Freitag, 7. September 2018

Die Erleuchtung des Mörders Angulimala (Teil 2)

(Aus meinem neuen Buch "Sternstunden des Buddhismus, erscheint demnächst)


Gleichgewicht und Glück statt Verbrechen

Buddha erkannte sofort das positive Potenzial und die Entwicklungs-Möglichkeiten dieses Mörders und forderte ihn ganz einfach auf:

„Tritt ein und sei ein Mönch“

Und tatsächlich: Der Mörder Angulimala würde auf der Stelle Mönch, vom Mörder zum Mönch, welch ein Wandel! Ein Mitglied in Buddhas Sangha, hier und jetzt

Buddha weihte ihn sogar höchst persönlich zum Mönch. Die unglaubliche Verwandlung des gefürchteten Mörders und die Aufnahme in Buddhas Sangha erregten in der Umgebung großes Aufsehen. Viele hielten das für eine Fake-News, wie man heute sagen würde. Inzwischen hatten die Menschen sogar den König Pasenadi um Hilfe gerufen, der sich mit seinen 500 Reitern auf den Weg gemacht hatte, um diesen bisher unbezwingbaren Mörder endlich auszuschalten.

Aber nun musste er mit seinen Soldaten überhaupt nicht gegen Angulimala antreten, weil dieser bereits ein friedlicher, bescheidener Mönch und Mensch der buddhistischen Sangha geworden war. Ihn verlangte nicht nach Reichtum und zweifelhaftem Ruhm eines gefürchteten Verbrechers. Er lebte das Leben eines Einsiedlers und praktizierte ausdauernd und hoch motiviert. Er hatte seinen wahren Lebensweg gefunden..

„Er übte allein für sich, unermüdlich und eifrig, und erreichte bald das höchste Ziel des reinen Lebenswandels schon in diesem Leben.“

Eines Tages wurde er allerdings auf einem Almosengang erkannt und von den empörten Einwohnern wutentbrannt angegriffen und verprügelt. Nur mit großer Mühe und lebensgefährlichen Verletzungen entkam er schließlich: „Mit blutendem Kopf, zerbrochener Schale und zerrissenem Gewand kam er zum Erhabenen.“ Buddha sagte zu ihm:

„Nimm es geduldig hin, Heiliger. Die Taten für die du sonst viele tausend Jahre in der Hölle büßen müsstest, die büßt du schon jetzt in diesem Leben ab.“

Und im folgenden Gedicht heißt es:
„Wer früher träge war und sich dann tüchtig macht,
der leuchtet wie der Mond in wolkenloser Nacht.
Wer alte Übeltat durch Guttat ausgeglichen,
der leuchtet wie der Mond, wenn Wolken sind gewichen.“

Dies ist eine wirklich spektakuläre Geschichte: durch eine alles verändernde Begegnung und Weichenstellung eröffnen sich dem Mörder völlig neue Alternativen für ein friedliches und erfülltes Leben. Die direkte Begegnung mit Buddha bewirkte, dass sich Angulimala radikal von seinen menschenverachtenden Taten abwenden und sein Leben ändern konnte. Wie es heißt, erlangte er schon in diesem Leben durch die buddhistische Praxis Erleuchtung und die höchste für Menschen mögliche Lebensform.

Nun leben wir heute nicht mehr im Zeitalter Buddhas, haben aber nach der buddhistischen Lehre mindestens die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie der Mörder Angulimala. Es kommt darauf an, dass wir unsere Chancen erkennen, tatkräftig ergreifen und uns damit ganz neue Lebensdimensionen eröffnen. So verwirklichen wir in diesem Leben Befreiung, Emanzipation und Glück.

Donnerstag, 30. August 2018

Die Erleuchtung des Mörders Angulimala (Teil 1)

(Aus meinem neuen Buch: "Sternstunden des Buddhismus")

In den Lehrreden Buddhas wird von einem grausamen Räuber und Mörder namens Angulimala berichtet. Dieser trieb ohne Erbarmen und mit äußerster Brutalität sein Unwesen, ohne durch sein Gewissen oder Regeln der Ethik kontrolliert zu werden. Er verachtete seine Opfer, ermordete sie und fädelte triumphierend ihre Fingerknochen zu einer Kette auf, die er stolz um den Hals trug.

In allen Kämpfen und Mordtaten war er äußerst geschickt und bisher unbesiegt, vor allem, weil er extrem schnell laufen konnte und sehr beweglich war. Er prahlte, dass er Elefanten, Pferde und Menschen jederzeit einholen könne und hielt sich für unbesiegbar. So griff er meist von hinten an und überwältigte alle Opfer fast ohne Gegenwehr. Der Wald, in dem Angulimala hauste, war weit und breit gefürchtet, ihn zu durchqueren glich dem eigenen Todesurteil.

Buddha wollte nun auf einer Wanderung seinen Weg durch diesen Wald nehmen, wurde aber von den dortigen Bewohnern eindringlich vor Angulimala gewarnt. Buddha solle einen Umweg machen, um zu überleben, rieten sie. Er ließ sich jedoch trotz dieser mehrfachen Warnungen nicht von seinem Weg durch den Wald abhalten. Als Angulimala ihn kommen sah, war er sich sicher, ein neues Opfer gefunden zu haben, und wartete zunächst ab, um dann von hinten anzugreifen:

Es heißt: „Er ergriff Schwert, Schild, Bogen und Pfeile und verfolgte den Erhabenen. Dieser aber bewirkte durch seine außergewöhnlichen Kräfte, dass Angulimala ihn nicht einholen konnte, obwohl Buddha selbst nicht schneller als gewöhnlich ging, während jener mit Aufbietung aller Kräfte lief“, um schneller voranzukommen.

Das heißt, dass seine große Schnelligkeit und seine brutalen Kräfte gegenüber Buddha unwirksam waren, er konnte sie nicht einsetzen. So etwas war ihm noch nicht passiert. Verblüfft rief er daher Buddha zu, er solle sofort stehen bleiben. Zu Angulimalas Erstaunen antwortete Buddha, der sich zwar umgedreht hatte, aber weiterging, dass der Mörder ja selbst stehen würde (!). Denn gegen seinen eigenen Willen kam dieser keinen Schritt näher an sein vermeintliches Opfer heran und sagte daher sogar in Gedichtform:

„Du gehst, Asket, und sagst, ich stehe still.
Obwohl ich stehe, nennst du mich ruhelos.
Wie soll ich das verstehen? Sag mir das:
Du stehst still und ich sei ruhelos.“

Es geht in diesem Gleichnis einerseits um die körperliche Dimension des Gehens, Laufens und Stehens, aber sicher noch um viel mehr, nämlich um die geistigen, spirituellen und psychischen Kräfte. Es ist nicht verwunderlich, dass ein Mörder keine Ruhe findet, obgleich er körperlich still steht, und dass der erleuchtete Buddha geht, aber dabei ruhig erscheint. Buddha antwortete in diesem Sinne:

„Ich stehe still Angulimala, sag ich, weil ich den lebenden Wesen nichts zu Leide tue. Du aber wütest gegen Lebewesen, drum steh ich still und du kommst nicht zur Ruhe.“

Diese Aussage verwirrte den Mörder Angulimala zutiefst und er gestand dem Buddha:
„Längst hätte ich das Böse aufgegeben, wäre mir dein Wahrheits-Wort zuteil geworden.“






Montag, 20. August 2018

Die wirklichen Berge und Gomera-ZEN




Dōgen zitiert einen ewigen Buddha zu Bergen und Wasser, also zur wahren Natur:

„Berge sind Berge, Wasser ist Wasser.’ Diese Worte bedeuten nicht, dass Berge (gedachte) Berge sind, sondern dass Berge (wirkliche) Berge sind."

Also sind gedachte Berge keine Berge und gedachtes Wasser kein Wasser

Aber wenn wir Zazen meditieren und auf dem Weg sind, können wir die wirklichen Berge in der Praxis verwirklichen

"Wenn wir die Berge in der Praxis meistern, ist es das Handeln in den (wirklichen) Bergen. Solche Berge und solches Wasser bringen auf natürliche Art die Weisen und Heiligen hervor.“

Und was gilt dann?
Die Berge sind Berge und das Wasser ist Wasser.

Im Buddhismus sind Berge und Wasser die großartige Buddha-Welt, und in dieser Natur hat sich Buddha selbst verwirklicht. Berge und Wasser sind Teil der "unbelebten Natur" und des Universums, wie manche behaupten. Es sind aber Erscheinungen, die wir mit unseren ganzen Sinnen wahrnehmen. Und nach dem Buddha-Dharma gehen sie über die vordergründige Wahrnehmung und äußere Form hinaus und vermitteln die Reinheit und Schönheit der Buddha-Welt. Heute wie damals suchen die Menschen die wunderbaren Augenblicke der Naturerlebnisse in den Bergen und auf den Gewässern.
 
Wir wollen in der Natur auf La Gomera wahre Berge und wahres Wasser erleben und erfahren.

Dōgen warnt immer wieder davor, die wirklichen Berge und das wirkliche Wasser mit den Begriffen und Vorstellungen zu verwechseln, die wir Menschen uns fast automatisch von ihnen machen, die aber das wirkliche Erleben oft verdecken, verzerren und verändern. Wenn wir dabei steckenbleiben, erfahren wir die Berge und das Wasser eben nicht mehr als Wirklichkeit, so wie sie ist, sondern wir erfahren uns mehr oder minder getrennt von ihnen.

Wir leben dann in der Welt unserer eigenen Ideen und Vorstellungen und nicht zuletzt in der Welt der Bewertungen und Vorurteile. Dadurch verkümmert das eigentliche Naturerlebnis: Uns entgehen die Kraft und heilende Energie der Berge und Wasser! Das muss nicht sein.

Übrigens können Sie die Bilder durch Anklicken vergrößern.


Freitag, 3. August 2018

Edle Leerheit und die Vier Edlen Wahrheiten


Es ist an der Zeit, Klarheit zu Begriff und Bedeutung der Leerheit im Buddhismus zu schaffen. Hier mein kurzer Vorschlag.

Worum geht es dem Buddha eigentlich wirklich? Antwort: Um eine zuverlässige Philosophie und einen praktikablen Weg der eigenen Befreiung und Emanzipation, also des menschlichen Glücks. Dabei geht er kritisch und nicht gerade zimperlich gegen die damalige Religion des Brahmanismus vor. Diese hatte die zutiefst unmoralische Kasten-Diskriminierung religiös abgesegnet und verewigt. Buddha war also eine große und nicht überhörbare Stimme der damaligen Moderne. Das ist m. E. mindestens vergleichbar mit der heutigen Moderne der Philosophen Nietzsche, Husserl, Sartre, Wittgenstein usw..

Nach über 600 Jahren gab es dann aber wieder gravierende Fehlentwicklungen, sodass bereits ein überwundener Fake-Glaube sein Unwesen trieb und sich im Buddhismus eigenartige Doktrinen verbreiteten, die ihn z. T. ins Gegenteil verkehrte. Dagegen setzte Nagarjuna den Begriff und die wahre Bedeutung der Leerheit.
Die gründlichste Beschreibung der Leerheit finden wir m. E. daher in dem Lehrgedicht des Mittleren Weges des großen indischen Meisters Nagarjuna, das etwa um 150 n. Chr. entstanden ist. Besonders ist das Kapitel 24 zu nennen. Das MMK ist vor allem eine philosophische sehr präzise Abhandlung über Fehlentwicklungen, Missverständnisse und sogar Perversionen der ursprünglichen Lehre Buddhas.
 
Die kraftvollen Vier Edlen Wahrheiten Buddhas verkamen in manchen Doktrinen zu den kraftlosen vier unedlen Nicht-Wahrheiten. Vermutlich war das den Akteuren nicht immer bewusst.

Dagegen setzte nach meiner festen Auffassung Nagarjuna das Prinzip der Edlen Leerheit. Denn er brauchte einen neuen Begriff. Und der Begriff der Leerheit verblüfft in der Tat damals und auch heute. Das ist sicher bewusst so gewollt. Was ist gemeint? Diese Leerheit bedeutet Bereinigung von verschwommenen und in sich widersprechenden Doktrinen und Glaubensdogmen, die zwar schnelles Glück und schnelle Freiheit versprechen, aber das Gegenteil bewirken. Kurz zusammengefasst: Pragmatische Realisierung des Achtfaches Pfades anstatt wuchernde und unverständliche Metaphysik
Edle Leerheit heißt demnach:

Befreiung durch den pragmatischen Buddhismus der Wirklichkeit und Überwindung des absolutistischen Fake-Glaubens.

Aber Nagarjuna verharrt gerade nicht in der Destruktion und nicht im Nihilismus, wie manche Autoren behaupten, sondern setzt auf die Wechselwirkung des gemeinsamen Entstehens im Leben und in der Welt. Es macht auch keinen Sinn, die Leerheit zu mystifizieren, z. B. als unsagbare Ein-Einheit des Nichts, als das Große Eine, in der alle Unterschiede und Gegensätze dieser bösen Welt jäh verschwinden. Und dies sei zugleich die unwandelbare absolute Wirklichkeit und absolute Wahrheit. Wer kann das verstehen? Solche Fantasien destruiert Nagarjuna ohne Zögern als metaphysischen Unsinn und als weltfremde Traum-Gebilde. Und ich folge ihm dabei. Wie sollen solche Fantasien und Träume unser Leiden konkret beenden und zur Freiheit im Hier und Jetzt führen? Das kann nicht gelingen. Buddhismus erfordert wie das MMK  kritische Fragen und eigene solide Erfahrung, gestützt durch mutige Selbstbeobachtung und Achtsamkeit.

Was sagt Bodhidharma noch zum chinesischen Kaiser Wu auf die aufgeplusterte Frage nach der ewigen absoluten heiligen Essenz der Buddhismus? "Nichts von heilig, leere Weite!" Nichts als leere Weite.

Also weg mit Fantastereien, Gerede, romantischen und esoterischen Selbstlügen, Populismus, weg mit unterwürfigem naivem Glauben, den Verdeckungen, überflüssigen Verzierungen und störenden Ornamenten. Sie verhindern die klare Selbstanalyse der Achtsamkeit und den Befreiungsweg, und führen zu Abhängigkeit und zum Leiden. Dann haben unechte Lehrer, unechte Gurus und angebliche Meister leichtes Spiel. Und das sind auch die Begriffe der Moderne (vgl. den Philosophen Figal) zum Beispiel der Philosophie, Kunst und Architektur vor und nach der Katastrophe des ersten Weltkriegs: Zurück zur Einfachheit und Klarheit. Oder wie Shunryu Suzuki sagt: "Zen-Geist ist Anfänger-Geist".

Diese Edle Leerheit ereignet sich besonders in der Zazen-Meditation: Körper und Geist fallen lassen. Nichts als sitzen, Shikantaza!

Das "Nichts-Als" und "Ohne" sind das Einfache, sind die Edle Leerheit, das Wirkliche, sind ohne Fake. So leitet Nagarjuna m. E. die zweite Epoche der buddhistischen Moderne ein, die China, Tibet und Japan außerordentlich dynamisiert hat und jetzt zu uns in den Westen gekommen ist.

Samstag, 14. Juli 2018

Wer hat eigentlich die die Buddha-Natur?




Dôgen zitiert wortgetreu den großen nationalen Zen-Meister Enkan Sai-an[i], der lehrte: „Alle Lebewesen haben die Buddha-Natur!“[ii] Und der Mensch sei nur ein Beispiel für die verschiedenen Lebewesen auf der Welt. Dôgen fügt hinzu, dass alle Lebewesen einen Geist haben. Er setzt offensichtlich Geist und Buddha-Natur gleich. Das bringt m. E. mehr Klarheit in den recht unbestimmten Begriff des Geistes, denn die Buddha-Natur beschreibt Dogen recht genau aufgrund seiner eigenen tiefgründigen Erfahrung. Er stellt dabei das jeweilige Handeln in den Mittelpunkt und lehnt die Vorstellung als Ding im Gegensatz zu anderen eindeutig ab.

Und er erweitert mit diesem Zitat die Bedeutung der Buddha-Natur: Bisher war nur von Menschen die Rede, und es ging um die Frage, wann und ob sie die Buddha-Natur haben und ob sie die Buddha-Natur sind oder nicht. Dôgen geht sogar noch weiter als Enkan Sai-an, indem er die Buddha-Natur außerdem auf die belebte und die nicht-belebte Natur bezieht. Dabei wird der Unterschied zur westlichen Philosophie besonders deutlich: Wir postulieren nicht nur, dass allein der Mensch die Qualität des Geistes besitzt und sich damit von den Tieren fundamental unterscheidet, beziehungsweise sich über sie erhebt, sondern wir unterscheiden auch rigoros zwischen der belebten und nicht-belebten Natur. Dagegen sagt Dôgen:

„Gras, Bäume und Länder sind selbst Geist. Weil sie Geist sind, sind sie lebende Wesen. Und weil sie lebende Wesen sind, haben sie die Buddha-Natur.“

Damit wir die Ganzheit von Mensch, Lebewesen und Natur unterstrichen und der Dualismus negiert. In diesem Sinne zählt er dann auch die Sonne, den Mond und die Sterne auf und erklärt, dass sie „selbst Geist sind“.

Als logische Schlussfolgerung heißt das, sie sind auch Buddha-Natur. Hier betonen Nishijima und Cross[iii], dass aufgrund der Bedeutung des von Dôgen verwendeten japanischen Wortes zugleich ganz klar ist, dass auch sie die Buddha-Natur sind und nicht nur haben. Wie in der tradierten Aussage von Gautama Buddha dürfen wir die Formulierung „die Buddha-Natur haben“ auch hier nicht im Sinne des Besitzens oder Nicht-Besitzens verstehen, sondern als lebendige Wahrheit. Und diese Wahrheit ist untrennbar mit der Buddha-Natur verbunden Dann folgt ein verblüffender Satz:

„Jene, die ganz und gar verschieden von den Lebewesen (Buddhas) sind, mögen jenseits davon sein, die Buddha-Natur zu haben.“

Wer unklar ist, glaubt also an die Buddha-Natur als Ding, die man haben kann. Hierzu erläutern Nishijima und Cross, dass mit den Lebewesen hier die Buddhas gemeint sind.[iv] Damit wird die Aussage bekräftigt, dass alle Lebewesen die Buddha-Natur sind.

Dôgen regt uns nachdrücklich an, dass wir dem nationalen Meister folgende Frage stellen sollen: „Haben alle Buddhas die Buddha-Natur oder nicht?“ Auf diese Weise sollen wir den großen buddhistischen Meister auf die Probe stellen, um zu erfahren, wie er seine Aussage begründen würde. Und mit Nachdruck wiederholt er, dass der nationale Meister sich von dem Begriff des Habens und als Ding unbedingt verabschieden muss.



[i] Enkan Sai-an war Nachfolger von Baso Do-itsu, er starb 842.
[ii] Shinji Shobogenzo, Bd. 2, Nr. 15
[iii] Shobogenzo, englische Fassung, Bd. 2, S. 22, Fußnote 99
[iv] ebd., Fußnote 100

Samstag, 23. Juni 2018

Buddha-Natur, Magie des Augenblicks



Bei der Zazen-Medition erfahren wir unmittelbar die Magie des Augenblicks und die Buddha-Natur: Der Augenblick der Gegenwart öffnet unser Potential, ein neuer menschlicher und spiritueller Kosmos. Er lässt hemmende unheilsame Muster und ungute Prägungen auslaufen und zur Ruhe kommen. Aus dieser Ruhe können neuen Kräfte, eine neue Lebensfreude und eine neue Kreativität wachsen, für die kommenden Augenblicke des Tages und das weitere Leben. Das sind dynamische Augenblicke mit der Kraft aus der Ruhe, die uns trägt.

Dabei ist die oft missverstanden Leerheit vor Allem und gerade die Leerheit und Befreiung von hemmenden und verzerrenden Prägungen, den unguten Mustern des Denkens, Fühlens und Handeln. Also weg damit! Lebensfreude entsteht dann wie eine sich öffnende Lotos-Blüte. Dreht sie sich dabei, wie Dogen und Hui Neng sagen? Ich meine, ja, so ist es. Dieser Prozess ist unlösbar mit der Buddha-Natur verbunden, denn die Buddha-Natur kann es ohne dieses Entfalten und Wachsen nicht geben. Oder wie Buddha sagt: Dies ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung (pratitya samutpada). Also eben kein Ding und kein Gegenstand, und wenn diese noch so vergoldet dargestellt werden. Leben ist kein Ding und keine isolierte Entität, ein solches Ding müsste dann "verhungern" und schrumpfen. Nichts gegen Gold aber sicher nicht als das fiktive fleckige Gold erstarrter Dogmen, Doktrinen und hemmender Prägungen. Eine solche Befreiung und Emanzipation ist die zentrale Botschaft von Nagarjunas Mittlerem Weg.

Dôgen skizziert, wie das wahre Bild eines Menschen der Buddha-Natur aussehen sollte und welche Funktion es haben muss:

Wenn wir die Augen darauf richten und es genau ansehen, sollten wir direkt in der Gegenwart ankommen und zufrieden sein, also keinen (unnützen) Hunger mehr nach einer (doktrinären) Wahrheit haben.“

Im Gegensatz dazu berichtet Dôgen von einem drückenden Erlebnis auf einer seiner Reisen zu den verschiedenen Klöstern in China, zum Beispiel zum Kori-Zen-Tempel, einem der fünf wichtigsten der Song-Periode. Neben den Darstellungen anderer authentischer Meister der Linie gab es ein Bild Nâgârjunas, den Dogen außerordentlich schätzte. Das kann ich gut nachvollziehen, denn ich erkenne immer mehr den tiefen umfassenden klaren, wenn auch kritischen, Geist dieses großen indischen Meisters in den Schriften Dogens. So ging es auch meinem Lehrer Nishijima Roshi.

Dôgen wurde damals von einem Mönch im Kloster herumgeführt, der ihm allerdings ohne Engagement die verschiedenen Sehenswürdigkeiten zeigte und zur Enttäuschung Dôgens gerade das Bild Nâgârjunas ohne jede innere Anteilnahme vorstellte. Er beschreibt das Verhalten des Mönchs folgendermaßen:

Dabei hat er keine Nüstern in seinem Wesen und keine Worte in seiner Stimme.“

Diese ungewöhnliche Formulierung bedeutet, dass der Mönch leblos erscheint – die Nüstern sind das Symbol für das Leben und den Atem. Seine Sprache sei ausdruckslos und teilnahmslos. Dôgen sagte zum Mönch:

„Dies scheint wirklich das Bild eines Reiskuchens zu sein!“ Hier hat der Begriff die abwertende Bedeutung, dass der Reiskuchen nämlich nicht zum Essen und den Hunger im wahren Leben taugt. Das Bild eines Reiskuchens ist ein berühmter Ausspruch für fehlende Wirklichkeit und fehlendes Leben. Der Mönch lachte daraufhin seltsamerweise von ganzem Herzen und verstand offenbar überhaupt nicht, dass Dôgens Worte eine harsche Kritik an ihm selbst und seinem flauen Engagement im Buddhismus waren.


Auch die anderen Mönche des Klosters, die das Gespräch mit anhörten, zeigten kein Verständnis für das Bild des großen Meisters Nagarjuna. Dôgen nennt sie „Hautsäcke“, um auszudrücken, dass sie eigentlich keine wahren Menschen auf dem Buddha-Weg sind, nicht ernsthaft praktizierten und den Dharma nicht kannten. In diesem Zusammenhang bedauert er den Niedergang des chinesischen Buddhismus, der sich im 13. Jahrhundert schon abzeichnete.

„Zusammenfassend scheinen (solche Hautsäcke) die Grenze des klaren Verstehens verloren zu haben: "Für die Worte ‚die Buddha-Natur haben‘ und ‚ohne (Täuschung) zu sein‘.“
„Sie erwachen nicht aus ihren (fixierten) Ansichten und Meinungen und (wissen nicht), dass die Buddha-Natur mit dem lebendigen Denken, der Achtsamkeit und Verwirklichung zusammenhängt.“

Genauso falsch sei es aber , beim Thema Buddha-Natur ganz stumm zu bleiben, keine Fragen zu stellen und die Vernunft nicht ernsthaft zu bemühen, um tiefer einzudringen: „Denkt daran, dieser Zustand der Nachlässigkeit kommt daher, dass sie aufgehört haben, sich zu bemühen (und zu praktisieren).“
Abschließend hält Dôgen fest:

„Der Dharma kann nicht isoliert im Bild dargestellt werden.“ Denn dazu bedarf es der Unmittelbarkeit und Direktheit der Wirklichkeit des Künstlers. Und er bedauert sehr, dass er kein wirklich lebendiges Bild der Rundheit des Mondes und der Buddha-Natur des großen Meisters Nâgârjuna sehen konnte Denn genau das werde berichtet. Dann und genau dann erfahren wir die Magie des Augenblicks und die Rundheit des Mondes.


Freitag, 15. Juni 2018

Magie des Augenblicks im ZEN und westliche Philosophie: Ein Gegensatz?



Gegenwärtig trainiere ich häufiger Bogenschießen: Ein großartiges Beispiel für die buddhistische Praxis, das Wunder des Augenblicks, das eigene Gleichgewicht, sowie Veränderung und Dynamik. Also Einüben in der Kunst des Zen als Weg des Bogens, des traditionell mit höchstem Können verleimte Bambus aus Japan. Es gibt dabei vier wichtige Zustände:

Man hat sich aufgestellt, hält den Bogen in einer Hand, hat den Pfeil in die Sehne eingenockt, schaut auf das Ziel und hält Bogen, Sehne und Pfeil in einer leichter Vorspannung.

Der Bogen ist angehoben, gespannt, in Spannung und Dehnung des Rückens und der Armen. Dies wird auch als Ankern bezeichnet

Das Wunder des Augenblicks, Gleichgewicht in höchster Spannung: Der Pfeil löst sich und schlägt in die Zielscheibe ein.

Man steht entspannt, bleibt ruhig und „hält nach“.

Das ist sicher eine Beschreibung wichtiger Zustände. Aber was fehlt? Haben wir mit diesen Zuständen den Prozess, den Flow, die Veränderung und Dynamik und das wahre eigene Erleben wirklich voll erfasst und beschrieben? Sicher nicht. Denn zwischen den Zuständen ereignen sich ja gerade Veränderungen und Wandlungen von Körper, Geist und Psyche. Diese darf man nicht verbergen und weggelassen. Die Magie des Augenblicks ist damit unlösbar verbunden!

Menschen sind keine Zustände von Gegenständen und Sachen. Von entscheidender Bedeutung sind gerade der Bewegungsablauf und fortlaufender Prozess. Sie bauen die für den Schuss notwendige Spannung auf, bei gleichzeitiger ruhiger Konzentration und Achtsamkeit. Es geht weiter zum entscheidenden Augenblick, zum Ereignis, auf den alles ankommt, der Schuss, die Magie des Augenblicks. Dann kommt das Loslassen des Pfeils, das Release: Wow, das ist es !

Die Bewegung zum Lösen des Pfeils muss im Augenblick der höchsten Spannung, ruhig und zügig erfolgen. Jede Verkrampfung sei es aus Angst, das Ziel zu verfehlen, oder sei es aus Überheblichkeit einer falschen Sicherheit und damit ohne klare Achtsamkeit, sind falsch und führen in der Wirkung gerade zu schlechten Schüssen.

Das Ziel kann mit einem verkrampften Geist nicht "wie von selbst" getroffen werden: Die Harmonie von Körper, Psyche und Geist im Augenblick kann sich nicht ereignen. Danach fliegt der Pfeil auf seiner Bahn zum Ziel. Man beobachtet diesen Flug, der umso besser zum Ziel führt, wenn bei ihm in klarer Aufmerksamkeit kein falscher Ehrgeiz zu Verkrampfungen führt. Dann würde das kleine Ich mächtig stören und sich bei jedem "Fehlschuss" ärgern!  Dann ist die Magie weg. Aber ganz im Gegenteil, gelungene Schüsse geben Freude, Lockerheit und geradezu eine spirituelle Klarheit des Hier und Jetzt. Genau darin liegt auch die Bedeutung des intuitiven und spirituellen Bogenschießens. Gute Augenblicke und Schüsse setzen sich durch den Tag als freudiges länger anhaltendes Ereignis weiter fort.

Den gesamten Ablauf des Bogenschießens können wir wie bei Buddha, Nagarjuna und Dogen als Prozess verstehen, der die drei Phasen hat: Entstehen, Andauern und Vergehen. Dabei hat Entstehen einen bestimmten Vorlauf und zur Ruhe-Kommen einen Nachlauf. Und alles hängt als lebender Prozess zusammen. Aber das Beste: Gelungene Schüsse, die Magie des Augenblicks, erzeugen eine fast unbegreifliche Freude, die noch länger anhält, manchmal einen halben oder ganzen Tag. Und sie lösen miese Stimmungen, Frustrationen und Enttäuschungen durch Dritte auf.

Es wird klar, dass der fortlaufende Prozess sich jeweils aus sich selbst entwickelt, sich mit der Übung immer mehr verfeinert und immer weniger willentlich gesteuert werden muss. Das trainiert die über den Verstand hinausgehende Intuition.

Bis es wie bei Herrigel heißt: „Es hat geschossen“. Das Entscheidende ist der Augenblick und der dynamische Ablauf, also der Prozess von Mensch, Bogen, Sehne, Pfeil, Ziel usw.. Nach dem Ablauf dieser Dreiheit Entstehen, Dasein und Vergehen, die beim japanischen Bogenschießen zwischen 6 und 20 Sekunden dauert, kann ein neuer Prozess für einen zweiten Schuss ablaufen.

Diesen Ablauf können wir als Dharma der Dynamik auffassen, da er die drei Phasen Entstehen, Andauern und Vergehen umfasst. Nagarjuna beschreibt dieses Phänomen im Mittleren Weg, MMK, in dem oft missverstanden siebten Kapitel. Beim Bogenschießen wird klar: Entstehen, Dasein, Augenblick und Vergehen können nicht getrennt werden, sie wirken aufeinander. Oder ganzheitlich: Gemeinsames vernetztes Entstehen in Wechselwirkung (pratitya samutpada).

Ich finde es erstaunlich, dass Buddha, Nagarjuna und Dogen jeder auf seine Weise diese grundlegenden Regeln des Lebens und seiner Entwicklungen so klar erkannt und präzise analysiert haben.

Philosophische Anmerkung zum griechischen Denken: Heidegger hat sich wohl in seinen späten Jahren mit Zen und Tao beschäftigt und nach Reinhard May in seine Philosophie integriert: "Heideggers verborgenen Quellen". Für Heidegger ergibt sich m. E. das Ereignis als Zeit und Sein, also die Ganzheit von Sein-Ereignis-Zeit. Das Sein ist bei ihm nach meiner Einschätzung nicht wie meist in der klassischen westlichen Philosophie von der Zeit unabhängig, also ewig und unveränderlich. Im Gegenteil: Es gibt dann Sein in der Gegenwart und damit im Augenblick der Zeit. Die traditionelle Metaphysik des Seins, aus dem Seienden entwickelt, könne man nach Heidegger auf sich beruhen lassen, (Vortrag "Zeit und Sein" 1962). Und weiter zu seinem zentralen Begriff des Ereignisses: "Mit dem Ereignis wird überhaupt nicht mehr griechisch gedacht (May, S. 63).

Heidegger sagt m. E. nichts anderes, als dass er die bisherige Philosophie auf der Basis des griechischen Denkens mit der Bedeutung des Ereignisses weitgehend verlassen habe. Er fügt hinzu, nach May allerdings verschlüsselt formuliert, dass er im Kontakt mit der ostasiatischer Philosophie des Tao und Zen neu ansetzt und diese in seine Philosophie integriert, vermutlich weil er sie für ergiebig und zukunftsweisend hält. Das finde ich wirklich spannend: Und zwar auch und gerade für die zentrale philosophische Frage nach dem Sein.

Er nennt seinen eigenen Denkweg die "tiefverborgenen Verwandschaft" (mit Tao und Zen).

Buddha und Nagarjuna könnten dem m. E. weitgehend zustimmen und Dogen würde zudem das Handeln im Augenblick betonen. Die westliche Philosophie könnte nach Derridá auch so aus ihrer Euro-Zentrierung herauskommen. Eine solche Wechselwirkung ist auch das Ziel meiner eigenen Arbeit: Die östliche Philosophie hält große Schätze für die eigene Befreiung und Emanzipation bereit, praktisch und theoretisch.

Sonntag, 27. Mai 2018

Der wahre und der vergiftete Pfeil

Buddha antwortete einem verunsicherten Schüler, der absolute und ewige Wahrheiten über das Ich und die Welt ganz genau wissen wollte, dass er so etwas gerade nicht lehren würde. Buddha fragte, ob er denn überhaupt versprochen habe, absolut zu erklären, ob die Welt ewig sei oder nicht ewig. Der Schüler gab zu, dass Buddha ein solches Versprechen nicht gegeben hatte. Buddha fragte ihn weiter, worüber er sich eigentlich beklagen würde und fügte hinzu:

„Wenn jemand sagte, er wolle so lange nicht den reinen Wandel (Meditation, Geistesschulung und Handeln) beim Erhabenen praktizieren, bis dieser ihn absolut über solche  Fragen belehrte, dann würde dieser nämlich sterben. Und zwar bevor der Erhabene ihn so etwas überhaupt lehren könnte.“

Buddha erzählte dem Schüler das berühmte Gleichnis vom vergifteten Pfeil und dessen eindringliche Pragmatik und große Wirksamkeit. Dies sei genau die von ihm entwickelte Lehre:

„Nimm an, ein Mensch ist von einem vergifteten Pfeil getroffen worden und seine Freunde und Verwandten holen einen tüchtigen Wundarzt. Der Verwundete sagt aber: ´Nicht eher will ich den Pfeil herausziehen lassen, als bis ich (ganz genau) weiß, ob der Mensch, der mich verwundet hat, ein Adliger oder ein Brahmane oder ein Bürger oder ein Schudra ist. Ich will vorher wissen,  wie er mit Vornamen und Familiennamen heißt, ob er groß oder klein oder von mittlerer Größe ist, ob seine Haut schwarz oder braun oder hell ist. Ich muss wissen,  aus welchem Dorf oder aus welcher Stadt er stammt, welchen Bogen er benutzt hat, woraus die Bogensehne besteht, welche Art der Pfeil ist‘ (...).“

Es gäbe noch viele weitere fundamentale Fragen, die er unbedingt wissen wolle. Dabei wurde  er immer schwächer, krümmte sich vor Schmerzen  und konnte kaum noch reden. Er röchelte: "Die Federn des Pfeils, die Sehne, Pfeilspitze...muss ich wissen. Schließlich sagte Buddha:
 
„Dieser Mensch würde sterben, bevor er alles dies erfahren hätte. Ebenso würde jemand, der mit dem wahren Wandel warten wollte, bis er über solche Fragen belehrt worden wäre, sterben, bevor man ihn darüber belehren kann.“

Spekulative und abstrakte philosophische Fragen über die Welt, zur Wiedergeburt, zum vorherigen oder zukünftigen Leben usw. sind demnach ähnlich einzuschätzen wie die Fragen zum vergifteten Pfeil. Sie tragen meist nichts zur  Lösung der konkreten Problemen bei: Altern, Krankheit und Sterben, Einsamkeit, Angst, Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung. Buddha lehrt aber gerade „deren wirkliche Überwindung schon in diesem Leben“. Spekulative Fragen würden bei der Überwindung des Leidens nur schaden und ablenken. Buddha fuhr fort:

Nicht erklärt habe ich, ob die Welt ewig oder nicht ewig, begrenzt oder unbegrenzt ist, ob Seele und Leib dasselbe oder verschieden sind, ob ein Vollendeter nach dem Tod lebt oder nicht lebt. Ich habe es deshalb nicht erklärt, weil dies nicht zum Heil und zur Befreiung beiträgt.“

Die meisten dieser Fragen können überhaupt nicht beantwortet werden und das Leiden und die eigene Unklarheit hätten damit nichts zu tun, betonte Buddha. Erleuchtung, die Abwendung vom Übel und das Nirvāna seien so nicht zu erreichen. Denn wichtig ist stattdessen, das Übel des wirklichen  Lebens zu erklären, woraus es entsteht und entspringt, aber vor allem, wie das Übel aufhört! Auf welchem Weg kann man es ausschalten und zur Ruhe bringen? Dies ist genau das wichtige Wissen, um das Erwachen zu erlangen, und dies ist es, was er lehrt.

Viele täuschende Fragen werden von vergifteten Dogmen, Vorurteilen, Aberglauben und Doktrinen erzeugt! Das beweist Nagarjuna in seinem Meisterwerk des Mittleren Weges.

Buddha antwortete nicht bei solchen abstrakten und wegführenden Fragen. Wenn also jemand darauf bestehe, dass die Welt ewig sei oder umgekehrt abrupt endet, ist dies schlicht unwichtig für die Schmerzen, Leiden und Übel in diesem Leben. Es geht um deren Überwindung und den eigenen konkreten Weg der Befreiung und Emanzipation:

Spekulative Gedankenspiele sind eben Spiele und nichts weiter. Luftspiegelungen vom Wasser sind eben Spiegelung ohne Wasser für den Verdurstenden. Das wirkliche Wasser ist vielleicht nahe, wir sollten hier und jetzt danach graben. Und: nicht an vielen Stellen ein bisschen graben, sondern an einer Stelle in die Tiefe zum Wasser!

Grübeln hilft nicht. Wirf deinen wahren Pfeil über dein jetziges kleines Ego hinaus: Frisches Wasser, der fliegender Pfeil und die Sicherheit der Buddha-Natur sind das wirkliche Leben.


Montag, 7. Mai 2018

Das Meisterwerk des Mittleren Weges, neue Bearbeitung in Deutsch, Teil 1



Neue Übersetzung des MMK mit ausführlichen Kommentaren   


Bitte anklicken:
PDF-Datei zum Herunterladen

Hiermit stelle ich dieses epochale Werk zum Mittleren Weg (MMK) von Nâgârjuna neu in Deutsch als PDF vor. Daran habe ich fast 18 Jahre gearbeitet und mich dabei um möglichst gute Verständlichkeit bemüht. Deswegen werden ausführlichen Erläuterungen eingefügt, dies ist bei der Schwierigkeit des Textes von großer Bedeutung. Der Sinn und die tiefgründige Bedeutung sollen aber nicht verflacht oder verändert werden. 

Jedes Kapitel ist wie folgt gegliedert: Hinführung zum Thema, Übersetzung mit Erläuterungen und Kommentaren der jeweiligen Verse und Ergebnis als Zusammenfassung der Bedeutung. Auf diese Weise wird auch zum weiteren Gang der Untersuchungen im MMK übergeleitet.

Das MMK ist in der Fachwelt völlig unbestritten und ein Höhepunkt des Buddhismus, aber m. E. bisher zu wenig beachtet und benutzt. Das liegt sicher auch an der kompakten und für uns ungewohnten Form der Verse und an der Schwierigkeit des Inhalts. Daher hat es immer wieder gravierende Missverständnisse nicht zuletzt im vorherigen Jahrhundert gegeben. Zur Klärung dessen, was Nagarjuna wirklich sagen wollte, möchten wir unseren Beitrag leisten.

Die intensive Zusammenarbeit am fulminanten Meister-Werk des Mittleren Weges von  Nâgârjuna begann zusammen mit Nishijima Roshi  im Jahre 2000. Es war uns klar, dass nur eine direkte Übersetzung aus dem Sanskrit diesem Werk gerecht werden konnte. Daher nahm ich zunächst Sanskrit-Unterricht bei Peter Gäng und übersetzte zusammen mit ihm etwa ein Drittel des Textes. Parallel dazu war ich mehrmals in Japan für die gemeinsame Arbeit mit Nishijima Roschi. Eine erste deutsche Fassung war Ende 2005 fertig gestellt.

Allerdings war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Der schwierigen Text und die oft verwirrenden bereits vorhandenen Übersetzungen forderten mich bis an die Grenzen meiner damaligen Möglichkeiten. Die tägliche Zazen-Meditation hat mir dabei sicher geholfen, im Gleichgewicht zu bleiben. Und ich wusste: Das Gehirn ist ein selbst-lernendes System, aber man muss dran bleiben und darf nicht aufgeben.

So beschloss ich zunächst den Zen-Buddhismus mit Nishijima Roshi vertieft anzugehen. Daraus entstanden mehrere Bücher: Übersetzungen und neue Texte. Parallel dazu liefen die Arbeiten am MMK weiter. Neun Jahre nach der ersten Fassung und nach den Zen-Texten intensivierten sich diese Arbeiten, vor allem durch die enge und fruchtbare Kooperation mit der Indologin Elisabeth Steinbrückner. Wir verwendeten einen dreistufigen Prozess, der transparent von ihrer exakten Wort-für-Wort Übersetzung ausgeht. Darauf aufbauend habe ich meine Übersetzung sowie deren Bedeutungen, Erläuterungen und Kommentare erarbeitet. Dafür bin ich selbstverständlich verantwortlich, einschließlich möglicher Fehler.

Nâgârjuna wollte aus meiner Sicht mit dem MMK keine neue buddhistische Lehre entwickeln, wie einige behaupten, sondern vielmehr den zentralen Kern der authentischen Lehre Buddhas herausarbeiten, entschlacken und ihm neue Impulse geben, z. B. durch den Begriff der Leerheit. Er formuliert in der Präambel:

"Buddha, der vollkommen Erwachte, zeigte das wechselwirkende gemeinsame Entstehen,
das beglückende Aufhören der wegführenden Fehlentwicklungen und Verwirrungen.
Ihn, den besten der Sprechenden und Lehrenden, verehre ich"

Ein Beispiel aus Buddhas sutta der Achtsamkeit [1] der sieben Gliedern des Erwachens
"Er erkennt, wenn in ihm das unentstandene Glied des Erwachens (der) ´Freude´ entsteht".

Das Entstehen des Erwachens als Prozess der Emanzipation und Befreiung des Menschen aus dem Leiden ist das zentrale Anliegen Buddhas und seine Philosophie: Alles verändert sich, es entsteht und kommt zu Ruhe: Freude entsteht, Leiden und Verwirrungen (prapanca) hören auf. Diese Klarheit stellt Nagarjuna wieder her.

Die Verehrung Buddhas ist dabei sicher nicht nur eine devote Floskel !
Übrigens kann man den zentralen Sanskrit-Begriff der ersten Zeile, pratitya samutpada, auch als "ganzheitliches Entstehen in Wechselwirkung"  übersetzen. Das ist m. E. der Schlüssel zum Verständnis und zur Gestaltung unseres Lebens und zu den Vorgängen in der Welt. Dogmatischen Extreme sind dazu völlig unbrauchbar und führen zum Leiden.

Die authentische Lehre war in Indien im Verlauf von etwa 600 Jahren nach Buddha durch verschiedene, zum Teil hoch komplexe Philosophien verfremdet und durch dogmatische Sekten und Ideologien verzerrt worden. Zudem hatte die vorbuddhistische Philosophie des Brahmanismus wohl unbemerkt neue Kraft und Verbreitung im Buddhismus erlangt. 

Viele Kapitel des MMK dienen dem Ziel der Destruktion irreführender philosophischer Meinungen, Ideologien, falscher Lehrtraditionen und der Doktrin einer illusionären, angeblich ewigen und unveränderlichen Substanz (svabhâva) in der Welt. Dies ist mit der dynamischen Wechselwirkung z. B. in Öko-Systemen und beim Befreiungsprozess des Menschen überhaupt nicht vereinbar. Beides hatte Buddha m. E. klar erkannt.

Es ist spannend zu beobachten, dass alte Doktrinen und Vorstellungen aus der vorbuddhistischen Zeit unter dem Deckmantel buddhistischer Begriffe unbemerkt wieder auftauchten. Diese doktrinäre Verwendung von Begriffen hatte Buddha aber gerade als unheilsam abgelehnt. Daher bedurfte der Buddhismus insofern einer gründlichen Erneuerung.

Und genau diese Fehlentwicklungen destruiert Nagarjuna im MMK konsequent und mit brillanter Präzision. Aber er bleibt nicht dabei stehen, sondern gibt der Entwicklung des Buddhismus große neue Kraft: Ein neuer kräftiger Schub und nachhaltiger Impuls, bis zu uns in den Westen.




[1] Gäng, Peter, Hrsg: Meditationstexte des Pâli-Buddhismus Bd. I, S. 49

Donnerstag, 3. Mai 2018

Das Meisterwerk des Mittleren Weges, neue wörtliche Übersetzung aus dem Sanskrit

Neue Wort-für-Wort  Übersetzung





Dieses epochale Werk zum Mittleren Weg (MMK) von Nâgârjuna gilt in der Fachwelt unbestritten als ein Höhepunkt des Buddhismus. Es ist beinhaltet zentrale Grundlagen zum buddhistischen Befreiungsweg der Mitte und der Leerheit. Es entschlackt den Buddhismus von diversen fehlerhaften Doktrinen, nicht zuletzt des Volks-Buddhismus, und gab und gibt vitale Impulse. Das MMK hat die gesamte folgende Entwicklung des Buddhismus maßgeblich beeinflusst, vor allem in Indien, China, Japan, Tibet und jetzt im Westen.

Wegen dieser großen Bedeutung und erheblicher gravierender Widersprüche der bisherigen Übersetzungen und Interpretationen haben die Indologin Elisabeth Steinbrückner und ich beschlossen, einen radikalen Neuanfang zu wagen: In einem dreistufigen Verfahren gehen wir vom authentischen Text in Sanskrit aus. Sie hat dabei in zwei Stufen eine exakte Wort-für-Wort-Übersetzung aus dem Sanskrit und eine teilweise vor-formulierte Fassung erarbeitet, die hiermit vorgelegt werden.

Durch die exakte Wort-für-Wort-Übersetzung ist es möglich, dem genauen Gedankengang und damit dem Geist des großen Meisters Nâgârjunas direkt zu folgen. Aber zugegeben: Den Leser erwarten einige Schwierigkeiten, der Text hat es in sich, eine echte Herauforderung!

M.W. ist ein solches dreistufiges und vor allem transparentes Vorgehen bisher nicht verwirklicht worden. Ich bin aber überzeugt, dass man damit diesem epochalen Werk wirklich gerecht werden kann. Wahrscheinlich hätten diverse Fehlinterpretationen vermieden werden können, die oft für längere Zeit die Aussagen des MMK verwässert, verzerrt oder sogar ins Gegenteil verkehrt haben. Wichtig ist es m. E., den Originaltext in Sanskrit zu verwenden und nicht Übersetzungen aus dem Tibetisch, Chinesisch, Englisch oder Französisch, so gut sie auch sein mögen.

Auf der verlässlichen wörtlichen Übersetzung baue ich dann meine sinngleiche Übersetzung, Interpretation und Erläuterung auf. Damit hoffe ich eine bestmögliche Verständlichkeit mit ausführlichen Erläuterungen bei wissenschaftlich fundierter Texttreue zu erreichen. Fehler habe ich selbstverständlich zu verantworten. Der Leser kann für jeden Vers auf die wörtliche Übersetzung direkt zurückgehen und eventuell seine eigene Interpretation erarbeiten. Das wäre besonders spannend. Meine Fassung soll dann in drei Teilen nacheinander im Netz und in Buchform veröffentlich werden.

Als ich 1996 Nishijima Roshi das erste Mal in Tokio traf, arbeitet er intensiv an seinem Buch zum Mittleren Weg dieses großen indischen Meisters Nâgârjuna. Er war mit den bisherigen Fassungen nicht zufrieden: Ein fundamentales Werk von hoher Qualität und erheblicher Schwierigkeit. M.W. als erster stellte er eine spannende und tiefgründige Verbindung zum großen  Zen-Meister Dôgen und dem Werk Shobogenzo her. Im Jahre 2000 vereinbarten wir dann beim Buddhistischen Kongress in Hannover, dass ich eine deutsche Fassung in Kooperation mit ihm vorlegen würde. Diese Kooperation mit ihm für Dôgens und Nagarjunas Werke hat meine gesamte Arbeit außerordentlich gefördert und vorangebracht.

Seine zusammen mit Brad Warner erarbeitete englische Fassung des MMK wurde 2011 veröffentlich.

Weil ich nicht die für dieses Werk ausreichenden Kenntnisse in Sanskrit habe, war es ein großes Glück, dass ich Ende 2014 die Indologin Elisabeth Steinbrückner kennen lernte und die Arbeiten am MMK dann intensiviert mit ihr fortsetzen konnte.


Nun ist es so weit:
Mūlamadhyamakakārikā (MMK) von Nāgārjuna
(Elisabeth Steinbrückner)
Bei der vorliegenden Arbeit zu den Mūlamadhyamakakārikā (MMK) von Nāgārjuna handelt es sich um ein persönliches Experiment und als solches bedarf es vielleicht einer Art kurzer Gebrauchsanweisung.

            Obwohl der Text sprachlich nicht besonders schwierig ist, ist ein vollständiges Verständnis nicht leicht zu erreichen. Trotzdem sollte der Text selbst alles bieten, was man zu seiner Durchdringung benötigt.

            Zusammen mit Jürgen Yudo Seggelke entstand vor einigen Jahren die Idee zum vorliegenden Experiment. Es handelt sich um so etwas wie die Vorstufe einer Übersetzung, die sich in zwei Schritten vollzieht. Im ersten Schritt sind lediglich die einzelnen Worte in ihrer grammatikalisch dem Sanskrit entsprechenden Form wiedergegeben. Der zweite Schritt ist eine Annäherung an eine Übersetzung, der aber mechanisch erfolgte und die aus meiner Sicht wahrscheinlichste Verbindung der einzelnen Satzglieder darstellt. Die wenigen Zusätze sind konsequent in Klammern gesetzt worden und als solche für den Leser noch zu erkennen.

            Auf diese Weise entstand ein Dokument, das weniger ein fertiges Verständnis liefert als vielmehr meinen und unseren Versuch, den Text auf unvoreingenommene Weise selber sprechen zu lassen. Dabei wurde streng auf Präzision geachtet. Jedes Wort wurde bis auf seine im Sanskrit so wichtige Wurzel zurückgeführt und die Verbindungen der Worte, die von ein und derselben Wurzel abstammen, sind, wo immer möglich, auch im Deutschen wiedergegeben.

            Der Leser hat also mit der vorliegenden Vor-Übersetzung gewissermaßen eine Art Baukasten an der Hand, mit dem er auch ohne Sanskritkenntnisse seine eigene Übersetzung erstellen könnte. Natürlich würde der Text erst durch die sprachlichen Finessen des Deutschen zu einer echten und schön zu lesenden Übersetzung heranreifen. Diesen Schritt soll aber jeder für sich selbst gehen können. Dies war jedenfalls die Idee.

            Ob diese Art der Herangehensweise funktionieren kann, wird sich wohl erst in der Zukunft zeigen. Für Rückmeldungen jeglicher Art sind wir deswegen sehr dankbar.


Montag, 16. April 2018

Bild der Buddha-Natur



Dôgen sagt zu einem Bild des großen indischen Meisters Nagarjuna im damaligen China:

„Wenn wir die Augen wirklich auf ein Bild der Buddha-Natur richten und es in Klarheit genau ansehen, sind wir direkt in der Gegenwart ankommen und zufrieden. Dann haben wir keinen (ungestillten) Hunger nach der (zusätzlichen) Wahrheit.“

Das Bild geht dann mit uns eine kraftvolle Wechselwirkung ein: genau im Jetzt. Wer nur flüchtig sieht, für den ist die Buddha-Natur verborgen. Es dürfte schwer und fast unmöglich sein, die Buddha-Natur überhaupt wahrzunehmen, wenn wir hektisch und wie gehetzt auf dem Smartphone herum wischen. Also das Ding einmal ausschalten und wirklich hinsehen: innerlich ruhig, im Gleichgewicht und offen für das Hier und Jetzt der Schönheit der Welt; nicht zuletzt für den anderen Menschen direkt gegenüber. Vielleicht sehen wir dann in ein Gesicht der Buddha-Natur

Da kommt Freude auf! Das ist die Wechselwirkung mit der eigenen Buddha-Natur, dann verwandeln genau diese Wechselwirkungen den Menschen im Augenblick: Wir werfen unseren Pfeil über uns selbst hinaus, wie Nietzsche sagt. Das kleine Ich ist zur Ruhe gekommen und verschwunden, das sich auf eine zementierte Vergangenheit oder die Angst der Zukunft verengt hat. Befreiung ist mehr als die Beseitigung bisheriger angeblicher oder wirklicher Flecken, Befreiung wirft unseren Pfeil über uns selbst hinaus und bewirkt Freude und Kreativität. Leerheit ist Kreativität!

Diese Wechselwirkung der lebendigen Welt ist das große Thema Nagarjunas in seinem Werk des Mittleren Weges. Sie ist leer von verwirrenden und unheilsamen Doktrinen. Daher bezeichnet der Begriff der Leerheit das gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung (pratitya samutpada):

Die Welt und ihre Prozesse, so wie sie wirklich sind, die Emanzipation zur Freiheit, wie sie wirklich ist. Nagarjuna de-konstruiert falsche Dogmen und Doktrinen auch im Buddhismus und gewinnt die Reinheit und Fülle des Buddhismus damit konstruktiv zurück.

Das ist die Kraft der Mitte und nicht die Krankheit der Extreme.

Nagarjuna sagt auch: Wer die Leerheit falsch versteht, dem ist nicht zu helfen. Und die falsch verstandenen Leerheit ist wie eine schlecht gegriffene giftige Schlange: Sie hat sie einen tödlichen Biss. Nagarjuna destruiert damit m. E. das Verständnis der Leerheit als Nihilismus, das totale Nichts und den Skeptizismus.

Beim Zazen geht es um die Sitzhaltung und die Art des Sitzens, also um das ganzheitliche Gleichgewicht von Körper-und-Geist im Frieden und in der Freude. Der Körper wird dann zur direkten Ausdrucksform der Buddha-Natur, er ist die Buddha-Natur. Der Körper ist gerade kein Hindernis auf dem Befreiungsweg. Deshalb müsse ein Bild von Nâgârjuna nicht zuletzt die körperliche Form markant und genau darstellen, so Dôgen.


Freitag, 23. März 2018

Weltweite Nutzung des Buddha Blog Berlin

(Eberhard-Gensa Kügler)

Lieber Yudo Seggelke Roshi, der großartige weltweite Erfolg des Zen Blog Berlin (über 155 000 Zugriffe!) zeigt, dass der Buddhismus gerade heute spannend, wirkungsmächtig und aktuell ist wie eh und je.

Es besteht kein Zweifel: Buddhas praktische und wirkungsvolle Lehre einer tiefen Weisheit zur Befreiung der Menschen und zum Lebensglück ist im Westen angekommen. Dazu hast Du einen erkennbaren Beitrag geleistet und so die Arbeiten von Kodo Sawaki und Nishijima Roshi fortgeführt. Dafür danken wir Dir!


Nishijima Roshi und Yudo Roshi nach der Dharma-Übertragung 2003

Auch Dein Blog mit Beiträgen zur buddhistischen Forschung und Philosophie hat mit der beachtlichen Zahl von bisher 12 500 Zugriffen eine erstaunliche Resonanz gefunden.

Dieses große Interesse liegt sicherlich in den Themen, vor allem aber in deren fundierter Aufbereitung begründet. Die konsequente Ausrichtung am ZEN von Meister Dogen und seit einiger Zeit auch am Mittleren Weg Nagarjunas, entspricht offensichtlich dem starken Bedürfnis, fundierte und vertiefende Informationen zu den großen Meistern und ihren Werken zu bekommen.

Denn Vertrauen zum Buddhismus wird vor allem auf der Grundlage des soliden Verständnisses der authentischen Basistexte gewonnen. Das unterstützt erneut die Erfahrung, dass Menschen, die sich mit Zen und Buddhismus auseinandersetzten, auf Dauer nicht immer die gleichen Floskeln und Phrasen hören wollen, sondern wirklich Handfestes.

Und das gelingt mit Deinen Blogs, Büchern und Videos in Youtube. Durch anschauliche Beispiele und eine klare Sprache kannst Du auch komplexe Zusammenhänge in den Texten von Nagarjuna und Dogen (und diese Beiden sind wahrlich keine leicht zugänglichen geistigen Leichtgewichte) in die Gegenwart übersetzen.

Ganz nebenbei gibt es auch noch etwas über Systemtheorie und den aktuellen Stand der Psychologie und Gehirnforschung zu erfahren. Denn hier besteht die wichtige Anschlussfähigkeit für die Gegenwart: Wechselwirkung, Vernetzung und Verantwortung in sich weiter entwickelnden lebenden Systemen. Und manche überlieferte Aussage lässt sich so ganz neu und manchmal erst richtig verstehen.

Du hast damit die tiefgründigen Lehren von Buddha, Nagarjuna und Dogen aus den Fängen einer teilweise verschwurbelt-esoterischen Verflachung befreit. Dass die Interessierten dem zustimmen, das sieht man an der nun von Deinen Blogs erreichten Lesergemeinde!