Donnerstag, 13. November 2014

Leben-und-Tod als Kopf und Schwanz


Dōgen formuliert kurz und prägnant zu unserem Leben hier und jetzt: Es geht ganz einfach um Kommen-und-Gehen in der Praxis, und das ist genau Leben-und-Tod.

„Mit Leben-und-Tod als Kopf und Schwanz kann der wirkliche menschliche Körper einen Salto machen und das Gehirn umwenden. (Das ist der wahre) menschliche Körper, der das ganze Universum in den zehn Richtungen ist.“

Das Denken und der Geist können jäh geändert und gedreht werden, meint Dōgen, wenn die Bodhi-Wahrheit anwesend ist. Wir sind tatsächlich fähig, in unserem Leben einen plötzlichen Salto zu springen, wenn dies erforderlich ist, weil wir dazu auf dem Buddha-Weg die Freiheit gewonnen haben. Wir dürfen nicht den Fehler machen, nur zu denken, dass unser wirklicher menschlicher Körper ganz konkret im Hier und Jetzt handeln würde. Es geht um die Wirklichkeit jenseits des linearen Denkens. Wie die Gehirnforschung heute nachgewiesen hat: nur in einem sehr kleinen Teil unseres Neuronalen Netzes läuft das lineare sog. logische Denken, aber unsere Weisheit und Praxis gehen weit darüber hinaus; und sie sind gut trainierbar.

Der Bezug zum Universum darf genauso wenig dazu führen, dass wir nur diffusen abstrakten Ideen vom Weltall und Universum nachhängen. Dōgen unterstreicht, dass der zitierte Salto und das „Drehen des Gehirns“ genauso konkret sind wie die Größe einer Münze und das Innere eines Atoms. Schwierige Lebensprobleme, die manchmal im Zen als tausend Fuß hohe Mauer bezeichnet werden, sind oft gar nicht so unüberwindlich, wie sie zunächst erscheinen, wenn sie in der Wirklichkeit des Gleichgewichts von Körper-und-Geist tatkräftig behoben werden.

Dann seien sie keine hohen Mauern mehr, sondern würden zu einem Weg, der fast als eben und flach bezeichnet werden könne. Wir sollten die wirklichen Situationen und Zusammenhänge und die wirklichen Eigenschaften der Dinge und Phänomene in der Einheit von Körper-und-Geist genau untersuchen, denn das ist der Weg, die Wahrheit zu erlernen.

In seiner typischen Weise sagt Dōgen schließlich:

„Die Knochen und das Mark des Nicht-Denkens und des nicht Nicht-Denkens existieren (wirklich). Nur wenn wir uns der Idee einer Wirklichkeit, die nur im Gehirn beheimatet ist, entschieden widersetzen, lernen wir die Wahrheit.“

Das sei für alle Dimensionen des Geistes besonders wichtig.


1 Kommentar:

Rene Lity hat gesagt…

Danke für diesen Beitrag. Ich habe dort eine erst kürzlich durchlebte Situation wiedergefunden, bei der sich die hohe Mauer bei genauer Betrachtung lediglich als Stolperstein herausstellte. Sehr schön beschrieben.