertragung und Bestätigung als buddhistischer Meister. Sein bisheriges rein theoretisches Verständnis hatte er überwunden und die Praxis von Körper-und-Geist erlernt. Erst damit hatte er Zugang zum wahren Inhalt des Diamant-Sūtra gefunden.

Was bedeutet nun die Aussage, dass der Geist nicht erfasst werden kann? Dōgen lehnt die Spekulation ab, dass es gar keinen Geist gibt und dass man ihn schon deswegen nicht erfassen könne. Das wäre zu einfach. Er widerspricht auch der Vorstellung, dass der Geist jedem einzelnen Menschen schon immer auf selbstverständliche Weise innewohnt und deshalb nicht erfasst werden kann. Diese beiden Ansichten entspringen theoretischem Denken und stimmen nicht mit dem Buddha-Dharma überein.

Allerdings sei es in Bezug auf die obige Geschichte nicht klar, ob die alte Frau wirklich mit ihrem Reden und Handeln in der Wahrheit des Buddha-Dharma gewesen ist, gibt Dōgen zu bedenken. Der Gelehrte Tokuzan hätte sie selbst nach dem Geist befragen müssen, damit sie ihrerseits hätte erklären müssen, wie sie die Aussage des Diamant-Sūtra versteht. Das war aber nicht geschehen.

Dōgen sagt, dass eine solche Frage nur jemand stellen kann, der
das strahlende Licht und die klare Erscheinung eines ewigen Buddhas hat“.



Dabei müsse es zu einem buddhistischen Handeln des „Aufgreifens und wieder Loslassens“ kommen, und man dürfe sich weder auf die eine noch auf die andere Idee und Antwort versteifen und daran festhalten. Das habe Gautama Buddha ganz eindeutig gelehrt: Der Buddhismus ist keine Ideologie sondern eine praktische Lebens-Philosophie.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Buddhistische Ethik: ein neues Buch von Nishijima Roshi und mir:



Eine einfache Einführung in die lebensnahe Ethik des Zen, für unseren Alltag und für ein besseres Leben.
Die buddhistische Befreiung und Erleuchtung ist mit konkretem, ethisch richtigem Verhalten und Handeln wirklich möglich! Das ist die zentrale Botschaft dieses Buches. Die überlieferte christliche Ethik verliert an Verbindlichkeit. Dadurch haben die Menschen ihren Lebenskompass verloren, und es droht die Gefahr eines ethischen Chaos. Hier setzt dieses Buch an: Der Buddhismus stellt keine utopischen, unerfüllbaren Forderungen, sondern hat konkretes gutes Handeln und Leben zum Ziel. Es geht nicht darum, den angeblich „sündigen“ Menschen zu disziplinieren, sondern das in jedem vorhandene Potenzial zum ethischen Handeln zu entfalten und damit die Befreiung zu verwirklichen. Dabei ist die Zen-Meditation eine große Hilfe.

Dieses Buch gibt es als Hardcover-Druck und als E-Book (sehr preiswert).
Zum Beispiel im Internet:

Dienstag, 27. Mai 2014

Die Frage des Gottes Indra


Dōgen erzählt eine legendäre Geschichte, in welcher der Gott Indra den Zen-Meister Daisho fragte, wie man „Freiheit vom Werden“ erlangen könne.

Daisho antwortete:
Du kannst die Freiheit vom Werden durch das Praktizieren der Wahrheit erlangen.“

Der Gott Indra fragte weiter, was die Wahrheit sei, und der Landesmeister erwiderte:

„Geist im Augenblick ist die Wahrheit.“

Als der Gott Indra weiter beharrte, was dies bedeute, sagte der Meister:

„Dieser Ort ist der Zustand der prajna-(Weisheit)“,

und er zeigte mit seinem Finger auf diesen Ort. Damit meinte er, dass dieser Ort selbst „das Netz der Perlen“ ist, also die Wirklichkeit, die schön wie eine Perlenkette ist.

Mithilfe dieser Kōan-Gespräche fasst Dōgen den Kern des Zen-Buddhismus zusammen: Der Geist kann nicht von den Dingen der Welt wie Mauern und Kieselsteinen getrennt werden. Die Frage nach dem ewigen beständigen Buddha beantwortet er mit der konkreten Begegnung zwischen einem fragenden Mönch und Daisho als Meister. Abstraktes Theoretisieren führt also im Buddha-Dharma oft nicht weiter. Es ist nur Futter für Spekulationen und Gehirnakrobatik. Freiheit, Emanzipation und die Unabhängigkeit bei Veränderungsprozessen erlangt man durch das Praktizieren der Wahrheit.

Der unfassbare Geist ist nach Dōgens Verständnis der Augenblick jetzt und der Ort hier. Dies ist nicht nur die höchste Weisheit des Buddha-Dharma, sondern auch leuchtend schön wie die Perlen.

Seine Schlussfolgerung lautet, dass wir Körper-und-Geist von Buddhas Wahrheit zusammen in der Praxis erlernen: Dieser

„Zustand ist jenseits von Denken und Wahrnehmung der gewöhnlichen Menschen und Weisen und Heiligen.“ Auf diese Weise „müssen wir in der Praxis meistern ‚Geist kann nicht erfasst werden‘.“


Dienstag, 20. Mai 2014

Buddha-Dharma: Die höchste Stufe des Geistes


Die zentrale Frage beim Erkennen des Geistes lautet:
Ist die Aussage des indischen Gelehrten, dass er den Geist anderer erkennen könne, auf dem Buddha-Dharma gegründet oder nicht?
Dōgen vertieft seine Überlegungen, indem er fragt, was im Sinne von Buddhas Wahrheit die Wirklichkeit der anderen Menschen ist. Dasselbe gilt für den Geist und die Kraft, diesen zu kennen. Er sagt:

„Aber was dieser Gelehrte Sanzō jetzt sagt, ist überhaupt nicht im Einklang mit Buddhas Wahrheit. Wie könnte es der Buddha-Dharma genannt werden?“

Und er fügt hinzu:
Selbst wenn (Sanzō) irgendetwas beim dritten Mal sagen würde, wäre es wie bei den beiden ersten Malen entgegengesetzt zu den Prinzipien des Buddha-Dharma und entgegengesetzt zur grundlegenden Absicht des Landesmeisters. Es muss kritisiert werden.“

Mit dieser klaren Feststellung unterscheidet sich Dōgen von den alten anderen Zen-Meistern, die sich vor allem auf das dritte Mal der Frage konzentrieren, als der Gelehrte keine Antwort mehr geben konnte. Dōgens Einschätzung scheint in der Tat plausibel, weil der Meister sicher nicht genau dieselbe Frage wiederholt hätte, wenn die beiden ersten Antworten im Sinne des Buddha-Dharma korrekt und angemessen gewesen wären. Beim dritten Mal wurde für den Landesmeister klar, dass er die Frage beliebig häufig hätte wiederholen können, ohne dass er eine ausreichende Antwort erhalten hätte.

Außerdem bezweifelt Dōgen, dass die anderen verehrten alten Meister selbst den Körper-und-Geist des Landesmeisters Daisho wirklich kennen. Ihre Aussagen zeigten ihm, dass sie nicht auf der höchsten Ebene von Meister Daisho seien. Dessen Ebene schätzt er auch höher ein als den höchsten Zustand der Bodhisattvas, deren Entwicklung in 52 Stufen unterteilt wird. Die zweithöchste Stufe ist das Gewahrsam im Gleichgewicht und die höchste das subtile Gewahrsam.

Letzteres wird nach alter indischer Legende im sogenannten Tushita-Himmel erreicht. Gemäß dieser Lehre kommt der Bodhisattva nach seiner höchsten Stufe aus dem Tushita-Himmel wieder auf die Erde und wird dann ein Buddha. Vereinfacht ausgedrückt kann man Dōgen so verstehen, dass er den Meister Daisho als Buddha ansieht, der die 52 Stufen des Bodhisattva bereits durchlaufen hat. Für einen gewöhnlichen Menschen wie Sanzō ist es deshalb natürlich völlig unmöglich, den höchsten Zustand des Landesmeisters zu kennen.

Wir müssen (die Wahrheit) dieses Grundprinzips klar bestimmen. Wenn (Menschen) behaupten, dass auch Sanzō den Körper-und-Geist kennt oder erlangen würde, liegt dies daran, dass sie selbst den Körper-und-Geist des Landesmeisters nicht kennen.“

Damit will Dōgen jedoch sicher nicht sagen, dass er die zitierten ehrwürdigen Zen-Meister als gewöhnliche Menschen einschätzt. Er fügt hinzu, dass viele Anhänger des frühen Buddhismus ebenfalls nicht mit diesem Landesmeister verglichen werden können und dass sie ihn nur peripher erkennen können.

Der Körper-und-Geist des Landesmeisters kann nicht einmal von Menschen erfasst werden, die übersinnliche Kräfte erwerben oder die Praxis und (davon getrennte) Erfahrung erlangen.“

Denn bei der Trennung von Praxis-und-Erfahrung entsteht nach Dōgen die Befleckung, insbesondere wenn mit dem Ziel der eigenen zukünftigen Erleuchtung praktiziert wird. Nur in der Einheit von Praxis-und-Erfahrung der großen Wahrheit im gegenwärtigen Augenblick ist die Wirklichkeit und Erleuchtung vorhanden. Das betont er vor allem im Fukan zazengi und in mehreren Kapiteln im Shōbōgenzō.


Dienstag, 13. Mai 2014

Materielle Abbildungen im Gehirn sind nicht der Zen-Geist


Zu dem Gespräch zwischen Zen-Meister Daisho und dem indischen Gelehrten Sanzō über die Frage, ob der Inder den Geist des Meisters erkennen könne, zitiert Dōgen fünf berühmte Aussprüche alter Meister. Diese Zitate beleuchten verschiedene Aspekte des Kōan-Gesprächs zwischen Daisho und Sanzō, aber sie sind nicht einfach zu verstehen und sollen hier nicht im Einzelnen wiedergegeben werden.

Klar ist, dass der indische Gelehrte Sanzō von den alten Zen-Meistern mit unterschiedlichen Argumenten kritisiert wird. Auf der Grundlage dieser überlieferten Äußerungen entwickelt Dōgen dann seine eigene Kritik, die tatsächlich umfangreicher und fundierter ausfällt als die der zitierten Meister. Allerdings lobt er diese an anderen Stellen im Shōbōgenzō ausdrücklich und schätzt sie als buddhistische Meister sehr. Das gilt vor allem für Jōshū, Kyōzan und Gensa. Er gibt zu bedenken:

„Diese fünf verehrten Vorfahren im Dharma sind alle präzise, aber es gibt wichtige Dimensionen, die sie beim Verhalten des Landesmeisters (Daisho) nicht erfasst haben, indem sie Sanzōs Versagen nur beim dritten Mal (als er gar nicht antwortete) diskutieren. Sie scheinen zuzugestehen, dass (Sanzō) die beiden ersten Male (den Geist Daishos richtig) erkannt hat.“

Der Landesmeister Daisho hatte ja den Auftrag, den indischen Gelehrten Sanzō auf die Probe zu stellen, ob dieser wie er von sich behauptete, den Geist anderer Menschen erkennen könne. In dieser Absicht stellte er ihm die Frage:

Sag mir, wo dieser alte Mönch genau jetzt ist.“

Genau betrachtet zielt diese Frage nicht direkt darauf ab, ob Sanzō den Geist des Meisters kennen kann, sondern Daisho fragt „nur“ danach, an welchem umfassend verstandenem Ort er genau zum jetzigen Zeitpunkt sei. Es geht also gar nicht nur darum, den Geist oder zumindest die Gedanken des Meisters oder eines anderen Menschen zu lesen. Dōgen sagt dazu:

„Die Absicht, die (hier) ausgedrückt wird, besteht darin, festzustellen, ob Sanzō überhaupt den Buddha-Dharma kennt oder nicht.“

Wäre dies der Fall, so würde der Inder die Frage des Meisters nach der großen Buddha-Lehre untersuchen und zum Beispiel fragen:

„Bin ich an diesem Ort, bin ich an jenem Ort, bin ich im höchsten Zustand des Bodhi, bin ich im prajna-paramita, bin ich schwebend im Raum, stehe ich auf der Erde, bin ich in einer Strohhütte, bin ich am Ort des Schatzes?“

Alle diese möglichen und zentralen buddhistischen Fragen müsste Sanzō aus dem Verständnis und der Erfahrung des Buddha-Dharma erkennen und beantworten, wenn er mit seiner Behauptung, den Geist anderer lesen zu können, den umfassenden Buddha-Geist meinen würde, also nicht nur einzelne Gedanken oder Bilder, die vielleicht im Gehirn des anderen auftauchen. Ein solcher Geist ist immer die Einheit von Körper-und-Geist. Durch seine Antwort lässt Sanzō jedoch erkennen, dass er viel vordergründiger und nur materiell-räumlich denkt. Er kann also die eigentliche Absicht der scheinbar einfachen Frage Meister Daishos nicht erfassen, und deshalb „bietet er sinnlos Sichtweisen und Meinungen des gewöhnlichen Menschen der zwei Fahrzeuge und Ähnliches an“, wie Dōgen festhält.

Auch als der Meister seine Frage zum zweiten Mal wiederholt, wird Sanzō nicht klar, dass er tiefer in die Absicht und den Sinn eindringen muss, wenn er diese „Prüfung“ bestehen will. Bei der dritten Wiederholung der Frage bleibt der indische Gelehrte sprachlos und ist so verwirrt, dass er nicht antworten kann. Es ist ihm wohl deutlich geworden, dass er nicht in der Lage ist, aus dem Verständnis und der Erfahrung des Buddha-Dharma zu antworten oder gar ein Dharma-Gespräch mit dem großen chinesischen Meister zu führen. Ihm muss klar geworden sein, dass sein Ansehen in China und insbesondere bei diesem Meister und dem Kaiser völlig ruiniert war und dass seine Behauptung, den Geist anderer zu erkennen, als Lüge entlarvt wurde.

Dōgen fasst dann die Kommentare der großen Meister in dem Sinne zusammen, dass diese unterstellten, der Inder Sanzō habe mit seinen beiden ersten Antworten die Frage nach dem Ort, an dem sich der Meister befindet, zufriedenstellend beantwortet. Dies treffe aber nicht zu, denn die Frage des Landesmeisters ist viel umfassender und geht viel tiefer. Die Antworten des Inders seien vordergründig-konkretistisch und hätten keinen Bezug zum wahren Buddha-Dharma. Es geht also um eine grundlegende und umfassende Kritik an dem Gelehrten und nicht nur darum, ihn für sein Schweigen bei der dritten Frage und seine Hilflosigkeit gegenüber der harschen Kritik inkompetent erscheinen zu lassen.


Freitag, 9. Mai 2014

Inhaltsverzeichnisse wieder aktuell

Liebe Freundinnen und Freunde des ZEN,

jetzt sind die beiden Inhaltsverzeichnisse der Dogen-Blogs wieder aktualisiert: Insgesamt können ca. 450 buddhistische Themen angeklickt werden.

Das Problem bestand darin, dass die Blog-Software nicht so viele Links verarbeiten konnte und daher ein Kuddel-Muddel erzeugte. So habe ich das Inhaltsverzeichnis geteilt:

1. Übersetzungen von Nishijimas Blog und meine älteren Beiträge bis September       2011


2. Meine Beiträge ab September 2011 bis jetzt


Bitte  zur Benutzung oben anklicken.

Viele Freude bei der Suche! Ich war selbst von der Fülle der buddhistischen Themen überrascht; übrigens ist die Nutzung aus dem Ausland erstaunlich rege.

Mit herzlichen Grüßen
Yudo J. Seggelke