Dienstag, 18. November 2008

Die acht Wahrheiten wirklich großer Menschen (Teil 1)

Nach der Überlieferung hat Gautama Buddha kurz vor seinem Tod zusammenfassend diese acht Wahrheiten eines großen Menschen, also eines Buddhas oder Bodhisattvas, gelehrt (Kap. 95, Hachi-dainingaku).

Garten des Klosters Kensho-ji in Kamakura

Die acht Wahrheiten sind in der Fassung von 95 Kapiteln des Shôbogenzô das letzte, das Dôgen lehrte und niederschrieb, als er schon schwer krank und vom Tode gezeichnet war. Es ist also die letzte Lehr-Rede von Gautama Buddha und auch von Dôgen und wir sollten sie mit großer Sorgfalt studieren. Sie fasst die wichtigsten Regeln für ein wahres buddhistisches Leben recht einfach und Praxis orientiert zusammen. Diese Regeln sind keine Dogmen und genau so wie die 16 Bodhisattva-Gelöbnisse als Hilfe für das tägliche Leben gedacht.

Es wird heute angenommen, dass Dôgen an Tuberkulose litt, die damals meist unheilbar war. Er kehrte zwar zur besseren ärztlichen Behandlung von Ehei-ji nach Kyoto zurück, erholte sich aber nicht mehr und verstarb dort. Er war damals 53 Jahre alt.

Dôgen sagt zu Anfang dieses Kapitels, dass man den ruhigen und ausgeglichenen Lebenszustand erreicht, wenn man diese acht Wahrheiten verwirklicht. Er spricht davon, dass man in das Nirvana eingeht und meint damit vor allem den Zustand des Gleichgewichts im Hier und Jetzt, der nicht zuletzt in der Zazen-Praxis verwirklicht wird.
Im Folgenden werden die acht Wahrheiten dargestellt und nach Dôgen kurz erläutert.

1. Geringe Begierde
Damit ist gemeint, dass wir nicht Dingen hinterher jagen sollen, die wir noch nicht besitzen, aber unbedingt haben wollen. Dazu gehören vor allem die Objekte der fünf Begierden durch die Sinnesorgane: der Augen, Ohren, Nase, Zunge und der Haut. Diese Begierden werden durch die verschiedenen Formen der sinnlichen Wahrnehmung hervorgerufen und angestachelt. Dôgen zitiert Gautama Buddha, der sagte, dass das Leiden grenzenlos ist, wenn wir diesen Begierden hemmungslos und unkontrolliert nachjagen. Wenn jemand diese Begierden jedoch „im Griff hat“, sie steuert und klein hält, befreit er sich von ihrer Dominanz und damit auch vom Leiden. Solche Menschen schmeicheln auch nicht um des eigenen Vorteils willen und kriechen nicht vor denen, von denen sie die Objekte der Begierde ergattern möchten. Dann sind wir ohne Sorgen und Furcht, haben umfassende Freiheit, großen Spielraum im eigenen Leben und sind nicht unzufrieden.

2. Erkennen der eigenen Zufriedenheit.
Damit ist vor allem angesprochen, dass wir in unserem Leben mit den Dingen und Umständen zufrieden sind, die wir besitzen. Wenn wir eine solche Zufriedenheit klar erkennen, dann überwinden wir die verschiedenartigen Leiden in unserem Leben und erleben einen Ort des Überflusses, der Freude und des Friedens. Wenn wir eine solche Zufriedenheit nicht kennen, könnten wir sogar an einem himmlischen Ort leben und wären trotzdem immer unzufrieden und frustriert. Er zitiert dazu Gautama Buddha:
"Jene Menschen, die die Zufriedenheit nicht kennen, sind arm, selbst wenn sie materiell reich sind, und jene, die die Zufriedenheit kennen, sind reich, selbst wenn sie äußerlich arm sind. Wer nicht zufrieden ist, wird permanent von den fünf Begierden umgetrieben."

3. Freude in der Ruhe haben
Wir sollten uns von lärmenden unruhigen Gruppen fernhalten und einen ruhigen Ort suchen. Viele empfinden in einer solchen Abgeschiedenheit große Langeweile, aber der dauernde Trubel ist sicher der falsche Weg für ein Leben im Gleichgewicht. Gautama Buddha vergleicht diese Situation mit einem Schwarm von Vögeln, die auf einem Baum sitzen und dauernd in großen Sorgen und Ängsten sind, dass dieser zusammenbricht und umfällt. Er sagt außerdem:
"(Jene), die an die Welt gefesselt sind und ihr anhaften, versinken in verschiedenartiges Leiden, wie ein alter Elefant, der im Sumpf versinkt und selbst nicht in der Lage ist, wieder herauszukommen."

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