Dienstag, 18. Dezember 2018

Gutes Leben und Buddhas Achtfacher Pfad (Teil 1)


(Aus meinem neuen Buch "Sternstunden des Buddhismus")

Buddha erklärte nach dem Erwachen seinen Askese-Freunden den Achtfachen Pfad, das war seine erste Lehrrede. Er und seine Freunde hatten freiwillig  gemeinsam viel in der schmerzhaften Askese gelitten und gekämpft, jetzt gab es die  wahre Lösung. Dieser Weg führt ohne schmerzhafte Askese zu einem guten Leben und überwindet vielfältiges Leiden, das ja leider Realität in unserem Leben ist. Denn Leiden und Schmerzen kann man nicht einfach wegdiskutieren.

Dieser Weg der Befreiung und Lebensfreude ist die zentrale Erkenntnis Buddhas nach seiner langen und oft schmerzhaften Suche. Sie ist keine bloße Theorie oder abgehobenen Philosophie, sie ist seine bewährte eigene Erfahrung. Und jeder kann diesen Weg des guten Lebens gehen, und sie ist theoretisch gut begründet. Ich meine, dem können wir vertrauen. Buddha suchte nämlich nichts weniger als die Wahrheit für den Sinn und die Erfüllung in unserem Leben. Und dieser Befreiungs-Weg hat sich seit 2500 Jahren bewährt. Er hat heute im Westen nichts von seiner praktischen Kraft und Wirkung verloren. Im Gegenteil: Wir können diese Hilfen und diesen Rat heute dringender gebrauchen denn je! Dadurch lösen sich auch Stress und Angst, die Entfremdung durch Über-Technisierung und die schmerzliche Isolation des modernen Lebens auf.

Zen-Meister Dōgen untersucht und beschreibt den Achtfachen Pfad ausführlich in seinem großen Werk Shōbōgenzō, und zwar im Kapitel zum Erwachen. Seine tiefgründige und sehr praktische Beschreibung des Weges für ein gutes Leben sind damit die Verbindung des frühen authentischen Buddhismus mit dem Zen-Buddhismus und zum Mahāyāna. Denn Erwachen ist nichts anderes als die Klarheit für ein wirklich gutes Leben.[i]

Der erste sogenannten Zweig dieses Pfades ist die rechte Sichtweise, die vor allem durch die Klarheit entsteht, den Buddha-Weg zu gehen. Verhindert wird solche Klarheit durch das Nicht-Wissen und die falsche Sichtweise. Die rechte Sichtweise ist in einem umfassenden Sinn zu verstehen und beschränkt sich nicht auf die visuelle Wahrnehmung durch die Augen. Durch die rechte Sichtweise werden wir nicht immer wieder neu irritiert und sehen den Sinn und das Ziel unseres Lebens und Zusammenlebens.

Der zweite Zweig ist der rechte Entschluss, also die rechte Gesinnung und Zielsetzung, die über theoretische Abstraktionen und Spekulationen hinausgehen und keine nur eigennützigen Absichten hegen. Buddha erklärt, dass dies eine „Gesinnung ohne Übelwollen“ und ohne Häme sei. Es ist der einfache Entschluss, niemanden zu verletzen und sich von unmoralischem falschen Handeln und Denken zu verabschieden. Diese Gesinnung ist auch die gute Wechselwirkung von Körper-und-Geist. Dōgen sagt dazu:

„Wenn wir das Denken in der Wirklichkeit erwecken, sind wir jenseits vom Ich und überschreiten die äußere Welt. Zur gleichen Zeit gehen wir direkt nach Vārānasī (Buddhas Ort der Lehre), indem wir genau im Augenblick der Gegenwart die konkreten Tatsachen denken.“

Er betont hier sowohl den gegenwärtigen Augenblick als auch die konkreten Tatsachen der Wirklichkeit, die einbezogen werden müssen. Also keine Versprechungen, die zu schön sind, um wahr zu sein.

Als dritter Zweig des Achtfachen Pfades ist die rechte Rede zu nennen, die den gesamten Körper-und-Geist umfasst. Sie ist für die Lehre des Buddha-Dharma  von großer Bedeutung. Buddha legt hierbei Wert darauf, dass wir Lügen, fake-news und Hinterhältigkeit vermeiden, niemanden verleumden und nicht grob und verletzend sondern mitfühlend und sorgsam mit anderen Menschen umgehen.

Der vierte Zweig betrifft das rechte Handeln. Hier geht es um gemeinsames Entstehen und gutes Handeln in Wechselwirkung. Nicht zuletzt darum, keinem zu schaden, kein Leben zu vernichten, sich nicht ungerechtfertigt zu bereichern und sich nicht ungesteuerter Sucht und Rücksichtslosigkeit zum Nachteil anderer Menschen hinzugeben. Zweifellos ist damit auch der sexuelle Missbrauch gemeint, vor allem mit Abhängigen und Minderjährigen. Hier heißt es, die Augen offen zu halten und mutig einschreiten, wenn Kinder in Gefahr sind.





[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 4, S. 32ff.

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