Dienstag, 9. März 2010

Die Siebenunddreißig Elemente des Erwachens und der Wahrheit, Teil 7.

Besonders ausführlich behandelt Dogen den vierten Bereich des richtigen Handelns. Er geht dabei auf verschiedene Kapitel des Shobogenzo und auf Koan-Gespräche ein, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Das Handeln ist nach seiner Lehre die direkte, unverstellte Wirklichkeit des Soseins.

Es findet immer in der Sein-Zeit im gegenwärtigen Augenblick statt und verwirklicht die Welt, das Universum und das eigene Leben. Dies wird im Kapitel 3 des Shobogenzo eindrucksvoll beschrieben. Besondere Bedeutung legt Dogen auf die Tatsache, dass das Handeln im sozialen Leben selten wirklich rein ist, sondern häufig von Interessen gesteuert oder sogar von Gier nach Reichtum und Ruhm vorangetrieben wird.

Ganz schwierig sei es, bei politischen Staatsaufgaben das wahre Handeln des Buddha-Dharma zu verwirklichen. Dogen warnt dabei insbesondere vor den sich anbiedernden falschen Meistern, die den Mächtigen und Reichen in der Politik und im Staat nach dem Munde reden und verkünden, dass derartiges politisches Handeln identisch mit dem Tun von Gautama Buddha und der Vorfahren im Dharma sei. Hierbei wird häufig Gautama Buddhas berühmter Laien-Schüler Vimalakirti genannt und den um Vorteile buhlenden „Meistern“ gegenüber gestellt.

Dieser sei ein Beispiel dafür, dass auch ein Laie im sozialen Leben wahres Handeln verwirklicht. Dogen kritisiert dabei besonders, dass der Begriff der Leerheit von einigen dazu missbraucht wird, um derartiges politisches Verhalten zu beschönigen. In der Tat ist der Begriff der Leerheit bisweilen im Buddhismus missverstanden und auch missbraucht worden. Das Handeln müsse eindeutig auf den konkreten Augenblick bezogen und zweckfrei sein.
Als Nächstes wird beim achtfachen Pfad die richtige Lebensform und der richtige Erwerb für den Lebensunterhalt aufgeführt. Ohne die richtige Anstrengung und Ausdauer kann man den buddhistischen Weg der Überwindung des Leidens nicht gehen. Dies gestaltet den gesamten Körper und Geist und verbindet im Klosterleben den Meister mit seinen Mönchen.

Als siebter Teil des Pfades wird die Achtsamkeit genannt und Dogen kritisiert, dass es einige buddhistische Gruppen gäbe, die behaupten, Achtsamkeit sei überhaupt nicht erforderlich. Er bezeichnet diese Menschen als Nicht-Buddhisten. Er zitiert dazu Bodhidharma, der zu seinen vier Schülern sagte:

"Du hast meine Haut, mein Fleisch, meine Knochen und mein Mark erhalten und dies ist genau die richtige Achtsamkeit des achtfachen Pfades."

Als Letztes wird das richtige Gleichgewicht, also das Samadhi oder Zazen angeführt. Dadurch könne man sich von zwanghaften und täuschenden Gedanken und Vorstellungen befreien und zwar auch von der einseigen Abhängigkeit von der buddhistischen Vorfahren im Dharma. Das Samadhi ist die „Lebendigkeit der Nüstern“, die im alten China als Symbol für das wirkliche Leben galten, weil man durch die Nase die Luft ein- und ausatmet. Das Gleichgewicht öffnet dabei sozusagen das begrenzte „Denken in unserem Schädel" In den allgemeinen Richtlinien zum Zazen von Dogen heißt es, dass wir aus dem „Nichtdenken denken sollen“ und damit das übliche, diskriminierende und bewertende Denken überschreiten.
Am Ende des Kapitels der siebenunddreißig Elemente des Erwachens unterstreicht Dogen, dass diese nicht einzeln zu verstehen seien, sondern in Kombination miteinander insgesamt wirksam sind. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass es 37x37, also 1.369 Elemente des Erwachens gibt.

Keine Kommentare: