Sonntag, 20. März 2016

Die Wirklichkeit der Buddha-Natur erfahren wir durch Handeln

(Nishijima Roshi)

Mit Dôgen stimme ich überein, dass sich die Buddha-Natur nur durch das Handeln selbst verwirklichen kann, nicht durch Denken, Vorstellungen oder Glauben.

Gautama Buddha benutzte das Sanskrit-Wort Dharma, um die Wirklichkeit zu beschreiben. Aber er sagte auch, dass es letztlich unmöglich ist, diese Wirklichkeit vollständig in Worte zu fassen. Wir können den Idealismus, den Materialismus oder auch die Philosophie des Handelns gut mit Worten erklären, aber die

Wirklichkeit selbst widersetzt sich der genauen Beschreibung.

Dies offenbart das zentrale Problem unseres Lebens, das Gautama Buddha klar erkannte. Er ermutigte uns, die Zen-Meditation – Zazen – zu praktizieren, weil wir dann die Wirklichkeit erkennen können. Wir sitzen in ihr mit unserem ganzen Körper und Geist, wenn wir Zazen praktizieren. Es ist das Ziel der buddhistischen Praxis, uns selbst von Täuschungen zu befreien und die Buddha-Natur zu verwirklichen. Dann haben wir den großen Sinn unseres Lebens gefunden, und das ist die Überwindung des Leidens.

Beim Zazen ist es nicht nötig, über irgendetwas nachzudenken, und es ist nicht nötig, irgendwelche bestimmten Gefühle währenddessen zu erzeugen und zu haben. Wenn wir in der Wirklichkeit ohne Denken und Fühlen sitzen, können wir das sehr einfach erkennen, es ist eine einfache Tatsache. Und es ist genau diese Erfahrung, welche die Basis der buddhistischen Philosophie formt. Buddhismus zu studieren bedeutet, die Wirklichkeit zu studieren. Zazen zu praktizieren, ist das direkte Studium der Wirklichkeit. Daraus ergibt sich die Erfahrung der Buddha-Natur, der liebevollen Zuwendung, der Mitfreude und des Mitgefühls im Alltag.

Es ist schwierig, eine vergleichbare direkte und einfache Philosophie in dieser Welt zu finden. Normalerweise versuchen wir, die Probleme unseres Lebens allein mit dem Verstand zu lösen. Fast alle heutigen Zivilisationen sind auf dem Vorrang des Intellekts aufgebaut. Der Buddhismus lehrt uns aber die Philosophie des Handelns, die zunächst selbst eine Lehre und Konstruktion des Geistes ist. Wir müssen das Handeln praktizieren, um die Wirklichkeit dieser Welt tatsächlich zu erkennen und zu erfahren.

Das ist der Grund, warum Meister Dôgen rät:

Praktiziert nur Zazen. Zazen zu praktizieren, ist Buddhismus. Buddhismus ist, Zazen zu praktizieren.“

Dies ist die Lehre und das Zentrum des Buddhismus selbst. Wenn wir die Natur der wirklichen Welt erkennen, können wir Buddhas sein. Buddha zu werden bedeutet, die Wirklichkeit zu erkennen und entsprechend zu handeln. Dies ist das Höchste des Buddhismus.


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