Mittwoch, 1. September 2010

Fortsetzung: Handeln und Verwirklichung


Dōgen bringt die Frage der Verwirklichung auf den Punkt:

Wenn wir diesen (wahren) Ort finden, ist dieses Handeln ohne Zweifel als Universum verwirklicht. Wenn wir diesen Weg finden, ist dieses Handeln ohne Zweifel das verwirklichte Universum (selbst).“

Nishijima Roshis Kommentar dazu erleichtert uns das Verständnis von Dōgens Worten: #

„Wir können daher sagen, dass wir das Universum verwirklichen können, wenn wir etwas wirklich tun und genau so handeln.“

Mit dieser Aussage wird das Thema dieses wichtigen Kapitels wieder aufgegriffen und klargestellt, auf welche Weise wir unser Leben und das Universum verwirklichen. Durch Denken allein ist dies nicht möglich, sondern durch Handeln. Dieses Handeln muss sich im Gleichgewicht vollziehen, damit es die Verwirklichung unseres wahren Selbst ermöglicht. Zwei zentrale Punkte muss man sich dabei vor Augen halten.

Zum einen: Nach der buddhistischen Lehre kann und darf die Ethik im Handeln niemals ausgeklammert werden. Zum anderen: Selbstsucht macht die Verwirklichung unmöglich. Dōgen zitiert im Kapitel zur Buddha-Natur den indischen Meister Nāgārjuna, der lehrt, dass wir die Buddha-Natur nicht erfahren können, wenn wir vom Ich-Stolz geprägt sind. Das von Stolz aufgeblähte kleine Ego verhindert, dass wir zur Wirklichkeit gelangen, die sogar mit der Buddha-Natur gleichgesetzt wird. Die Buddha-Natur realisiert sich im ethischen Handeln und nicht im Denken.

Daher können wir mit Nishijima Roshi sagen, dass zuerst das Handeln existiert und dass dies die Grundlage des Lebens und der Welt darstellt. Dadurch wird der Dualismus zwischen Subjekt und Objekt sowie dem Selbst und dem Universum überwunden.

Dōgen weist dann noch einmal darauf hin, dass der Ort und der Weg des Handelns nicht mit messenden Begriffen wie groß oder klein gekennzeichnet werden können, sie seien ungeeignet für die Beschreibung des verwirklichten Universums. Und Begriffe wie subjektiv oder objektiv seien ebenso unzureichend wie zeitliche Angaben über die erinnerte Vergangenheit. Auch das Erscheinen als zeitlicher Prozess entspreche nicht dem Zustand der Verwirklichung, sondern es gehe allein um die Wirklichkeit des gegenwärtigen Jetzt.

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