Sonntag, 7. Juni 2020

Den Angriff des Gegners ins Leere laufen lassen


 Tempelwächter

 Im Zen und in den östlichen spirituellen Kampfkünsten lässt man die Angriffe des Gegners ins Leere laufen, weil man den Angriff vorausahnt und durch einfache blitzschnelle Bewegungen pariert. Wenn nötig kann man durch die innerer Ruhe aus der Mitte heraus zum gezielten Gegen-Angriff übergehen und den Kampf vermutlich schnell beenden. So besiegte Buddha den gefährlichen Mörder Angulimala und führte ihn zur Erleuchtung! Das ist auch heute für beide Seiten des Angriffs gut.

Wenn du nicht Kampfkünste trainierst, wirst Du vielleicht sagen: Klingt gut, aber was hat das mit mir zu tun? Ich meine gerade in heutigen Zeit sehr viel, sogar viel mehr als früher. Warum?

Die Corana-Krise entspannt sich zwar, aber nun werden sicher auch schwere Folgeprobleme auftreten. Leichtfertige, überflüssige und ohnehin kranke Unternehmen werden Pleite gehen oder angeschlagen aufgeben. Wer mit dem Rücken zur Wand steht, verliert sein Gleichgewicht, verliert die abwägende Vernunft und wohl auch Moral und Ethik. Angeschlagene Boxer sind besonders gefährlich. Mündliche Abmachungen werden häufiger gebrochen werden und materielle Scheinwelten werden zusammenbrechen. Der überwiegende Teil der Gesellschaft ist heute einseitig materiell orientiert. Daher wird der materielle Niedergang als totale Katastrophe erlebt. Bisherige Verlässlichkeiten und Werte werden also nicht mehr so gelten wie früher. Buddha macht dafür vor allem die sog. formenden Kräfte verantwortlich. 
 
Was sollten wir zu tun? Vorausahnende Vorsicht, innere Ruhe, Vernunft und stabile Ethik! Freundlich bleiben und sich nicht einwickeln lassen. Durchschauen wenn nur dem eigenen Ego geschmeichelt wird. Nicht im Voraus bezahlen. Alle wichtigen Vereinbarungen schriftlich festlegen und unterschreiben lassen. Nicht unter Druck entscheiden. Sorgfältig die Risiken abschätzen. Und nicht zuletzt: kreative beiderseitig gute Lösungen suchen und durchziehen.

Der Buddhismus hat sich ganz besonders in Krisen und Zeiten des Niedergangs bewährt. Die Praxis und Theorie wurden von Buddha und Meister Dogen gerade in solchen schwierigen Zeiten entwickelt und haben sich seit zweieinhalb Jahrtausenden bewährt: funktional, menschlich und spirituell. Wer spirituell lebt, hat nach verlässlichen Forschungs-Ergebnisse ein deutlich längeres und besseres Leben, er lebt durchschnittlich sechs bis acht Jahre länger. Wer einseitig materiell orientiert, stirbt also früher und vergreist noch früher.

Ich meditiere daher seit mehreren Jahrzehnten fast jeden Tag Zazen, gerade in schwierigen Lebensphasen, beispielsweise in Berufs-Krisen. Vor vier Jahren habe ich  nun mit dem japanischen Bogenschießen angefangen. Seit zwei Jahren trainiere ich Kyudo täglich. Macht es doch ähnlich, vielleicht ganz auf euch selbst bezogen und persönlich angepasst. Etwas Neues zu lernen und Bewährtes weiter zu führen, bringt Freude und stärkt das Immunsystem. Das kann man jetzt sehr gut gebrauchen! Daher: gleich anfangen und weiter machen.

Vertiefung: formende Kräfte des Menschen

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