Sonntag, 27. Dezember 2020

Die Befreiung und Verwirklichung in der Corona-Krise

In der jetzigen Krise sind Erwachen und Erleuchtung besonders wichtig und schaffen ganz neue Hoffnungen und Perspektiven. Meister Dôgen spricht von dem großen Erwachen und der großen Verwirklichung. Das ist die berechtigte Hoffnung des Buddhismus: Das wahre Selbst verwirklichen. Was den sonst?

Nun haben wir einen wirkungsvollen Impfstoff. Das gibt Hoffnung. Und die Winter Sonnenwende liegt auch hinter uns. Die Sonne steigt wieder, zuerst langsam und dann schneller. Wenn die Sommer Sonnenwende da ist, haben wir die Corona-Krise weitgehend überwunden. Das macht Mut, auf gehts!

Das erwachte Handeln, Fühlen und Denken kommt aus unserer starken klaren Mitte und vermeidet Extreme. Dann sind Gier, Hass und Verblendung zu Ruhe gekommen und haben sich weitgehend aufgelöst. Sie haben ihre zerstörerische Kraft verloren. Und wie ist der Weg dorthin? Durch tägliche Meditation und Abbau des trennenden dualen Denkens und Fühlens. Am besten in Wechselwirkung mit positiven klaren Menschen. Das ist die Schulung auf dem Weg zu einem besseren und sinnvollen Leben. Dabei sollte alle Dogmatisierungen der "plötzlichen, allmählichen und ursprüngliche" Erleuchtung wegfallen. Das führt nur zu unnötigem Dualismus und damit zu Streit.

Und wie funktioniert Schulung und gutes Lernen? Durch Motivation, Freude und Wiederholung in kleinen Schritten. Auf dem richtigen Weg sind die kleinen Schritte viel wirkungsvoller als überzogene Super-Ziele. ´Nun mal ganz sutsche´ sagen wir an der Küste. Das freudige Lernen könnt ihr übrigens am besten bei Kindern beobachten, die ja andauernd erstaunlich viel lernen. Was sagt Buddha selbst zum Erwachen und Lernen auf dem Weg der Befreiung? Antwort: Wichtige Faktoren der Erleuchtung sind Freude, Energie Gleichgewicht und Genauigkeit. Umgekehrt sind zentrale Hemmnisse die ungesteuerte Sinnlichkeit, Hektik, Trägheit, Übelwollen und Kritiksucht. Genauer kann man es wirklich nicht sagen.



Und bitte so weit wie möglich den gewöhnlichen Kampf-Modus vermeiden. Er ist genau das Gegenteil von Heldentum, wie viele unbewusst wohl glauben und meinen. Falsches Heldentum hat schon viel Elend angerichtet: im Krieg, Berufskampf, Partnerkampf und auch durch die Corona-Leugner. Der Kampf-Modus schaltet die Vernunft und Empathie im Frontalhirn ab, wie wir von den Gehirnforschern heute wissen. Willst Du das wirklich? Doch wohl nicht.

Die Erleuchtung (japanisch Satori) oder das Erwachen hat im Buddhismus eine zentrale Bedeutung. Und es gibt sie wirklich, die neue Klarheit, Freude und Erleuchtung. Jeder Mensch kann sie erfahren und erleben! Jeder hat die Möglichkeit und das Potential zum Erwachen im Sinne Buddhas und der vielen Menschen, die das Erwachen tatsächlich erfahren haben. Das ist Buddhas klare Aussage und keine fake news. Über Erleuchtung und Erwachen sollte eben nicht nur geschrieben, kopiert und geredet werden. Es geht darum, selbst Erfahrungen zu machen. Mein Lehrer Meister Nishijima war der glücklichste und klarste Mensch, den ich in meinem langen Leben kennen gelernt habe. Das ist für mich der verlässliche Beweis für das Erwachen. Ich war übrigens mehrere Wochen Gast in seinem kleinen Appartement in Tokyo, daher kannte ihn recht gut und habe so viel von ihm gelernt.

Durch die Erleuchtung haben wir mehr Lebensenergie, mehr Freude, mehr Klarheit und ruhen in unserer Mitte. Mit anderen Menschen kommen wir besser aus und lassen uns nicht von Pessimismus, fake news und Verschwörungstheorien anstecken. Das ist in der jetzigen Korona-Krise besonders wichtig. Das Erwachen ist selten der große einmalige Sprung. Und es ist kein Sprung zum Allwissen, denn das gibt es für die Menschen nicht. Es ist besser, sich auf eine schrittweise Entwicklung einzustellen und sein Leben kontinuierlich zu verbessern. Das geht Hand in Hand mit unserer Übungspraxis und mit menschlich positiven Kontakten.

Dôgen sagt, dass wir vor allem durch die Zazen-Praxis zur Wirklichkeit und Wahrheit erwachen und damit ein erfülltes und kreatives Leben führen. Wer an der Zen-Praxis dran bleibt, wird sein Leben ganz sicher verbessern, je nach Stetigkeit seiner Praxis mehr oder weniger. Das kann ich aus eigener Erfahrung voll bestätigen.

Weiterlesen: Das große Erwachen im ZEN

                          Zazen heilt wie Akupunktur

                          Authentische Beschreibung der ZEN-Meditation

Dienstag, 15. Dezember 2020

Mit ZEN die Probleme im Beruf meistern


Manchmal werde ich nach meinem Beruf gefragt. Jetzt ist mein Beruf seit fast zwei Jahrzehnten Zen und Buddhismus, Theorie und Praxis.. Ich war früher Informatiker. Zunächst war ich in der IT-Industrie tätig und habe dort IT-Systeme entwickelt, also Computersysteme und Datenbanken. Es war die Pionierzeit, man konnte die Systeme nicht einfach herunterladen, sondern musste sie selbst planen, entwickeln und einführen. Aber dadurch lernte man sehr viel mehr über die Leistungen und Grenzen der Systeme. Denn es war wirklich für uns  die Pionierzeit der Informations-Technik, Mit seinen Möglichkeit und Grenzen.

Unter anderem war ich im Bundesministerium für Forschung und Technologie tätig und habe dort deren Systeme entwickelt. Mich bewegte die Frage, wie man die hohe lebende Intelligenz der Mitarbeiter des Ministeriums mit der neuen Computer-Intelligenz zusammenbringen konnte. Es ging also um Lernprozesse in der Zeit mit der neuen Computer-Technik. Da ich noch ziemlich neu in der IT-Praxis war, hatte ich den Nachteil, dass ich noch wenig programmiert hatte und die wenigen vorhandenen Programmsysteme noch nicht gut kannte. So bin ich ziemlich unvorbereitet mit der künstlichen Intelligenz in Berührung gekommen. Ich habe versucht herauszufinden, was der Unterschied zwischen Computer-Intelligenz und menschlicher Klugheit ist. Dazu waren vor allem Schnittstellen und deren Funktionalitäten wichtig: Auf der einen Seite verschiedene Benutzergruppen und auf der anderen Seite die damaligen noch recht eingeschränkten Funktionalitäten der Maschinen. Dabei bin ich immer mehr in diese Fragen und Möglichkeiten des Buddhismus hineingekommen. Wie das?

Ein wichtiges Problem muss ich dazu erklären: Ich hatte im Ministerium auf hoher Ebene eine Aufgabe bekommen, die eigentlich zu schwer für mich war. Daher litt ich als junger Informatiker unter bösen Versagensängste. Und konnte nicht schlafen und so weiter, diese üblichen bösen Geschichten: Man ist nervös und kann sich nicht konzentrieren. Wie es im Leistungssport heißt: Man kann nicht einmal seine normalen Leistungen abrufen. Tagsüber versucht man so einigermaßen über die Runden zu kommen. Nachts kann man nicht schlafen. Und man muss die eigenen Leistungen für die anstehenden Aufgaben noch steigern. Aber wie!?

Dann habe ich ein neues amerikanisches Buch zum Zen entdeckt, wo beschrieben wird, wie man meditiert, Zazen heißt das. Und das habe ich auch wirklich durchgezogen, morgens und abends. Es muss gar nicht so lange sein, mit einer bestimmte Sitzhaltung, geradem Rücke, usw., eigentlich relativ einfach.

Dadurch wird der Kopf klar und man gewinnt wieder Vertrauen zu sich selbst. Und das Wesentliche war damals, dass ich gute Leute für das Team gefunden habe. Ich war also offen auch für andere. Dabei habe ich einen fast genialer Programmierer entdeckt und für die Zusammenarbeit gewinnen können. Der konnte viel besser programmieren als ich.

Und dann haben wir eben ein kleines Team gebildet und richtig gute Systeme entwickelt. Wir sind ganz neue Wege bei der Benutzer-Freundlichkeit gegangen. Diese Systeme waren dann mehrere Jahre die wichtigsten für alle Bundesministerien und wurden viel benutzt. Dadurch konnte ich meinen Start als IT-Mann positiv durchziehen und habe richtig gute Erfahrungen gesammelt. So hat mir die Zen-Praxis aus einer gefährlichen Situation heraus geholfen. Ich wollte damals ja nicht als Verlierer vom Platz gehen. Wer will das schon?!

Und wenn es mir später schlecht ging, habe ich die Meditations-Praxis verstärkt. Also keine Wohlfühl-Meditation, wenn es einem sowieso gut geht. So bin ich beim Zen und Buddhismus geblieben. Alles andere wäre wirklich Unsinn gewesen.

Weiter lesen:Die Sein-Zeit bei Dogen

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Das Lotos-Sutra: Die tiefe Weisheit des Zen-Meisters Dogen

Das Lotos-Sūtra ist zweifellos eines der wichtigsten und am meisten gelesenen buddhistischen Schriften Asiens. Es hat gute Hinweise für Dich, wie man mit Freude lebt und Gefahren vermeidet. Es ist überaus poetisch und entfaltet nicht zuletzt durch die Gleichnisse die volle Kraft und Lebensbejahung für jeden von uns, zum Beispiel vom brennenden Haus und verlorenen Sohn. Wörtlich könnte man es als „Sūtra der Lotosblume des wunderbaren Dharma“ bezeichnen. Es wird oft als eine Art Märchenbuch des Buddhismus verstanden. Aber das nicht einmal die halbe Wahrheit.

Was ist nun der Kern dieses großen Werkes?

Dōgens zentrale Aussage lautet:

Die Dharma-Blume bewegt und dreht die Wahrheit der Welt

Diese Zitat erschließt sich nicht durch dualistisches Denken und einseitigen Intellekt.[1] Was ist gemeint? Antwort: Du kannst in deinem Rahmen mitwirken und bist nicht vereinsamt! Denn Einsamkeit ist heute vermutlich die wichtigste Ursache für Depression und Passivität.  Das Lotos-Sutra sagt uns, wie wir besser mit unseren Problemen fertig werden. Denn die Dharma-Blume deines Lebens dreht sich nach  Dōgen bei der natürlichen Praxis des Bodhisattva-Weges und weicht nicht einmal geringfügig davon ab. Gleichzeitig verwirklichen sich die guten Dinge und Phänomene dieser Welt unmittelbar für dich, in und mit der wunderbaren Dharma-Blume. Dann verliert verliert sich deine Dharma-Blume nicht in fantastischen Illusionen und wirklichkeitsfernen Träumen. Denn so etwas endet immer in Enttäuschungen, Negativität und Leiden für dich. Im Gegensatz dazu enthüllt, offenbart und verwirklicht sich die Dharma-Blume, und damit ist der Zugang zu ihr für die Menschen in der ganzen Welt und im großen Universum eröffnet. Dann sind schädliche Ideologien und Dogmen wirkungslos, wie Nagarjuna im Mittleren Weg präzise herausarbeitet. Dann können wir das Leiden verlassen!

Mit der Blume des Dharma sind die Orte wirklich, an denen Buddha lehrte Es gibt den Raum, den großen Ozean und die große Erde, und diese sind für die Menschen das eigene vertraute Land. Wenn sich die Dharma-Blume dreht, ist sie dieses Handeln, das nicht starr, unveränderlich und unbeweglich ist. Im Gegenteil, es es ist die lebendige Wirklichkeit und der Schatz des wahren Dharma-Auges. Dieses Auge sieht weiter und tiefer. Das ist die authentische Lehre Buddhas.

Dōgen zitiert die Geschichte von Hotatsu, der in jungen Jahren Mönch wurde und sich vollständig dem Lotos-Sūtra widmete. Er prahlte sogar damit, dass er das Lotos-Sūtra  bereits auswendig  mehr als dreitausend Mal rezitiert hatte. Der große Meister Daikan Enō (Hui Neng), der selbst nicht lesen und schreiben konnte, sagte ihm jedoch:

„Auch wenn du das Sūtra zehntausendmal (rezitiert hast), wirst du nicht in der Lage sein, (deine eigenen) Fehler zu erkennen, wenn du es nicht wirklich verstanden hast.“

Daraufhin wurde der Mönch Hotatsu sehr nachdenklich und war tief verunsichert. Meister Daikan Enō fuhr fort:

„Wenn der Geist in Täuschung ist, dreht sich die Blume des Dharma (ohne uns).

Wenn der Geist in der Verwirklichung ist, drehen wir die Blume des Dharma.

Wenn wir nicht Klarheit über uns selbst haben, wird (das Sūtra) wegen seiner großen Kraft zu

(unserem) Feind, ganz gleich, wie häufig wir es rezitieren.

Ohne (egoistische) Absicht ist der Geist wahrhaftig.

Mit (egoistischer) Absicht wird der Geist falsch.

Wenn wir dieses dualistische „Mit oder Ohne“ (Egoismus) überschreiten,

fahren wir von jetzt an im weißen Ochsengespann.“

Meister Daikan Enō erläuterte dem Mönch vertieft das Wesentliche des Lotos-Sūtra. Er sagte, dass die meisten Probleme durch die eigenen Vorstellungen, Dogmen und Fantasien entstehen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Diese vom unheilsamen Geist fabrizierten Schein-Wahrheiten isolieren uns von dem lebenden Fluss des wahren Lebens, wie auch Meister Vasubandhu sagte.

Gerade wenn man den Verstand und Intellekt bis zum Äußersten anstrengt und damit weiter ins Extrem fortfährt, wird man sich vom wahren Inhalt des Sūtras immer weiter entfernen. Extreme sind immer falsch und rauben wichtige Energien. Diese Energien kommen aus der Mitte!

Beispiel: Gautama Buddha gestattete seinen Zuhörern bei einer seiner berühmten Lehrreden, ihren Platz zu verlassen und fortzugehen, wenn sie mit dem Gesagten nicht einverstanden waren. Dadurch drehte sich die Dharma-Blume allerdings ohne sie. Sie verpassten einen fundamentalen positiven Schub in ihrem eigenen Leben! Das passiert leider vielen von uns. Daher sollten wir wachsam sein, was wirklich Qualität hat. 

Nach Dōgen gibt es nur dieses eine authentische buddhistische Fahrzeug in der Gegenwart. Durch dieses Fahrzeug gelangt man zur lebendigen Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist gerade keine isolierte Vorstellung und kein Begriff, sondern der Schatz der Dharma-Blume, der uns gehören kann und uns gehört. Das Sūtra der Blume des Dharma sei immer anwesend, von Zeitalter zu Zeitalter, vom Morgen bis zum Abend. Wir legen das Sutra in Wirklichkeit niemals aus der Hand. Es gibt überhaupt keine Zeit, in der wir es nicht lesen, denn es ist das Universum selbst. Aber viele Menschen vergessen das. Dann dreht sich die Blume des Dharma isoliert von sie, und wir verarmen und verkümmern in unheilsamen Doktrinen und Dogmen. Wir verlieren den Sinn ihres Lebens und sind innerlich hohl. Wir müssen uns von falschen Doktrinen entleeren! Das ist die zentrale Aussage von Meister Nagarjuna.

In der obigen Geschichte erfuhr der Mönch Hotatsu plötzlich das große Erwachen und sprang vor Freude in die Höhe. Von nun an verpasste er nicht mehr die buddhistische Wahrheit sondern drehte sie in Wechselwirkung auch selbst.

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Video: Das Leiden verlassen, Herz-Sutra

[1] Siehe mein Buch: Lotos-Sutra und ZEN-Perle

Dienstag, 24. November 2020

NEU: Sternstunden des Buddhismus Band 3

 


Buddhawort, Mittlerer Weg und Zen

Dieser dritte Band der Sternstunden des Buddhismus beschreibt die zentralen Kapitel des Mittleren Weges und des Zen. Er ist der Höhepunkt der drei Bände und enthält die Zusammenfassungen der beiden vorherigen Bände. Daher kann er auch für sich gelesen werden.

Durch die ganz neue Übersetzung aus dem indischen Urtext und durch Ergänzungen aus der Gehirnforschung und systemischen Ökologie wird große Aktualität für heutige Probleme gewonnen. Diese Buch basiert auf den grundlegenden Arbeiten meines Lehrers und großen Zen Meisters Nishijima

Ein Schwerpunkt ist das große Erwachen  und die Leerheit also das Erlösungsziel des Menschen, das Tathāgata, der Erwachte, gelehrt hat. Dazu müssen Verfälschungen und nicht authentische Schein-Lehren erkannt und überwunden werden, sagt Meister Nagarjuna.

Es geht um die Vier Edlen Wahrheiten zur Überwindung von Leiden und Schmerzen, also um rechtes Handeln, Denken und Fühlen auf dem Buddha-Weg. Dann befreien wir uns von Schein-Ich und Schein-Substanz, wir finden zum Bodhisattva-Handeln.

Die buddhistische Praxis und das Erwachen durch Befreiung und Nirvāna

eröffnen neue Horizonte und den wahren Sinn unseres Lebens. Der Mittlere Weg führt in zwölf  Phasen und Schritten zur Befreiung oder aber bei unheilsamer Verkettung ins Leid. Und Nirvana ist bei heilsamer Entwicklung auch das Hier und Jetzt!

Denn Erleuchtung ist kein statischer Zustand, sondern ein lebendiger wahrer Strom von Wechselwirkungen und Buddha-Natur. Im Zen hat das praktische Handeln zusammen mit der täglichen Meditation eine große Bedeutung: "Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen", sagt Meister Dogen. Dazu müssen unheilsame Doktrinen und Dogmen auch zur Wiedergeburt durchschaut werden. Gerade im Zen werden getrennte buddhistische Schulen abgelehnt. Denn Denken und Handeln sind nicht zu trennen, sondern bilden ein wunderbares Ganzes.

Gebunden und E-Book: 564 S., 12 Abb.

 

Samstag, 14. November 2020

Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen. Tipps für die Praxis


Meister Dogen sagt uns klipp und klar, dass die „natürliche mystische Kraft“ unseres Lebens gerade nicht aus „über-natürliche“ Mysterien besteht sondern aus dem Wunder des Lebens, Tag für Tag.[1] Auch im Buddhismus gibt es manche Illusionen und idealistische Hoffnungen auf solche übernatürlichen Ereignisse und Wunder. Aber ist nicht unser natürliches Leben das größte Wunder? Zum Beispiel wenn wir die Seuche der Corona-Viren überwinden, wenn nun schon bald der Impfstoff hilft. Und selbst in dieser Krise gibt es viele Wunder, wenn wir nüchtern bleiben!

Was ist eigentlich Erleuchtung? Meister Dôgen sagt ganz einfach: "Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen". Was meint er damit? Antwort: Jedes alltägliche Handeln kann zum großen Sinn unseres Lebens werden. Besonders wenn Mitgefühl und Empathie mit Handeln in richtig gute Wechselwirkung kommt. Das liegt an uns. An wem denn sonst?

Dies ist in der Tat eine verblüffende Antwort, da beide Tätigkeiten nach dem angeblich gesunden Menschenverstand eher einfach, um nicht zu sagen, banal sind. Für manche Menschen mögen solche Arbeiten lästig und unangenehm sein. Wir verbinden sie im normalen Sprachgebrauch sicher nicht mit mystischen Kräften. Im Zen-Buddhismus werden aber die Wirklichkeit und Wahrheit des Handelns vor allem bei den scheinbar einfachen Tätigkeiten außerordentlich geschätzt. Darin verwirklichen sich wahre buddhistische Handlungskraft und wahrer Buddha-Geist.

Es kommt nicht so sehr darauf an, was man tut, sondern wie man es tut.

Es macht nämlich Sinn, für andere und mit anderen zu handeln. Solches Handeln ist die wirksame Grundlage in der Realität. Das angestrebte und durch Mitgefühl verwirklichte Ergebnis für das Gemeinsame ist das Leuchten der Erleuchtung!

Wenn wir uns vergegenwärtigen, was mit dem Wasser-Schöpfens alles verbunden ist, wird uns klar, wie wunderbar das Wasser selbst ist und welche Freude damit verbunden ist. Ist es nicht wunderbar, es aus einem klaren Bergbach zu schöpfen und mit frischem Bergwasser den Durst zu löschen. Ist das nicht mystisch? Oder Wasser aus dem Brunnen in der Wüste zu schöpfen, wie mein Freund Dieter und ich in der Sahara vor einigen Jahren

Die von Dôgen zitierte Wirklichkeit des Feuerholzes eröffnet bei genauer Überlegung tiefgründige Bereiche. Die Klöster im alten China lagen meist hoch in den Bergen, und dort herrschte im Winter bittere Kälte. Wer einmal richtig gefroren hat, weiß die wohlige Wärme des Feuers und damit den Wert des Feuerholzes besonders zu schätzen.  Besonders an kalten, frostigen Wintertagen im Gebirge oder auch wo anders: Zusammen am gemeinsamen Feuer sitzen und Tee trinken.

In der Krise nach dem zweiten Weltkrieg haben wir im Winter viel gefroren und hatten schmerzende Frostbeulen an den Händen. Dann kam der Frühling mit den ersten Knospen und den ersten warmen Sonnenstrahlen. Und das soll kein Wunder sein? Unmöglich! Manchmal hatten wir genug Holz und paar Briketts im Winter zum Heizen und konnten uns wärmen. Und das soll kein Wunder sein? Solche Behauptung grenzt schon an Dummheit!

Die scheinbar einfachen und alltäglichen Handlungen, nämlich Wasser schöpfen und Brennholz tragen, gewinnen aus buddhistischer Sicht eine ganz neue Tiefe, Klarheit und Lebens-Freude. Das sind neue, lebendige Verbindungen zu anderen Menschen in großartigen Lebensbereichen. Sie sind zwischenmenschliche Beziehungen, gemeinsames Handeln und geteilte Gefühle, und sie überschreiten damit den banalen Materialismus. Dieser ist nur das eindimensionale verengte Verständnis der Welt und des abgemagerten Lebens.

Wenn man das erfährt und erforscht, sind es nach Dōgen wirkliche mystische Kräfte, die sich durch die buddhistische Lehre und Übungspraxis im Leben zeigen und entfalten. Da werdet ihr nicht widersprechen. Ich auch nicht. Wir können so unser Leben in ungeahnter und wunderbarer Weise entfalten. Wie von selbst, auf natürliche Weise.

Das um so mehr, weil mit dem kommenden Frühling sich die Corona-Krise sicher zum Besseren wenden wird. Dann können wir wieder die Flügel ausbreiten. Wie bei der Zen-Praxis des Bogen-Schießens oder beim Wasser holen oder Feuerholz tragen. Oder bei jedem Handeln im Augenblick.


[1] Aus meinem Buch: ZEN Schatzkammer, Bd.1, S. 221 ff. Die mystische Kraft des Lebens und Universums (Jinzu)

 

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Die Sieben Weisheiten deiner wahre Mitte: Mache sie lebendig und stark


Was ist die zentrale Botschaft des berühmten Mittleren Weges des großen Meisters Nagarjuna? Antwort: Die wahre Mitte des Menschen ist ein dynamisches lebendiges Ganzes im Gleichgewicht. Es ist kein verkümmertes Schein-Ich und auch keine doktrinäre Schein-Substanz (in Sanskrit âtman). Was ist nun unsere wahre Mitte und welche Funktion hat sie? Sie kann in Sieben Weisheiten zusammengefasst werden. Und der Mittlere Weg ist ein Gedicht und ein Gesang, also die Verbindung von Weisheit und Poesie!

1) Lebendiges Entstehen in Wechselwirkung kontra lebensfeindliche doktrinäre und starre Schein-Substanzen.

Der Mensch ist mehr als ein Haufen fiktiver ausgedachter Bausteine von angeblichen Eigen-Substanzen. Die Dinge und Phänomene der Wirklichkeit sind gerade nicht statisch, nicht Schein-substanzhaft und fixiert, sondern veränderlich, dynamisch, lebendig und wechselwirkend, und in  Balance. Das ist die Voraussetzung zur eigenen Befreiung aus dem Leiden. Buddha und Nagarjuna sind aus meiner Sicht die ersten Denker der Menschheit, die systemisch und wechselwirkend analysiert und gedacht haben. Das ist das wahre lebendige Ich. Die aktuelle Gehirnforschung basiert ebenfalls auf dem Prinzip der Vernetzung, Rückkopplung und dynamischen Veränderung. So funktioniert unser Geist.

2) Das richtige Verständnis von Leerheit bedeutet, dass die doktrinäre Schein-Substanz ein fundamentaler Irrtum des Lebens ist.

Leider gibt es viele Fehl-Interpretationen der Leerheit. Häufig wurde Leerheit mit dem Nichts und Nihilismus verwechselt oder verschwommen vermischt. Das ist ziemlich falsch. Der entsprechende Vers bei Nagarjuna lautet in genauer Übersetzung wie folgt: „Was gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung hat, dieses sehen wir als Leerheit an." Denn dieses wunderbare Ganze ist von Natur aus ohne unheilsame Doktrinen und Ideologien.

3) Die Kraft für den inneren Frieden kommt aus der Mitte. Übertreibungen, Extreme und Radikalisierungen blockieren Erwachen, Befreiung und Freude.

Buddha und Nâgârjuna warnen eindringlich vor allen isolierten Extremen, zum Beispiel bei dem Geist, dem Körper und bei den Gefühlen. Die wahre Natur hat keine isolierten Extreme, weil sie dynamisch vernetzt und deswegen im Gleichgewicht ist. Extrem-Ideologien sind typisch für brutale Gruppierungen. Wie heißt es dagegen bei Buddha, wenn Extreme überwunden sind? "Unabhängig lebt er und haftet an nichts in der Welt". Und wie findet man seine Mitte? Antwort: Jeden Tag meditieren, in sich Frieden und Ruhe entstehen lassen. sein inneres Gleichgewicht finden und aktiv handeln. Während des Tages im Gleichgewicht bleiben. Dann braucht man keine Dogmen. 

Und was geschieht im digitalen Zeitalter? Wer zu viel in den sozialen Netzen unterwegs ist, wird radikalisiert, sagt der Gehirnforscher Manfred Spitzer. Denn genau so sind die Netze wie facebook, Youtube usw. programmiert. Durch die Radikalisierung der angebotenen links sollen wir so  lange wie möglich online fest gehalten werden, weil so die profitablen Werbedaten der Nutzer abgegriffen werden können. Und dabei werden wir selbst radikalisiert. Das ist das Gegenteil der stabilen und heilsamen Mitte des Buddhismus. Denn aus der Mitte heraus werden wir lebendig, ausgeglichen und nutzen unsere Energien wirklich sinnvoll. Und die Mitte ist nicht mittelmäßig! Beweis: Das Japanische Bogenschießen. Kung Fu usw. gelingen nur aus der Mitte. Durch diese Zen-Übungen verbessern wir maßgeblich unser Freude-Management. Bis zur Erleuchtung!

4) Die Sehnsucht der Menschen nach der ewigen unzerstörbaren Eigen-Substanz kann zur fatalen Illusion werden. Sie wird häufig von anderen missbraucht.

Die ungesteuerte menschliche Sehnsucht nach Unveränderlichkeit und Ewigkeit führt häufig zu Illusionen, Schein-Wirklichkeiten und Täuschungen. Das gilt besonders für ein narzistisches grandioses Ego. Aber auch für das Gegenteil: Das Jammer-Ich. Dann kann es keine Befreiung und Erleuchtung geben.

5) Wahres Handeln und Karma sind heilsames Leben. Es befreit von doktrinärem Ballast und erzeugt neue Energien und Lebensfreude.

Eine gute und heilsame Veränderung des Menschen gelingt durch  praktischen Tun und Handeln im Flow. Im Mahâyâna-Buddhismus wird das Bodhisattva-Handeln genannt. Dieses Handeln ist heilsam für andere Menschen aber auch für uns selbst. Die guten Früchte sind das Handeln für dich und mich. Sie verwirklichen sich klar und genau in diesem Augenblick der Wechselwirkung.

6) Nirvâna ist die wirkliche Befreiung hier und jetzt, genau in diesem Leben, wie Nagarjuna sagt.

Nirvâna ist keine total jenseitige Welt des Menschen, in der er irgendwann nach unendlich vielen Wiedergeburten das grenzenlosen Glück erfährt. Das ist eine unrealistische Doktrin. Sie ist Illusion und überwindet nicht das jetzige Leiden. Der heutige digitale Stress, die Corona-Angst und der aufgeregte Kampf-Modus sollten nämlich hier und jetzt überwunden werden. Man braucht sie gar nicht.

7) Durch die zwölf Glieder der großen Befreiung kann nach Buddha das Leiden schrittweise zur Ruhe kommen

Nâgârjuna nennt zwölf Glieder und Phasen der menschlichen Entwicklung, an deren Anfang der „umhüllte“ Mensch steht Wenn es schlecht geht, ist er weiter verblendet von Unwissen und unheilsamen Doktrinen. Das bewirkt Erstarrung und Abhängigkeit von Gier, Hass und Verblendung. Umgekehrt gibt es in jeder Phase unseres Lebens die reale Möglichkeit der Emanzipation und Befreiung von einer solcher unheilsamen Zwangsläufigkeit. Wir gehen dann auf dem Weg der zunehmenden Freiheit. Leiden und Schmerzen kommen zur Ruhe.

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Rezitation und Gesang Mittlerer Weg 



Dienstag, 20. Oktober 2020

Buddhistischen Mitte: Falsche Ideologien und Fake News kommen zur Ruhe

(Aus meinem neuen Buch: Sternstunden des Buddhismus, Band 3)



Meister Nāgārjuna sagt in dem grandiosen Werk des Mittleren Weges: Wenn nun die Befreiung und Emanzipation des Menschen gelingt, kommen Unwissenheit und Verblendung zur Ruhe. Sie sind beendet! Und Extreme sind unwahr. Dann kommt die rechte Dynamik der heilsamen formenden Kräfte des Menschen in Gang. Die unheilsamen und hemmenden formenden Kräfte der Extreme sind dann überwunden und wirkungslos. Einseitige Behauptungen sollten wir vermeiden. Der Mensch lebt dann mit Freude und im handelnden Flow, denn Freude und Handeln sind nach den Gehirnforschung eng miteinander verbunden. Was ist dabei wichtig: Gleichgewicht, Achtsamkeit und Meditation. Aus der Mitte kommt die wahre Kraft.

Glück und Freude machen klug und kreativ. Stress und Angst machen dumm und depressiv. Neu auftretende Probleme können nach der Befreiung gelassen bewältigt werden. Alle fünf Komponenten des Menschen wirken dann sinnvoll zusammen. Die formenden bewussten und unbewussten formenden Kräften können sich in Harmonie ungehindert in Wechselwirkung kreativ weiterentwickeln. Denn die Entwicklung des Menschen geht auch und gerade nach der Erleuchtung und Befreiung weiter. Erleuchtung ist kein statischer Zustand einer erstarrten Schein-Substanz. Darauf hat auch der große Zen-Meister Dōgen in aller Klarheit hingewiesen.

Nagarjuna sagt wörtlich im Mittlerer Weg, Vers 26.11


Wenn das Nicht-Wissen zur Ruhe gekommen ist, entwickelt sich kein (unheilsames) Zusammen-Werden der  formenden Kräfte (des Menschen).

Das Nicht-Wissen kommt aber durch die Entwicklung eben dieser heilsamen Kenntnis (der Befreiung) zur Ruhe.

Dieses Wissen und Können ist der Weg Buddhas aus dem Leiden. Aus Stress und Angst in die Freiheit des inneren Gleichgewichts und der Autonomie. Buddha sagt zu einem solche Menschen: "Unabhängig lebt er und haftet an nichts in der Welt!" Dies gilt besonders in schwierigen Zeiten wie in der jetzigen Corona-Pandemie! der Buddhismus eröffnet neue Chancen zur Überwindung der Krise.

Meister Nishijima erläutert: „In den verschiedenen Formen der Ignoranz oder in verschiedenen restriktiven Bedingungen kann wirkliches Handeln überhaupt nicht stattfinden. Restriktionen, die durch Ignoranz entstehen, sind immer weit weg von der Realität und führen zur Isolation und in die Sackgasse. Dies gilt, wenn man dem ignoranten Wissen folgt und wenn man die eigentlich konkrete Dinge in diesem Irrtum (falsch) anpackt.“[1] Gutes Handeln wird durch Gier und Hass verhindert.

Wahres Handeln ist vollkommen verschieden vom wildem Denken und von der ungehemmten Stimulierung der Sinnesorgane. Denn Ignoranz und Restriktion sind wirklich nur Konzepte. Man kann sich wunderbare Vorstellungen machen, was man alles tun und leisten will, aber es geht um die wirklichen Fähigkeiten und die wirkliche Realisierung beim Handeln. Über die Ignoranz kann man viel diskutieren, aber das ist kein wahres Verstehen. „Ignoranz und Intelligenz sind nur ‚Aufkleber‘ und Konzepte: Sie sind nur Restriktionen, aber keine Wirklichkeit.

Dies ist so, weil die Dinge, Phänomene und Ereignisse genau das sind, was sie sind.

Restriktionen sind aber Täuschungen. Wenn man sie im Geist hat, bedeutet das, etwas zu imaginieren, was nicht wirklich ist“, betont mein Lehrer Meister Nishijima. Klares Denken ist in Wechselwirkung mit klarem Handeln.

Zum weiter lesen


[1] Nagarjuna: Fundamental Wisdom of the Middle Way. Commentary by Gudo Wafu Nishijima and Brad Warner.


Donnerstag, 8. Oktober 2020

Die intuitive große Intelligenz im Zen, besser als abgehobenes Denkens

Ist das nicht paradox und ein Widerspruch? Nein, denn es geht im Zen grundsätzlich um ein anderes universelles und umfassendes Denken als das übliche eingeengte Denken! Es geht um die großen intuitiven und unbewusste Leistungen unseres Gehirns und Geistes. Es geht um die wunderbare Gesamtheit von Körper und Geist. Denn auch der Körper besitzt großes Wissen. Diese alles erfahren wir in der Meditation des Zazen. Das übersteigt das bewusste und eventuell abstrakte intellektuelle Denken, das aber verengt ist. Und es wird in unserer Welt meist viel zu hoch eingeschätzt. Warum gibt es denn heute so viele selbst erzeugte Probleme und Dramen?

Meister Dogen sagt: "Wenn wir die Wahrheit jetzt genau untersuchen ist diese natürliche große Wahrheit schon da, um uns herum,... Und darüber hinaus übersteigt der ganze Körper bei weitem Staub und Schmutz". Wenn wir aber im Dualismus von Körper und den Geist des Intellekts oder sogar im Streit hängen bleiben, "ist die Trennung so gewaltig wie zwischen Himmel und Erde". Du lässt dann einen großen Teil deiner geistigen Power ungenutzt.

Das wahre umfassende Denken ist also jenseits des intellektuellen aber eingeengten Denkens, das wir im Westen auch bewusstes Denken nennen. Dieses klare umfassende Denken des Zen ist aber jenseits des üblichen Denkens. Es eröffnet  neue Dimensionen des Geistes. Und des Handelns: die positive Wechselwirkung von Geist und Tun! Das ist wahrer ZEN.

Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass das bewusste Denken nur ein sehr kleiner Teil unseres Gehirns ist. Die umfassenden Fähigkeiten des Gehirns und unseres Geistes können aber viel mehr, als wir meistens denken. [1]

Daher sagt der bekannte Gehirnforscher Manfred Spitzer: Das bewusste Denken ist nur für einfache Fragen und Entscheidungen des Lebens nützlich. Für komplizierte Probleme und Entscheidungen ist unser Unbewusstes und damit unsere Intuition viel leistungsfähiger. Man kann also diese großen Stärken des Unbewussten für sich gut arbeiten lassen. Das ist  die umfassende Intuition, die wir im Zen entdecken und weiter entwickeln. Diese universelle Intuition ist trainierbar und kommt bei der Meditation zum Zuge. Sie ist offen und eine machtvolle Steuerungskraft unseres Lebens.

Daher mein Tipp besonders in schwierigen Lebensfragen und Problemen: Mit dem bewussten Denken sollten wir zunächst möglichst viele verschiedene Teilbereiche unseres Problems angehen und sie gut untersuchen. Also ist es sinnvoll viele Informationen einfach sammeln. Das heißt sich möglichst gut ganzheitlich zu beobachten, ohne dem Ego zu verfallen. Buddha nennt das die Achtsamkeit. 

Und dann überlässt du am besten die Arbeit deiner Intuition und deinem Unbewussten. Störe bitte nicht  dein Unbewusstes durch unnötiges Denken und Grübeln. Das bringt nichts und schadet nur, du drehst dich dann im Kreis und kommst mit deinem Problem nicht weiter. Also ins Bett gehen und schlafen, etwas anderes tun wie Wandern, Sport machen oder Musik hören usw.. Zen-Meditation ist dabei besonders wirksam, Dogen sagt: "Körper und Geist fallen lassen!" Meist erkennst dann später eine gute Lösung, fast von allein. Diese Erkenntnis  gibt uns der Zen und sie ist durch die aktuelle Gehirnforschung voll bestätigt. Dann kannst Du dein Problem wirksam angehen und gute Lösungen finden

Und die großen alten buddhistischen Meister kannten diese tiefe Weisheit der intuitiven Intelligenz schon vielen Jahrhunderte vor unserer Wissenschaft, besonders natürlich Buddha und Zen-Meister Dogen.



[1] Nach Manfred Spitzer ist die Leistung des Unbewussten mehr als hundert tausend mal größer als des Bewussten. Das Unbewusste, die Intuition und deren Steuerungskraft bezeichnete Buddha übrigens als samskara.

Dienstag, 29. September 2020

Neue Interpretation des Yogacara und Übersetzung aus dem Urtext des Vasubandhu


Die Kernlehren des Yogacara sind in der Literatur umstritten und verwirrend. Ich habe versucht, mir anhand der Litratur ein stimmiges und überzeugendes Bild von der authentischen Lehre des Meisters Vasubandhu zu machen. Leider ist mir das nicht gelungen: Zu weit divergieren diese sicher intelligenten Aussagen.1)

Bitte auch anklicken

Was ist zu tun
? Wir müssen eine neue möglichst wortgetreue Übersetzung aus dem Urtext des Sanskrit machen. Von einer Übersetzung aus anderen Sprachen ist daher abzuraten. Dieser neu übersetzte Urtext muss die Grundlage einer zeitgemäßen Interpretation sein.

Die erste Kernfrage lautet: Sollen wir von einer weitgehenden Überstimmung mit dem authentischen Text des frühen Buddhismus ausgehen oder nicht? Ich meine ja. Begründung: Buddha ist ein so überragendes Genie der Menschheit, dass die Falsifizierung seiner Lehre mir abenteuerlich oder ignorant erscheint. Weder Nagarjuna, Mittlerer Weg, noch Vasubandhu, Yogacara, und auch nicht Dogen, Zen-Buddhismus, haben etwas anderes behauptet. Es geht die Weiterentwicklung und Integration des Buddhismus mit dem Zeitgeist und den verschiedenen Kulturen.

Danach kann Yogacara also nicht abstrakt-metaphysisch, überspitzt philosophisch oder idealistisch sein. Yogacara ist auch kein grundsätzlich neuer Buddhismus, sondern konzentriert sich auf die Ganzheit von Geist und Psyche des realen Menschen, wie Du und ich. Yogacara lehnt weder Form und Körper noch Wahrnehmung des Menschen grundsätzlich ab.

Vasubandhu hat die buddhistische falsche Doktrin von unveränderlichen ewigen Substanz von Menschen und Phänomenen, Dharmas, durchschaut. Er hat diese Fehlentwicklung detailliert dokumentiert und falsifiziert. Es handelt sich bei dieser Doktrin um zwar schönes, illusionäres aber falsches Wunschdenken, das reales Leiden nicht überwinden kann.


Er hat auch die Ideologie von metaphysischen zeitlichen Atome durchschaut und abgelehnt, die unendlich klein sind. Das ist die Ideologie der statischen kleinsten Substanzen und Momente. Sicher die super intelligente Denkleistung einer philosophischen Minderheit, aber unbrauchbar und kein authentischer Buddhismus. Vasubandhu ist dieser Ablehnung der modernen Physik zuvor gekommen,weil die Atome wirklich teilbar sind und sich sogar in Prozesse umwandeln können. Materie kann sich auch in Strahlung und Energie umwandeln.

Beide Doktrinen werden übrigens auch von Nagarjuna im Mittleren Weg präzise falsifiziert. Diese Doktrinen sind statisch, starr und unveränderlich und letztlich ideologisch. Bei ihnen gibt es kein Fließen des Geistes und keine Emanzipation. Die buddhistischer Wahrheit ist leer von diesen Doktrinen. Wie sollen wir damit Freiheit verwirklichen? Das ist nicht möglich! Genau dabei setzt der Yogacara präzise an. 

Nach Meister Nishijima wirken im Zen vier Lebens-Philosophien zusammen:  Materialismus, Idealismus und Handeln, aber diese sind nur Teil-Philosophien. Durch die Erleuchtung, (Kensho, Satori)  werden sie  zusammengebracht und vor allem zur Wahrheit überschritten und erweitert. Die Teil-Philosophie des Idealismus kann nicht die Gesamtheit des authentischen Buddhismus sein. Diese Philosophie ist einseitig. Der Idealismus kann sich sogar zu schädlichen Ideologien, extremen Dogmen, Illusionen und Fake News verkehren. Ein solches Verständnis des Yogacara wäre nach meiner Einschätzung verengt und von geringem Mehrwert an Informationen.

Vasubandhu hat meines Wissens auf der Grundlage des authentischen frühen Buddhismus die mentalen und psychischen Phänomene des menschlichen Handeln, Fühlens und Denkens mit neuer Frische vertieft untersucht. Seine große theoretische und praktischer Erfahrung kommen ihm dabei zugute. Sehr vereinfacht gesagt: Beim Menschen läuft alles mit Geist und Gehirn. Aber wie?

Aus meiner Sicht ist seine Kern-Lehre: Bei Allem was wir tun, fühlen, sehen und denken müssen wir die Wechselwirkung mit mentalen und psychischen Informationen von innen und außen einbeziehen. Das wahre Leben ist nicht isolierbar, nicht ideologisch sondern dynamisch vernetzt, eben in Wechselwirkung und im Gleichgewicht. Es ist ähnlich wie das dynamischen Gleichgewicht unseres Sonnen-Systems. Deswegen können wir hier relativ sicher leben. 

Die fortlaufend aktiven Kräfte des Geistes können bewusst oder unbewusst sein. Das ist übrigens auch die Kern-Aussage der aktuellen Gehirnforschung. Vasubandhu geht sogar über die Gehirnforschung hinaus: Für ihn ist die lebendige Spiritualität eine wichtige Voraussetzung für die Erleuchtung. Dem möchte ich zustimmen.

1) David J. Kalupahana: ThePrinciple of Buddhist Psychology, 1987, schätze ich besonders. Ich stimme überein mit meinem Lehrer Meister Nishijima für Zen und den Mittleren Weg. 

Zum Weiterlesen: Die vier Lebensphilosophien



Sonntag, 20. September 2020

Buddhas Gesang der großen ökologischen Verbundenheit

 

Buddhas Lehre ist ein großer Gesang der Verbundenheit mit der Gemeinschaft der Menschen und dem ganzen Universum. Was sagt Meister Dogen dazu? In einem berühmten Kapitel seines Shobogenzo heißt es, dass Buddha in der Meditation beim Aufleuchten des Morgensterns erkannte:

Die ganze Erde und alle Lebewesen verwirklichen zusammen die Wahrheit.“

 Ihm wurde plötzlich umfassend klar, dass er über das gewöhnliche unterscheidende Denken und die isolierende Wahrnehmung hinausgehen konnte. Dann war es möglich, diese Wahrheit und Wirklichkeit der Welt direkt zu erfahren und zu erleben. Das ist die große ökologische Verbundenheit, die manche Menschen heute leider vergessen haben. Das ist die Sehnsucht besonders der jungen Menschen, wenn sie den Raubtier-Kapitalismus der heutigen Großkonzerne und der verantwortungslose Macht-Eliten angreifen:  Das sind menschlich verkrüppelte Narzisten. Sie zerstören unsere ökologische Verbundenheit und unser Erwachen. Sie stecken fest in der Sackgasse des Ego-Materialismus und der sinnlosen Verschwendung!

So verstärken die scheinbar sozialen Netze unsere Einsamkeit, und die digitalen Konzerne verkaufen unsere persönlichen Daten an kapitalistische Gewinn-geile Firmen. Aber wir sollten uns erinnern und aufwachen: Zurück zur Natur und zur ökologischen Verbundenheit mit der Natur. Buddha war wohl der Erste, der diese Einheit mit der wunderbaren, dynamisch vernetzten Ökologie wirklich und tiefgreifend erkannt hat. Das hat der Westen vergessen, verdrängt und die Natur missbraucht. Buddha erkannte die große wunderbare ökologische Harmonie und Wechselwirkung von Menschen und Natur. Er sagte zu den Menschen: Meditiert bitte unter einem schützenden Baum, in der Harmonie des Waldes. Das ist der Gesang des "Großen Wir" mit der Natur.

 Durch das meditative Sitzen im Augenblick, also im Hier und Jetzt verlassen wir das verarmte dualistische Bewusstsein der Trennung von Ich und Du. Wir erfahren unser Leben im Einklang und in der Harmonie mit dem Universum, ganzheitlich und unmittelbar. Das geht natürlich über dualistisches Denken und Fühlen hinaus.

In der großen Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit beschreibt Buddha im Gegensatz dazu die fünf Hemmnisse des Erwachens.[i] Sie blockieren unsere Befreiung und Emanzipation und hemmen unsere Entfaltung. Wir sollten tatkräftig gegensteuern und die Hemmnisse wegbeamen. Welches sind sie?

- Auf oberflächlichen Genuss und Sinnlichkeit gerichtetes Wollen, z. B. durch materielle und sexuelle Gier

- Übelwollen gegenüber anderen Menschen. Das schafft Trennung, Isolation und überhaupt keine  Verbundenheit

- Erstarren und Trägsein ohne aktives Handel, also ohne Dynamik in der Gemeinschaft

-  Aufgeregtheit, Stress und Unruhe ohne inneres Gleichgewicht und ohne Gelassenheit

- Zerstörerische Zweifelsucht durch tiefgreifenden Pessimismus und Nihilismus, oft mit materieller Gier gekoppelt

 Diese Hindernisse und Blockaden versperren uns den Weg zum Erwachen: Sie kennzeichnen ein verengtes Spektrum menschlichen Handelns, Fühlens und Denkens. Buddha sagt zu seiner Sangha über die Achtsamkeit:

„Da weilt ein Mönch bei fünf Hemmnissen.“ Er würde dann erkennen, dass sie eigentlich leer sind. Und wenn er dies erkannt und überwunden hat, ist er "frei und haftet an nichts in der Welt". Frei für das Große Wir.

In der Gemeinschaft, der Verbundenheit mit der Natur und der Meditation befreien wir uns von diesen Hemmnissen: Fridays for Future.


[i] Gäng, Peter: Meditationstexte des Pali-Buddhismus I, S. 39ff.

Donnerstag, 10. September 2020

Wie erlangt man Erleuchtung, Entscheidungskraft und den großen Frieden? Das Ego weg-beamen!

(Aus meinem Buch "Sternstunden des Buddhismus Band 1")

 1.) Meditation und Sammlung

Von großer Bedeutung für den großen inneren Frieden ist die meditative Vertiefung, die meistens als Sammlung bezeichnet wird. Bei den Vier Edlen Wahrheiten ist dies ein wichtiger Teil des Achtfachen Pfades. Ohne Meditation kommt man bei der Erleuchtung nicht voran. Sehr wirkungsvolle Meditationen werden im Sitzen praktiziert. Im Zazen  sagen wir: "Körper und Geist fallen lassen". Durch Zazen konnte ich mich aus einer fast aussichtslosen Berufs-Krise befreien. Ähnliches gilt für die Koan-Meditation.  Dabei ist der gerade und senkrechte Rücken von zentraler Bedeutung. Diese Sammlung ist das Gegenteil von Hektik, Stress, Zerstreutheit und Fragmentierung der Gedanken und Gefühle. Derartiges oberflächliches Multitasking widerspricht unserem wahren Geist und ist ihm grundsätzlich fremd. Oder um es klarer auszudrücken, solches Multitasking im Stress kann von unserem Geist überhaupt nicht geleistet werden und ist ein gravierendes Hemmnis auf dem Erleuchtungs-Weg: Großer Frieden und wunderbarer Flow.

Ich habe auch gute Erfahrung mit meditativer Bewegung gemacht, also Flow: Bogenschießen und Zen-Flöte.

 Wir sollten jeden Tag mindestens einmal am Tag  aus Stress, Hektik und Zukunfts-Angst aussteigen. Das ist der natürliche Weg zur Erleuchtung. Diese Wahrheiten der Erleuchtung sind seit über zweitausend Jahren erprobt und helfen dir bestimmt!

Das Tor durch aktives Handeln öffnen!

2.) Aktiv handeln und das Ego vergessen

Kürzlich habe ich mich in der Chariteé in Berlin untersuchen lassen und kam mit dem erfahrenen Arzt über Leben und Tod ins Gespräch: Er sagte kurz und trocken: "Wer im Bett liegt stirbt". Wer also nicht aktiv ist und bequem herumliegt, fühlt sich halb tot und stirbt früher. Das gilt natürlich besonders für unsere zweite Lebenshälfte. Und sind nicht manche Menschen schon geistig und spirituell tot, wenn sie körperlich noch leben? Die wichtigsten Zivilitations-Krankheiten sind bekanntlich Bewegungsmangel und Einsamkeit. Und beides erhöht die Gefahr der Demenz. Der Mensch ist nämlich das sozialste Wesen mit wechselwirkenden Handeln auf dieser Erde.

Denn Geben ist besser als nehmen, das ist die große Wahrheit des Mahayana und Zen für ein gutes und sinnvolles Leben.  Die aktuelle Gehirnforschung hat diese Wahrheit übrigens eindeutig bestätigt! Das ist auch die Wahrheit des Bodhisattva-Handelns. Und der Sinn des Lebens wird uns nicht von außen irgenwie zugereicht oder gar vorgeschrieben, sondern den schaffen wir uns selbst durch aktives Handeln. Aber Egoismus schadet vor allem uns selbst und verarmt unser Leben, das ist kein soziales Handeln. Diese tiefe Wahrheit will die heutige, materiell orientierte Werbung allerdings vergessen machen. Aber sie irrt grundsätzlich!

Daher: Aktiv handeln lässt Kummer, Gram und Unsicherheit zur Ruhe kommen und löst sie auf. Gutes Handeln macht frei und heilt seelische und körperliche Schmerzen. Und besonders wichtig die fast mystische Wirkung den Zen-Weges: In zentralen Momenten des Lebens, entscheidet man schnell, mit großer Klarheit und richtig. So verstehe ich die wahre Bedeutung der Leerheit im Augenblick.

3.) Beobachten und Achtsamkeit

Achtsamkeit ist nach Buddha die Klarheit des Augenblicks für Denken, Fühlen, Körper und Handeln. Wie Boris Becker zum Tennis sagt: "Wenn der Moment bleibt". Das ist die möglichst offene und ungehinderte Achtsamkeit des ganzen Menschen für sich selbst und für die wunderbare Klarheit des Augenblicks. Dafür braucht es wirklich mehr als intellektuelle Spitzfindigkeit und komplizierte Philosophie. Von zentraler Bedeutung ist ein realistisches und spirituelles Selbst, das dogmatische Ideologien und Extreme überwunden hat. Und genau so wichtig ist ein lebendiges Wir, also die positive Wechselwirkung mit anderen Menschen, mit und ohne Worte. Das ist gute Empathie und das Gegenteil von Narzissmus und aufgeblasenem Ich-Stolz. Auch das Ich-Gejammer führt nicht weiter. Die großen Meister Nagarjuna und Dogen haben diese Wahrheiten der Achtsamkeit ganz neu zum Leben erweckt. Aus der Gehirnforschung wissen wir übrigens, dass es für Empathie bestimmte neuronale Leistungen gibt, die von vernetzten Spiegel-Neuronen erbracht werden.

Durch das Training der Achtsamkeit kommen wir auf dem Weg der Erleuchtung wirklich voran. Und wie Dogen es nach seinem großen Erleuchtungs-Erlebnis sagte: "Ich bin weicher geworden" ! Er hatte nämlich erst in China die wahre Zen-Meditation erfahren und verwirklicht.

4.)  Genaue Unterscheidungen und richtige Entschlüsse

Buddha nennt als wichtigen Faktor der Erleuchtung die rechte Unterscheidung. Warum? Dadurch lernen wir uns selbst kennen: unser Denken,  Fühlen und Handeln. Uns wird dann immer klarer, was heilsam ist für uns und was nicht. Mit diesen echten Erfahrungen können wir unsinnige Weltanschauungen, Ideologien und Fake-News durchschauen und entkräften. Der Erleuchtungs-Faktor Unterscheidung ist besonders wichtig, weil manche buddhistischen Linien der gründlichen Unterscheidung von Dingen, Phänomenen und Entwicklungen eine viel zu geringe Bedeutung geben. Ganzheit und Genauigkeit im Detail sind keine Gegensätze, sondern haben eine besonders gute Wechselwirkung. Sie sind beide wichtige Faktoren des Erwachens.

Es kommt darauf an, die ganzheitliche Sichtweise einerseits und die präzise Unterscheidung andererseits zu üben und weiter zu entwickeln. Das ist von großer Bedeutung, um die Praxis des Lebens selbständig zu meistern und frei zu werden. Und dieser Entwicklungsprozess verläuft dabei in mehreren Schritten, in einer fortlaufenden, verbundenen Kette, wie Vasubandhu sagt. Also dran bleiben!

Wie wir im Zen sagen: "Mit der Faust die Eisenplatte durchschlagen!" Sich nicht wegducken, wenn es wirklich darauf ankommt und auch nicht in die Komfort-Zone oberflächlicher und falscher Spiritualität flüchten. Dann braucht man manchmal im Augenblick sogar den Kampf-Modus. Wie beim Bogenschießen: Der Schuss entscheidet sich im Moment des Abschusses, nicht vorher und schon gar nicht nachher. Der Schuss wird dann gut, wenn das Ego nicht stört! Richtige Entscheidungen sind besonders wichtig für den großen Frieden. Das ist auch meine eigene Erfahrung.

 5.) Energie und Freude

 Und wie entwickeln wir bisher ungekannte Energien? Durch Freude! Denn Freude macht klug und kreativ, das wissen wir aus der aktuellen Gehirnforschung. Also beobachte dich selbst: Was bringt dir wirkliche Freude und damit Energien, und was nicht? Oder anders ausgedrückt: Die tiefgründigen Entwicklungs-Prozesse auf dem Weg zur Befreiung sind nicht zuletzt wahre Freude. Künstlich erzeugte Glückszustände sind schlimme Sackgassen, etwa durch Drogen und Illusionen.

Buddha nennt gesammelte Energie als einen wichtigen Faktor von sieben zur Erleuchtung . Ein erwachter Mensch entwickelt durch Freude im Augenblick die Energie zum Handeln und zu geistigem und psychischem Tun. Wer sich in seinem Leben überhaupt nicht anstrengen will und keine eigene Energie entfaltet, wird auf dem Weg der Erleuchtung nicht vorankommen. Der Ausspruch "Nichts tun" darf nicht falsch verstanden werden, wie es bei manchen Aussteigern und angeblichen Querdenkern zu beobachten ist. Es geht auch um „geschenkte“ Energie, zum Beispiel von der Natur, von anderen Menschen und dem Kosmos, aber vor allem um die eigenen Energie: "dran bleiben". Wir dürfen nicht vergessen: Der Buddha-Weg eröffnet und verstärkt gerade die eigenen Energien und bisher ungeahnte Potentiale!

6.) Gleichgewicht, Gestilltheit und Gleichmut

Die Gestilltheit ist bei Buddha ein sehr wichtiger Faktor des Erwachens. Es geht vor allem darum, nicht immer etwas Anderes haben zu wollen, das man nicht hat, und mit dem zufrieden zu sein, was man jetzt hat. Gestilltheit führt zu Gleichgewicht, Ruhe und Gleichmut. Es handelt sich dabei um das Gleichgewicht unseres Gemüts, um es altdeutsch zu sagen, also unsere ausgeglichene Gestimmtheit und unseren zufriedenen geistig-psychischen Zustand. Also kurz: Wie und Wann bist du gut drauf. Das möchtest du doch sicher häufig erleben?

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Freitag, 4. September 2020

Erwachen, Erleuchtung und Leerheit. Wie passt das zusammen?

 

 


 Buddha sagt: Die wunderbare Fülle des Lebens, Erwachens und der Erleuchtung entstehen durch die Leerheit von schädlichen Ideologien, Vorurteilen und Ego-Stolz! Und vor allem durch die Befreiung von Gier, Hass und Verblendung. Dadurch kommt unser Leiden zur Ruhe. Durch diese Reduktion entsteht also die Fülle und Vielfalt des Lebens: Durch Einfachheit zu Glück und Vielfalt! Das ist auch das wahre Herz des Zen.
Sein Anliegen und der Sinn dieser Worte sind die Verbesserung genau unseres Lebens, unabhängig von Kultur und Land. Das heißt auch für Dich und mich, hier und jetzt. Er wollte seine tiefen praktischen und spirituellen Erfahrungen zur  Verbesserung des Lebens an uns weitergeben. Gerade durch die Entleerung von unheilsamen Denken und Fühlen entsteht bei uns also das volle Leben. Das ist es! Der Sinn der Leerheit ist also volles befreites Leben.  Buddha war kein intellektueller abgehobener Philosoph, das hatte er hinter sich. Er redete einfach und verständlich. Er war also ein Therapeut und Heiler für die Menschen. 

Die Behauptung ist daher unsinnig, Buddha habe gelehrt, dass alles Leiden sei. Er hat auch nicht gesagt, dass alles Leerheit sei. Sein Ziel war und ist die Befreiung vom jeweiligen Leiden. Eines seiner wichtigsten Faktoren auf dem Weg der Erleuchtung ist nämlich die Freude. Wie die Gehirnforscher heute wissen, macht Freude klug und kreativ und hilft uns auf dem Weg der Befreiung vom Leiden. Das ist der Weg zum großen Frieden und zum befreienden Flow. 

 Und welches sind die zentralen Faktoren auf dem Befreiungs-Weg, um unsere Buddha-Natur zu verwirklichen? Indem wir uns durch rechtes Handeln, Denken und Fühlen verändern und entwickeln. Das macht Sinn! Und umgekehrt: Wie blockieren wir eigentlich unsere gute Entwicklung? Wenn wir erstarrt daran festhalten, dass wir uns aus dem Leid nicht verändern können, weil ja andere die Schuld haben. Oder mit einem aufgeblasenen Ego. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass unser Gehirn und Geist sich viel mehr verändern können, als bisher angenommen wurde. Das Gehirn hat eine große Plastizität. Buddha hatte also recht, wenn er auf unsere gute Veränderung setzt.

 Wie hängt nun die buddhistische Leerheit mit dem Befreiungs-Weg aus Leid, Depression, Verzweiflung und Gram zusammen? Warum entwickelten Buddha und der große Meister Nagarjuna den Begriff und die Wahrheit der Leerheit? Auch der Dalai Lama sagt bekanntlich, dass unser Lebensziel das Glück sei und betont in aller Klarheit die zentrale Bedeutung der Leerheit? Beides muss also zusammen gehören. Aber wie?

 Der Zen-Meister Dogen vermeidet allerdings meist den Begriff der Leerheit, weil damit so viel Verwirrung und geistiges Chaos erzeugt wurde. Und auch heute vagabundiert die falsch verstandene Leerheit in manchen buddhistischen Gruppen umher.

Meine Antwort dazu: Leerheit, shunyata, bezeichnet den Zustand unseres Geistes undunserer Psyche  wenn wir sind frei und leer von unheilsamen Gedanken, Gefühlen, Handlungen und extremen Ideologien. Und diese werden bewusst oder unbewusst vor allem durch Gier, Hass, Übelwollen und radikale Ideologien gesteuert. Das konnte man in Berlin bei der kürzlichen Demonstration von rechten Randgruppen der Gesellschaft sehen. Und durch dieses Leerheit von schädlichen Ideologien und Netzen von Fake-News eröffnet sich der Weg zum vollen Leben.

Der große Meister Nagarjuna sagt in seinem berühmten Werk, MMK, dass die Leerheit von unheilsamen Dogmen und Weltanschauungen der Statik und Extreme  uns den Zugang zum Mittleren Weg der Befreiung und des Glücks öffnet. Leerheit ist also ist kein abgehobener philosophischer Begriff, dessen Sinn kaum ein normaler Mensch versteht. Im Gegenteil: Der Sinn der Leerheit ist ein wichtiger Schlüssel für ein gutes, zufriedenes und erfülltes Leben.

 Vor nicht langer Zeit hörte ich einen Vortrag eines klugen Mönchs, der zur Leerheit befragt wurde. Er zitierte dazu Sutren des Buddhismus und wiederholte, was er in seiner Ausbildung gelernt hatte. Allerdings wurde die darauf folgende Diskussion immer verwirrter und unverständlicher. Ich meldete mich und sagte, dass ich die Leerheit am besten in der Zen-Meditation erfahren würde: "Einfach sitzen, Körper und Geist fallen lassen". Das sei eine direkte Erfahrung und eigentlich ziemlich einfach. Ganz ohne komplizierte Theorie und ohne die metaphysische Aussagen zu grübeln wie: "Alles ist Leerheit" oder "Alles ist Leiden". Diese Aussagen versteht ohnehin kaum ein normaler Mensch. Schließlich leben und handeln wir wirklich hier und jetzt.

 Vereinfacht sagt Nagarjuna: Durch den Begriff der Leerheit öffnet sich der Weg zu einem sinnvollen Leben. Man bekommt dann zunehmend Klarheit über die Natur des Lebens und der Welt. Sie ist ein großartiges vernetztes dynamisches System. Buddha charakterisiert diese wahre Natur daher als "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung".  Und als handelnder Teil dieser wunderbaren Dynamik können wir den Sinn unseres Lebens finden und verwirklichen. Der Sinn der Leerheit liegt also darin, dass wir unheilsame und falsche Ideologien der Statik, Starrheit und Unveränderlichkeit zur Ruhe kommen lassen. Das ist nicht die wahre Natur, sondern sie ist fiktiv und ausgedacht. Das stört uns und unsere Entwicklung und lenkt uns in falsche Richtungen.

 Wir sollten uns also von der Ideologie entleeren, dass wir statisch sind und uns nicht zu einem sinnvollen Leben umwandeln können. Solche "Geist-Jauche und Gefühls-Jauche" sollten wir entleeren. Das ist der Sinn des Herz-Sutras: Das rechte Verständnis der buddhistische Leerheit führt zur Wirklichkeit von Wahrnehmung, Körper, Denken, Fühlen und zu den Vier Edlen Wahrheiten. 

 Und wie können wir Klarheit dazu gewinnen? Indem wir uns selbst und unsere Veränderungen des Lebens beobachten. Das nennt Buddha die Achtsamkeit und sie ist der Kompass für ein sinnvolles Lebens. Es ist wirklich sinnvoll, die  Komfort-Zone des Lebens zu verlassen. Das ist auch der wahre Sinn der Leerheit.

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