Montag, 29. Juni 2020

Buddha gegen Hass und Verblendung

Säbelzahn-Tiger: Wie der eigene Hass

Buddha lehrte, dass durch Gier und Hass bei uns Verblendung erzeugt werden. Diese menschlichen Gifte verursachen bei uns Leiden, Schmerzen, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Wer in der jetzigen Corona-Krise sich von Hass oder Angst überwältigen lässt, erzeugt also für sich selbst zusätzliches Leiden, das er vermeiden könnte. Gier und Hass sind daher Verstärker und Turbos für das eigene Leiden! Das ist vielen von uns sicher gar nicht so klar. Durch Hass und Wut geraten viele in einen gefühlten Helden-Status, der zwar das Ego aufbläst, aber völlig sinnlos ist. Hass und Wut machen dumm und schalten die Vernunft aus. Dann ist die Lösung drängender Probleme nicht mehr möglich. Hass ist nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich für sich selbst und die anderen.

Wie kann die moderne Gehirnforschung dieses Phänomen erklären? Gab es in der frühen Menschheits-Geschichte vielleicht Situationen, in denen die Funktionen von Hass und Angst einmal sinnvoll und Lebens rettend waren? Ja, solche Situationen gab es wirklich:

In höchster Lebensgefahr gab es die lebensrettenden beiden Funktionen von Angriff oder Flucht. Durch Hass konnten im Agressions-Modus starke oder sogar stärkere Gegner besiegt werden. Zur Angst sagt der Gehirnforscher Spitzer: "Wenn der Säbelzahn-Tiger" heranschleicht und zum Sprung ansetzt, ist Angst und Flucht die einzige Chance zum eigenen Überleben. Beide alte Verhaltensweisen schalten das vernünftige Denken aus, es geht nur darum zu überleben.

Was passiert dabei in unserem Gehirn, also im neuronalen Netz? Das sogenannte Frontal-Hirn des Menschen wird abgeschaltet, es ist dann offline. Im Frontal- Hirn sind vor allem Vernunft, rationale Planung, Kreativität und Ethik lokalisiert. Also kurz gesagt: Wer von Hass überwältigt wird, handelt ohne Vernunft und Ethik! Das ist in der heutigen Zeit alles andere als sinnvoll, weil es die früheren Lebensgefahren überhaupt nicht mehr gibt.

Wenn allerdings der Hass lange Zeit dominiert, schädigt er massiv unser Immunsystem. Wir werden dann häufiger krank und sterben früher. Wir sind ständig gereizt und können nicht mehr sinnvoll denken und kommunizieren. Und wann gibt es in der heutigen Zeit überhaupt den starken Gegner, der körperlich angegriffen und besiegt werden muss? Wann ist der eigene Helden-Status denn sinnvoll? Wohl sehr selten. Die alten Griechen sagten daher: Jeder Kompromiss für den Frieden ist billiger als der Krieg. Das hätten Hitler und seine Genossen wissen können und wissen müssen!

Was ergibt sich daraus? Hass ist heute zum Überleben nicht mehr nötig. Er war in alten Zeiten funktional, aber nur bei kurzfristigen lebensbedrohlichen Situationen. Nur dann war er sinnvoll und notwendig. Aber solche Situationen gibt es heute kaum noch. Und nun die Hauptsache: Andauernder Hass verursacht das eigene Leiden. So ist Hass ist nicht nur überflüssig, sondern, schädigt die eigene Gesundheit und verkürzt unser Leben maßgeblich. Das hat Buddha schon vor über zweitausend Jahren gewusst und gelehrt:

Wer hasst, vergiftet sich selbst: Ein böse wirkendes schleichendes Gift. 

Also: Hass macht dumm und krank, er verursacht den früheren Tod. Wer heute hasst und sich als Held fühlt, liegt total falsch! Lasst euch nicht von unmenschlichen Menschen in den Hass treiben und damit zu Kurzschlusshandlungen und Selbst-Vergiftung verleiten. Das führt zu Leiden und Schmerzen für euch. Wie heißt es beim überflüssigen Kampfmodus im Straßenverkehr? "Hier ruht der, der Vorfahrt hatte". Ob er wirklich in Frieden ruht, ist sehr die Frage.

Auch Hass-Videos und Hass-Twitter schaden uns massiv, wenn wir von Ihnen ergriffen werden. Das ist leider auch die böse Wirkung von hasserfüllten Verschwörungs-Theorien in der jetzigen Corona-Krise.

Aber Buddha hatte das sichere Gegenmittel erkannt und gelehrt: Lasst den Hass zur Ruhe kommen! Das ist möglich. Geht den Mittleren Weg, der Kraft und Ruhe gibt. Ich habe da meinen Tages-Rythmus mit der Praxis von Zazen-Meditation, Bambus-Flöte und Bogenschießen. Das hilft dauerhaft.


Mittwoch, 17. Juni 2020

Flow und Glück im Zen


Wer im Flow ist und sich ganz einer Aufgabe widmet, befreit sich von Sorgen, Plagen und Stress. Das hat die moderne Gehirnforschung durch neue Analyse-Verfahren der Arbeit unseres Gehirns einwandfrei nachgewiesen. Dann wird das sogenannte Vorder-Hirn deaktiviert und in seiner Aktivität deutlich gebremst. Im Vorder-Hirn laufen die Ich-bezogenen Funktionen von Gefühlen, Willen und Vernunft ab, sie sind dort klar lokalisiert. Sie können positiv aber aber auch lähmend und  negativ sein. Umgekehrt wird beim Flow das im hinteren Kopf lokalisierte Seh-Zentrum  stark aktiviert und beim konkreten Handeln hochgefahren, hier und jetzt. Zusätzlich sind dabei natürlich die Steuerungen von Muskeln und Faszien in natürlicher Funktion. Dann sind wir "eins" mit unserer Aufgabe in unserem Handeln und gleichzeitig ungewöhnlich genau im Detail. Was ist die Wirkung auf uns? Wir sind glücklich und befreit von Kummer, Jammer, Gram und Verzweiflung, wie Buddha es ausdrückt. Unser Leiden kommt damit zur Ruhe.

Ist das nicht erstaunlich? Es ist die große bewährte Buddha-Weisheit, die durch die moderne Wissenschaft voll bestätigt wird. Wir wissen im Zen vom Handeln: Grübeln, Selbstvorwürfe oder Ich-Stolz nützen nichts und machen das Leiden nur noch schlimmer. Viel besser ist es, sich dem sinnvollen Tun und Handeln ganz und direkt hinzugeben und sich der konkreten Aufgabe ganz zu widmen: Ohne dass ein Haar dazwischen passt, wie wir im Zen sagen. Also ganz im Hier und Jetzt. ´

Wir handeln besonders sinnvoll, wenn wir an einer guten Aufgabe arbeiten, die auch anderen nützt. Also dem Bodhisattva-Handeln. Dann erleben wir besonders Freude und Leichtigkeit. Sorgen und Grübeln kommen dann in den Hintergrund, sie verlieren an Wichtigkeit und erzeugen keine lähmenden Blockaden. Wir erfahren dann neue wahre tiefe Freude am Leben. Und das können wir in der jetzigen Corona-Krise und danach wirklich sehr gut bebrauchen. Das unfruchtbare Jammer-Ich oder das gespreizte Ego-Ich kommen so zur Ruhe und stören uns nicht mehr. Sie verschwinden aus unserem Geist. Wir ´beamen´ sie einfach weg und lösen sie auf!

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 Buddha sagt in dem berühmten Gleichnis vom Drechsler, einem wichtigen Handwerker, zum Handeln und Flow in Achtsamkeit:
„Gleich wie, ihr Mönche, ein geschickter Drechsler Meister oder Geselle erkennt: ‚ich arbeite lang am Holz‘, wenn er lang am Holz arbeitet. Und er kennt: ‚ich arbeite kurz am Holz‘, wenn er kurz am Holz arbeitet“[i]

Das Handeln steht dabei im Vordergrund, der Geist und die Beobachtung laufen gewissermaßen mit; dadurch wird das Handeln bewusster. Das Ego ist zur Ruhe gekommen und stört nicht mehr. Handeln und Geist sind in guter Wechselwirkung und nicht voneinander zu trennen. Flow und Achtsamkeit sind eine Ganzheit, die Lebensfreude in uns erzeugt. Ich erlebe einen solchen Flow besonders bei der Zen-Praxis der Bambusflöte und beim Bogenschießen.

Ich bin sicher, dass ihr so etwas schon selbst erlebt habt. Also: mit ganzem Herzen etwa Sinnvolles tun und nicht die tägliche Meditation vergessen.




[i] Gäng. Peter: Sutta, Grundlagen der Achtsamkeit.

Sonntag, 7. Juni 2020

Den Angriff des Gegners ins Leere laufen lassen


 Tempelwächter

 Im Zen und in den östlichen spirituellen Kampfkünsten lässt man die Angriffe des Gegners ins Leere laufen, weil man den Angriff vorausahnt und durch einfache blitzschnelle Bewegungen pariert. Wenn nötig kann man durch die innerer Ruhe aus der Mitte heraus zum gezielten Gegen-Angriff übergehen und den Kampf vermutlich schnell beenden. So besiegte Buddha den gefährlichen Mörder Angulimala und führte ihn zur Erleuchtung! Das ist auch heute für beide Seiten des Angriffs gut.

Wenn du nicht Kampfkünste trainierst, wirst Du vielleicht sagen: Klingt gut, aber was hat das mit mir zu tun? Ich meine gerade in heutigen Zeit sehr viel, sogar viel mehr als früher. Warum?

Die Corana-Krise entspannt sich zwar, aber nun werden sicher auch schwere Folgeprobleme auftreten. Leichtfertige, überflüssige und ohnehin kranke Unternehmen werden Pleite gehen oder angeschlagen aufgeben. Wer mit dem Rücken zur Wand steht, verliert sein Gleichgewicht, verliert die abwägende Vernunft und wohl auch Moral und Ethik. Angeschlagene Boxer sind besonders gefährlich. Mündliche Abmachungen werden häufiger gebrochen werden und materielle Scheinwelten werden zusammenbrechen. Der überwiegende Teil der Gesellschaft ist heute einseitig materiell orientiert. Daher wird der materielle Niedergang als totale Katastrophe erlebt. Bisherige Verlässlichkeiten und Werte werden also nicht mehr so gelten wie früher. Buddha macht dafür vor allem die sog. formenden Kräfte verantwortlich. 
 
Was sollten wir zu tun? Vorausahnende Vorsicht, innere Ruhe, Vernunft und stabile Ethik! Freundlich bleiben und sich nicht einwickeln lassen. Durchschauen wenn nur dem eigenen Ego geschmeichelt wird. Nicht im Voraus bezahlen. Alle wichtigen Vereinbarungen schriftlich festlegen und unterschreiben lassen. Nicht unter Druck entscheiden. Sorgfältig die Risiken abschätzen. Und nicht zuletzt: kreative beiderseitig gute Lösungen suchen und durchziehen.

Der Buddhismus hat sich ganz besonders in Krisen und Zeiten des Niedergangs bewährt. Die Praxis und Theorie wurden von Buddha und Meister Dogen gerade in solchen schwierigen Zeiten entwickelt und haben sich seit zweieinhalb Jahrtausenden bewährt: funktional, menschlich und spirituell. Wer spirituell lebt, hat nach verlässlichen Forschungs-Ergebnisse ein deutlich längeres und besseres Leben, er lebt durchschnittlich sechs bis acht Jahre länger. Wer einseitig materiell orientiert, stirbt also früher und vergreist noch früher.

Ich meditiere daher seit mehreren Jahrzehnten fast jeden Tag Zazen, gerade in schwierigen Lebensphasen, beispielsweise in Berufs-Krisen. Vor vier Jahren habe ich  nun mit dem japanischen Bogenschießen angefangen. Seit zwei Jahren trainiere ich Kyudo täglich. Macht es doch ähnlich, vielleicht ganz auf euch selbst bezogen und persönlich angepasst. Etwas Neues zu lernen und Bewährtes weiter zu führen, bringt Freude und stärkt das Immunsystem. Das kann man jetzt sehr gut gebrauchen! Daher: gleich anfangen und weiter machen.

Vertiefung: formende Kräfte des Menschen

Mittwoch, 27. Mai 2020

Wahrheiten eines wirklich großen Menschen, besonders in der Krise

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Die letzte Lehrrede des großen Meister Dogens fasst die wichtigsten Regeln für ein wahres buddhistisches Leben recht einfach und praxisorientiert zusammen.[i] Es geht nicht um extreme Dogmen, sondern um sehr wirksame Hilfen für unser tägliches Leben. Sie sind leicht zu verstehen und wirkungsvoll anzuwenden, gerade in der gegenwärtigen Krise. Sie zeugen vom klaren Realitätssinn des Mittleren Weges und von der konsequenten Vermeidung von zu stark idealisierten und dogmatisierten Übertreibungen und Extremen. Denn Zen ist keine Askese und Übertreibung, die Meditation des Zazen ist das Tor "zum Frieden und zur Freude". 

Diese Wahrheiten sind keine moralisch überzogenen Forderungen, die Buddha überhaupt nicht gelehrt hat. Mit solchen einseitigen Doktrinen kann man das Leiden nicht überwinden, sich nicht von Hemmnissen befreien und keine Erleuchtung erlangen. Sondern durch Angst, moralischer Stress und Negativität wird die eigene Entwicklung und Emanzipation geradezu gehemmt. Solcher Übertreibungen wurden m. E. fälschlich in folgenden Jahrhunderten gelehrt, als der Buddhismus die ursprüngliche Bodenhaftung des Lebens in Indien teilweise verloren hatte. Dōgen schreibt, dass man den ruhigen und ausgeglichenen Lebenszustand erreicht, wenn man diese einfachen Wahrheiten verwirklicht. Hier zwei davon:

Geringe Begierde haben
Diese Wahrheit besagt, dass wir nicht allen möglichen ersehnten Dingen nachjagen sollen, die wir jetzt noch nicht besitzen, aber unbedingt haben wollen. Dazu gehören vor allem die Objekte der Begierden der Wahrnehmung, die durch die Sinnesorganen hervorgerufen und angestachelt werden, also Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut. Dōgen zitiert hierzu Buddha, der warnte, dass das Leiden grenzenlos ist, wenn wir diesen Begierden hemmungslos, extrem und unkontrolliert nachgeben. 

Hat man sie jedoch „im Griff“, kann sie steuern und hält sie klein, befreit man sich von ihrer Herrschaft und damit auch vom Leiden. Das klingt doch einfach und einleuchtend. Und ist es auch!
Auf diese Weise seien wir ohne Sorgen und Furcht. Allerdings sagt Dōgen gerade nicht, dass wir alles Wollen und Wünschen asketisch unterdrücken sollen. Denn das würde dem kraftvollen Weg der Mitte widersprechen und nicht zur Erleuchtung führen. Das hatte Buddha in aller Klarheit selbst erfahren.

Freude an der Stille haben
Wir sollten uns von lärmenden, unruhigen Gruppen und extremen Veranstaltungen fernhalten und immer wieder einen ruhigen Ort suchen. Das ist in der heutigen hektischen Zeit besonders wichtig, gerade wegen des extremen Informations-Angebots der Massenmedien und Netze. In der jetzigen Corona-Krise kann man sich wirklich durch Verschwörungs-Theorien vollkommen verrückt machen lassen. Das erzeugt Unruhe, Existenz-Ängste, Stress und Hoffnungslosigkeit. Es ist im übrigen das Geschäftsmodell der meisten Medien, um die Klicks und Anschaltzeiten für die Werbung zu maximieren. 

Buddha vergleicht diese Situation mit einem Schwarm von Vögeln, die auf einem soliden Baum sitzen und ständig große Ängste haben, dass dieser zusammenbricht. Tatsächlich kann er die auf ihm sitzenden Vögel ganz leicht tragen. Außerdem sagt er: „(Jene), die an die Welt gefesselt sind und ihr anhaften, versinken in verschiedenartiges Leiden, wie ein alter Elefant, der im Sumpf versinkt und selbst nicht in der Lage ist, wieder herauszukommen“. Das wird durch Buddhas Lehre und Praxis sicher verhindert!

In der Stille, besonders in der Natur, findet man zu sich selbst und geht optimistischer in die nächsten Tage.

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[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 4, S. 291ff.

Montag, 11. Mai 2020

Magie des Bogenschießens im ZEN, Video

(to English translation)

 Herrigels Bogen-Lehrer Awa, Voll-Auszug

"Eines Tages, nach einem Schuss, verbeugte sich der Meister tief und brach dann den Unterricht ab. Soeben hat ´ES´ ( english ´IT´ ) geschossen, rief er aus, als ich ihn fassungslos anstarrte. Und als ich endlich begriffen hatte, was er meinte, konnte ich die jäh aufbrechende Freude nicht unterdrücken" [1]So formuliert Eugen Herrigel seinen ersten wirklich gelungenen Schuss mit dem japanischen Zen-Bogen damals in Japan, Kyudo. Das war wohl ein erstes Erleuchtungs-Erlebnis oder Kensho, wie es japanisch heißt.

Meister Dogen sagt dazu im Shobogenzo: "Wenn ihr das höchste Erwachen direkt erfahrt, verwendet man hierfür (das Wort) ES" Und es könnte sein, das dieses Es sogar die Vorstellung des ganzen Universums übersteigen würde. Denn ES sei die lebendige Ganzheit von Mensch, Körper und Geist, ES übersteigt also sogar Körper, Psyche und Geist. Wer in der Falle des Egoismus gefangen ist, wird leider die magischen Glückswellen überhaupt nicht erleben.

Und wie wird man eins mit dem erwachten ES? Zum Beispiel indem man das Ego beim Üben zur Ruhe kommen lässt. Das Ego löst sich dann im Handeln auf und verschwindet. Statt dessen entsteht die harmonische Wechselwirkung des wahren Lebens,  ES, wie man im Zen sagt. Buddha nennt das wahre Leben: Das gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung. Das ist die Magie der Wirklichkeit! Was denn sonst?
 
Herrigel hat dieses wunderbare, magische Es beim Bogenschießen mit einem großen spirituellen Bogenmeister erfahren und erlernt. Damit hat er nach meiner Einschätzung auch die Starrheit, extreme Ideologie und den Fanatismus seiner eigenen Zeit im Westen und Japan leer laufen lassen. Denn solche extremen Ideologien sind leer, sie sind ohne Wahrheit und ohne Sinn eines ganzheitlichen lebendigen Es, wahrer Zen. Solche Verkrampfungen des isolierten aber beherrschenden Geistes sind also ohne das Leben des ES, wie die jetzigen Verschwörungstheorien und Fake News zum Corona-Virus. Sie führen unweigerlich in das eigene Leiden und unnötigen Stress.

Wer einfach, natürlich und immer genauer handelt, sei es im Bogenschießen oder im normalen Leben, der kann die Wellen des Glücks wie von Bogen, Pfeil, Bewegung Ein- und Ausatmen ohne Zweifeln erleben. Er benötigt keine überspannten Verschwörungstheorien als infantile mediale Laufgitter, die keine wirklichen Hilfen sind. Sie führen unausweichlich ins Leiden. Aber dann trifft man wie im Bogenschießen das wahre Ziel, unerwartet und wie durch ein Wunder. Das ist die Magie des Handelns, ohne verkrampftes Ego. Dann ereignen sich Wellen des Glücks und hinterlassen die Spuren dieses Glücks und der Lebensfreude.

 Der große Kyudo-Meister Onuma

Und Herrigel sagt weiter: "Innerlich aber, für den Schützen selbst, wirken sich rechte Schüsse derart aus, dass ihm zumute ist, als habe der Tag erst jetzt begonnen...Überaus köstlich ist dieser Zustand". Der Bogen Meister sagte dazu mit feinem Lächeln, das man nicht auf dieser Zustand fixiert sein solle.  Dann würde der köstliche Augenblick nicht zögern, wiederzukommen. Und denkt nicht zuviel:  ES spannt im Voll-Auszug den Bogen, ES, genau ES schießt und entspannt Mensch, Bogen und Welt.

Könnt ihr jetzt verstehen, warum ich japanisches Bogenschießen lerne? 

Das ist die Magie des Glücks im ZEN. Das ist Meditation: nichts als sitzen. Das ist Kyudo: nichts als schießen.!  So entstehen bei uns Vitalität, Zufriedenheit und Glück im Leben.


Anklicken:   Link zum Bogenschießen





[1] Herrigel, Eugen: Zen in der Kunst des Bogenschießens, S. 65


Sonntag, 26. April 2020

Der große Shunryu Suzuki, ein wahrer ZEN Meister !

Hilfen zur Suche und Wahl eines guten Lehrers, Videos

Bitte Bild anklicken

Auf meinem Weg zum Buddhismus hatte ich großes Glück: Ich hatte eine Meisterin als Lehrerin und einen Meister als Lehrer, die erleuchtet sind und waren. Erwachen und Erleuchtung hat Meister Dogen in zwei Kapiteln authentisch beschrieben. Wie erkennt man nun einen lebenden wahren Meister und eine Meisterin? Ihr seid vielleicht erstaunt, wenn ich sage: Vor allem an ihrer Lebensfreude und dem witzigen Humor - gepaart mit verantwortungsvoller Ernsthaftigkeit und tiefem Verständnis des authentischen Buddhismus. Ein guter Lehrer muss natürlich sehr gut zuhören können!

Wahre buddhistische Lehrer und Lehrerinnen haben die Aufgabe, den  kraftvollen Mittleren Weg zu lehren. Er besteht aus allen Bereichen des Achtfachen Pfades. Denn gerade diese rechte Kombination ist der Weg zum Erwachen und zum Glück. Wie geht das? Ich möchte sagen: Menschliche Ausstrahlung, spirituelle klare Einfachheit und Fachkompetenz des authentische Buddhismus. Von der Gehirnforschung wissen wir: Freude macht klug und kreativ. Angst und Schmerzen machen dumm und unwissend. So lehrt man heute wie früher Zazen und den wahren Buddhismus.

Wenn ein Lehrer die Zazen-Praxis durch Schmerzen übertreibt, glaubt er vielleicht, dass Askese zur Erleuchtung führt. Das hat bereits Buddha als ganz falschen Weg erkannt, das ist ein falsche Lehre. Wenn starke Schmerzen nachlassen, ist das gerade  kein Erleuchtungs-Erlebnis, wie manche sagen. Wer lehrt, dass man Schmerzen beim Zazen haben muss, lehrt zum Beispiel nicht die Meditation von Meister Dogen, der Schmerzen in seinen Büchern überhaupt nicht erwähnt, weil sie nicht relevant sind.  Vielleicht meditiert ein Schmerz-Zenlehrer selbst noch nicht richtig. Das Heldentum der Überwindung von Schmerzen stärkt sogar das Ego (!) und erschwert damit den Befreiungsweg. Denn Zazen ist das Tor zum Frieden und zur Freude, so stand es über dem Eingang von Nishijimas Dojo in Tokyo geschrieben. Und dazu braucht man vor allem ein senkrechtes Rückgrat beim Sitzen und eben den großen Frieden.

Nicht zuletzt: Die große menschliche Zuwendung zu den Schülern und allen Menschen kennzeichnet den wahren Meister und seine pädagogische Kompetenz!  Es ist zwar notwendig den Alltag loszulassen, aber das ist nicht hinreichend für unser Glück und unseren Frieden. Weder körperliche Askese noch geistige Einseitigkeit führen zum Erwachen und Glück. Es ist die Verwirklichung des natürlichen Mittleren Weges, die Buddha-Natur. Das ist  der ganze Mensch. Wahre Ethik lernt man von handelnden Menschen und nicht aus Büchern und Vorschriften, nicht durch Kritik und schon gar nicht durch Erniedrigung. Es bringt auch wenig, der buddhistischen Exotik von Aussteigern nachzulaufen. Solche Exotik hat für unser praktisches Leben hier und jetzt wenig Wert und wird nur in medialen Show-Welten gut vermarktet. Manche Lehrer und Lehrerinnen können der Verführung durch solche Medien leider nicht widerstehen.

Wahre Meister wirken auf mich ganz einfach und sympathisch, ohne heiliges Getue und aufgesetzte Spiritualität. Sie wollen den Schülern nicht durch unnütze Paradoxien imponieren. Dazu ein Beispiel: "Es ist der Sinn des Lebens, dass das Leben keinen Sinn hat". Das ist tatsächlich Nihilismus und Blödsinn, der nur naive Schüler beeindrucken kann. Andere überhöhen sich mit unverständlichen komplexen Philosophien. Leerheit und Erleuchtung sind dafür beliebte Themen, die bei Schülerinnen und Schülern die gewollte Verwirrung stiften. Manche selbst ernannte Lehrer versuchen die follower in totale Abhängigkeit und Unfreiheit zu bringen. Das wird sicher schief gehen. Meister Dogen warnt uns im Shobogenzo (Kapitel Bendowa) eindringlich vor falschen Lehrern. Sie würden bei den Schülern großen Schaden anrichten, der oft nicht wieder zu heilen ist. Daher sei es dann besser, gar keinen Lehrer zu wählen. Besonders gefährlich sind Narzisten und Sex-Süchtige, gerade wenn sie im Gewand eines Lehrers oder Meisters daher kommen. Schnellste Trennung ist dann unvermeidlich, bevor es zu spät ist!  Dagegen können Schüler den  tiefgründigen Lehren Dogens wirklich vertrauen.

Der Philosoph Kant rät uns eindringlich, den Mut (!) zu haben, selbst zu denken. Dann werden falsche Lehren durchschaut: Check your master. Gautama Buddha lehrt uns genau so den Weg der Befreiung! 

Und nun etwas ganz Wichtiges: Je mehr man wahre Lehrer und Meister kennen lernt, desto mehr schätzt man sie. Kurz: Sie sind eher bescheiden und versprechen nicht zu viel. Sie erzeugen keine zu großen Erwartungen, die sich später nicht erfüllen. Dann wäre man später frustriert und enttäuscht. Nicht zuletzt bilden Reden und Handeln bei ihnen eine überzeugende Einheit und lebendige Wechselwirkung. Vielleicht ist das Handeln sogar noch wichtiger als das Reden. Achtet genau auf das Handeln

Bei dem großen japanischen Meister Shunryu Suzuki kommen diese Eigenschaften besonders klar heraus. Er brachte den wahren Zen nach Amerika. Er hat uns im Westen also den Zugang zum wahren Zen-Buddhismus eröffnet. Der Titel seines berühmten Buches lautet: "ZEN-Geist ist Anfänger-Geist". Ihr findet alte Videos unten zum Anklicken. Wer nicht so gut Englisch kann, sollte einfach auf das Gesicht, das humane Handeln und die Mimik von ihm achten. Was vermittelt uns Shunryu Suzuki? Wie fühlt ihr euch selbst, wenn ihr ihn seht? Möchtet ihr ihn als Freund oder Lehrer auf dem ZEN- Weg haben? Möchtet ihr so ähnlich werden wie er, wenn ihr alt werdet?

Mein Lehrer Nishijima Roshi hatte eine ganz ähnliche Ausstrahlung. Als ich auf einer Umwelt-Konferenz in Tokyo war und  ihn noch nicht kannte, schrieb er mir ein Fax ins Hotel, dass er sich auf einen "talk" über Buddhismus mit mir freue. So einfach und menschlich. Das hat mich damals sehr berührt, denn er kannte mich gar nicht. Ich hatte sofort Vertrauen zu ihm

Er hatte gerade seine bahnbrechende Übersetzung des großen Werks Shobogenzo von Meister Dogen beendet. Dann lernte er Sanskrit und begann die Arbeit am Mittleren Weg von Nagarjuna. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man ohne diese beiden epochalen authentischen Werke den Buddhismus heute erlernen und verwirklichen kann, wir er es vorgemacht hat. Und was sagte er, als er über 90 Jahre alt war? "Ich bin glücklich".

Schließlich darf sich nur jemand ZEN Meister nennen, der ein offizielles Dokument der Dharma Transmission nachweisen kann und zentral in Japan als Roshi registriert ist.

Shunryu Suzuki Roshi: 
Video 1
Video 2


Dienstag, 14. April 2020

Lebens-Energie und spirituelle Antikörper durch Meditation, Video


In der jetzigen Corona-Krise ist viel von Antikörpern gegen die Viren die Rede. Nach überstandener Krise ist man dann immun gegen die Krankheit. Wie können wir unsere Energie gegen Krisen stärken und "spirituelle Antikörper" entwickeln? Was kann Zen und der Buddhismus für Antikörper generieren, die unser gesamtes Immunsystem stärken? Dann können die Schädigung und das psychische Leiden milde bleiben oder ganz überwunden werden.

Meister Dogen und wir empfehlen die Zazen-Meditation. Das ist körperlich korrektes aufrechtes Sitzen, ohne besondere Affekte und ohne komplexe geistige Arbeit: Einfach nur Sitzen.

Dieses Zazen ist die erste Erleuchtung, wie mein Meister Nishijima es nannte und selbst erfahren hatte. Und was heißt hier Erleuchtung und Erwachen? Zunächst und vor Allem "gut drauf sein und im flow handeln" also auch in Krisen gut zurecht kommen. Das klingt recht einfach und bedeutet keine geistige Schwerstarbeit und auch keine körperlichen Qualen.

Diese Meditation hat erstaunliche positive Wirkungen. Ähnlich wie Yoga werden Heil-Kräfte durch alte bewährte Körper-Haltungen erzeugt und aktiviert. Wer dran bleibt, kann so Erwachen und Erleuchtung erlangen. Auf jeden Fall kann man besser leben und hat mehr Freude. Denn Freude macht klug und kreativ, wie Gehirnforscher sagen. Stress und Angst machen dagegen dumm und depressiv.

Der große Meister Dogen hatte viele Jahre intensiv in Japan Buddhismus studiert und große Meister befragt, wie er Befreiung und Erleuchtung erlangen könnte. Aber ohne Erfolg. Deshalb beschloss er, nach China zu reisen. Und tatsächlich: Nachdem er seinen wahren Meister Tendo Nyojo getroffen und Zazen praktiziert hatte, erlebte er das großen Erwachen und die ganzheitliche Befreiung. Diese Praxis ist heute genau so wirksam wie damals. Sie erzeugt wirksame und ganzheitliche spirituelle Antikörper gegen Krisen!

Hier das Video von Eberhard-Gensa aus unserer "Dogen Sangha Mittlerer Weg". 

Anklicken:
Video Meditation

Montag, 30. März 2020

Gleichnis der zwei Pfeile: Krisen meistern


Nishijima Roshi: Vortrag zu Meister Dogen und dem Mittlerer Weg

Handeln befreit und ist ein wirkungsvoller Impfstoff gegen die Krise!

Der Buddhismus sagt realistisch und seit langer Zeit, dass wir in unserem Leben in Krisen geraten können. Krisen sind also in gewisser Weise normal. Buddha zeigt dazu aber den Weg auf, wie wir das Leiden solcher Krisen überwinden oder zumindest deutlich verringern. Diese jetzige Corona-Krise trifft uns unverhofft von außen, wir haben sie nicht selbst erzeugt. Was ist zu tun?

In den Vier Edlen Wahrheiten nennt Buddha die Leiden: Jammer, Gram und Verzweiflung, also Panik, Hoffnungslosigkeit, Angst und Stress. Das sind die wichtigen Formen des Leidens, die wir auch in dieser Krise haben und beobachten können. 

Buddha sagt, dass durch seine Lehre und Praxis diese Leiden zur Ruhe kommen und dass sie überwunden werden können. Also weder Panik noch Leichtsinn, wie uns die übertreibenden Medien einimpfen wollen. Solche Extreme sind immer unwahr. Buddha lehrt dagegen, dass wir durch den Mittleren Weg zur Befreiung und Erleuchtung kommen können, auch und gerade in der Krise. Das klingt wirklich verblüffend! Wie kann das erklärt werden?

Buddha war ein großer Therapeut, wie wir heute sagen würden. Er setzt also bei der Psyche und dem Geist des Menschen an, denn genau dort entsteht das Leiden. Wo denn sonst? Gerade bei solchen Krisen entsteht also das Leiden eigentlich nicht durch die objektiven äußeren Faktoren sondern vor allem durch uns selbst. Zum Beispiel durch Unklarheit, Aufgeregtheit, Trägheit, Abhängigkeit und Übelwollen oder auch Hass. 

Und was hat es nach Buddha mit dem Gift der Gier auf sich? Die Informations-Gier nach Negativem und Hoffnungslosem ist das neue Gift, verabreicht durch viele Medien. Das ist die Gier nach Informationen über Verzweiflung, Jammer, Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit und Niedergang, Das könnt ihr in den tägliche Katastrophen-Informationen der Medien  klar analysieren. Ist das nicht eigenartig und völlig sinnlos? Die  Medien verstärken unser Leiden der schädlichen Informations-Gier. Diese Gier ist die Ursache für neues zusätzliches und völlig überflüssiges Leiden. In der Krise brauchen wir aber Optimismus, Kreativität und neue Tatkraft, auch für die Zeit nach der Krise.

Wissenschaftlich handelt es sich übrigens bei Corona um eine sog. Ereignis-Krise, die nicht so lange anhält und bald in die Erholungs-Phase überleitet. Sie  unterscheidet sich daher grundsätzlich positiv von der spekulativen Finanz-Krise 2008, die selbst verursacht war und länger dauerte.

Wie können wir uns von dieser Leid bringenden Gier  nach Negativ-Informationen befreien? Was empfiehlt Buddha als Wahrheit der Heilung und Befreiung? Klare Sichtweise, rechte Entscheidungskraft, rechtes Handeln, klare Selbstbeobachtung und nicht zuletzt Meditieren, z. B. Zazen. Denn ohne das tägliche Meditieren verpassen wir schlicht und einfach die Heilungs-Energie dieser wirkungsvollen Praxis. Diese Energie, chinesisch Chi, ist bewährt und kommt beim Meditieren effizient zum Fließen. Der Energie-Fluss wird dann nicht mehr blockiert, er versiegt nicht und kann wieder frei laufen und sich gut und heilsam entwickeln. Ich folge dieser Lehre und Praxis.

Durch die jetziger Krise können wir nach Buddha also auf dem Weg der Befreiung vorankommen. Das ist in Tat verblüffend.  Nach der Krise haben wir dann für unser Leben viel an Können und Klarheit dazu gelernt und werden zukünftige Schwierigkeiten deutlich besser meistern. 

Das Gleichnis der zwei Pfeile:
Der erste Pfeil trifft uns in einer Krise von außen, ohne unser Zutun. Den zweiten Pfeil schießt ihr euch durch Jammern, Klagen und Verzweiflung selbst ins Knie. Dann könnt ihr in der Krise nicht mehr laufen! Der zweite Pfeil ist in Wirklichkeit das selbst verursachtes Leiden. Die Wahrheit Buddhas lautet: Der zweiten Pfeil erzeugt das Leiden, aber nicht der erste. Und dieses Leiden könnt ihr durch gute Praxis überwinden. 

Also: Trainiert durch Buddhismus euer psychisches Immun-System gegen Krisen. Das hilft!

Grübeln, Klagen, Panik, selbst erzeugter Stress und Schimpfen bringt also in einer Krise überhaupt nichts. Im Gegenteil, es verstärkt durch zusätzliches Leiden die eigene Krise. Es blockiert den eigenen guten Energie-Fluss und schadet dem eigenen Geist erheblich. Es schwächt besonders unser Immun-System, dessen positive Wirkung wir gerade in der Krise dringend  benötigen. 

Im Zen empfehlen wir daher aktives sinnvolles Handeln im Augenblick und das tägliche Meditieren des Zazen, mit geradem Rücken. Einfach senkrecht sitzen. Es ist nicht schwer und hilft wirklich. Das habe ich selbst erfahren und kann es bezeugen.


Mittwoch, 18. März 2020

Die Krise überwinden und zur eigenen Entwicklung nutzen


Nishijima Roshi, bitte anklicken

Keine Frage: Wir stehen am Beginn einer umfassenden Krise. Aber Buddha lehrte aus eigener existentiellen Erfahrung: Auch eine schwere Krise geht vorbei.

Der Buddhismus ist in Krisen entstanden und hat sich in sehr schweren Zeiten bewährt, in Indien, China, Japan und jetzt bei uns im Westen. In Japan tobte 130 Jahre lang ein grausamer Bürgerkrieg und der Zen entwickelte und bewährte sich gerade dabei. Nicht zuletzt deswegen bin ich am Zen dran geblieben.

Mein Lehrer erlebte die schwere Zeit des zweiten Weltkriege in Japan und ist dran geblieben. Nicht zuletzt deswegen hatte ich großes Vertrauen zu ihm. Auf diese Lehre und Praxis  kann man sich seit 2500 Jahren verlassen. Das sind also keine Glasperlenspiele, ob es überhaupt eine Wirklichkeit gibt und derartige intellektueller Spielchen: Im Gegenteil, Handeln hier und jetzt, mit der Kraft unserer klaren Mitte.

Ich selbst habe als junger  Informatiker eine harte Krise mit bösen Versagens-Ängsten im Beruf erlebt.  Dann habe ich die Zazen-Meditation gefunden, erlernt und morgens und abends praktiziert. Ich konnte dann wieder ruhig schlafen, der Angstdruck löste sich auf und mein damaliges Können kam zurück. Denn Angst macht dumm, wie die Gehirnforscher wissen. Und das kann man in Krisen am wenigsten gebrauchen. In der IT begann dann für mich zusammen mit einem großartigen neuen Team die wohl kreativste und auch erfolgreichste Berufszeit. Wir beschritten in der Pionierzeit der IT neue Wege für die sinnvolle Nutzung. Das hat tiefe nachhaltige Freude gemacht! Deshalb bin ich dran geblieben.

Und nach dem zweiten Weltkrieg erlebte ich als Kind die Überwindung der ganz schweren Krise.

Aber jede Krise entsteht, hat ihre Zeit und kommt zur Ruhe. So wird es auch mit dieser Krise gehen. Sie geht zu Ende, wenn der neue wirksamer Impfstoff  produziert und eingesetzt wird. Dann wird sich auch die Wirtschaft erholen. Gerade in  solchen Schwierigkeiten ist die zentrale Lehre Buddhas: Aktiv, verantwortungsvoll und klar mit anderen handeln, jetzt im Augenblick.

Unser Leiden kann zur Ruhe kommen, auch Jammer und Verzweiflung. Und der bewährte Buddha-Weg ist der Achtfache Pfad, also Klarheit, Handeln, Entscheidungskraft, Ausdauer, Achtsamkeit und Meditation.

Krisen sollte man nutzen, um sich vom Ballast des Lebens zu befreien, sich auf das wirkliche Wichtige im Leben zu besinnen und kreative neue Wege für die eigene Entwicklung zu finden und zu gehen. Buddhismus ist eine positive Lebens-Philosophie, um Leiden zu überwinden und nicht um darin hängen zu bleiben. Packen wir es an, lasst die Energie fließen!

Mittwoch, 11. März 2020

Buddha und die Corona-Krise: Stabiles Gleichgewicht und klare Achtsamkeit



Die Medien überschlagen sich mit Extrem-Behauptungen und Katastrophen-Prognosen zur Ansteckung mit dem Corona-Virus. Medien übertreiben fast immer: Katastrophen-Infos bringen nämlich die meisten Klicks und Anschalt-Zeiten und damit die höchsten Werbe-Einnahmen. Das ist das kapitalistische Geschäfts-Modell der Medien.

Was hätten Buddha und Dogen wohl geraten? Nach der Überlieferung lehrte Gautama Buddha kurz vor seinem Tod die acht Wahrheiten eines wirklich großen Menschen, also eines Buddhas oder eines Bodhisattva. Sie sind eine Zusammenfassung der Weisheit des Mittleren Weges. Zwei dieser Weisheiten möchte ich euch heute nennen. Im letzten Kapitel des großen Werkes Shōbōgenzō, das Dōgen schrieb, als er schon schwerkrank und vom Tode gezeichnet war, sind die acht Wahrheiten ebenfalls das Thema.

Diese letzte Lehrrede fasst die wichtigsten Regeln für ein wahres buddhistisches Leben recht einfach und praxisorientiert zusammen.[i] Die Regeln sind keine Dogmen, sondern ähnlich wie die Bodhisattva-Gelöbnisse als Hilfe für unser tägliches Leben zu verstehen. Sie zeugen vom Realitätssinn des Mittleren Weges und von der konsequenten Vermeidung von idealisierten und dogmatisierten Übertreibungen und Extremen im Zen. Sie beinhalten keine Extrem-Aussagen und moralisch überzogenen Forderungen, die auch manchen Traditionen des Buddhismus leider nicht fremd sind, aber bei Buddha nicht vorkommen. Mit solchen Doktrinen kann man das Leiden nicht überwinden und keine Erleuchtung erlangen, sondern erzeugt Angst und Negativität die eigene Entwicklung. Und damit arbeiten die Medien in Sachen Corona.

Dōgen schreibt am Anfang seines Kapitels, dass man den ruhigen und ausgeglichenen Lebenszustand erreicht, wenn man diese Wahrheiten verwirklicht. Dabei verwendet er wie Nāgārjuna den Ausdruck „zur Ruhe kommen“. Er spricht davon, dass man in das Nirvāna eingeht und meint damit vor allem den Zustand des Gleichgewichts und der Befreiung im Hier und Jetzt.

Das Gleichgewicht der ZEN-Meditation verwirklichen
Dies bedeutet, dass wir ohne Störung im Gleichgewicht der Meditation und im Buddha-Dharma verweilen. Nishijima Roshi betont, dass es ohne die Meditation, zum Beispiel des Zazen, keinen Buddhismus gibt, und Gautama Buddha erklärt, dass durch die Steuerung des Geistes der Zustand der inneren und äußeren Balance eintritt. Dann zerstreut sich unser Geist nicht, sondern ist gesammelt. Buddha vergleicht ihn mit einem Leitungssystem für Trinkwasser, das kein Leck hat und dicht ist, sodass kein Wasser unnütz versickert und verloren geht. Klingt vielleicht etwas eigenartig, aber hat Power: Lasst euch nicht die eigene gute Energie und den guten Fluow wegnehmen!"

Nicht die rechte Achtsamkeit verlieren
Hier geht es vor allem um die wahre Achtsamkeit für andere und nicht um den sentimentalen Selbstbezug und das Selbstmitleid, die heute häufig festzustellen sind. Der Begriff der Achtsamkeit ist also nach Dōgen umfassend zu verstehen. Wenn man dauernd um sich selbst kreist, sich krampfhaft beobachtet und interpretiert, entspricht das bestimmt nicht der sinnvollen Achtsamkeit. Dōgen setzt dabei vor allem auf gute Lehrer, denen wir uns anvertrauen und unter deren Anleitung wir auf dem Mittleren Weg Buddhas weiterlernen.

Gestärkt durch eine solche Achtsamkeit können uns „die Banditen der Not“ nicht erobern und wir bleiben im Gleichgewicht. Wir sollten deshalb unsere Gedanken und Gefühle steuern, vor Extremen bewahren und sie im richtigen Ort des Geistes halten. Wer seine Achtsamkeit verliert, verliert seine Tugend und Lebensfreude. Durch die Achtsamkeit seien wir im Kampf des Lebens wie durch einen Panzer geschützt.


Vertiefung: ZEN-Meditation


[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 4, S. 291ff.

Freitag, 21. Februar 2020

Ökologischer Fußabdruck und Umwelt-ZEN

Fridays for Future: Leiden durch Umwelt-Zerstörung, 

böses Umwelt-Karma

ZEN ist volles Erleben, Handeln und lebendiger Energiefluss, Chi, im Augenblick. Dogen sagt Erleuchtung ist "Feuerholz tragen und Wasser schöpfen". Das waren die scheinbar ´niederen´ Arbeiten in den Klöstern. Wasser Luft und Boden waren für die heutigen Verhältnisse natürlich, rein und frisch. Der Frühling war Wirklichkeit, weil die Pflaumenblüten als weiße Tupfer auf den knorrigen Bäumen im Klostergarten leuchteten, manchmal zusammen mit den tanzenden Schneeflocken. Ein alter Meister sagte: "Wir entbehren hier nichts: Wir haben die Schönheit und Reinheit der Natur und das Zwitschern der Schwalben". Und die Schwalben verwirklichen den Sommer zusammen mit unserem Zazen. Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung, wie Buddha und Nagarjuna sagen.
Die heutigen und zukünftigen jungen Menschen werden dagegen durch den ökologischen Fußabdruck leiden. Trotz Industrie-Leistungen, materiellem Wohlstand und fast überbordender Info-Gesellschaft trifft sie das Umwelt-Karma mit voller Wucht [1]. Es wird genau von uns verursacht. Unser Umwelt-Karma ist unser Öko-Fußabdruck! Was den sonst? Wir leben im Extremismus des Materialismus und einer extremen Konsumsucht. Ohne Rücksicht auf das Gleichgewicht der Natur! 

Unsere Kinder werden später mit diesem fatalen Fußabdruck leben müssen: Viele werden krank sein, früher sterben und Klima-Katastrophen werden zunehmen. Das umso mehr, weil die jungen Menschen  in eine Welt des materiellen Konsums, der Verschwendung und ungesteuerter Info-Gier hineinwachsen. Sie können dann nicht lernen, Fake-News von Wahrheit zu unterscheiden.
Sinn entleerter materieller und informationeller Genuss im Augenblick ist kein ZEN, er erzeugt unweigerlich Karma, das sich fortsetzen wird, ob wir wollen oder nicht, positiv aber gerade auch negativ. Nishijima Roshi sagte dazu: "Actions are carved in the universe", Handlungen sind in das Universum eingraviert, gute und leider auch schlechte. Das gilt gerade für unser Umwelt-Karma als Fußabdruck in der Welt und im Universum. Der heutige materielle und informatielle Konsum darf nicht zum beschmutzten Fußabdruck der Zukunft werden. Wir müssen das ändern !! Es gibt kein ZEN-Erwachen im Jetzt der heutigen Zeit ohne Umwelt-Ethik.

Was ist zu tun?  Vor allem sollten wir das eigene Umwelt-Karma, den eigen Fußabdruck genau beobachten, analysieren und wirksam verbessern: Den eigenen unnützen Energie-Verbrauch von Auto, Fliegen und Heizen vermindern, so wenig wie nur möglich, die nicht abbaubare Kunststoffe verwenden, usw.. Besonders wichtig: Keine Lebensmittel unnütz kaufen und dann wegwerfen. Fast ein Drittel der Nahrungsmittel werden in Deutschland in den Abfall geworfen und in das Abwasser gespült. Davon leben Ratten in unseren Abwasser-Systemen. Dadurch ist unser Boden mit gefährlichem Nitrat und Antbiotika belastet wie noch nie in der Menschheits-Geschichte. Es werden so sinnlos Tiere getötet. Umwelt-Deutschland kann nur andere überzeugen, wenn Reden und Handeln eine ungeteilte Wirklichkeit sind.

Warum konnte die Auto-Industrie den gigantischen Diesel-Betrug solange verbergen? Wo waren die professionellen Umwelt-Schützer? Aber auch die Käufer und Autoverkäufer haben weggeschaut. Wirklich grotesk: Mein alter Diesel war umweltfreundlicher als ein neuer mit Reinigung der Umwelt-Norm 6, die dann auf der Straße bewusst (!) abgeschaltet wurde.

Wir müssen also viel achtsamer für unser Umwelt-Karma werden und unser Handeln umstellen. Nach Dogen gilt das Gesetz des Karma ohne Ausnahme. Daher meine Bitte: Analysiert euren Öko-Fußabdruck und verbessert euer Umwelt-Karma, jeder für sich. Denn das Karma ist individuell und man kann ihm nicht entfliehen. Nagarjuna vergleicht das Karma mit einem Schuldschein, der eingelöst werden muss, er muss also beglichen werden. Man kann den Schuldschein schon gar nicht intellektuell wegdiskutieren. Karma wirkt wie ein Bumerang: Es trifft genau den, der ihn geworfen hat. Der Bumerang kehrt zurück.

Karma ist einfache Tatsache. Wie mein Lehrer Nishijima Roshi sagte: "Actions are carved in the universe"

Verständliches Video für Interessierte: Buddha: Das Leben ändern!



[i] Vgl.: Waskönig, Dagmar Doko: Das Shobogenzo des Dogen Zenji, S. 213 ff..

Samstag, 15. Februar 2020

Ein erstaunliches Koan: Der Ost-Berg geht über das Wasser

Dogen zitiert die eigenartigen Aussagen eines alten Meisters:

„Die blauen Berge wandern ständig, die Steinfrau gebiert in der Nacht ihre Kinder.
Der Ost-Berg geht über das Wasser"

Diese  Kōans widersetzen sich scheinbar dem logischen Verstand. Aber sind sie wirklich paradox und unsinnig oder fehlt uns nur der Schlüssel für den wahren Sinn? Und dieser Sinn und diese Bedeutung sind mehr als das übliche Alltags-Verständnis, sie sind ZEN-Weisheiten und ZEN-Praxis. Keine Frage: Der alte Meister lockt uns in die Falle des simplen Materialismus. Nishijima Roshi interpretiert, dass die großen Meister ein umfassendes intuitives Verständnis und eine intuitive klare Sicht der Bewegungen und Veränderungen in der Natur hatten, ohne dass ihnen unsere modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Verfügung standen.

Wenn unser statisches, vor-fixiertes Wissen und Denken zur Ruhe kommt, wir loslassen und die Wirklichkeit ganz genau beobachten, können wir erfahren, dass die Berge keineswegs statisch und absolut unveränderlich sind. Sondern sie "wandern unaufhörlich" und verändern sich. Sie sind nicht isoliert von uns, sondern mit uns in direkter lebender Wechselwirkung. Daraus ergeben sich unerwartete und verblüffende Einzelheiten und Zusammenhänge. Wenn wir zum Beispiel die Berggipfel genau zusammen mit den ziehenden Wolken betrachten, können wir eigentlich nicht sagen, ob sich die Berge bewegen, ob sie stillstehen oder ob sich die Wolken bewegen. Dies gilt umso mehr, wenn wir selbst wandern. Wer bewegt sich also wirklich? Wandern die Berge nicht im Rhythmus unserer eigenen Schritte? Mein Tipp: Beobachte doch dieses Phänomen in den Bergen einmal selbst: Du wirst die Berge wandern sehen, wenn Du Dein angeblich so sicheres Vorwissen über Berge aufgibst!

Wir sollten uns nach Dōgen also von unserem scheinbar selbstverständlichen Vorwissen viel häufiger befreien und genau beobachten, was vor uns ist und sich vor uns bewegt. Damit sehen wir wirklich. Dadurch entsteht bei uns die befreiende Erfahrung, dass auch wir selbst uns bewegen. So können wir uns aus der geistigen Starre des vorgeprägten Wissens befreien. Wir erlangen dann die unmittelbare Freiheit des "Anfänger-Geistes“[i], die nicht durch störendes Denken zementiert ist. Dann kann Deine natürliche Energie (Chi) wieder ungehindert fließen, das ist wahres Leben!

Wenn wir uns in den Bergen aufhalten, uns dort bewegen und wandern oder in einem Kloster praktizieren, ist dies nach Dōgen, als würde sich eine Blüte für uns und mit uns öffnen, es ist die Wirklichkeit des Buddha-Dharma. Wir sollten uns dabei natürlich ganz für den Augenblick öffnen und „klare Augen“ haben, um die Berge wirklich zu sehen, zu erkennen, zu hören, zu riechen, zu tasten und zu erfahren.

Dōgen sagt, dass die "Bergfrau ihre Berg-Kinder gebiert“. Er sagt damit, dass die Berge leben, sich verändern, sich bewegen, sich teilen und daher auch „Kinder“ bekommen. Offensichtlich will er uns klarmachen, dass die Berge nichts Statisches und Totes sind. Sie sind nicht absolut und haben keine unveränderliche Substanz, wie es im "Mittleren Weg" bei Nagarjuna heißt: Wir sollten unsere Geist leer machen von verengten Doktrinen und starren Prägungen.

Dogen kritisiert in ungewöhnlicher Schärfe diejenigen, die die Lehre des ZEN-Buddhismus als paradox und nicht-logisch "verstehen". Dann würde ein ZEN-Meister sich durch Paradoxien auszeichnen. So ein Blödsinn! Dogen berichtet aus dem China der Song-Zeit, wo es viele Gruppen und Lehrer gebe, die die obigen Koans als schlagenden Beweis dafür anführen, dass der Zen-Buddhismus nicht logisch sei. Sie behaupten, es sei daher überhaupt nicht sinnvoll, die überlieferten Aussagen der alten Meister zu studieren und sich den Sinn zu erarbeiten. Die Koans seien jenseits des rationalen Verstehens. Dōgen dazu sagt in aller Klarheit:
 
„Diejenigen, die so reden, sind noch niemals einem wahren Lehrer begegnet. Sie haben nicht die Augen, in der Praxis zu lernen...Sie haben es nicht verdient, sich mit ihnen zu befassen.“

Auch heute kann man hören, dass die Schriften von Meister Dōgen unlogisch, widersprüchlich und mystisch seien. Sie sind aber von großer intuitive und umfassender Klugheit und „über-rational“. Seine Aussagen sind gerade mehr als hohle Logik von isolierten Dingen und Phänomene, den angeblich unveränderlichen und substanzhaften Dharmas. Dies beweist auch der große indische Meister Nāgārjuna messerscharf im Mittleren Weg.

Daher "wandern die blauen Berge, und der Ostberg geht über das Wasser". Ist doch klar? Oder nicht??

Teilweise meinem Buch "Sternstunden des Buddhismus" entnommen. 
Siehe auch; Waskönig, Dagmar Doko: Das Shobogenzo des Dogen Zenji, S. 62 ff.





[i] Suzuki, Shunryu: Zen-Geist, Anfänger-Geist

Freitag, 7. Februar 2020

Wer mit der Natur erwacht, fällt nicht zurück


Es gibt viele Geschichten über Erleuchtungs-Erlebnisse in und mit der Natur. Es heißt im ZEN: Wer mit der Natur erwacht, fällt nicht mehr zurück. Warum? Die Natur ist wie sie ist, und die Natur-Energie fließt, wie sie fließt. Die Natur wirkt im Menschen. Und der Mensch wirkt in der Natur: wundervolle Wechselwirkung! Da passt kein Haar dazwischen, wie wir im ZEN sagen. Die Natur verbreitet keine Ideologien, keine fake news und Doktrinen, sie will uns nicht zu irgendetwas überreden, will uns nichts verkaufen und will uns nicht bei einer politischen Wahl beeinflussen: die Natur ist so und fließt so - wirklich[1].

Der Mönch Shikan verließ das Kloster, weil er mit all seinem Studium das Erwachen und die ersehnte Erleuchtung nicht erlangen konnte. Er folgte den Spuren des großen Landesmeisters Daisho. Er zog sich auf einen Berg zurück und lebte dort allein im Einklang mit der Natur. An dem Ort, an dem auch der legendäre Meister gelebt hatte, baute sich Shikan eine einfache Hütte mit einem Strohdach. Er pflanzte Bambus und – wie Dōgen es ausdrückt – „machte ihn zu seinem Freund“.

Eines Tages geschah etwas für ihn völlig Unerwartetes: Als er seinen Weg vor der Hütte fegte, löste sich ein Kieselstein vom Boden, traf den Bambus und erzeugte dabei einen plötzlichen Ton: „Bong“!!  Indem Shikan jäh und unmittelbar den Ton hörte, wirklich und ohne jeden intellektuellen und doktrinären Überbau, war er direkt in der Wirklichkeit angekommen. „Bong“ – das ist es, die Wahrheit zu hören, das ist die Natur: einfach, direkt und unkompliziert! Das ist das reine unverzerrte Hören, die natürliche Wahrnehmung. Kein komplizierter Intellektualismus, kein gestresstes Streben und keine verzerrenden Doktrinen. Leer von Theater-Donner und den Rauchschwaden des Ego-Geistes: Die einfache Wahrheit der Natur ist im Universum und in uns selbst. 

So einfach und wunderbar sind das Leben und das Universum: Bong. Und wir müssen gemeinsam unsere Natur retten. Das ist ZEN!

Gerade intellektuell hochbegabte Menschen mit einem scharfen Verstand und einem hervorragenden Gedächtnis für die buddhistischen Lehren und Kommentare geraten besonders in Gefahr, ihrer eigenen Selbstüberschätzung zu erliegen. Dadurch wird jedoch der direkte Zugang zum Sehen, Hören, zur Wirklichkeit und Natur versperrt, denn diese verwirklichen sich jenseits von analytisch überzogener Kompetenz und ausgefeiltem, aber verengtem Reflexionsvermögen. Dōgen zitiert dazu Shikan:

„Der große Meister Shikan verfasste schließlich die folgenden Verse:
‚Bei einem einzigen Aufprall (des Kiesels) verlor ich das (alte) Denken,
nicht länger muss ich die (erstarrte) Selbstdisziplin üben.
Es gibt keine (doktrinären) Spuren irgendwo:
Wahres Handeln geht über Ton und Form hinaus.‘

Die verhärteten Spuren des angelernten Wissens, der passiv aufgenommenen Doktrinen und verfestigten substanzhaften Bewertungen verschwanden während der fortdauernden Praxis in der Natur. Diese alten Verhärtungen hatte die natürliche fließende Energie (Chi) blockiert. Die materiellen und idealistischen eingeengten Dimensionen von Tönen und Formen wurden im direkten Erleben überschritten. Damit kam die meist schmerzhafte dualistische und fundamentalistische Trennung von Subjekt und Objekt nach Nagarjuna zur Ruhe und wurde aufgehoben.

So schildert Shikan in seinen Versen, dass der Zustand des Erwachens von allen Menschen, die ihn selbst erfahren und erlebt haben, überall in der Welt und in allen Ländern mit Recht gepriesen wird: Wer so erwacht, fällt nicht in Erstarrungen und Ideologien zurück.


Weiterlesen für besonders Interessierte:  Unverzerrten Wahrnehmung




[1] Teilweise entnommen aus meinem Buch: "Sternstunden des Buddhismus", Band 1