Donnerstag, 9. Dezember 2010

Zazen befreit uns von quälenden Gedanken

Nishijima Roshi sagt, dass wir in der westlichen Kultur dem denkenden Geist einen sehr hohen Rang zuweisen und dass eine Philosophie des Handelns dagegen kaum entwickelt wurde. Dies sei aber gerade der zentrale Kern des Buddhismus.

Die Verwirklichung wird nach Dōgen durch Erfahrung, also wiederum durch die Praxis, ermöglicht. Die im Zen-Buddhismus gelehrte Praxis ist keine Meditation zu einem bestimmten Thema oder das Visualisieren einer bildlichen Vorstellung. Nishijima Roshi sagt dazu:

„Viele Menschen verstehen auch Zazen als eine Art von Meditation.“

Aber eine solche Interpretation darf nicht mit der wahren Praxis des Zazen verwechselt werden, denn Zazen ist

„keine bestimmte Art von konzentriertem Denken“.

Beim Zazen kommt es gerade darauf an, nicht zu denken und die Vorstellungen, Ideen und drängenden Emotionen abzustellen und „fallen zu lassen“.

Nachdem ich wiederholt den Achtfachen Pfad von Gautama Buddha studierte habe, bin ich fest davon überzeugt, dass Zazen die vierte Vertiefung des Samadhi ist, also zum letzten der acht Pfade zur Überwindung des Leidens gehört. Ich betrachte Zazen als die höchste Stufe der acht Pfade, die im Zen-Buddhismus in ganz großartiger Weise ausgearbeitet wurde und von Dôgen als lebendige Praxis zu uns gekommen ist.

Die Meditation ist dabei der siebte Pfad, der zusammen mit den anderen Pfaden ebenfalls wichtig ist. Das stützt die Aussage von Nishijima Roshi, denn beim Zazen, dem „König der Samadhis“, gibt es kein unterscheidendes Denken und kein Visualisieren mehr. Das sinnlose Pendeln zwischen kurzen Phasen der Euphorie und lang anhaltenden Zeiten des Leidens wird überwunden, es ist der mittlere Weg der intuitiven Wahrheit und Befreiung.

Ein solches „Nicht-Denken“ ist in der Tat in der westlichen Gesellschaft und Philosophie sehr ungewöhnlich und kennzeichnet die Zazen-Praxis des Buddhismus in ganz eigenständiger Weise. Besonders deutlich wird das im Kapitel „Die heilende Bambusnadel der Zazen-Praxis“ (Zazenshin) und in Dōgens Anleitung zur Zazen-Praxis (Fukan zazengi). Nishijima Roshi bekräftigt:

„Im Zazen konzentrieren wir unsere Anstrengung darauf, genau eine kontrollierte Sitzhaltung einzunehmen und so zu handeln und zu sitzen.“

Diese Lebensphilosophie sei die entscheidende Grundlage des Buddhismus und werde von vielen Buddhisten ganz sorgfältig praktiziert. Nishijima Roshi fügt sogar hinzu, dass es ohne Zazen keinen wahren Buddhismus gäbe und dass Buddhismus Zazen sei.

Zweifellos ist es der Sinn des buddhistischen Weges, genau zu erkennen, dass und wie wir in der Wirklichkeit selbst leben und handeln. Denn diese Wirklichkeit ist die große Wahrheit, die Gautama Buddha gefunden und gelehrt hat, und sie zeigt den Ausweg aus dem Leiden. Durch die Zazen-Praxis erlangen wir den direkten Zugang zu dieser Wirklichkeit, die nicht von eigenen Gedanken, Emotionen und Vorstellungen verdeckt oder verzerrt ist.
Nishijima Roshi sagt dazu:

„Wir Menschen sind heute im Begriff, endlich dem Zeitalter des wahren Realismus (des Buddhismus) zu begegnen. Wir sollten daher von ganzem Herzen eine tiefe Dankbarkeit für Gautama Buddha, Meister Nāgārjuna, Meister Bodhidharma und Meister Dōgen usw. haben.“

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ja Zazen ist schon toll. Aber nun auch kein Gott den man anbeten muss. Immer auf dem Boden bleiben. Man sitzt da und lässt die Gedanken los, das tun die Tibeter genauso wie auch Leute die Daoismus praktizieren. Ist ne prima Sache aber muss man's denn so endlos hoch hinausheben? Ich denke das führt zu einer neuen Illusion, man haftet an Zazen an...auch das lass los!

Aryaman Stefan Wellershaus hat gesagt…

Auch mal mein Versuch: meine fiktive und sehr zukünftige Reise durch Tibet lest ihr hier:

http://mein-tibet-eins.blogspot.com/ - Tashi Delek von Aryaman