Donnerstag, 4. November 2010

Gautama Buddha empfiehlt die aufrechte Sitzmethode

Im alten China und Japan saßen die Menschen üblicherweise auf dem Boden und verspürten daher sicher keine Schmerzen bei der Zazen-Haltung auf dem Sitzkissen, dem Zafu.

Wir heutigen Menschen, die daran gewöhnt sind auf Stühlen zu sitzen, sollten ebenfalls so weit wie möglich eine für uns schmerzfreie Sitzmethode beim Zazen anwenden. Nishijima Roshi betont immer wieder, wie wichtig die Haltung im ganzen oder halben Lotussitz ist, wobei der sogenannte burmesische Lotussitz, bei dem die Beine nicht ineinander verschränkt sind, sondern voreinander liegen, als halber Lotussitz anzusehen ist.
Dōgen erwähnt ausdrücklich in seiner grundlegenden Schrift zur Zazen-Methode den Lotossitz. Der volle Lotussitz ist sicher für viele westliche Menschen zunächst schwierig zu verwirklichen und oft mit Schmerzen verbunden, deshalb sollte man mit dem halben Lotussitz beginnen, damit man sich nicht zum schmerzhaften Durchhalten und zur Askese zwingen muss.
Denn auf diese Weise wäre die Befreiung von den Fesseln durch Körper und Geist schwerlich zu erreichen, da der Kampf gegen die Schmerzen uns keinen Raum für „den Frieden und die Freude“ des Zazen ließe.

Gautama Buddha hat in seinen Lehrreden und Gleichnissen häufig die aufrechte Sitzmethode empfohlen und in den alten Schriften heißt es, dass die Mönche, die auch „Hauslose“ genannt wurden, und Laien an einem ruhigen Ort mit gekreuzten Beinen sitzen sollen.
Als solche ruhigen Orte eigneten sich im alten Indien besonders Plätze unter Bäumen, die zudem einen gewissen Schutz vor sengender Hitze und Regen boten. Im Fukan zazengi schreibt Dōgen, dass der Ort für die Zazen-Praxis nicht zu heiß und nicht zu kalt sein sollte und dass man dabei lockere Kleidung tragen sollte, die nicht beengt.
Nishijima Roshi ergänzt dazu: „Um Freude an diesem Gleichgewichtszustand zu haben, wurde die Praxis des Zazen als die grundlegende Übung des Buddhismus seit über 2.500 Jahren erhalten und gepflegt.“
Dôgen sagt: „Dieser Dharma (vor allem des Zazen) ist in jedem Menschen im Überfluss gegenwärtig, aber wenn wir ihn nicht praktizieren, offenbart er sich nicht, und wenn wir ihn nicht erfahren, kann er nicht verwirklicht werden.“

Ohne die Praxis als Handeln kann sich die Wahrheit des Menschen oder des Dharma laut Dōgen also nicht offenbaren und manifestieren. Nishijima Roshi betont häufig, dass die Praxis des Zazen weder Denken noch Sinneswahrnehmung sein kann, denn sie sei genau das Handeln selbst und die Wirklichkeit im Hier und Jetzt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Wobei der sogenannte burmesische Lotussitz, bei dem die Beine nicht ineinander verschränkt sind, sondern voreinander liegen, als halber Lotussitz anzusehen ist.
Dies erwähnt Dōgen ausdrücklich in seiner grundlegenden Schrift zur Zazen-Methode."

Wo erwähnt Dogen dies denn? Soweit ich mich erinnere spricht Dogen ausschließlich vom halben bzw. vollen Lotussitz.

Grüße,

Heiner

Yudo J. Seggelke hat gesagt…

Lieber Heiner,
vielen Dank, Du hast recht: Bei Dogen wird dieser Lotos-Sitz nicht erwähnt, sondern er nennt nur die Begriffe "halber Lotos-Sitz" oder "ganzer Lots-Sitz".
Nishijima Roshi gab mir diese Einschätzung zum burmesischen Lotos-Sitz bei einem persönlichen Gespräch, als ich ihn extra danach gefragt hatte. Er zieht ihn insbesondere dem Zen-Bänkchen vor.
Nach einer Knieverletzung hatte ich selbst eine Zeitlang auf den burmesischen Sitz umgestellt. Er ist nach meiner Erfahrung gut brauchbar und auch wirkungsvoll.
Herzlich
Yudo