Mittwoch, 27. Mai 2020

Wahrheiten eines wirklich großen Menschen

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Die letzte Lehrrede des großen Meister Dogens fasst die wichtigsten Regeln für ein wahres buddhistisches Leben recht einfach und praxisorientiert zusammen.[i] Es geht nicht um extreme Dogmen, sondern um sehr wirksame Hilfen für unser tägliches Leben. Sie sind leicht zu verstehen und wirkungsvoll anzuwenden, gerade in der gegenwärtigen Krise. Sie zeugen vom klaren Realitätssinn des Mittleren Weges und von der konsequenten Vermeidung von zu stark idealisierten und dogmatisierten Übertreibungen und Extremen. Denn Zen ist keine Askese und Übertreibung, die Meditation des Zazen ist das Tor "zum Frieden und zur Freude". 

Diese Wahrheiten sind keine moralisch überzogenen Forderungen, die Buddha überhaupt nicht gelehrt hat. Mit solchen einseitigen Doktrinen kann man das Leiden nicht überwinden, sich nicht von Hemmnissen befreien und keine Erleuchtung erlangen. Sondern durch Angst, moralischer Stress und Negativität wird die eigene Entwicklung und Emanzipation geradezu gehemmt. Solcher Übertreibungen wurden m. E. fälschlich in folgenden Jahrhunderten gelehrt, als der Buddhismus die ursprüngliche Bodenhaftung des Lebens in Indien teilweise verloren hatte. Dōgen schreibt, dass man den ruhigen und ausgeglichenen Lebenszustand erreicht, wenn man diese einfachen Wahrheiten verwirklicht. Hier zwei davon:

Geringe Begierde haben
Diese Wahrheit besagt, dass wir nicht allen möglichen ersehnten Dingen nachjagen sollen, die wir jetzt noch nicht besitzen, aber unbedingt haben wollen. Dazu gehören vor allem die Objekte der Begierden der Wahrnehmung, die durch die Sinnesorganen hervorgerufen und angestachelt werden, also Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut. Dōgen zitiert hierzu Buddha, der warnte, dass das Leiden grenzenlos ist, wenn wir diesen Begierden hemmungslos, extrem und unkontrolliert nachgeben. 

Hat man sie jedoch „im Griff“, kann sie steuern und hält sie klein, befreit man sich von ihrer Herrschaft und damit auch vom Leiden. Das klingt doch einfach und einleuchtend. Und ist es auch!
Auf diese Weise seien wir ohne Sorgen und Furcht. Allerdings sagt Dōgen gerade nicht, dass wir alles Wollen und Wünschen asketisch unterdrücken sollen. Denn das würde dem kraftvollen Weg der Mitte widersprechen und nicht zur Erleuchtung führen. Das hatte Buddha in aller Klarheit selbst erfahren.

Freude an der Stille haben
Wir sollten uns von lärmenden, unruhigen Gruppen und extremen Veranstaltungen fernhalten und immer wieder einen ruhigen Ort suchen. Das ist in der heutigen hektischen Zeit besonders wichtig, gerade wegen des extremen Informations-Angebots der Massenmedien und Netze. In der jetzigen Corona-Krise kann man sich wirklich durch Verschwörungs-Theorien vollkommen verrückt machen lassen. Das erzeugt Unruhe, Existenz-Ängste, Stress und Hoffnungslosigkeit. Es ist im übrigen das Geschäftsmodell der meisten Medien, um die Klicks und Anschaltzeiten für die Werbung zu maximieren. 

Buddha vergleicht diese Situation mit einem Schwarm von Vögeln, die auf einem soliden Baum sitzen und ständig große Ängste haben, dass dieser zusammenbricht. Tatsächlich kann er die auf ihm sitzenden Vögel ganz leicht tragen. Außerdem sagt er: „(Jene), die an die Welt gefesselt sind und ihr anhaften, versinken in verschiedenartiges Leiden, wie ein alter Elefant, der im Sumpf versinkt und selbst nicht in der Lage ist, wieder herauszukommen“. Das wird durch Buddhas Lehre und Praxis sicher verhindert!

In der Stille, besonders in der Natur, findet man zu sich selbst und geht optimistischer in die nächsten Tage.

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[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 4, S. 291ff.

Montag, 11. Mai 2020

Magie des Bogenschießens im ZEN, Video

(to English translation)

 Herrigels Bogen-Lehrer Awa, Voll-Auszug

"Eines Tages, nach einem Schuss, verbeugte sich der Meister tief und brach dann den Unterricht ab. Soeben hat ´ES´ ( english ´IT´ ) geschossen, rief er aus, als ich ihn fassungslos anstarrte. Und als ich endlich begriffen hatte, was er meinte, konnte ich die jäh aufbrechende Freude nicht unterdrücken" [1]So formuliert Eugen Herrigel seinen ersten wirklich gelungenen Schuss mit dem japanischen Zen-Bogen damals in Japan, Kyudo. Das war wohl ein erstes Erleuchtungs-Erlebnis oder Kensho, wie es japanisch heißt.

Meister Dogen sagt dazu im Shobogenzo: "Wenn ihr das höchste Erwachen direkt erfahrt, verwendet man hierfür (das Wort) ES" Und es könnte sein, das dieses Es sogar die Vorstellung des ganzen Universums übersteigen würde. Denn ES sei die lebendige Ganzheit von Mensch, Körper und Geist, ES übersteigt also sogar Körper, Psyche und Geist. Wer in der Falle des Egoismus gefangen ist, wird leider die magischen Glückswellen überhaupt nicht erleben.

Und wie wird man eins mit dem erwachten ES? Zum Beispiel indem man das Ego beim Üben zur Ruhe kommen lässt. Das Ego löst sich dann im Handeln auf und verschwindet. Statt dessen entsteht die harmonische Wechselwirkung des wahren Lebens,  ES, wie man im Zen sagt. Buddha nennt das wahre Leben: Das gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung. Das ist die Magie der Wirklichkeit! Was denn sonst?
 
Herrigel hat dieses wunderbare, magische Es beim Bogenschießen mit einem großen spirituellen Bogenmeister erfahren und erlernt. Damit hat er nach meiner Einschätzung auch die Starrheit, extreme Ideologie und den Fanatismus seiner eigenen Zeit im Westen und Japan leer laufen lassen. Denn solche extremen Ideologien sind leer, sie sind ohne Wahrheit und ohne Sinn eines ganzheitlichen lebendigen Es, wahrer Zen. Solche Verkrampfungen des isolierten aber beherrschenden Geistes sind also ohne das Leben des ES, wie die jetzigen Verschwörungstheorien und Fake News zum Corona-Virus. Sie führen unweigerlich in das eigene Leiden und unnötigen Stress.

Wer einfach, natürlich und immer genauer handelt, sei es im Bogenschießen oder im normalen Leben, der kann die Wellen des Glücks wie von Bogen, Pfeil, Bewegung Ein- und Ausatmen ohne Zweifeln erleben. Er benötigt keine überspannten Verschwörungstheorien als infantile mediale Laufgitter, die keine wirklichen Hilfen sind. Sie führen unausweichlich ins Leiden. Aber dann trifft man wie im Bogenschießen das wahre Ziel, unerwartet und wie durch ein Wunder. Das ist die Magie des Handelns, ohne verkrampftes Ego. Dann ereignen sich Wellen des Glücks und hinterlassen die Spuren dieses Glücks und der Lebensfreude.

 Der große Kyudo-Meister Onuma

Und Herrigel sagt weiter: "Innerlich aber, für den Schützen selbst, wirken sich rechte Schüsse derart aus, dass ihm zumute ist, als habe der Tag erst jetzt begonnen...Überaus köstlich ist dieser Zustand". Der Bogen Meister sagte dazu mit feinem Lächeln, das man nicht auf dieser Zustand fixiert sein solle.  Dann würde der köstliche Augenblick nicht zögern, wiederzukommen. Und denkt nicht zuviel:  ES spannt im Voll-Auszug den Bogen, ES, genau ES schießt und entspannt Mensch, Bogen und Welt.

Könnt ihr jetzt verstehen, warum ich japanisches Bogenschießen lerne? 

Das ist die Magie des Glücks im ZEN. Das ist Meditation: nichts als sitzen. Das ist Kyudo: nichts als schießen.!  So entstehen bei uns Vitalität, Zufriedenheit und Glück im Leben.


Anklicken:   Link zum Bogenschießen





[1] Herrigel, Eugen: Zen in der Kunst des Bogenschießens, S. 65