Freitag, 14. September 2007

Die Blumen im Raum

Das Wort Ku bedeutet: Der Himmel, der Raum und häufig auch in der chinesisch-buddhistischen Philosophie die Leerheit. Fälschlicherweise wird dieser Mahayâna-Begriff der Leerheit (Shûnyatâ) als das Nichts oder die Leere interpretiert, während Meister Dogen und Meister Nishijima Shûnyatâ ihn als das buddhistische Gleichgewicht verstehen, das vor allem in der Zazen-Praxis entsteht.

Zwei Blüten der Königin der Nacht

In diesem Verständnis von Raum (Ku) ist es also abwegig, die Blumen im Raum als Phantasiegebilde des Nichts, überflüssige Illusionen und dergleichen zu bezeichnen, denn der Zustand des Gleichgewichtes ist gerade die uneingeschränkte, offene Wirklichkeit und Wahrheit des Lebens und der Welt und keine spekulative Theorie des Nichts. Diese Wirklichkeit ist dadurch gekennzeichnet, dass sie in ihrer ganzen Fülle und Schönheit genau so da ist, wie sie ist. Dann wird z.B. vom menschlichen Geist nichts hinzu phantasiert oder weggelassen. Man kann Shûnyatâ also so verstehen, dass es der Gleichgewichts-Zustand von Körper und Geist und das Handeln von Körper und Geist je im Augenblick ist. Dieser Zustand ist leer also frei von künstlichen Phantasiegebilden, von Bewertungen, und auch die volle Körperlichkeit und Form ist dabei einbezogen. Im Zustand des Geichgewichts von Körper und Geist vor allem im Zazen gibt es kein Denken und kein Fühlen, und dann sind wir direkt in der Wirklichkeit.
In der alten indischen Philosophie gehört der Raum zu den fünf materiellen Elementen oder Substanzen, wie Erde, Wasser, Feuer, Luft und hat daher eine sehr konkrete Bedeutung. Der Raum hat die Bezeichnung Âkâsha in Sanskrit und ist in diesem Sinne zunächst etwas ganz anderes als die Leerheit.
Der Buddhismus ist keine geistige oder verstandesmäßige Philosophie wie etwa der Idealismus im westlichen Denken, der das Körperliche und Materielle als nicht wirklich oder zumindest nicht wesentlich ablehnt. Demgegenüber kann man sagen, dass der Buddhismus zwar das Materielle einbezieht, aber den Materialismus nicht als volle Wirklichkeit und Wahrheit anerkennt, sondern ihm lediglich eine eingeschränkte Sicht- und Denkweise zuerkennt. Nishijima Roshi verwendet hierfür gerne den Begriff der Lebensphilosophie des Idealismus und Materialismus, die nur Teilwahrheiten sind.

Das Kapitel "Die Blumen im Raum" (Kap. 43, Kuge) gehört zweifellos zu den großartigsten Texten im Shôbôgenzô, wie etwa „Das Streben nach der Wahrheit“ ( Kap 1, Bendowa), „Das verwirklichte Universum“ (Kap. 3, Gensho koan), „Die Sein-Zeit“ (Kap. 11, Uji) oder „Die Buddhanatur“ (Kap. 22, Bussho). Die Blumen sind im Buddhismus von großer poetischer und symbolischer Bedeutung und werden in vielen Kapiteln des Shôbôgenzô angesprochen, z.B. die Lotusblumen, die Pflaumenblüten, die Pfirsichblüten und die so genannte Udumbara-Blüte, die sehr selten blüht und nach der zenbuddhistischen Überlieferung von Gautama Buddha wortlos hochgehalten wurde und deren buddhistische Symbolkraft von Mahakashapa, dem Nachfolger von Buddha selbst, erkannte wurde, indem er lächelte. Damit wurde er der authentische Nachfolger von Gautama Buddha.

Dôgen gibt in diesem Kapitel mehrere überlieferte Sätze und Gedichte der großen Meister zum Thema der Blumen und insbesondere der Blumen im Raum wieder. Zunächst lässt er den großen Vorfahren, Bodhidharma, also den ersten Zen-Meister in China, zu Wort kommen:

"Eine Blüte öffnet ihre fünf Blütenblätter
und ihre Früchte reifen von selbst, auf natürliche Weise."

Die Blüte wird symbolisch als die Lehre des Buddha-Dharma verstanden, die nach China gebracht wurde und sich dort in den folgenden Jahrhunderten großartig entwickelte, also neue Blüten und Früchte trug. Durch die Blume der Buddha-Lehre werden die Täuschungen und Illusionen überwunden, so dass die ursprüngliche Wirklichkeit und Wahrheit zum Vorschein kam.
Eine solche Befreiung durch den Buddha-Dharma wird als natürlich bezeichnet, während die Illusion und Täuschungen aber auch die Unmoral unnatürlich sind, also dem Wesen der Menschen und des Universums überhaupt nicht entsprechen. Indem sich die Blüten mit ihren fünf Blütenblättern öffnen, geht auch die Buddha-Lehre auf und entfaltet ihre wunderbare Kraft und Schönheit. Es handelt sich also um den Vorgang des Öffnens und nicht um einen starren Zustand. Denn nach buddhistischer Lehre gibt es keine Wahrheit ohne Handeln und Geschehen-Lassen. Genau in dem Augenblick, wenn sich die Blüte öffnet, blüht also auch der Buddha-Dharma und entwickelt seine Schönheit und Energie.
Dôgen sagt in diesem Zusammenhang:

"Beispielsweise sind der Ort und die Zeit, wenn die blaue Lotusblume sich öffnet und entfaltet, wie das Innere und die Zeit des Feuers".

Was bedeutet nun dieser geheimnisvolle Satz? Wir können ihn so verstehen, dass der blaue Lotus, die Klarheit und Schönheit, aber auch die angenehme Kühle des Buddha-Dharma im heißen indischen und chinesischen Sommer bedeutet und dass das Feuer einerseits das konkrete materielle Element ist und andererseits die Hitze des Sommers in Indien symbolisiert, in der man nach Kühle sucht. Ohne die Buddha-Lehre, die hier mit dem blauen Lotus und dem Feuer gleichgesetzt wird, gäbe es überhaupt keine Wirklichkeit in der Welt. Das alles findet je im Augenblick und hier und jetzt statt und ist wie ein Funkeln in der Gegenwart. Die Lotusblume öffnet sich so real und ist so wirklich wie der Raum, das Feuer und die Erde. Ein alter Meister sagt daher:

"Blaue Lotusblumen öffnen sich im Feuer".

Wie erwähnt ist das Feuer eines der materiellen Elemente in der indischen und buddhistischen Lehre und symbolisiert daher etwas ganz Konkretes und Wirkliches. Aber diese nur materielle Sicht der Welt wird durch die buddhistische Lehre überschritten, da sie nur eine Teilwahrheit wäre und nicht die ganze Wirklichkeit umfasst. Diese wird durch den blauen Lotus im Feuer beschrieben und damit die umfassende buddhistische Wahrheit und die Wirklichkeit angesprochen. Denn Buddhismus ist Realismus, aber auf keinen Fall Materialismus. Es wird deutlich, dass hier aber auch die falsche Sichtweise und das falsche Verständnis abgelehnt werden, dass die Blumen Symbole für unnütze Phantasiegebilde und Illusionen sind. Die Schönheit der Blumen ist im Buddhismus keine Illusion und keine Träumerei, sondern die Wirklichkeit des Lebens und des Universums selbst.
Dies wird vor allem im Lotus-Sutra beschrieben, das von Dôgen im Shôbôgenzô durch das Kapitel: "Die Dharma-Blume dreht die Blume des Dharma" (Kap. 17, Hokke ten hokke) in neuer und großartiger Klarheit und Tiefenschärfe ausgebreitet wird.
Wenn sich die Blüten öffnen und ihre Schönheit entfalten und offenbaren, entsteht je die Welt, das Leben und das Universum, während nach buddhistischer Lehre z.B. das Unrecht durch die Menschen künstlich selbst erzeugt wird und im Universum eigentlich überhaupt nicht vorhanden ist. Im Lotus-Sutra werden Bäume aus Gold, aus Silber, als Korallen und Kristalle beschrieben, die Blumen tragen und Blüten auf die Menschen herab regnen lassen.
Damit ist symbolisch ebenfalls die Buddha-Lehre gemeint und dies ist keinesfalls abstrakte Theorie und Spekulation.
Die Blumen blühen z.B. im Frühling und der wirkliche Frühling entsteht eigentlich erst durch die Blumen. Die Früchte reifen im Herbst, und sie sind die konkrete Wirklichkeit des Herbstes. Frühling und Herbst sind zunächst allgemeine Begriffe und Abstraktionen für die Kommunikation, aber das Blühen der Blumen und das Reifen der Früchte sind die wahre Wirklichkeit des Hier und Jetzt und des Augenblicks im Erleben und Erfahrens und damit die buddhistische Sein-Zeit. Die wirklichen Bäume setzen sich aus den materiellen Elementen Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum zusammen und haben ihre Blüten und ihre Früchte. Diese wirklichen Blüten blühen also im Raum und sind keinesfalls Phantasiegebilde und der Inhalt von Träumen. So sind die Blumen des Raumes und die Blumen der Erde und überhaupt die Blumen dieser Welt das Sûtra des Buddha-Dharma:

"Weil die Blumen im Raum das Fahrzeug der Buddhas und Vorfahren im Dharma sind, sind auch die Buddha-Welt und die Lehre aller Buddhas nichts anderes als Blumen im Raum".

Daraus wird auch deutlich, dass die im Buddhismus fälschlich vertretene Meinung, nur die „umwölkten Augen“ würden Blüten im Raum sehen, wo überhaupt keine sind, falsch ist. Die Blüten im Raum würden dann mit Phantasiegebilden und Illusionen verwechselt, die durch einen unklaren Geist und unklare Augen erst entstehen und eigentlich gar nicht vorhanden sind. Eine solche falsche Sichtweise unterstellt, dass der Raum erst dann klar und rein ist, wenn die Phantasie-Blumen verschwunden seien. Die Augen würden also etwas vortäuschen, was in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.



Der Begriff "umwölkte Augen" hat jedoch im Buddha-Dharma bei Dogen nicht die Bedeutung, dass man etwas sieht, was in Wirklichkeit nicht vorhanden ist oder was man nur unklar erkennen kann, obgleich es ganz klar erkannt werden könnte. Er bedeutet vielmehr, dass das wahre Sehen über die materialistisch eingeengte Sichtweise des Äußeren hinausgeht und dass man nicht am Materiellen und der äußeren Form hängen bleibt sondern zum Augenblick, zum Handeln und zur Buddha-Wahrheit selbst vordringt. Dann werden sozusagen die verengten Augen, die nur das Äußerliche sehen, überschritten und die Blumen im Raum enthüllen die wahre Lehre des Buddha-Dharma. Das Gleiche gilt für Gedanken und das Denken. Meister Nishijima interpretiert dies so, dass in diesem Kapitel die Wirklichkeit und Wahrheit der sinnlichen Wahrnehmung und des Denkens herausgearbeitet werden. Vor allem durch die Praxis des Zazen wird die Realität dieser beiden Lebensbereiche ermöglicht. Weder das Denken noch die Wahrnehmung verlieren sich dann in unwirklichen Fantasie-Welten.

Sie werden dann ganz real mit ihren Blütenblättern, ihrem Stempel und ihren Staubgefässen wahrgenommen, wachsen aber nicht zuletzt durch ihre Schönheit und Form und Farbe „über sich selbst hinaus“, und öffnen dadurch die wahre Lehre des Buddhismus. Es ist ein Irrweg daran zu arbeiten, dass die Blumen im Raum und auf der Erde verschwinden sollen und sogar behauptet wird, dass dies die wahre Buddha-Lehre sei. Welche Wirklichkeit gibt es denn überhaupt, wenn die wirklichen Blumen verschwinden und man sich aus der Realität der Welt verabschiedet, um in irgendwelchen Leerheiten zu schwelgen? Die Blumen im Raum stehen damit nicht nur für reale Dinge mit Form und Farbe, sondern auch für die buddhistische Lehre und für den Augenblick im Hier und Jetzt. Sie entstehen nicht künstlich durch die Begrenztheit des umwölkten Blickes, sondern sie gehen über eine enge materialistische Sicht hinaus, denn die Lehre selbst wird als Buddha-Dharma und als Dharma-Blume erfahren und praktiziert. Dôgen sagt hierzu:

"Ihr solltet wissen, dass ein Mensch mit umwölktem Blick auf dem Buddha-Weg und ein Mensch des angeborenen Erwachens ist".

Die hier gemeinte Umwölkung bedeutet also nicht, dass es sich um Täuschungen handelt, sondern gerade das Gegenteil, dass die enge materielle Wahrnehmung überschritten wird und den Blick für die Wahrheit des Buddha-Dharma öffnet. Da alle Dharmas wirklich sind, sind auch die Blumen der so verstandenen Umwölkung wirklich. Es geht also um wirkliche Blumen, den wirklichen Raum, die wirklichen Augen, die mehr als das Materielle sehen und den Augenblick des Buddha-Dharma. Die wirklichen Blumen gehen auch über den Begriff und die Vorstellung der Blumen hinaus, so dass man sagen kann, dass die gedachten und gesagten Blumen nicht wirklich sind, aber die Blumen im Raum selbst Wirklichkeit haben. Die Aprikosenblüten gibt es nur auf Aprikosenbäumen und die Pflaumenblüten gibt es nur auf Pflaumenbäumen. Blühende Weiden-Kätzchen gibt es nur auf Weidenbäumen oder Weidenbüschen, und wenn die Blüten wirklich aufgehen und blühen, ist die Sein-Zeit des Frühlings.

Durch diese Ausdrucksweise wird deutlich, dass der Buddhismus die wunderbare Wirklichkeit zum Inhalt hat. Dass er also, wie Nishijima Roshi immer wieder betont, Realismus ist und dass Idealismus und Materialismus nur eine begrenzte Sicht- und Denkweise der umfassenden Buddha-Wahrheit sind. Diese beiden Sichtweisen werden aber nicht abgelehnt, sondern als Teil-Sichten erkannt und damit relativiert. Dôgen empfiehlt uns dringend, die Blumen und Blüten ganz genau zu betrachten, zu erforschen und zu erfahren und sagt, dass es eine große Vielfalt von ihnen gibt. Spitzfindige philosophische Diskussionen über die Existenz oder Nicht-Existenz der Blumen im Raum führen also überhaupt nicht weiter und sind oft verschwendete Zeit.

Es wird dann im Shôbôgenzô ein tiefgründiges Gedicht wiedergegeben, das von einem Laienschüler und Mandarin verfasst wurde, als er zur buddhistischen Wahrheit erwachte. Der zweite Teil dieses Gedichtes lautet wie folgt.

"Die Hindernisse (auf dem Budda-Weg) zu bekämpfen,
Verschlimmert die Krankheit.
Sich der Wahrheit willentlich zu näher,
Ist ebenso falsch.
(Auf dem Buddha-Weg) ist es nicht hinderlich, sich den Gegebenheiten der Welt anzupassen.
Das Nirvana, Leben und Sterben
Sind die Blumen im Raum.“


Unklarheiten, Täuschungen und Illusionen können danach nicht durch eine bewusste Willensentscheidung des Geistes überwunden werden, sondern sie verhärten sich im Gegenteil dadurch und wirken als Hindernisse und Beschränkungen. Sich der Wahrheit, also der Erleuchtung, mit vorgefasstem Willen nähern zu wollen, ist ebenfalls nicht sinnvoll und zum Scheitern verurteilt. Dies bedeutet, dass man z. B. nicht Zazen praktizieren mit dem Willen soll, ein Buddha zu werden. Die erste Erleuchtung der Zazen-Praxis ereignet sich nur dann wenn man die richtige Haltung einnimmt und Gedanken, Vorstellungen und Gefühle verschwinden. Besonders wenn man mit eigennützigen Absichten meditiert, kann dies bestenfalls kurzfristig sinnvoll und "erfolgreich" sein. Durch das Praktizieren und Leben des Buddha-Dharma lösen sich Täuschungen, Selbsttäuschungen und Vorurteile wie von selbst auf, und man befreit sich einfach von ihnen.

In diesem Gedicht wird nichts anderes gesagt, als dass der bewusste willentliche Kampf gegen die Hindernisse und Begrenzung im Geist nicht nur sinnlos ist, sondern das Gegenteil bewirkt und die Täuschungen verhärtet und verschlimmert. Indem man sich den Gesetzen des Universum und der Moral auf natürliche Weise anvertraut und mit ihnen verschmilzt, werden die früheren Hindernisse aufgelöst und haben keine Kraft mehr. Dann kann man auch mit den Augen die Wirklichkeit selbst sehen und dies wird in dem Gedicht so beschrieben, dass Nirvana, Leben und Sterben die Blumen im Raum sind. Nirvana wird hier nicht als ein erträumter Zustand in einem zukünftigen Dasein verstanden, sondern als Erwachen in diesem jetzigen Leben selbst. Der Durchbruch zur Wirklichkeit wird mit den Blumen im Raum gleichgesetzt und es wird als völlig falsch bezeichnet, dass die Blumen im Raum Illusionen sein und verschwinden, wenn die so genannte Leerheit erreicht ist. Dôgen sagt hierzu:

"(Die drei Welten) sind die wirkliche Form aller Dharmas und sie sind die Blumenform aller Dharmas".

Er sagt weiter, dass die Blumen und ihre Früchte im Raum genauso wirklich sind, wie die Blüten der Bäume von Aprikosen, Weiden, Pfirsichen und Pflaumen und dass wir dies nicht nur theoretisch verstehen sollten, sondern wirklich erfahren und erforschen.
Nishijima Roshi sieht in diesem Gedicht auch den Schlüssel zur Kontrolle sexueller Gier: Nicht der Kampf gegen die Gier führt zur Lösung, sondern die buddhistische Übungspraxis führt zur Wirklichkeit und damit zur Befreiung von den Zwängen sexueller Illusionen und Tagträume.
Man muss sich auch von dem vereinfachen Verständnis lösen, dass die Blumen und Augen etwas Getrenntes und voneinander Unabhängiges sind. Ein solcher Dualismus kann die Wahrheit der Blumen im Raum nicht erfassen, weil er eine eingeengte Wahrnehmung ist und die gedachte Trennung von Ich als Subjekt und Blume als Objekt beinhaltet. Daher sagt Dôgen:

"Dort wo der Ort und die Zeit solcher Augen sind, sind immer die Blumen im Raum und die Blumen in den Augen. Wir nennen die Blumen im Raum auch die Blumen in den Augen".

Am Ende des Kapitels gibt Dôgen die Aussage eines berühmten Meisters wieder, die er außerordentlich schätzte und mit der voll übereinstimmte:

"Die Blumen im Raum entfalten sich aus der Erde, es gibt (kein Hindernis und) kein Tor, ganz gleich wo Du (sie besorgen und) kaufen würdest".

Durch den Begriff der „Erde“ wird jeder Spekulation von der Leerheit, die leider oft so verstanden wurde, dass es überhaupt keine Wirklichkeit und Existenz gibt, völlig der Boden entzogen. So bedeutet Raum nach Dôgen gerade die konkrete Wirklichkeit und nicht spekulative Phantasie. Die Blumen im Raum sind gleichzeitig Schönheit und Wirklichkeit, die es überall im Hier und Jetzt und im ganzen realen Land gibt. Der Begriff des „Tores“ wird im Zen-Buddhismus dafür verwendet, dass es kein Hindernis oder, wie wir wohl sagen würden, kein Nadelöhr gibt, durch das man sich mit Gewalt hindurch zwängen muss, um zur Freiheit und Wahrheit vorzustoßen. Im Buddhismus vertrauen wir darauf, dass sich die Hindernisse und beengenden Schein-Tore auf natürliche Weise auflösen und überhaupt nicht mehr vorhanden sind und dass Blumen keine eingebildeten Phantasien sind, sondern ihre Schönheit und Wahrheit je im Hier und Jetzt offenbaren. Die Blumen im Raum gibt es also überall, je an diesem Ort und in dieser Zeit.

Weitere Informationen:

Der Buddhismus ist die Lehre von der Wirklichkeit

Handeln im Buddhismus

Ein Gespräch zum Streben nach der Wahrheit

Das Geheimnis der Buddha-Natur

Die Dharmablume dreht die Blume des Dharma

1 Kommentar:

Zushi hat gesagt…

Lieber Yudo Jürgen,

jedesmal, wenn ich den Blog aufrufe, kommt mir der Begriff "wurde einfacher buddhistischer Mönch" entgegengesprungen. Was ist denn das Charakteristikum eines buddhistischen Mönches und was bedeutet es im Vergleich zu Deinem Leben vorher?
Welche Bedeutung hat Dein Name Yudo?

Liebe Grüße
Regina