Donnerstag, 5. November 2009

Den Buddhas und großen Meistern Gaben spenden (Koyô-shobutsu),Teil 1


Dôgen war zu seiner Zeit zweifellos ein ganz „moderner“ buddhistischer Meister, der nach umfassendem Studium und tiefer Praxis des damaligen Buddhismus in Japan und China den Zen in Ostasien mit seinem Werk „Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges“ von Grund auf erneuert hat.
Diese Erneuerung wirkt sich gerade in der heutigen Zeit durch kräftige Impulse in den Westen und eine weltweite Akzeptanz des Buddhismus aus. Dôgen hat mit großer Ehrlichkeit sich selbst beobachtet und illusionäre Erleuchtungserlebnisse abgelehnt. Genauso klar ist er gegen nur theoretische Abstraktionen der buddhistischen Lehre vorgegangen, die sich von der Wirklichkeit abgelöst hatten und sich in glitzernden Glasperlenspielen ergingen.
Seine Arbeiten zur Sein-Zeit, zum Handeln, zu den vier verschiedenen Dimensionen des Lebens und Universums und sein umfassender optimistischer Lebensansatz gehören ohne jeden Zweifel zu den genialen Leistungen der Weltkultur. Auf der anderen Seite pflegte er buddhistische Traditionen mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail und erläuterte auch sehr praktische Einzelheiten des buddhistischen Lebens in den damaligen Klöstern Chinas und Japans.

In diesem Kapitel, das erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde und auf seinen umfassenden Aufzeichnungen beruht, beschreibt Dôgen sehr genau, wie man für die Bildnisse Buddhas, für die großen Meister und Vorfahren im Dharma, für Pagoden, buddhistische Schreine und generell für Klöster spenden soll. Er geht dabei vertieft auf geistige und psychische Phänomene ein und warnt uns davor, etwas zu spenden, weil wir uns Vorteile davon versprechen.
Es gab damals wie heute spirituell veranlagte Menschen, die es für überflüssig halten, Spenden zu leisten und die jegliche materielle Dimension des Buddhismus ablehnen. Dieser ist jedoch eine Religion der Wirklichkeit und des Tuns, daher ist der Augenblick des Spendens und Gebens für die Menschen selbst auf dem Buddha-Weg von zentraler Bedeutung.
Der materielle Wert der Spenden darf jedoch nicht im Mittelpunkt stehen, denn im Handeln des Gebens selbst und in der vertrauensvollen Verfassung von Körper-und-Geist zeigen sich der wirkliche Wert und die wirkliche Kraft. Dôgen formuliert es so:

„Wie könnten Lebewesen, die niemals mit Gaben auch nur einem einzigen Buddha gedient haben, selbst Buddha werden? Es gibt kein Buddha-Werden ohne Ursache (zum Beispiel Geben).“

Er zitiert dann aus einem Sûtra Gautama Buddha, der die folgenden Gaben, die er spendete, aufzählt: Kleidung, Essen und Trinken, Übernachtung und Schlafstatt, Medizin, außerdem Flaggen, Baldachine, Blumen und Räucherwerk. Aber Buddha fügt selbst hinzu, dass die früheren Buddhas, denen er gedient hatte, ihm nicht die für ihn so wichtige Weissagung erteilt hätten, dass er selbst einmal Buddha werden würde. Er habe damals den Körper eines Heiligen, eines sogenannten radrollenden Königs, besessen und herrschte über vier Kontinente.

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