Dienstag, 20. Oktober 2020

Buddhistischen Mitte: Falsche Ideologien und Fake News kommen zur Ruhe

(Aus meinem neuen Buch: Sternstunden des Buddhismus, Band 3)



Meister Nāgārjuna sagt in dem grandiosen Werk des Mittleren Weges: Wenn nun die Befreiung und Emanzipation des Menschen gelingt, kommen Unwissenheit und Verblendung zur Ruhe. Sie sind beendet! Und Extreme sind unwahr. Dann kommt die rechte Dynamik der heilsamen formenden Kräfte des Menschen in Gang. Die unheilsamen und hemmenden formenden Kräfte der Extreme sind dann überwunden und wirkungslos. Einseitige Behauptungen sollten wir vermeiden. Der Mensch lebt dann mit Freude und im handelnden Flow, denn Freude und Handeln sind nach den Gehirnforschung eng miteinander verbunden. Was ist dabei wichtig: Gleichgewicht, Achtsamkeit und Meditation. Aus der Mitte kommt die wahre Kraft.

Glück und Freude machen klug und kreativ. Stress und Angst machen dumm und depressiv. Neu auftretende Probleme können nach der Befreiung gelassen bewältigt werden. Alle fünf Komponenten des Menschen wirken dann sinnvoll zusammen. Die formenden bewussten und unbewussten formenden Kräften können sich in Harmonie ungehindert in Wechselwirkung kreativ weiterentwickeln. Denn die Entwicklung des Menschen geht auch und gerade nach der Erleuchtung und Befreiung weiter. Erleuchtung ist kein statischer Zustand einer erstarrten Schein-Substanz. Darauf hat auch der große Zen-Meister Dōgen in aller Klarheit hingewiesen.

Nagarjuna sagt wörtlich im Mittlerer Weg, Vers 26.11


Wenn das Nicht-Wissen zur Ruhe gekommen ist, entwickelt sich kein (unheilsames) Zusammen-Werden der  formenden Kräfte (des Menschen).

Das Nicht-Wissen kommt aber durch die Entwicklung eben dieser heilsamen Kenntnis (der Befreiung) zur Ruhe.

Dieses Wissen und Können ist der Weg Buddhas aus dem Leiden. Aus Stress und Angst in die Freiheit des inneren Gleichgewichts und der Autonomie. Buddha sagt zu einem solche Menschen: "Unabhängig lebt er und haftet an nichts in der Welt!" Dies gilt besonders in schwierigen Zeiten wie in der jetzigen Corona-Pandemie! der Buddhismus eröffnet neue Chancen zur Überwindung der Krise.

Meister Nishijima erläutert: „In den verschiedenen Formen der Ignoranz oder in verschiedenen restriktiven Bedingungen kann wirkliches Handeln überhaupt nicht stattfinden. Restriktionen, die durch Ignoranz entstehen, sind immer weit weg von der Realität und führen zur Isolation und in die Sackgasse. Dies gilt, wenn man dem ignoranten Wissen folgt und wenn man die eigentlich konkrete Dinge in diesem Irrtum (falsch) anpackt.“[1] Gutes Handeln wird durch Gier und Hass verhindert.

Wahres Handeln ist vollkommen verschieden vom wildem Denken und von der ungehemmten Stimulierung der Sinnesorgane. Denn Ignoranz und Restriktion sind wirklich nur Konzepte. Man kann sich wunderbare Vorstellungen machen, was man alles tun und leisten will, aber es geht um die wirklichen Fähigkeiten und die wirkliche Realisierung beim Handeln. Über die Ignoranz kann man viel diskutieren, aber das ist kein wahres Verstehen. „Ignoranz und Intelligenz sind nur ‚Aufkleber‘ und Konzepte: Sie sind nur Restriktionen, aber keine Wirklichkeit.

Dies ist so, weil die Dinge, Phänomene und Ereignisse genau das sind, was sie sind.

Restriktionen sind aber Täuschungen. Wenn man sie im Geist hat, bedeutet das, etwas zu imaginieren, was nicht wirklich ist“, betont mein Lehrer Meister Nishijima. Klares Denken ist in Wechselwirkung mit klarem Handeln.

Zum weiter lesen


[1] Nagarjuna: Fundamental Wisdom of the Middle Way. Commentary by Gudo Wafu Nishijima and Brad Warner.


Donnerstag, 8. Oktober 2020

Die intuitive große Intelligenz im Zen, jenseits des Denkens

Ist das nicht paradox und ein Widerspruch? Nein, denn es geht im Zen grundsätzlich um ein anderes universelles und umfassendes Denken als das übliche eingeengte Denken! Es geht um die großen intuitiven und unbewusste Leistungen unseres Gehirns und Geistes. Es geht um die wunderbare Gesamtheit von Körper und Geist. Denn auch der Körper besitzt großes Wissen. Diese alles erfahren wir in der Meditation des Zazen. Das übersteigt das bewusste und eventuell abstrakte intellektuelle Denken, das aber verengt ist. Und es wird in unserer Welt meist viel zu hoch eingeschätzt. Warum gibt es denn heute so viele selbst erzeugte Probleme und Dramen?

Meister Dogen sagt: "Wenn wir die Wahrheit jetzt genau untersuchen ist diese natürliche große Wahrheit schon da, um uns herum,... Und darüber hinaus übersteigt der ganze Körper bei weitem Staub und Schmutz". Wenn wir aber im Dualismus von Körper und den Geist des Intellekts oder sogar im Streit hängen bleiben, "ist die Trennung so gewaltig wie zwischen Himmel und Erde". Du lässt dann einen großen Teil deiner geistigen Power ungenutzt.

Das wahre umfassende Denken ist also jenseits des intellektuellen aber eingeengten Denkens, das wir im Westen auch bewusstes Denken nennen. Dieses klare umfassende Denken des Zen ist aber jenseits des üblichen Denkens. Es eröffnet  neue Dimensionen des Geistes. Und des Handelns: die positive Wechselwirkung von Geist und Tun! Das ist wahrer ZEN.

Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass das bewusste Denken nur ein sehr kleiner Teil unseres Gehirns ist. Die umfassenden Fähigkeiten des Gehirns und unseres Geistes können aber viel mehr, als wir meistens denken. [1]

Daher sagt der bekannte Gehirnforscher Manfred Spitzer: Das bewusste Denken ist nur für einfache Fragen und Entscheidungen des Lebens nützlich. Für komplizierte Probleme und Entscheidungen ist unser Unbewusstes und damit unsere Intuition viel leistungsfähiger. Man kann also diese großen Stärken des Unbewussten für sich gut arbeiten lassen. Das ist  die umfassende Intuition, die wir im Zen entdecken und weiter entwickeln. Diese universelle Intuition ist trainierbar und kommt bei der Meditation zum Zuge. Sie ist offen und eine machtvolle Steuerungskraft unseres Lebens.

Daher mein Tipp besonders in schwierigen Lebensfragen und Problemen: Mit dem bewussten Denken sollten wir zunächst möglichst viele verschiedene Teilbereiche unseres Problems angehen und sie gut untersuchen. Also ist es sinnvoll viele Informationen einfach sammeln. Das heißt sich möglichst gut ganzheitlich zu beobachten, ohne dem Ego zu verfallen. Buddha nennt das die Achtsamkeit. 

Und dann überlässt du am besten die Arbeit deiner Intuition und deinem Unbewussten. Störe bitte nicht  dein Unbewusstes durch unnötiges Denken und Grübeln. Das bringt nichts und schadet nur, du drehst dich dann im Kreis und kommst mit deinem Problem nicht weiter. Also ins Bett gehen und schlafen, etwas anderes tun wie Wandern, Sport machen oder Musik hören usw.. Zen-Meditation ist dabei besonders wirksam, Dogen sagt: "Körper und Geist fallen lassen!" Meist erkennst dann später eine gute Lösung, fast von allein. Diese Erkenntnis  gibt uns der Zen und sie ist durch die aktuelle Gehirnforschung voll bestätigt. Dann kannst Du dein Problem wirksam angehen und gute Lösungen finden

Und die großen alten buddhistischen Meister kannten diese tiefe Weisheit der intuitiven Intelligenz schon vielen Jahrhunderte vor unserer Wissenschaft, besonders natürlich Buddha und Zen-Meister Dogen.



[1] Nach Manfred Spitzer ist die Leistung des Unbewussten mehr als hundert tausend mal größer als des Bewussten. Das Unbewusste, die Intuition und deren Steuerungskraft bezeichnete Buddha übrigens als samskara.

Dienstag, 29. September 2020

Neue Interpretation des Yogacara und Übersetzung aus dem Urtext des Vasubandhu


Die Kernlehren des Yogacara sind in der Literatur umstritten und verwirrend. Ich habe versucht, mir anhand der Litratur ein stimmiges und überzeugendes Bild von der authentischen Lehre des Meisters Vasubandhu zu machen. Leider ist mir das nicht gelungen: Zu weit divergieren diese sicher intelligenten Aussagen.1)

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Was ist zu tun
? Wir müssen eine neue möglichst wortgetreue Übersetzung aus dem Urtext des Sanskrit machen. Von einer Übersetzung aus anderen Sprachen ist daher abzuraten. Dieser neu übersetzte Urtext muss die Grundlage einer zeitgemäßen Interpretation sein.

Die erste Kernfrage lautet: Sollen wir von einer weitgehenden Überstimmung mit dem authentischen Text des frühen Buddhismus ausgehen oder nicht? Ich meine ja. Begründung: Buddha ist ein so überragendes Genie der Menschheit, dass die Falsifizierung seiner Lehre mir abenteuerlich oder ignorant erscheint. Weder Nagarjuna, Mittlerer Weg, noch Vasubandhu, Yogacara, und auch nicht Dogen, Zen-Buddhismus, haben etwas anderes behauptet. Es geht die Weiterentwicklung und Integration des Buddhismus mit dem Zeitgeist und den verschiedenen Kulturen.

Danach kann Yogacara also nicht abstrakt-metaphysisch, überspitzt philosophisch oder idealistisch sein. Yogacara ist auch kein grundsätzlich neuer Buddhismus, sondern konzentriert sich auf die Ganzheit von Geist und Psyche des realen Menschen, wie Du und ich. Yogacara lehnt weder Form und Körper noch Wahrnehmung des Menschen grundsätzlich ab.

Vasubandhu hat die buddhistische falsche Doktrin von unveränderlichen ewigen Substanz von Menschen und Phänomenen, Dharmas, durchschaut. Er hat diese Fehlentwicklung detailliert dokumentiert und falsifiziert. Es handelt sich bei dieser Doktrin um zwar schönes, illusionäres aber falsches Wunschdenken, das reales Leiden nicht überwinden kann.


Er hat auch die Ideologie von metaphysischen zeitlichen Atome durchschaut und abgelehnt, die unendlich klein sind. Das ist die Ideologie der statischen kleinsten Substanzen und Momente. Sicher die super intelligente Denkleistung einer philosophischen Minderheit, aber unbrauchbar und kein authentischer Buddhismus. Vasubandhu ist dieser Ablehnung der modernen Physik zuvor gekommen,weil die Atome wirklich teilbar sind und sich sogar in Prozesse umwandeln können. Materie kann sich auch in Strahlung und Energie umwandeln.

Beide Doktrinen werden übrigens auch von Nagarjuna im Mittleren Weg präzise falsifiziert. Diese Doktrinen sind statisch, starr und unveränderlich und letztlich ideologisch. Bei ihnen gibt es kein Fließen des Geistes und keine Emanzipation. Die buddhistischer Wahrheit ist leer von diesen Doktrinen. Wie sollen wir damit Freiheit verwirklichen? Das ist nicht möglich! Genau dabei setzt der Yogacara präzise an. 

Nach Meister Nishijima wirken im Zen vier Lebens-Philosophien zusammen:  Materialismus, Idealismus und Handeln, aber diese sind nur Teil-Philosophien. Durch die Erleuchtung, (Kensho, Satori)  werden sie  zusammengebracht und vor allem zur Wahrheit überschritten und erweitert. Die Teil-Philosophie des Idealismus kann nicht die Gesamtheit des authentischen Buddhismus sein. Diese Philosophie ist einseitig. Der Idealismus kann sich sogar zu schädlichen Ideologien, extremen Dogmen, Illusionen und Fake News verkehren. Ein solches Verständnis des Yogacara wäre nach meiner Einschätzung verengt und von geringem Mehrwert an Informationen.

Vasubandhu hat meines Wissens auf der Grundlage des authentischen frühen Buddhismus die mentalen und psychischen Phänomene des menschlichen Handeln, Fühlens und Denkens mit neuer Frische vertieft untersucht. Seine große theoretische und praktischer Erfahrung kommen ihm dabei zugute. Sehr vereinfacht gesagt: Beim Menschen läuft alles mit Geist und Gehirn. Aber wie?

Aus meiner Sicht ist seine Kern-Lehre: Bei Allem was wir tun, fühlen, sehen und denken müssen wir die Wechselwirkung mit mentalen und psychischen Informationen von innen und außen einbeziehen. Das wahre Leben ist nicht isolierbar, nicht ideologisch sondern dynamisch vernetzt, eben in Wechselwirkung und im Gleichgewicht. Es ist ähnlich wie das dynamischen Gleichgewicht unseres Sonnen-Systems. Deswegen können wir hier relativ sicher leben. 

Die fortlaufend aktiven Kräfte des Geistes können bewusst oder unbewusst sein. Das ist übrigens auch die Kern-Aussage der aktuellen Gehirnforschung. Vasubandhu geht sogar über die Gehirnforschung hinaus: Für ihn ist die lebendige Spiritualität eine wichtige Voraussetzung für die Erleuchtung. Dem möchte ich zustimmen.

1) David J. Kalupahana: ThePrinciple of Buddhist Psychology, 1987, schätze ich besonders. Ich stimme überein mit meinem Lehrer Meister Nishijima für Zen und den Mittleren Weg. 

Zum Weiterlesen: Die vier Lebensphilosophien



Sonntag, 20. September 2020

Buddhas Gesang der großen ökologischen Verbundenheit

 

Buddhas Lehre ist ein großer Gesang der Verbundenheit mit der Gemeinschaft der Menschen und dem ganzen Universum. Was sagt Meister Dogen dazu? In einem berühmten Kapitel seines Shobogenzo heißt es, dass Buddha in der Meditation beim Aufleuchten des Morgensterns erkannte:

Die ganze Erde und alle Lebewesen verwirklichen zusammen die Wahrheit.“

 Ihm wurde plötzlich umfassend klar, dass er über das gewöhnliche unterscheidende Denken und die isolierende Wahrnehmung hinausgehen konnte. Dann war es möglich, diese Wahrheit und Wirklichkeit der Welt direkt zu erfahren und zu erleben. Das ist die große ökologische Verbundenheit, die manche Menschen heute leider vergessen haben. Das ist die Sehnsucht besonders der jungen Menschen, wenn sie den Raubtier-Kapitalismus der heutigen Großkonzerne und der verantwortungslose Macht-Eliten angreifen:  Das sind menschlich verkrüppelte Narzisten. Sie zerstören unsere ökologische Verbundenheit und unser Erwachen. Sie stecken fest in der Sackgasse des Ego-Materialismus und der sinnlosen Verschwendung!

So verstärken die scheinbar sozialen Netze unsere Einsamkeit, und die digitalen Konzerne verkaufen unsere persönlichen Daten an kapitalistische Gewinn-geile Firmen. Aber wir sollten uns erinnern und aufwachen: Zurück zur Natur und zur ökologischen Verbundenheit mit der Natur. Buddha war wohl der Erste, der diese Einheit mit der wunderbaren, dynamisch vernetzten Ökologie wirklich und tiefgreifend erkannt hat. Das hat der Westen vergessen, verdrängt und die Natur missbraucht. Buddha erkannte die große wunderbare ökologische Harmonie und Wechselwirkung von Menschen und Natur. Er sagte zu den Menschen: Meditiert bitte unter einem schützenden Baum, in der Harmonie des Waldes. Das ist der Gesang des "Großen Wir" mit der Natur.

 Durch das meditative Sitzen im Augenblick, also im Hier und Jetzt verlassen wir das verarmte dualistische Bewusstsein der Trennung von Ich und Du. Wir erfahren unser Leben im Einklang und in der Harmonie mit dem Universum, ganzheitlich und unmittelbar. Das geht natürlich über dualistisches Denken und Fühlen hinaus.

In der großen Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit beschreibt Buddha im Gegensatz dazu die fünf Hemmnisse des Erwachens.[i] Sie blockieren unsere Befreiung und Emanzipation und hemmen unsere Entfaltung. Wir sollten tatkräftig gegensteuern und die Hemmnisse wegbeamen. Welches sind sie?

- Auf oberflächlichen Genuss und Sinnlichkeit gerichtetes Wollen, z. B. durch materielle und sexuelle Gier

- Übelwollen gegenüber anderen Menschen. Das schafft Trennung, Isolation und überhaupt keine  Verbundenheit

- Erstarren und Trägsein ohne aktives Handel, also ohne Dynamik in der Gemeinschaft

-  Aufgeregtheit, Stress und Unruhe ohne inneres Gleichgewicht und ohne Gelassenheit

- Zerstörerische Zweifelsucht durch tiefgreifenden Pessimismus und Nihilismus, oft mit materieller Gier gekoppelt

 Diese Hindernisse und Blockaden versperren uns den Weg zum Erwachen: Sie kennzeichnen ein verengtes Spektrum menschlichen Handelns, Fühlens und Denkens. Buddha sagt zu seiner Sangha über die Achtsamkeit:

„Da weilt ein Mönch bei fünf Hemmnissen.“ Er würde dann erkennen, dass sie eigentlich leer sind. Und wenn er dies erkannt und überwunden hat, ist er "frei und haftet an nichts in der Welt". Frei für das Große Wir.

In der Gemeinschaft, der Verbundenheit mit der Natur und der Meditation befreien wir uns von diesen Hemmnissen: Fridays for Future.


[i] Gäng, Peter: Meditationstexte des Pali-Buddhismus I, S. 39ff.

Donnerstag, 10. September 2020

Wie erlangt man Erleuchtung, Entscheidungskraft und den großen Frieden? Das Ego weg-beamen!

(Aus meinem Buch "Sternstunden des Buddhismus Band 1")

 1.) Meditation und Sammlung

Von großer Bedeutung für den großen inneren Frieden ist die meditative Vertiefung, die meistens als Sammlung bezeichnet wird. Bei den Vier Edlen Wahrheiten ist dies ein wichtiger Teil des Achtfachen Pfades. Ohne Meditation kommt man bei der Erleuchtung nicht voran. Sehr wirkungsvolle Meditationen werden im Sitzen praktiziert. Im Zazen  sagen wir: "Körper und Geist fallen lassen". Durch Zazen konnte ich mich aus einer fast aussichtslosen Berufs-Krise befreien. Ähnliches gilt für die Koan-Meditation.  Dabei ist der gerade und senkrechte Rücken von zentraler Bedeutung. Diese Sammlung ist das Gegenteil von Hektik, Stress, Zerstreutheit und Fragmentierung der Gedanken und Gefühle. Derartiges oberflächliches Multitasking widerspricht unserem wahren Geist und ist ihm grundsätzlich fremd. Oder um es klarer auszudrücken, solches Multitasking im Stress kann von unserem Geist überhaupt nicht geleistet werden und ist ein gravierendes Hemmnis auf dem Erleuchtungs-Weg: Großer Frieden und wunderbarer Flow.

Ich habe auch gute Erfahrung mit meditativer Bewegung gemacht, also Flow: Bogenschießen und Zen-Flöte.

 Wir sollten jeden Tag mindestens einmal am Tag  aus Stress, Hektik und Zukunfts-Angst aussteigen. Das ist der natürliche Weg zur Erleuchtung. Diese Wahrheiten der Erleuchtung sind seit über zweitausend Jahren erprobt und helfen dir bestimmt!

Das Tor durch aktives Handeln öffnen!

2.) Aktiv handeln und das Ego vergessen

Kürzlich habe ich mich in der Chariteé in Berlin untersuchen lassen und kam mit dem erfahrenen Arzt über Leben und Tod ins Gespräch: Er sagte kurz und trocken: "Wer im Bett liegt stirbt". Wer also nicht aktiv ist und bequem herumliegt, fühlt sich halb tot und stirbt früher. Das gilt natürlich besonders für unsere zweite Lebenshälfte. Und sind nicht manche Menschen schon geistig und spirituell tot, wenn sie körperlich noch leben? Die wichtigsten Zivilitations-Krankheiten sind bekanntlich Bewegungsmangel und Einsamkeit. Und beides erhöht die Gefahr der Demenz. Der Mensch ist nämlich das sozialste Wesen mit wechselwirkenden Handeln auf dieser Erde.

Denn Geben ist besser als nehmen, das ist die große Wahrheit des Mahayana und Zen für ein gutes und sinnvolles Leben.  Die aktuelle Gehirnforschung hat diese Wahrheit übrigens eindeutig bestätigt! Das ist auch die Wahrheit des Bodhisattva-Handelns. Und der Sinn des Lebens wird uns nicht von außen irgenwie zugereicht oder gar vorgeschrieben, sondern den schaffen wir uns selbst durch aktives Handeln. Aber Egoismus schadet vor allem uns selbst und verarmt unser Leben, das ist kein soziales Handeln. Diese tiefe Wahrheit will die heutige, materiell orientierte Werbung allerdings vergessen machen. Aber sie irrt grundsätzlich!

Daher: Aktiv handeln lässt Kummer, Gram und Unsicherheit zur Ruhe kommen und löst sie auf. Gutes Handeln macht frei und heilt seelische und körperliche Schmerzen. Und besonders wichtig die fast mystische Wirkung den Zen-Weges: In zentralen Momenten des Lebens, entscheidet man schnell, mit großer Klarheit und richtig. So verstehe ich die wahre Bedeutung der Leerheit im Augenblick.

3.) Beobachten und Achtsamkeit

Achtsamkeit ist nach Buddha die Klarheit des Augenblicks für Denken, Fühlen, Körper und Handeln. Wie Boris Becker zum Tennis sagt: "Wenn der Moment bleibt". Das ist die möglichst offene und ungehinderte Achtsamkeit des ganzen Menschen für sich selbst und für die wunderbare Klarheit des Augenblicks. Dafür braucht es wirklich mehr als intellektuelle Spitzfindigkeit und komplizierte Philosophie. Von zentraler Bedeutung ist ein realistisches und spirituelles Selbst, das dogmatische Ideologien und Extreme überwunden hat. Und genau so wichtig ist ein lebendiges Wir, also die positive Wechselwirkung mit anderen Menschen, mit und ohne Worte. Das ist gute Empathie und das Gegenteil von Narzissmus und aufgeblasenem Ich-Stolz. Auch das Ich-Gejammer führt nicht weiter. Die großen Meister Nagarjuna und Dogen haben diese Wahrheiten der Achtsamkeit ganz neu zum Leben erweckt. Aus der Gehirnforschung wissen wir übrigens, dass es für Empathie bestimmte neuronale Leistungen gibt, die von vernetzten Spiegel-Neuronen erbracht werden.

Durch das Training der Achtsamkeit kommen wir auf dem Weg der Erleuchtung wirklich voran. Und wie Dogen es nach seinem großen Erleuchtungs-Erlebnis sagte: "Ich bin weicher geworden" ! Er hatte nämlich erst in China die wahre Zen-Meditation erfahren und verwirklicht.

4.)  Genaue Unterscheidungen und richtige Entschlüsse

Buddha nennt als wichtigen Faktor der Erleuchtung die rechte Unterscheidung. Warum? Dadurch lernen wir uns selbst kennen: unser Denken,  Fühlen und Handeln. Uns wird dann immer klarer, was heilsam ist für uns und was nicht. Mit diesen echten Erfahrungen können wir unsinnige Weltanschauungen, Ideologien und Fake-News durchschauen und entkräften. Der Erleuchtungs-Faktor Unterscheidung ist besonders wichtig, weil manche buddhistischen Linien der gründlichen Unterscheidung von Dingen, Phänomenen und Entwicklungen eine viel zu geringe Bedeutung geben. Ganzheit und Genauigkeit im Detail sind keine Gegensätze, sondern haben eine besonders gute Wechselwirkung. Sie sind beide wichtige Faktoren des Erwachens.

Es kommt darauf an, die ganzheitliche Sichtweise einerseits und die präzise Unterscheidung andererseits zu üben und weiter zu entwickeln. Das ist von großer Bedeutung, um die Praxis des Lebens selbständig zu meistern und frei zu werden. Und dieser Entwicklungsprozess verläuft dabei in mehreren Schritten, in einer fortlaufenden, verbundenen Kette, wie Vasubandhu sagt. Also dran bleiben!

Wie wir im Zen sagen: "Mit der Faust die Eisenplatte durchschlagen!" Sich nicht wegducken, wenn es wirklich darauf ankommt und auch nicht in die Komfort-Zone oberflächlicher und falscher Spiritualität flüchten. Dann braucht man manchmal im Augenblick sogar den Kampf-Modus. Wie beim Bogenschießen: Der Schuss entscheidet sich im Moment des Abschusses, nicht vorher und schon gar nicht nachher. Der Schuss wird dann gut, wenn das Ego nicht stört! Richtige Entscheidungen sind besonders wichtig für den großen Frieden. Das ist auch meine eigene Erfahrung.

 5.) Energie und Freude

 Und wie entwickeln wir bisher ungekannte Energien? Durch Freude! Denn Freude macht klug und kreativ, das wissen wir aus der aktuellen Gehirnforschung. Also beobachte dich selbst: Was bringt dir wirkliche Freude und damit Energien, und was nicht? Oder anders ausgedrückt: Die tiefgründigen Entwicklungs-Prozesse auf dem Weg zur Befreiung sind nicht zuletzt wahre Freude. Künstlich erzeugte Glückszustände sind schlimme Sackgassen, etwa durch Drogen und Illusionen.

Buddha nennt gesammelte Energie als einen wichtigen Faktor von sieben zur Erleuchtung . Ein erwachter Mensch entwickelt durch Freude im Augenblick die Energie zum Handeln und zu geistigem und psychischem Tun. Wer sich in seinem Leben überhaupt nicht anstrengen will und keine eigene Energie entfaltet, wird auf dem Weg der Erleuchtung nicht vorankommen. Der Ausspruch "Nichts tun" darf nicht falsch verstanden werden, wie es bei manchen Aussteigern und angeblichen Querdenkern zu beobachten ist. Es geht auch um „geschenkte“ Energie, zum Beispiel von der Natur, von anderen Menschen und dem Kosmos, aber vor allem um die eigenen Energie: "dran bleiben". Wir dürfen nicht vergessen: Der Buddha-Weg eröffnet und verstärkt gerade die eigenen Energien und bisher ungeahnte Potentiale!

6.) Gleichgewicht, Gestilltheit und Gleichmut

Die Gestilltheit ist bei Buddha ein sehr wichtiger Faktor des Erwachens. Es geht vor allem darum, nicht immer etwas Anderes haben zu wollen, das man nicht hat, und mit dem zufrieden zu sein, was man jetzt hat. Gestilltheit führt zu Gleichgewicht, Ruhe und Gleichmut. Es handelt sich dabei um das Gleichgewicht unseres Gemüts, um es altdeutsch zu sagen, also unsere ausgeglichene Gestimmtheit und unseren zufriedenen geistig-psychischen Zustand. Also kurz: Wie und Wann bist du gut drauf. Das möchtest du doch sicher häufig erleben?

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Freitag, 4. September 2020

Erwachen, Erleuchtung und Leerheit. Wie passt das zusammen?

 

 


 Buddha sagt: Die wunderbare Fülle des Lebens, Erwachens und der Erleuchtung entstehen durch die Leerheit von schädlichen Ideologien, Vorurteilen und Ego-Stolz! Und vor allem durch die Befreiung von Gier, Hass und Verblendung. Dadurch kommt unser Leiden zur Ruhe. Durch diese Reduktion entsteht also die Fülle und Vielfalt des Lebens: Durch Einfachheit zu Glück und Vielfalt! Das ist auch das wahre Herz des Zen.
Sein Anliegen und der Sinn dieser Worte sind die Verbesserung genau unseres Lebens, unabhängig von Kultur und Land. Das heißt auch für Dich und mich, hier und jetzt. Er wollte seine tiefen praktischen und spirituellen Erfahrungen zur  Verbesserung des Lebens an uns weitergeben. Gerade durch die Entleerung von unheilsamen Denken und Fühlen entsteht bei uns also das volle Leben. Das ist es! Der Sinn der Leerheit ist also volles befreites Leben.  Buddha war kein intellektueller abgehobener Philosoph, das hatte er hinter sich. Er redete einfach und verständlich. Er war also ein Therapeut und Heiler für die Menschen. 

Die Behauptung ist daher unsinnig, Buddha habe gelehrt, dass alles Leiden sei. Er hat auch nicht gesagt, dass alles Leerheit sei. Sein Ziel war und ist die Befreiung vom jeweiligen Leiden. Eines seiner wichtigsten Faktoren auf dem Weg der Erleuchtung ist nämlich die Freude. Wie die Gehirnforscher heute wissen, macht Freude klug und kreativ und hilft uns auf dem Weg der Befreiung vom Leiden. Das ist der Weg zum großen Frieden und zum befreienden Flow. 

 Und welches sind die zentralen Faktoren auf dem Befreiungs-Weg, um unsere Buddha-Natur zu verwirklichen? Indem wir uns durch rechtes Handeln, Denken und Fühlen verändern und entwickeln. Das macht Sinn! Und umgekehrt: Wie blockieren wir eigentlich unsere gute Entwicklung? Wenn wir erstarrt daran festhalten, dass wir uns aus dem Leid nicht verändern können, weil ja andere die Schuld haben. Oder mit einem aufgeblasenen Ego. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass unser Gehirn und Geist sich viel mehr verändern können, als bisher angenommen wurde. Das Gehirn hat eine große Plastizität. Buddha hatte also recht, wenn er auf unsere gute Veränderung setzt.

 Wie hängt nun die buddhistische Leerheit mit dem Befreiungs-Weg aus Leid, Depression, Verzweiflung und Gram zusammen? Warum entwickelten Buddha und der große Meister Nagarjuna den Begriff und die Wahrheit der Leerheit? Auch der Dalai Lama sagt bekanntlich, dass unser Lebensziel das Glück sei und betont in aller Klarheit die zentrale Bedeutung der Leerheit? Beides muss also zusammen gehören. Aber wie?

 Der Zen-Meister Dogen vermeidet allerdings meist den Begriff der Leerheit, weil damit so viel Verwirrung und geistiges Chaos erzeugt wurde. Und auch heute vagabundiert die falsch verstandene Leerheit in manchen buddhistischen Gruppen umher.

Meine Antwort dazu: Leerheit, shunyata, bezeichnet den Zustand unseres Geistes undunserer Psyche  wenn wir sind frei und leer von unheilsamen Gedanken, Gefühlen, Handlungen und extremen Ideologien. Und diese werden bewusst oder unbewusst vor allem durch Gier, Hass, Übelwollen und radikale Ideologien gesteuert. Das konnte man in Berlin bei der kürzlichen Demonstration von rechten Randgruppen der Gesellschaft sehen. Und durch dieses Leerheit von schädlichen Ideologien und Netzen von Fake-News eröffnet sich der Weg zum vollen Leben.

Der große Meister Nagarjuna sagt in seinem berühmten Werk, MMK, dass die Leerheit von unheilsamen Dogmen und Weltanschauungen der Statik und Extreme  uns den Zugang zum Mittleren Weg der Befreiung und des Glücks öffnet. Leerheit ist also ist kein abgehobener philosophischer Begriff, dessen Sinn kaum ein normaler Mensch versteht. Im Gegenteil: Der Sinn der Leerheit ist ein wichtiger Schlüssel für ein gutes, zufriedenes und erfülltes Leben.

 Vor nicht langer Zeit hörte ich einen Vortrag eines klugen Mönchs, der zur Leerheit befragt wurde. Er zitierte dazu Sutren des Buddhismus und wiederholte, was er in seiner Ausbildung gelernt hatte. Allerdings wurde die darauf folgende Diskussion immer verwirrter und unverständlicher. Ich meldete mich und sagte, dass ich die Leerheit am besten in der Zen-Meditation erfahren würde: "Einfach sitzen, Körper und Geist fallen lassen". Das sei eine direkte Erfahrung und eigentlich ziemlich einfach. Ganz ohne komplizierte Theorie und ohne die metaphysische Aussagen zu grübeln wie: "Alles ist Leerheit" oder "Alles ist Leiden". Diese Aussagen versteht ohnehin kaum ein normaler Mensch. Schließlich leben und handeln wir wirklich hier und jetzt.

 Vereinfacht sagt Nagarjuna: Durch den Begriff der Leerheit öffnet sich der Weg zu einem sinnvollen Leben. Man bekommt dann zunehmend Klarheit über die Natur des Lebens und der Welt. Sie ist ein großartiges vernetztes dynamisches System. Buddha charakterisiert diese wahre Natur daher als "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung".  Und als handelnder Teil dieser wunderbaren Dynamik können wir den Sinn unseres Lebens finden und verwirklichen. Der Sinn der Leerheit liegt also darin, dass wir unheilsame und falsche Ideologien der Statik, Starrheit und Unveränderlichkeit zur Ruhe kommen lassen. Das ist nicht die wahre Natur, sondern sie ist fiktiv und ausgedacht. Das stört uns und unsere Entwicklung und lenkt uns in falsche Richtungen.

 Wir sollten uns also von der Ideologie entleeren, dass wir statisch sind und uns nicht zu einem sinnvollen Leben umwandeln können. Solche "Geist-Jauche und Gefühls-Jauche" sollten wir entleeren. Das ist der Sinn des Herz-Sutras: Das rechte Verständnis der buddhistische Leerheit führt zur Wirklichkeit von Wahrnehmung, Körper, Denken, Fühlen und zu den Vier Edlen Wahrheiten. 

 Und wie können wir Klarheit dazu gewinnen? Indem wir uns selbst und unsere Veränderungen des Lebens beobachten. Das nennt Buddha die Achtsamkeit und sie ist der Kompass für ein sinnvolles Lebens. Es ist wirklich sinnvoll, die  Komfort-Zone des Lebens zu verlassen. Das ist auch der wahre Sinn der Leerheit.

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Mittwoch, 19. August 2020

Fünf wichtige Tipps für die Zen-Meditation


1. Denken und Fühlen kommen zur Ruhe, innere Stille

Heute möchte ich Euch die Zen-Meditation nach Meister Dogen vorstellen, die ich seit vielen Jahren praktiziere. Sie ist für mich besonders wirkungsvoll: Innere Stille, Freude und Energie, wunderbar in der Ruhe sitzen:
In Japan heißt es daher: "Nichts als Sitzen" (Shikantaza) oder ungestört mit einem Geist des "Nicht-Denkens".

Übrigens noch mein einfacher Tipp für den Alltag: Mit dem geraden Rücken meditiere ich auch unterwegs, z. B. : im Wartezimmer, in der Bahn, im Flugzeug usw.. Probiert doch einfach aus, ob es Euch auch was bringt.
Was bedeutet diese Meditation? Unser angestrengtes Denken spielt dann keine wichtige Rolle mehr, es lenkt meist nur ab. Sehr häufig stört das komplizierte Denken ohnehin gewaltig. Im Grunde gilt diese Wirkung auch für andere Meditationen, mit Koans, Samadi-Bildern, Mantras usw. und ganz allgemein nach Buddha und den Vier Edlen Wahrheiten. Also frei von Ideologien und vorgeprägten Denken, die täglichen Sorgen abschalten, mit geradem Rücken sitzen, als einfaches Handeln, Augenblick für Augenblick. Eins werden mit dem Sitzen und in die innere Stille gehen. Das ist es.

Wichtig ist es also, dass stressiges und zwangshaftes Denken zur Ruhe kommt. Zen-Meditation erfordert gerade kein konzentriertes Denken, sie ist ganz ohne geistige Extreme: Einfach offen und ungehindert sitzen. Lasst die Gedanken einfach kommen und gehen, wie die Wolken am blauen Himmel. Und verbohrt Euch bitte nicht in Zwangsgedanken, Zukunftsängsten usw für diese Zeit der Meditation.
Gleiches gilt für aufgeregte Emotionen:  Sie spielen keine große Rolle und kommen beim Sitzen von selbst zur Ruhe. Auf jeden Fall aber Gier, Hass, Neid, Ehrgeiz, Angst, Stress usw. zur Ruhe kommen lassen. Alle Extreme beim Fühlen und Denken sollten bitte vermieden werden. Das wirkt immer positiv und ist Buddhas zentrale Lehre.

Manche zählen beim Sitzen bis zehn, oder stellen sich eine schwarzen Punkt unter dem Bauchnabel vor (Hara) oder achten auf den Atem. Warum nicht, es kann wirklich nützlich sein, besonders um ruhig zu werden. Also einfach ausprobieren. Wie kommt man am besten zur Gelassenheit? Daher heißt es beim Zen: "Körper und Geist fallen lassen !" Dann lösen sich Ich-Stolz und Ich-Angst auf. Dann kommt der große Frieden!

2. Das Sitzen der Zen-Praxis

Die beste Sitzhaltung ist der ganze oder halbe Lotos-Sitz, also mit gekreuzten Beinen und geradem Rücken.

Beim ganzen Lotos-Sitz sind die Unterschenkel und Füße wie in einander verflochten, das erfordert aber ziemliche lange Übung. Beim halben Lotos-Sitz liegt ein Fuß auf dem anderen Bein. Oder beide Füße und Unterschenkel liegen vor einander. In diese Form können die meisten von uns nach einer gewisser Übungsphase ganz gut ohne Schmerzen sitzen.
Wer diese Sitzhaltungen nicht bevorzugt, kann auf einem speziellen Sitzbänkchen, oder rittlings auf einem größeren runden Kissen sitzen. Es geht auch auf einem festen Stuhl. Aber bitte auf jeden Fall mit geradem Rücke, sonst kann sich nicht die volle gute Wirkung entfalten. Oft hilft ein kleines festes Stütz-Kissen hinter dem Gesäß und gibt guten Halt oder durch einen Keil das ganze Sitzkissen etwas schräg stellen. Unser Sitzen ist dadurch stabil, dass es auf drei Punkten ruht: Becken und beide Knie. Wenn man die Knie nicht schmerzfrei auf dem Boden halten kann, bitte einfach zwei Stützkissen unterlegen.

3. Mit geradem Rücken sitzen: Die große meditative Wirkung


Zen-Meister Kodo Sawaki bei der Meditation

Diese Meditation ist zentrales Tun auf dem Weg des Erwachens und der Erleuchtung. Denken und Fühlen gehören zwar dazu, sollen aber nicht stören. Also bitte ohne Krampf und Verspannung. Denken und Fühlen kommen dabei zur Ruhe. Dazu ist ein gerader aufgerichteter Rücken besonders wichtig!
Bei der Zen-Meditation wird nicht unser isolierten angeblicher Geist trainiert und sie ist schon gar nicht komplizierte Philosophie. Das wäre typisches westlichen Denken und ein schweres Missverständnis. Damit kommt Ihr nicht weiter, sondern bleibt im festgefahrenen westlichen Leid gefangen, das uns seit den Griechen unnötig belastet.
Zen-Meditation ist ein heilender ganzheitliche Prozess in der richtigen Sitzhaltung. Er wurde in Indien, China und Japan entwickelt und hat sich seit mehr als mehr als zwei Jahrtausenden bewährt.

Wie sitzt man bei der Zen-Meditation? Mit geraden und gestreckten Rücken, den Kopf aufgerichtet. Stellt Euch vor, dass er wie durch ein Gummiband am Hinterkopf nach oben gezogen wird. Das macht den Unterschied!

4. Dauer der Zen-Meditation
Wer geübt ist, sitzt am besten 30 Minuten pro Tag. Das entfaltet die größte gute Wirkung. Mein Lehrer Nishijima Roshi meditierte morgens sogar 45 und abends 30 Minuten, bis ins hohe Alter von über 90 Jahren. Als ich bei ihm wohnte, haben wir gemeinsam so meditiert, das hat mir viel gebracht.

Zu Anfang kann man auch kürzer sitzen, beispielsweise 20 Minuten.
Und denkt daran: Schon 10 Minuten pro Tag sind tausend Mal besser, als gar nicht zu meditieren. Auch diese kürzere Zeitdauer erzeugt eine positive Wirkung bei Euch. Das ist wichtig, gerade in der jetzigen Corona-Krise!

5. Seid einfach und natürlich beim Meditieren.
Es ist wissenschaftlich weitgehend unerforscht, warum diese Zen-Meditation so wirkungsvoll ist.  Aber sie funktioniert wirklich ganz erstaunlich, besonders in Lebenskrisen!
Das kann ich voll und ganz bestätigen. Zazen hat mich in jungen Jahren aus einer fast aussichtslosen Berufs-Krise bei einem IT-Projekt herausgebracht.
Ich persönlich bin überzeugt, dass Zazen eine ganz hervorragende Übung für unser Faszien-System und unsere Meridiane ist. Dies um so mehr, wenn man den meditativen Gang, Kinihin, zwischen den einzelnen Sitzungen einbezieht. Außerdem bringt uns das vegetative Nervensystem beim Zazen ins Gleichgewicht: Also weder die Extreme des Aktionismus noch der Trägheit.

Denn Zazen erzeugt Achtsamkeit, Energie, Freude und Gelassenheit. Das sind nach Buddha vier zentrale Faktoren des Erwachens und der Erleuchtung. Deshalb nannte mein Lehrer Nishijima Roshi die Zazen-Meditation "Erste Erleuchtung".

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Montag, 10. August 2020

Die Zen-Meditation ist das Tor zum Frieden und zur Freude

(Aus unserem Buch: Die Kraft der ZEN-Meditation)


Du wirst vielleicht sagen, so einfach soll die Zen-Meditation das Tor zu unserem Glück und Frieden sein. Das ist doch wohl nicht möglich und sicher übertrieben. Es ist aber nicht übertrieben, ganz im Gegenteil! Übrigens waren die Worte "Das Tor zum Frieden und zur Freude" über dem Eingang zum Raum der Zazen-Meditation zu lesen, im Zentrum meines Lehrers Nishijima Roshi in Tokio. Er nannte die Zen-Meditation die erste Erleuchtung, die jeder verwirklichen kann. Er war einer der wenigen seines Jahrgangs, der den zweiten Weltkrieg überlebt hatte. 

Und er war einer der glücklichsten Menschen, die ich je kennen gelernt und erlebt habe. Ihm konnte man wirklich vertrauen, er kannte das Leben mit Höhen, Tiefen und Katastrophen. So habe ich ihm vertraut. Und das war richtig. Für ihn war Buddhismus genau Zazen und Zazen genau Buddhismus. Meister Dogen sagt dazu:

Allgemein ausgedrückt ist die Wahrheit (des Glücks) bereits vorhanden und durchdringt das ganze Universum, wenn wir diese Wahrheit untersuchen! Das buddhistische Fahrzeug der Wirklichkeit ist ganz natürlich. Daher ist es für uns einfach notwendig, dass wir auf die Praxis (des Zazen) bauen und auf diese Erfahrung setzen. Denn der ganzheitliche Körper lebt jenseits vom üblichen Staub und Schmutz um uns. Die Methoden und Übungen sind überall vorhanden, die zum Erreichen der tiefgehenden Wirkungen des Buddhismus so wirkungsvoll sind".

Welche Methoden meint Meister Dogen? Diese Praxis ist die besondere Meditation des Zazen und das vor allem anderen: einfach richtig mit geradem Rücken sitzen. Deshalb ist es für uns sinnvoll, diese rechte Anstrengung aufzubringen, um die erstaunliche gute Wirkung jeden Tag zu erreichen. Diese Wirkung übersteigt bei weitem die geringe Anstrengung des Sitzen. Das tiefe Gefühl von Frieden und Freude gibt uns besonders viel Kraft und Ruhe in der jetzigen Corona-Krise. Solches Sitzen ist übrigens das Gegenteil von Askese, was leider häufiger zu hören ist. Schon Buddha hatte die Askese als den ganz falschen Weg erfahren und sogar als gefährlich  erkannt. Auch Dogen spricht an keiner Stelle davon, dass man bei der Meditation Schmerzen haben und überwinden müsse. Das Gegenteil ist richtig. Versucht also auch zu Anfang  richtig und weitgehend schmerzfrei zu meditieren und richtig zu sitzen. Und bleibt dran! Die Wiederholung macht es.

"Wie kann es sein, dass wir, die heutigen Menschen, die Zeit unnütz verstreichen lassen, ohne überhaupt Zazen zu praktizieren? Daher sollten wir die sinnlosen Anstrengungen beenden, nach verbale Begriffe zu suchen und sie intellektuell zu verstehen. Es ist für uns notwendig, dass wir lernen, innezuhalten, uns zurückzunehmen  und das Licht nach innen zu richten. Wenn wir etwas Wunderbares sofort erlangen wollen, das intellektuell gar nicht fassbar ist,  sollten wir sofort etwas Unfassbares praktizieren, das ist Zazen!" Und das Unfassbare ist "nichts als sitzen" oder "Körper und Geist fallen lassen". Auf Denken und Fühlen bei der Meditation kommt es nicht an. Aber bitte vermeidet alle Extreme. Das ist der Zugang zu Frieden und Freude, direkt und einfach, über unseres Körper. Wozu kompliziertes Zeug im Kopf wälzen und immer verwirrter werden? Wie viele komplizierte Theorien habe sich die Philosophen des Westens schon ausgedacht und was haben sie uns für das praktische Leben gebracht? Nicht viel!
"Was Zazen genannt wird, ist ganz verschieden vom Zen der Konzentration und des (angestengten) Lernens. Denn es ist genau das direkte Tor des Friedens und der Freude zum Universum und zur Dharma- Wahrheit. Nichts als Sitzen. Es ist das gute Zusammenwirken von Praxis-und-Erfahrung, um die Wahrheit zu klären. Das Universum ist dann bereits verwirklicht, denn die "Netze und Käfige" der Verstrickung haben aufgehört zu stören. Sie sind zur Ruhe gekommen." Und das Wichtigste ist der gerade Rücken, wie auf diesem Bild!

Dogen sagt direkt zu uns:
"Ich möchte daher die edlen Menschen und Freunde bitten, den Buddhismus in der Praxis zu erlernen. Praktiziert also sorgfältig und fortlaufend Zazen. Vertraut diesem einfachen, direkten Weg und Streben nach der Glücks-Wahrheit." Sie wird sich dann einstellen und verwirklichen.

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Montag, 13. Juli 2020

Wie ist deine Bodhisattva-Bilanz?



Aus der Glücks-Forschung der Psychologie und Gehirnforschung (Manfred Spitzer) wissen wir, dass wir glücklicher und zufriedener leben, wenn wir mehr geben als nehmen. Oder umgekehrt: Wer auf Dauer mehr nimmt als er gibt, wird unglücklich und kommt ins Leiden. Das ist gerade nicht moralisierend sondern eine ganz schlichte wissenschaftlich Tatsache.

Wie ist die Datenlage dieser Untersuchung? Eine amerikanische Firma hatte ein glänzendes Geschäftsjahr und schüttet an alle (!) Mitarbeiter am Ende des Jahres unerwartet hohe Beträge aus. Sagen wir 40.000 $. Dann wurde untersucht, wie der Geldbetrag verwendet wurde und wie sich das Glücksgefühl der Menschen entwickelte. Zunächst waren alle happy. 

Nach einigen Wochen änderte sich aber das Bild: Wer eine größeren Anteil des Geldsegens für andere Menschen ausgegeben hatte, zeigte fortdauernd einen höheren Level von Glück und Zufriedenheit. Dagegen fiel bei den Egoisten das Glücksgefühl schon bald wieder ab. Es erreichte leider schon bald wieder das durchschnittliche (niedrige) Niveau wie vorher.

Die alte Weisheit "Geben ist besser als nehmen" wurde so wissenschaftlich erhärtet.
Wer also mehr gibt als nimmt, lebt deutlich zufriedener als jemand, der mehr nimmt als gibt! Und Geben ist in der jetzigen Corona-Krise besonders wertvoll. Hättest Du das gedacht? Aber lass Dich natürlich auch nicht missbrauchen. Ein Egoist will zudem immer mehr haben, als überhaupt möglich ist.

Diese Idee ist in der jungen Bewegung des ökologischen Fußabdrucks maßgeblich, "Fridays for Future". Die Umwelt darf nicht egoistisch über-nutzt werden!"

Im Buddhismus möchte ich das die individuelle "Bodhisattva Bilanz" des Handelns nennen. Und Ihr wisst ja, ein Bodhisattva handelt unmittelbar und berechnet nicht, was er zurück bekommt. Da er durch sein Handeln selbst zufrieden ist, braucht er auch nicht unbedingt Lob von außen. Er braucht keinen monströsen oder fadenscheinigen Dank. Man kann den Boddhisattva also nicht durch Schmeicheleien abhängig machen.

Mein Tipp: Stellt einmal in einer ruhigen Zeit Eure eigene  Bodhisattva-Bilanz auf. Lasst Euch nicht von der Werbung unserer Konsumgesellschaft verblöden. Das sind wirklich nur bestimmte Interessengruppen, die sicher keine Weisheiten drauf haben.

Was sagt Buddha dazu: "Unabhängig lebt er, er haftet an nichts in der Welt!"

Montag, 29. Juni 2020

Buddha gegen Hass und Verblendung

Säbelzahn-Tiger: Wie der eigene Hass

Buddha lehrte, dass durch Gier und Hass bei uns Verblendung erzeugt werden. Diese menschlichen Gifte verursachen bei uns Leiden, Schmerzen, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Wer in der jetzigen Corona-Krise sich von Hass oder Angst überwältigen lässt, erzeugt also für sich selbst zusätzliches Leiden, das er vermeiden könnte. Gier und Hass sind daher Verstärker und Turbos für das eigene Leiden! Das ist vielen von uns sicher gar nicht so klar. Durch Hass und Wut geraten viele in einen gefühlten Helden-Status, der zwar das Ego aufbläst, aber völlig sinnlos ist. Hass und Wut machen dumm und schalten die Vernunft aus. Dann ist die Lösung drängender Probleme nicht mehr möglich. Hass ist nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich für sich selbst und die anderen.

Wie kann die moderne Gehirnforschung dieses Phänomen erklären? Gab es in der frühen Menschheits-Geschichte vielleicht Situationen, in denen die Funktionen von Hass und Angst einmal sinnvoll und Lebens rettend waren? Ja, solche Situationen gab es wirklich:

In höchster Lebensgefahr gab es die lebensrettenden beiden Funktionen von Angriff oder Flucht. Durch Hass konnten im Agressions-Modus starke oder sogar stärkere Gegner besiegt werden. Zur Angst sagt der Gehirnforscher Spitzer: "Wenn der Säbelzahn-Tiger" heranschleicht und zum Sprung ansetzt, ist Angst und Flucht die einzige Chance zum eigenen Überleben. Beide alte Verhaltensweisen schalten das vernünftige Denken aus, es geht nur darum zu überleben.

Was passiert dabei in unserem Gehirn, also im neuronalen Netz? Das sogenannte Frontal-Hirn des Menschen wird abgeschaltet, es ist dann offline. Im Frontal- Hirn sind vor allem Vernunft, rationale Planung, Kreativität und Ethik lokalisiert. Also kurz gesagt: Wer von Hass überwältigt wird, handelt ohne Vernunft und Ethik! Das ist in der heutigen Zeit alles andere als sinnvoll, weil es die früheren Lebensgefahren überhaupt nicht mehr gibt.

Wenn allerdings der Hass lange Zeit dominiert, schädigt er massiv unser Immunsystem. Wir werden dann häufiger krank und sterben früher. Wir sind ständig gereizt und können nicht mehr sinnvoll denken und kommunizieren. Und wann gibt es in der heutigen Zeit überhaupt den starken Gegner, der körperlich angegriffen und besiegt werden muss? Wann ist der eigene Helden-Status denn sinnvoll? Wohl sehr selten. Die alten Griechen sagten daher: Jeder Kompromiss für den Frieden ist billiger als der Krieg. Das hätten Hitler und seine Genossen wissen können und wissen müssen!

Was ergibt sich daraus? Hass ist heute zum Überleben nicht mehr nötig. Er war in alten Zeiten funktional, aber nur bei kurzfristigen lebensbedrohlichen Situationen. Nur dann war er sinnvoll und notwendig. Aber solche Situationen gibt es heute kaum noch. Und nun die Hauptsache: Andauernder Hass verursacht das eigene Leiden. So ist Hass ist nicht nur überflüssig, sondern, schädigt die eigene Gesundheit und verkürzt unser Leben maßgeblich. Das hat Buddha schon vor über zweitausend Jahren gewusst und gelehrt:

Wer hasst, vergiftet sich selbst: Ein böse wirkendes schleichendes Gift. 

Also: Hass macht dumm und krank, er verursacht den früheren Tod. Wer heute hasst und sich als Held fühlt, liegt total falsch! Lasst euch nicht von unmenschlichen Menschen in den Hass treiben und damit zu Kurzschlusshandlungen und Selbst-Vergiftung verleiten. Das führt zu Leiden und Schmerzen für euch. Wie heißt es beim überflüssigen Kampfmodus im Straßenverkehr? "Hier ruht der, der Vorfahrt hatte". Ob er wirklich in Frieden ruht, ist sehr die Frage.

Auch Hass-Videos und Hass-Twitter schaden uns massiv, wenn wir von Ihnen ergriffen werden. Das ist leider auch die böse Wirkung von hasserfüllten Verschwörungs-Theorien in der jetzigen Corona-Krise.

Aber Buddha hatte das sichere Gegenmittel erkannt und gelehrt: Lasst den Hass zur Ruhe kommen! Das ist möglich. Geht den Mittleren Weg, der Kraft und Ruhe gibt. Ich habe da meinen Tages-Rythmus mit der Praxis von Zazen-Meditation, Bambus-Flöte und Bogenschießen. Das hilft dauerhaft.


Mittwoch, 17. Juni 2020

Flow und Glück im Zen


Wer im Flow ist und sich ganz einer Aufgabe widmet, befreit sich von Sorgen, Plagen und Stress. Das hat die moderne Gehirnforschung durch neue Analyse-Verfahren der Arbeit unseres Gehirns einwandfrei nachgewiesen. Dann wird das sogenannte Vorder-Hirn deaktiviert und in seiner Aktivität deutlich gebremst. Im Vorder-Hirn laufen die Ich-bezogenen Funktionen von Gefühlen, Willen und Vernunft ab, sie sind dort klar lokalisiert. Sie können positiv aber aber auch lähmend und  negativ sein. Umgekehrt wird beim Flow das im hinteren Kopf lokalisierte Seh-Zentrum  stark aktiviert und beim konkreten Handeln hochgefahren, hier und jetzt. Zusätzlich sind dabei natürlich die Steuerungen von Muskeln und Faszien in natürlicher Funktion. Dann sind wir "eins" mit unserer Aufgabe in unserem Handeln und gleichzeitig ungewöhnlich genau im Detail. Was ist die Wirkung auf uns? Wir sind glücklich und befreit von Kummer, Jammer, Gram und Verzweiflung, wie Buddha es ausdrückt. Unser Leiden kommt damit zur Ruhe.

Ist das nicht erstaunlich? Es ist die große bewährte Buddha-Weisheit, die durch die moderne Wissenschaft voll bestätigt wird. Wir wissen im Zen vom Handeln: Grübeln, Selbstvorwürfe oder Ich-Stolz nützen nichts und machen das Leiden nur noch schlimmer. Viel besser ist es, sich dem sinnvollen Tun und Handeln ganz und direkt hinzugeben und sich der konkreten Aufgabe ganz zu widmen: Ohne dass ein Haar dazwischen passt, wie wir im Zen sagen. Also ganz im Hier und Jetzt. ´

Wir handeln besonders sinnvoll, wenn wir an einer guten Aufgabe arbeiten, die auch anderen nützt. Also dem Bodhisattva-Handeln. Dann erleben wir besonders Freude und Leichtigkeit. Sorgen und Grübeln kommen dann in den Hintergrund, sie verlieren an Wichtigkeit und erzeugen keine lähmenden Blockaden. Wir erfahren dann neue wahre tiefe Freude am Leben. Und das können wir in der jetzigen Corona-Krise und danach wirklich sehr gut bebrauchen. Das unfruchtbare Jammer-Ich oder das gespreizte Ego-Ich kommen so zur Ruhe und stören uns nicht mehr. Sie verschwinden aus unserem Geist. Wir ´beamen´ sie einfach weg und lösen sie auf!

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 Buddha sagt in dem berühmten Gleichnis vom Drechsler, einem wichtigen Handwerker, zum Handeln und Flow in Achtsamkeit:
„Gleich wie, ihr Mönche, ein geschickter Drechsler Meister oder Geselle erkennt: ‚ich arbeite lang am Holz‘, wenn er lang am Holz arbeitet. Und er kennt: ‚ich arbeite kurz am Holz‘, wenn er kurz am Holz arbeitet“[i]

Das Handeln steht dabei im Vordergrund, der Geist und die Beobachtung laufen gewissermaßen mit; dadurch wird das Handeln bewusster. Das Ego ist zur Ruhe gekommen und stört nicht mehr. Handeln und Geist sind in guter Wechselwirkung und nicht voneinander zu trennen. Flow und Achtsamkeit sind eine Ganzheit, die Lebensfreude in uns erzeugt. Ich erlebe einen solchen Flow besonders bei der Zen-Praxis der Bambusflöte und beim Bogenschießen.

Ich bin sicher, dass ihr so etwas schon selbst erlebt habt. Also: mit ganzem Herzen etwa Sinnvolles tun und nicht die tägliche Meditation vergessen.




[i] Gäng. Peter: Sutta, Grundlagen der Achtsamkeit.

Sonntag, 7. Juni 2020

Den Angriff des Gegners ins Leere laufen lassen


 Tempelwächter

 Im Zen und in den östlichen spirituellen Kampfkünsten lässt man die Angriffe des Gegners ins Leere laufen, weil man den Angriff vorausahnt und durch einfache blitzschnelle Bewegungen pariert. Wenn nötig kann man durch die innerer Ruhe aus der Mitte heraus zum gezielten Gegen-Angriff übergehen und den Kampf vermutlich schnell beenden. So besiegte Buddha den gefährlichen Mörder Angulimala und führte ihn zur Erleuchtung! Das ist auch heute für beide Seiten des Angriffs gut.

Wenn du nicht Kampfkünste trainierst, wirst Du vielleicht sagen: Klingt gut, aber was hat das mit mir zu tun? Ich meine gerade in heutigen Zeit sehr viel, sogar viel mehr als früher. Warum?

Die Corana-Krise entspannt sich zwar, aber nun werden sicher auch schwere Folgeprobleme auftreten. Leichtfertige, überflüssige und ohnehin kranke Unternehmen werden Pleite gehen oder angeschlagen aufgeben. Wer mit dem Rücken zur Wand steht, verliert sein Gleichgewicht, verliert die abwägende Vernunft und wohl auch Moral und Ethik. Angeschlagene Boxer sind besonders gefährlich. Mündliche Abmachungen werden häufiger gebrochen werden und materielle Scheinwelten werden zusammenbrechen. Der überwiegende Teil der Gesellschaft ist heute einseitig materiell orientiert. Daher wird der materielle Niedergang als totale Katastrophe erlebt. Bisherige Verlässlichkeiten und Werte werden also nicht mehr so gelten wie früher. Buddha macht dafür vor allem die sog. formenden Kräfte verantwortlich. 
 
Was sollten wir zu tun? Vorausahnende Vorsicht, innere Ruhe, Vernunft und stabile Ethik! Freundlich bleiben und sich nicht einwickeln lassen. Durchschauen wenn nur dem eigenen Ego geschmeichelt wird. Nicht im Voraus bezahlen. Alle wichtigen Vereinbarungen schriftlich festlegen und unterschreiben lassen. Nicht unter Druck entscheiden. Sorgfältig die Risiken abschätzen. Und nicht zuletzt: kreative beiderseitig gute Lösungen suchen und durchziehen.

Der Buddhismus hat sich ganz besonders in Krisen und Zeiten des Niedergangs bewährt. Die Praxis und Theorie wurden von Buddha und Meister Dogen gerade in solchen schwierigen Zeiten entwickelt und haben sich seit zweieinhalb Jahrtausenden bewährt: funktional, menschlich und spirituell. Wer spirituell lebt, hat nach verlässlichen Forschungs-Ergebnisse ein deutlich längeres und besseres Leben, er lebt durchschnittlich sechs bis acht Jahre länger. Wer einseitig materiell orientiert, stirbt also früher und vergreist noch früher.

Ich meditiere daher seit mehreren Jahrzehnten fast jeden Tag Zazen, gerade in schwierigen Lebensphasen, beispielsweise in Berufs-Krisen. Vor vier Jahren habe ich  nun mit dem japanischen Bogenschießen angefangen. Seit zwei Jahren trainiere ich Kyudo täglich. Macht es doch ähnlich, vielleicht ganz auf euch selbst bezogen und persönlich angepasst. Etwas Neues zu lernen und Bewährtes weiter zu führen, bringt Freude und stärkt das Immunsystem. Das kann man jetzt sehr gut gebrauchen! Daher: gleich anfangen und weiter machen.

Vertiefung: formende Kräfte des Menschen

Mittwoch, 27. Mai 2020

Wahrheiten eines wirklich großen Menschen, besonders in der Krise

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Die letzte Lehrrede des großen Meister Dogens fasst die wichtigsten Regeln für ein wahres buddhistisches Leben recht einfach und praxisorientiert zusammen.[i] Es geht nicht um extreme Dogmen, sondern um sehr wirksame Hilfen für unser tägliches Leben. Sie sind leicht zu verstehen und wirkungsvoll anzuwenden, gerade in der gegenwärtigen Krise. Sie zeugen vom klaren Realitätssinn des Mittleren Weges und von der konsequenten Vermeidung von zu stark idealisierten und dogmatisierten Übertreibungen und Extremen. Denn Zen ist keine Askese und Übertreibung, die Meditation des Zazen ist das Tor "zum Frieden und zur Freude". 

Diese Wahrheiten sind keine moralisch überzogenen Forderungen, die Buddha überhaupt nicht gelehrt hat. Mit solchen einseitigen Doktrinen kann man das Leiden nicht überwinden, sich nicht von Hemmnissen befreien und keine Erleuchtung erlangen. Sondern durch Angst, moralischer Stress und Negativität wird die eigene Entwicklung und Emanzipation geradezu gehemmt. Solcher Übertreibungen wurden m. E. fälschlich in folgenden Jahrhunderten gelehrt, als der Buddhismus die ursprüngliche Bodenhaftung des Lebens in Indien teilweise verloren hatte. Dōgen schreibt, dass man den ruhigen und ausgeglichenen Lebenszustand erreicht, wenn man diese einfachen Wahrheiten verwirklicht. Hier zwei davon:

Geringe Begierde haben
Diese Wahrheit besagt, dass wir nicht allen möglichen ersehnten Dingen nachjagen sollen, die wir jetzt noch nicht besitzen, aber unbedingt haben wollen. Dazu gehören vor allem die Objekte der Begierden der Wahrnehmung, die durch die Sinnesorganen hervorgerufen und angestachelt werden, also Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut. Dōgen zitiert hierzu Buddha, der warnte, dass das Leiden grenzenlos ist, wenn wir diesen Begierden hemmungslos, extrem und unkontrolliert nachgeben. 

Hat man sie jedoch „im Griff“, kann sie steuern und hält sie klein, befreit man sich von ihrer Herrschaft und damit auch vom Leiden. Das klingt doch einfach und einleuchtend. Und ist es auch!
Auf diese Weise seien wir ohne Sorgen und Furcht. Allerdings sagt Dōgen gerade nicht, dass wir alles Wollen und Wünschen asketisch unterdrücken sollen. Denn das würde dem kraftvollen Weg der Mitte widersprechen und nicht zur Erleuchtung führen. Das hatte Buddha in aller Klarheit selbst erfahren.

Freude an der Stille haben
Wir sollten uns von lärmenden, unruhigen Gruppen und extremen Veranstaltungen fernhalten und immer wieder einen ruhigen Ort suchen. Das ist in der heutigen hektischen Zeit besonders wichtig, gerade wegen des extremen Informations-Angebots der Massenmedien und Netze. In der jetzigen Corona-Krise kann man sich wirklich durch Verschwörungs-Theorien vollkommen verrückt machen lassen. Das erzeugt Unruhe, Existenz-Ängste, Stress und Hoffnungslosigkeit. Es ist im übrigen das Geschäftsmodell der meisten Medien, um die Klicks und Anschaltzeiten für die Werbung zu maximieren. 

Buddha vergleicht diese Situation mit einem Schwarm von Vögeln, die auf einem soliden Baum sitzen und ständig große Ängste haben, dass dieser zusammenbricht. Tatsächlich kann er die auf ihm sitzenden Vögel ganz leicht tragen. Außerdem sagt er: „(Jene), die an die Welt gefesselt sind und ihr anhaften, versinken in verschiedenartiges Leiden, wie ein alter Elefant, der im Sumpf versinkt und selbst nicht in der Lage ist, wieder herauszukommen“. Das wird durch Buddhas Lehre und Praxis sicher verhindert!

In der Stille, besonders in der Natur, findet man zu sich selbst und geht optimistischer in die nächsten Tage.

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[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 4, S. 291ff.