Mittwoch, 3. Juni 2009

Ein Leitfaden für die ZEN Kunst der Shakuhachi-Flöte (Teil 1)

von Hisamatsu Fuyo (1818).
Übersetzung von Murakami Takashi und Yudo J. Seggelke

Für Shakuhachi -Lernende ist es wichtig, müßiges Denken wegzuwerfen, sich selbst freizumachen von Gier und Wettbewerb, die Aufmerksamkeit auf den Unterleib zu konzentrieren und sich in die eigenen Töne einzutauchen. Spiele daher die Shakuhachi so, dass die Augen geschlossen sind. Ich empfehle besonders den Anfängern dies zu tun, sonst werden sie abgelenkt.
Fasse die Shakuhachi nicht zu fest an. Wenn du dies tust wirst du auch mental angespannt sein. Wenn du angespannt bist, kannst du dich nicht schulen. Identifiziere Spannung mit Krankheit für Shakuhachi -Spieler. Halte die Shakuhachi mit dem Daumen und dem zweiten Finger in der rechten Hand fest. Tue dies jedoch nicht zu hart.
Die Shakuhachi hat ihre eigenen Regeln. Sie sind Notierungen. Es ist nicht hinzunehmen, die Regeln zu brechen. Seid sicher, nicht von ihnen abzuweichen.
Es ist ganz wesentlich, eine Unterscheidung zwischen Meri (tief) und Kari (hoch) (bei den Tönen) zu machen. Es sollte vermieden werden, sie zu verwechseln. Dies wird Pfahlblasen genannt. Kraftvoll zu blasen ist akzeptabel, während es nicht akzeptabel ist, hart zu blasen.
Anfänger sollten nicht schönen Tönen nachsteigen. Es ist akzeptabel auf natürliche Weise dazu zu kommen, schöne Töne zu erzeugen, aber es ist nicht akzeptabel, deine Töne absichtsvoll schön zu machen.
Spiele die Musik zusammenhängend vom Anfang bis zum Ende, genau wie die ungeknickten Stängel eines Lotus. Mache Pausen mit viel Gefühl für den Atem. Achte auf deinen Atem, damit er den Fluss der Musik nicht aufhalten wird. Der Sinn solcher Fähigkeiten wie Tsuki, Iro und Nayashi ist es nicht den Fluss zu kontrollieren.
Musik hat ihren eigenen Rhythmus, verliere dies nicht aus den Augen. Leise Musik hat ihren eigenen Rhythmus. Langsame Musik hat ihren eigenen Rhythmus, Musik hat ihre eigenen verschiedenen Arten des Rhythmus. Praktiziere hart dies zu meistern.
Vor allem anderen sollten Anfänger die Fähigkeiten des Flötenspiels erlangen. Danach sollten sie sich schulen, sodass sie ihre Gefühle ausdrücken können. Fortgeschrittene können ihre Gefühle ausdrücken, ohne auf Kunstfertigkeiten zurückzugreifen. Die Gefühle auszudrücken sollte dem folgen, die Fähigkeiten zu erwerben. Wenn du nicht genügend Fähigkeiten erwirbst wirst du nicht in der Lage sein, deine Gefühle auszudrücken. Wenn die Anfänger sich damit beschäftigen, ihre Gefühle auszudrücken, werden sie ihr ganzes Leben lang in abstrakter Weise von der Shakuhachi reden. Verliere nicht deinen Weg.
Auch wenn deine Flöte gut klingt ist es falsch, sie gewaltsam zu spielen. Spiele die Flöte weich und heftig.
In der gegenwärtigen Zeit haben die Menschen kürzlich Flöten mit größeren Löchern gespielt. Lehne jedoch nicht die Flöte mit kleinen Löchern ab. Die Größe der Löcher hat solange keine Bedeutung wie du mit der Kraft des Körpers bläst. Ich empfehle den Anfängern jedoch eine Flöte mit größeren Löchern zu benutzen. Der Grund dafür liegt darin, dass die Flöte mit kleineren Löchern die Anfänger davon abhalten wird, mit der Kraft des Körpers zu spielen. Dies bleibt jedoch wahr ohne Bezug auf die Größe der Löcher.
Einige Menschen behaupten, dass es das Beste ist, die Flöte traurig, sorgenvoll und schmerzlich zu spielen. Ich stimme jedoch dem Spiel der Flöte in einer solchen Weise nicht zu. Der wichtigste Grund die Shakuhachi zu spielen, ist nicht der, dass andere, dir zuhören, sondern um dich selbst zu schulen. Wenn du es aufgibst um der anderen Willen zu spielen, werden die Zuhörer deine Aufführung von ganzem Herzen schätzen. Fühle wie Traurigkeit oder Glück beruhen nicht auf den Spielern, sondern auf den Zuhörern. Zweifel nicht daran.
Wenn du findest, dass die Spielweise und Melodie deines Gefährten von deiner eigenen abweicht, kritisiere ihn dafür nicht. Folge ihm, wenn du mit ihm zusammen spielst. Wenn du versuchst ihn zu dominieren oder er versucht dich zu dominieren, wird der gesamte Ton in Unordnung geraten. Es ist nicht wesentlich für einen Shakuhachi-Spieler, ein Duo aufzuführen, aber es ist eine gute Übung, den eigenen Ton in den deines Partners einzufügen und dich mit ihm zu integrieren. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu helfen.
Verachte nicht die Musik, die vor Ort gespielt wird. Sie hat ihre eigene Feinheit und Tiefgründigkeit. Aber kopiere sie nicht. Denke darüber nach.
Ich empfehle Anfängern eine Shakuhachi-Flöte zu nehmen, die reine Töne hat. Wenn du mit einer Flöte übst, die keine richtigen Töne hat, wirst du auch aus der richtigen Stimmung herauskommen und einen falschen Pfad nehmen. Es ist schwierig für Anfänger, den richtigen Ton zu bestimmen auf der Grundlage eines falschen. Wenn du jedoch ernsthaft übst, musst du jedoch eine ungefähre Idee davon erfassen.

Freitag, 22. Mai 2009

Sesshin der Dogen Sangha Frankfurt a. M.

Teilenehmer der Sesshin

Am letzten Wochenende fand eine Sesshin der Dogen Sangha in Frankfurt statt. Sie war wie die Sesshins der Internationalen Dogen Sangha in Japan im Kloster Tokei-in aufgebaut, die meist im September viele Jahre lang unter dem großen Meister Nishijima Roshi durchgeführt wurde und jetzt von Brad Warner geleitet wird.
Zusammen mit dem Schwerpunkt der Zazen-Praxis von 6 Sitzperioden am Tag gab es nach einleitenden Referaten ausführliche Diskussionen zu Kernpunkten der Lehre von Meister Dôgen. Diesmal hatten wir uns das Kapitel 10 des Shôbôgenzô zum Thema „Erzeugt kein Unrecht und erlangt die Freiheit! (Shoaku makusa)“ vorgenommen.

In diesem Kapitel erläutert Dôgen, dass aus buddhistischer Sicht das Unrecht „von Natur aus“ in der Welt und im Universum ursprünglich nicht vorhanden ist, sondern vom Menschen durch unrechtes Handeln erzeugt, also hinzugefügt, wird. Das ist eine bemerkenswerte Sicht, denn in den meisten Religionen wird gelehrt, dass das Böse, zum Beispiel in Gestalt des Teufels, ein Teil dieser Welt und des Menschen ist und mit der Kraft des Guten bekämpft werden muss. In der Wirklichkeit des Buddhismus gibt es das Unrecht als eine Art böser, dauerhafter Essenz und als böses Sein überhaupt nicht, sondern es gibt nur das unrechte Tun und Handeln der Menschen, das gegen Moral und damit gegen die Gesetze des Universums verstößt. Gleichwohl ist falsches, unrechtes und verbrecherisches Handeln in der Lebenswelt der Menschen leider eine Tatsache, die man nicht wegdiskutieren und verdrängen darf. Dōgen warnt uns mehrfach im Shôbôgenzô davor, uns in Illusionen zu verlieren und über die Wirklichkeit zu täuschen.

Er betont in diesem Kapitel besonders, dass Moral und Ethik, also richtiges Handeln, untrennbar mit der buddhistischen Lehre und Praxis verbunden sind. Der Buddhismus ist also keine „wertfreie“ Philosophie oder Theorie, sondern die Einheit von Körper, Geist, Handeln und Moral. Rechtes oder unrechtes Handeln im Hier und Jetzt des Augenblicks und Ortes sind für den Buddha-Dharma ganz wesentlich.
Dôgen zitiert einen alten Buddha, der lehrte:

„Vielfältiges Unrecht nicht zu erzeugen,
die vielen Arten des Rechten achtungsvoll zu tun,
macht Herz und Geist auf natürliche Weise rein:
Dies lehren alle Buddhas.“

Die Lehre, dass man Unrechtes und Übles erst im Handeln selbst erzeugt und es in der Harmonie des Universums und der Welt sonst gar nicht vorhanden ist, mag zunächst überraschen. Wenn wir aber bedenken, dass der Buddhismus wesentlich auf das Handeln abstellt, und so dem Handeln die Qualität der Wirklichkeit und Wahrheit zumisst, nicht aber einer abstrakten Idee oder gedachten Essenz, dann hat dies für unser Leben wirklich eine sehr große Bedeutung. Es kommt einfach darauf an, dass wir nichts Unrechtes erzeugen und dass wir uns in unserem Leben und Handeln den vielen Möglichkeiten, etwas Sinnvolles und Gutes zu tun, mit Sorgfalt und Achtung widmen. Dies ist der Weg in die Unabhängigkeit und Freiheit. Unrechtes zu erzeugen macht abhängig.

Wichtig ist, dass die buddhistische Praxis des Zazen hinzukommt und dass ein moralischer Vorsatz nicht auf Denken und Reden beschränkt bleibt. Denn die Kraft der Praxis ermöglicht es uns, an Klarheit zu gewinnen und unser Handeln und Verhalten umzustellen. Aus der Praxis ergibt sich eine intuitive moralische Klarheit im Augenblick, so dass es nahezu unmöglich wird, etwas Unrechtes zu tun. Da wir immer im gegenwärtigen Augenblick handeln, bedeutet dies die Klarheit und Kraft im Jetzt.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Neues Buch: ZEN Schatzkammer Band 1


Liebe Bloggerinnen und Blogger,

ich möchte Ihnen das Einführungsbuch zu Dogens Shobogenzo, ZEN Schatzkammer Band 1 vorstellen.

Ich freue mich, dass damit alle 3 Bände der einführenden Gesamtausgabe zu dem großen Werk des Shobogenzo von Meister Dogen fertig gestellt sind. Das heißt, dass damit alle 95 Kapitel des Shobogenzo auch von denen studiert werden können, die zunächst nicht die Zeit für die Originaltexte haben. An der deutschen Übersetzung dieses Quellenwerkes habe ich selbst 8 Jahre mitgearbeitet.
Aus dem Inhalt:

- Ein Gespräch über das Streben nach der Wahrheit
- Das verwirklichte Leben und Universum

- Der Geist hier und jetzt ist Buddha

- Erzeugt kein Unrecht und erlangt die Freiheit!

- Die Sein-Zeit der Wirklichkeit im Hier und Jetzt

- Was ist das große Erwachen oder die Erleuchtung?

- Die heilende Bambusnadel der Zazen-Praxis

Nach meiner Kenntnis ist dies die erste Gesamtausgabe einer, wie ich hoffe, gut verständlichen und authentischen Einführung zum Shobogenzo in Deutsch und überhaupt in einer westlichen Sprache

Die Inhalte des Buches wurden ganz eng mit dem großen Altmeister des Shobogenzo, Nishijima Roshi, abgestimmt, der auch der ´Vater´ der deutschen Übersetzung dieses großen Werkes ist.

Wir haben uns mit der Lektorin, Frau Ursula Richard besonders um eine möglichst gute Verständlichkeit bemüht.
Dadurch konnte die Lesbarkeit dieses so wichtigen Werkes aus unserer Sicht ganz wesentlich verbessert werden.

Es kann in jedem Buchladen oder im Internet bestellt werden, z. B unter:

LIBRI

Amazon


Und nun viel Freude beim Lesen!
Yudo J. Seggelke





Samstag, 9. Mai 2009

Bedeutung der buddhistischen Essschale Patra (Hatsu-u), Teil 2

Dôgen unterscheidet daher bei der praktischen und spirituellen Bedeutung nicht zwischen dem buddhistischen Gewand des Kesa und den Essschalen (Patra).
Kloster Ehei-ji in Japan

Bei dem Kesa denken wir vor allem an die spirituelle buddhistische Bedeutung dieses Gewandes, das zum Beispiel beim Zazen oder bei den offiziellen Vorträgen und Interviews mit den Meistern getragen wird. Im gleichen umfassenden Sinne versteht Dôgen die Essschalen, Patra, als Teil der buddhistischen Praxis im Hier und Jetzt.
Er sagt weiter:
"So ist die großartige Essschale der Ort, wo die Wunder verwirklicht worden sind."
Im Zen-Buddhismus werden fantasievolle Erleuchtungserlebnisse, die sich allein im Bereich der Ideen und Vorstellungen ereignen, wenig geschätzt. Man sollte sie schnell wieder vergessen.
Gautama Buddha hatte selbst bei seinen ersten Lehrern derartige, rein geistige Übungen erlernt und enttäuscht festgestellt, dass sie nicht anhalten und zur Überwindung des Leidens im menschlichen Leben nicht dauerhaft beitragen können. Auf der Grundlage dieser tiefen Erfahrungen von Gautama Buddha entwickelte sich nach dem Eintreffen von Bodhidharma in China die große Klarheit und lebensbejahende Lehre und Praxis des Zen, die uns über Meister Dôgen bis zu Nishijima Roshi in der Gegenwart übermittelt wurde.

Dôgen lehnt eine Abgrenzung und Abwertung der Essschalen gegenüber dem Kesa als dem heiligen Gewand grundsätzlich ab. Deswegen seien auch wohlklingende Beschreibungen des Kesa als Seide, Baumwolle und transformiertem Tuch wenig sinnvoll, wenn sie den Essschalen aus "Stein, gebranntem Ton oder Eisen" abwertend gegenübergestellt werden. Dôgen sagt dazu:
"Sie reden dies auf solche Weise, weil sie noch nicht mit den Augen des Lernens in der Praxis ausgestattet sind."

Er beschreibt das unmittelbare Handeln und den Augenblick bei der Benutzung der Essschalen und sagt, dass sie jenseits von Verstehen, Vergehen, Verlassen und Kommen, Verdienst und Fehlern, Alt oder Neu sind. Es habe keinen Sinn, sich auf die Vergangenheit oder Zukunft zu beziehen, sondern die Wirklichkeit gibt es nur in der Gegenwart. Er betont, dass die rein materielle Sichtweise der Essschalen überschritten werden muss, wenn man ihnen beim buddhistischen Gebrauch entsprechen will.

Aber auch eine schwärmerische idealistische Sicht kann nach Nishisjima Roshi bei der Wirklichkeit der Essschalen nicht weiterhelfen. Wäre man in solche schwärmerischen Gedanken verfangen, so kann es sicher nicht ausbleiben, dass man beim Essen selbst geistig abwesend ist und sich nicht im Augenblick des Hier und Jetzt befindet. Nach Dôgen sind die Dinge und Phänomene in diesem Sinne die Wirklichkeit selbst. Er sagt:
"Die Essschale ist nur aus wirklichen Dharmas aufgebaut."
Er spricht von dem umfassenden integrierten Geist, dem Raum und bringt sie mit den Essschalen in Verbindung. Die von ihm genannte offensichtliche Selbstverständlichkeit, dass „die Essschale aus der Essschale selbst zusammengesetzt ist“, bedeutet, dass nichts weggelassen und nichts hinzugefügt werden darf, wenn es um die Wirklichkeit geht.
Am Ende des Kapitels betont Dôgen noch einmal die umfassende Bedeutung und Wirklichkeit der Essschale und sagt:

"Bitte nennt sie nicht ein Stück Steingut oder ein Holzteil. Wir haben sie in der (eigenen) Erfahrung wie die sind verwirklicht."

Montag, 27. April 2009

Sesshin

Sesshin 15.05. - 17.05.09
der Dogen-Sangha Frankfurt

Gerade in unsicheren Zeiten sind:


Inneres und äußeres Gleichgewicht,
Klarheit,
Entscheidung- und Tatkraft
und Lebensfreude
besonders wichtig.


Dafür sind die Zazen-Praxis und Meister Dogens Lehre des wahren Buddhismus
von großem Wert.
Bitte für die Einzelheiten hier anklicken


Yudo J. Seggelke