Donnerstag, 10. September 2020

Wie erlangt man Erleuchtung, Entscheidungskraft und den großen Frieden? Das Ego weg-beamen!

(Aus meinem Buch "Sternstunden des Buddhismus Band 1")

 1.) Meditation und Sammlung

Von großer Bedeutung für den großen inneren Frieden ist die meditative Vertiefung, die meistens als Sammlung bezeichnet wird. Bei den Vier Edlen Wahrheiten ist dies ein wichtiger Teil des Achtfachen Pfades. Ohne Meditation kommt man bei der Erleuchtung nicht voran. Sehr wirkungsvolle Meditationen werden im Sitzen praktiziert. Im Zazen  sagen wir: "Körper und Geist fallen lassen". Durch Zazen konnte ich mich aus einer fast aussichtslosen Berufs-Krise befreien. Ähnliches gilt für die Koan-Meditation.  Dabei ist der gerade und senkrechte Rücken von zentraler Bedeutung. Diese Sammlung ist das Gegenteil von Hektik, Stress, Zerstreutheit und Fragmentierung der Gedanken und Gefühle. Derartiges oberflächliches Multitasking widerspricht unserem wahren Geist und ist ihm grundsätzlich fremd. Oder um es klarer auszudrücken, solches Multitasking im Stress kann von unserem Geist überhaupt nicht geleistet werden und ist ein gravierendes Hemmnis auf dem Erleuchtungs-Weg: Großer Frieden und wunderbarer Flow.

Ich habe auch gute Erfahrung mit meditativer Bewegung gemacht, also Flow: Bogenschießen und Zen-Flöte.

 Wir sollten jeden Tag mindestens einmal am Tag  aus Stress, Hektik und Zukunfts-Angst aussteigen. Das ist der natürliche Weg zur Erleuchtung. Diese Wahrheiten der Erleuchtung sind seit über zweitausend Jahren erprobt und helfen dir bestimmt!

Das Tor durch aktives Handeln öffnen!

2.) Aktiv handeln und das Ego vergessen

Kürzlich habe ich mich in der Chariteé in Berlin untersuchen lassen und kam mit dem erfahrenen Arzt über Leben und Tod ins Gespräch: Er sagte kurz und trocken: "Wer im Bett liegt stirbt". Wer also nicht aktiv ist und bequem herumliegt, fühlt sich halb tot und stirbt früher. Das gilt natürlich besonders für unsere zweite Lebenshälfte. Und sind nicht manche Menschen schon geistig und spirituell tot, wenn sie körperlich noch leben? Die wichtigsten Zivilitations-Krankheiten sind bekanntlich Bewegungsmangel und Einsamkeit. Und beides erhöht die Gefahr der Demenz. Der Mensch ist nämlich das sozialste Wesen mit wechselwirkenden Handeln auf dieser Erde.

Denn Geben ist besser als nehmen, das ist die große Wahrheit des Mahayana und Zen für ein gutes und sinnvolles Leben.  Die aktuelle Gehirnforschung hat diese Wahrheit übrigens eindeutig bestätigt! Das ist auch die Wahrheit des Bodhisattva-Handelns. Und der Sinn des Lebens wird uns nicht von außen irgenwie zugereicht oder gar vorgeschrieben, sondern den schaffen wir uns selbst durch aktives Handeln. Aber Egoismus schadet vor allem uns selbst und verarmt unser Leben, das ist kein soziales Handeln. Diese tiefe Wahrheit will die heutige, materiell orientierte Werbung allerdings vergessen machen. Aber sie irrt grundsätzlich!

Daher: Aktiv handeln lässt Kummer, Gram und Unsicherheit zur Ruhe kommen und löst sie auf. Gutes Handeln macht frei und heilt seelische und körperliche Schmerzen. Und besonders wichtig die fast mystische Wirkung den Zen-Weges: In zentralen Momenten des Lebens, entscheidet man schnell, mit großer Klarheit und richtig. So verstehe ich die wahre Bedeutung der Leerheit im Augenblick.

3.) Beobachten und Achtsamkeit

Achtsamkeit ist nach Buddha die Klarheit des Augenblicks für Denken, Fühlen, Körper und Handeln. Wie Boris Becker zum Tennis sagt: "Wenn der Moment bleibt". Das ist die möglichst offene und ungehinderte Achtsamkeit des ganzen Menschen für sich selbst und für die wunderbare Klarheit des Augenblicks. Dafür braucht es wirklich mehr als intellektuelle Spitzfindigkeit und komplizierte Philosophie. Von zentraler Bedeutung ist ein realistisches und spirituelles Selbst, das dogmatische Ideologien und Extreme überwunden hat. Und genau so wichtig ist ein lebendiges Wir, also die positive Wechselwirkung mit anderen Menschen, mit und ohne Worte. Das ist gute Empathie und das Gegenteil von Narzissmus und aufgeblasenem Ich-Stolz. Auch das Ich-Gejammer führt nicht weiter. Die großen Meister Nagarjuna und Dogen haben diese Wahrheiten der Achtsamkeit ganz neu zum Leben erweckt. Aus der Gehirnforschung wissen wir übrigens, dass es für Empathie bestimmte neuronale Leistungen gibt, die von vernetzten Spiegel-Neuronen erbracht werden.

Durch das Training der Achtsamkeit kommen wir auf dem Weg der Erleuchtung wirklich voran. Und wie Dogen es nach seinem großen Erleuchtungs-Erlebnis sagte: "Ich bin weicher geworden" ! Er hatte nämlich erst in China die wahre Zen-Meditation erfahren und verwirklicht.

4.)  Genaue Unterscheidungen und richtige Entschlüsse

Buddha nennt als wichtigen Faktor der Erleuchtung die rechte Unterscheidung. Warum? Dadurch lernen wir uns selbst kennen: unser Denken,  Fühlen und Handeln. Uns wird dann immer klarer, was heilsam ist für uns und was nicht. Mit diesen echten Erfahrungen können wir unsinnige Weltanschauungen, Ideologien und Fake-News durchschauen und entkräften. Der Erleuchtungs-Faktor Unterscheidung ist besonders wichtig, weil manche buddhistischen Linien der gründlichen Unterscheidung von Dingen, Phänomenen und Entwicklungen eine viel zu geringe Bedeutung geben. Ganzheit und Genauigkeit im Detail sind keine Gegensätze, sondern haben eine besonders gute Wechselwirkung. Sie sind beide wichtige Faktoren des Erwachens.

Es kommt darauf an, die ganzheitliche Sichtweise einerseits und die präzise Unterscheidung andererseits zu üben und weiter zu entwickeln. Das ist von großer Bedeutung, um die Praxis des Lebens selbständig zu meistern und frei zu werden. Und dieser Entwicklungsprozess verläuft dabei in mehreren Schritten, in einer fortlaufenden, verbundenen Kette, wie Vasubandhu sagt. Also dran bleiben!

Wie wir im Zen sagen: "Mit der Faust die Eisenplatte durchschlagen!" Sich nicht wegducken, wenn es wirklich darauf ankommt und auch nicht in die Komfort-Zone oberflächlicher und falscher Spiritualität flüchten. Dann braucht man manchmal im Augenblick sogar den Kampf-Modus. Wie beim Bogenschießen: Der Schuss entscheidet sich im Moment des Abschusses, nicht vorher und schon gar nicht nachher. Der Schuss wird dann gut, wenn das Ego nicht stört! Richtige Entscheidungen sind besonders wichtig für den großen Frieden. Das ist auch meine eigene Erfahrung.

 5.) Energie und Freude

 Und wie entwickeln wir bisher ungekannte Energien? Durch Freude! Denn Freude macht klug und kreativ, das wissen wir aus der aktuellen Gehirnforschung. Also beobachte dich selbst: Was bringt dir wirkliche Freude und damit Energien, und was nicht? Oder anders ausgedrückt: Die tiefgründigen Entwicklungs-Prozesse auf dem Weg zur Befreiung sind nicht zuletzt wahre Freude. Künstlich erzeugte Glückszustände sind schlimme Sackgassen, etwa durch Drogen und Illusionen.

Buddha nennt gesammelte Energie als einen wichtigen Faktor von sieben zur Erleuchtung . Ein erwachter Mensch entwickelt durch Freude im Augenblick die Energie zum Handeln und zu geistigem und psychischem Tun. Wer sich in seinem Leben überhaupt nicht anstrengen will und keine eigene Energie entfaltet, wird auf dem Weg der Erleuchtung nicht vorankommen. Der Ausspruch "Nichts tun" darf nicht falsch verstanden werden, wie es bei manchen Aussteigern und angeblichen Querdenkern zu beobachten ist. Es geht auch um „geschenkte“ Energie, zum Beispiel von der Natur, von anderen Menschen und dem Kosmos, aber vor allem um die eigenen Energie: "dran bleiben". Wir dürfen nicht vergessen: Der Buddha-Weg eröffnet und verstärkt gerade die eigenen Energien und bisher ungeahnte Potentiale!

6.) Gleichgewicht, Gestilltheit und Gleichmut

Die Gestilltheit ist bei Buddha ein sehr wichtiger Faktor des Erwachens. Es geht vor allem darum, nicht immer etwas Anderes haben zu wollen, das man nicht hat, und mit dem zufrieden zu sein, was man jetzt hat. Gestilltheit führt zu Gleichgewicht, Ruhe und Gleichmut. Es handelt sich dabei um das Gleichgewicht unseres Gemüts, um es altdeutsch zu sagen, also unsere ausgeglichene Gestimmtheit und unseren zufriedenen geistig-psychischen Zustand. Also kurz: Wie und Wann bist du gut drauf. Das möchtest du doch sicher häufig erleben?

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