Freitag, 24. September 2021

Die wirklichen Stimmen des Tales und die wirkliche Form der Berge

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Wir können wir in der Natur zur nachhaltigen Freiheit und zum eigenen Glück kommen? Antwort: Die höchste Lebensphilosophie des Erwachens im Buddha-Dharma eröffnet eine ganz neue Dimension und eine ungeahnte Tiefenschärfe für das Verständnis und Erleben der Schönheit und Kraft der Natur. Erst dann ist die Natur wirklich die Natur. Dann sind die Berge wirkliche die Berge und die Flüsse sind wirklich Flüsse, wie Dôgen sagt. Die Natur ist das umfassende Ganze und voller wunderbarer Einzelheiten.

Wir sind nicht von der Natur getrennt, sondern immer in lebendiger Wechselwirkung mit ihr. Nagarjuna sagt zum Weg der Mitte über die Natur: Die Wirklichkeit ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Darum dürfen wir die Natur nicht missbrauchen, denn dann missbrauchen wir uns selbst.

Die in den Tälern fließenden Bäche und Flüsse werden von Dôgen als die Zungen Buddhas bezeichnet, die unaufhaltsam den wahren Dharma lehren. Denn die Flüsse und Bäche stehen niemals still. Die Form der Berge gleicht dem Körper Buddhas, der vor allem durch Reinheit und Frieden gekennzeichnet ist. Man könnte die Natur von Wasser, Erde, Feuer und Luft nur aus der materiellen Sicht und nach der äußeren Form verstehen und beschreiben. Aber das ist nur die ärmliche Dimension des Materialismus und diese ist einseitig und beschränkt. Wer die Natur nur ausbeuten will, beutet langfristig sich selbst aus. Ob er das nun weiß oder nicht. Die Wirklichkeit der Natur ist mehr als Meinungen, Gerede und Verdächtigungen. Wenn man ihre Vernetzung und ihre Gleichgewichte zerstört, wird man selbst von ihr in Wechselwirkung zerstört. Der Glaube an den Dualismus des Ich als großartiges Subjekt und der Natur als abhängiges Objekt ist ein verhängnisvoller Irrtum.

Dôgen macht deutlich, dass eine solche materialistische Sichtweise nicht die Wahrheit der buddhistischen Lehre treffen kann und nur eine ärmliche Teilwahrheit ist und bleibt. Die wirklich verstandene und erlebte  Natur geht weit über ihre stoffliche und materielle Dimension hinaus. Sie ist eine wunderbare Komposition der Wirklichkeit und kann den Menschen in seinem tiefsten Innern erfassen, aufschließen und beglücken. Ich kenne keinen Menschen, der sich nicht von der Schönheit der Natur anrühren lässt. Meine eigenen  Naturerlebnisse in der Sahara, in den Hoch-Alpen und im Sturm der Biskaya haben mich nachhaltig geprägt. Seitdem bin ich als normaler und abhängiger Konsument nicht mehr tauglich. So aktiv verstehe ich das Speicher-Wissen nach Vasubandhu im Yogacara. Es müssen nicht immer extreme Landschaften sein: Unsere Naturerlebnisse sind zu allen Jahreszeiten und an allen Orten lebenswichtig. Wir leiden, wenn die Schönheit und Klarheit der Natur durch materielle Gier zerstört wird.

Im alten China und Japan war die Verbundenheit oder, besser gesagt, die lebende Einheit mit der Natur fundamental für das Leben der Menschen. Es war unauflösbar mit den empfindenden Wesen, also den Tieren, und den nicht empfindenden Lebewesen wie Kiefern, Bambus oder Chrysanthemen und den vielen Pflanzen verschmolzen. Daher war der Bambus in seiner Direktheit und Natur heilig. Dies alles wird im Buddha-Dharma als Harmonie und natürliches Gesetz des Universums erlebt, erfahren und verstanden.

Dôgen zitiert eine berühmte Zen-Geschichte:

„Ein Mönch fragte Zen-Meister Chosa[i]: ‚Wie können wir die Berge, Flüsse und die Erde dazu bringen, dass sie zu uns gehören?‘

Der Meister sagte: ‚Wie können wir uns selbst dazu bringen, dass wir zu den Bergen, Flüssen und der Erde gehören?‘“

Die Frage des Mönchs geht von seinem abgegrenzten Ego aus und versteht das Erwachen fälschlich so, dass man sich die Berge, Flüsse und die Erde aneignet. Dann würden sie uns wie Objekte gehören. Wir wollen dann die Natur besitzen, beherrschen oder ausbeuten. Wir wollen sie uns gewissermaßen einverleiben. Aber das ist keine lebendige Wechselwirkung. Der Meister dreht diese Aussage um. Denn die Natur kann heilsam auf uns einwirken. Er sagt, dass wir uns selbst verändern müssen, wenn wir auf dem Buddha-Weg die notwendigen Lernprozesse verwirklichen . Dann erfahren wir die lebendige unzerstörbare Einheit mit den Bergen, Flüssen und der Erde.

Schließlich fasst Dôgen zusammen: Wer in der Natur das große Erwachen erfährt, fällt nicht zurück. Warum? Die Natur lügt nicht, macht uns nichts vor, gibt nicht an, will nichts von uns, macht keine leeren Versprechen und verkündet keine aufgeblasen Pseudo-Wahrheiten und sie ist leer von verführerischen  Ideologien und erstarrten Dogmen. Die Natur kann uns genau von diesen unheilsamen Verirrungen und Extremen heilen. Sie ist wie sie ist und sie wirkt wie sie wirkt!

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[i]          Meister Chosa Keishin starb 868 und war Dharma-Nachfolger von Meister Nansen.

Montag, 13. September 2021

Empathie, Befreiung und Leerheit sind im Buddhismus keine Gegensätze

 

Die wahre Wirklichkeit ist nach Buddha leer von den drei Giften Gier, Hass und Verblendung. Was ist nun Verblendung? Antwort: Vor Allem der falsche Glaube, dass es im Menschen und den Phänomenen einen ewigen und unveränderlichen Substanz-Kern gibt. Aber das ist der falsche Glaube an eine Pseudo-Substanz, die es gar nicht gibt. Es würde nämlich bedeuten, dass gerade unser Leiden, also ein Phänomen, und unsere anderen Probleme unveränderlich und substanzhaft seien und wir sie niemals überwinden könnten. Das wäre wirklich eine schlimme und finstere Welt, in der wir leben müssten. Aber zum Glück ist unsere Wirklichkeit anders beschaffen. Buddha erkannte das in aller Klarheit und fasste es in den Vier Edlen Wahrheiten zur Überwindung von Leiden und Schmerzen zusammen. Den Achtfachen Pfad beschreibt er dabei präzis als praktische Realisierung.

Dadurch können wir Plagen und Leiden überwinden und uns in Freiheit und Glück entfalten. Denn wie gesagt: Leiden kann von uns überwunden werden, weil es keine unveränderliche Pseudo-Substanz ist. Die Kernlehre des Buddhismus ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Und Entstehen ist ja das Gegenteil von ewiger Unveränderlichkeit. Wir haben wirklich Grund zum Optimismus, weil wir geistig und psychisch wachsen können. Wir können uns nachhaltig zum Besseren transformieren!

Leerheit ist also die Leerheit von der Verblendung, dass Menschen und Phänomene im Kern auf ewig unveränderlich und statisch sind. Im Gegenteil, wir haben die Freiheit zu handeln, unser Leiden zu überwinden und uns zu verändern.

Aber leider wird diese buddhistische Leerheit häufig falsch oder ungenau interpretiert. Besonders im Westen gibt es abenteuerliche und sehr pessimistische Vorstellungen, was Buddha und der große Meister Nagarjuna wirklich unter Leerheit verstanden haben.

Um es kurz zu sagen: Durch die Leerheit von Verblendungen, falschen Ideologien, Täuschungen und unbewussten Dogmen gewinnen wir Klarheit der Wirklichkeit von uns selbst und der Welt. Denn wir sind von Natur aus nicht statisch, sondern können uns wirklich und tiefgreifend umwandeln. Wir sind ständig in Wechselwirkung mit anderen Menschen und wir sind vernetzt mit der sich verändernden Umwelt. Ein sehr wichtiger Schritt zur Gewinnung von Klarheit ist also die tiefe Erkenntnis, dass die Wirklichkeit der Welt, der Natur und von uns selbst durch das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung gekennzeichnet ist, wie Buddha formuliert. Und diese Wechselwirkung können wir aktiv gestalten und zum Heilsamen verändern. Dadurch werden außerdem die falschen Extreme auf dem Mittleren Weg vermieden. Das sind die zentralen und tiefen Weisheiten des Buddhismus.

Was ist nun das Gegenteil der lebendigen verändernden Wechselwirkung? Wann und wodurch wird die vernetzte und lebende Veränderung also verhindert und zunichte gemacht? Antwort: Durch die Ideologie und Verblendung dass alles Wesentliche unveränderlich sei und einen konstanten Wesens-Kerne habe. Danach müssten die Menschen, Dinge und Phänomene also einen unveränderlichen und isolierten Substanz-Kern haben. Solche Ideologien leugnen aber die Vernetzung der Natur. Denn diese Veränderlichkeit und Vernetzung können wir überall in Natur und Ökologie direkt sehen und erfahren. Die falschen Ideologien behaupten im Übrigen, dass die angeblichen Substanz-Kerne ganz unsichtbar sind. Das ist aber eine pure Behauptung, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Mir scheint das fast wie Taschenspieler-Trick.

Durch die moderne verlässliche Forschung wissen wir, dass unserer Ökosysteme lebendig vernetzt und in Wechselwirkung sind. Wir haben leider durch die Verleugnung der Vernetzung und bisherige Ignoranz viele schwere Öko-Probleme zu beklagen und zu befürchten. Dazu gehören die Katastrophen von Überschwemmungen, Feuersbrünsten, Hitzewellen, Dürreperioden usw.. Hauptgrund ist die die falsche Ideologie der Unveränderlichkeit, fehlender Vernetzung und Isolierten Trennung der Phänomene. Wir sind gerade dabei, durch diese täuschenden Verblendungen unseren ganzen Planeten zu zerstören oder schwer zu schädigen. Die wirkliche Öko-Vernetzung wurde also bisher in der Industrie-Gesellschaft wissentlich oder unwissentlich verleugnet.

Aus der Gehirnforschung wissen wir außerdem, dass Veränderungen und Wechselwirkung maßgeblich für die Funktionen unseres Denkens, unserer Gefühle und unseres Willens sind. Die Wissenschaft bezeichnet das als Plastizität und Modularität des neuronalen Netzes. Das heißt vereinfacht: Unser Gehirn verändert sich dauernd und arbeitet mit Modulen und deren Wechselwirkungen. Die Ideologie der Statik, Starrheit und fehlenden Vernetzung ist überholt aber für uns sehr gefährlich! Es ist erstaunlich, dass der geniale Buddhas diese tiefe Wahrheit schon vor 2.500 erkannte und gegen dogmatische Erstarrungen durchgesetzt hat.
Beim Menschen ist die wechselseitige Empathie für ein heilsames Leben von größter Wichtigkeit. Das wird jedem einleuchten. Dann sind gute befriedigende Zusammenarbeit und gegenseitiges Helfen möglich. Denn der Mensch ist das sozialste Lebewesen, das wir kennen. Soziales wechselseitiges Lernen ist die Grundlage eines erfüllten Lebens. Einsamkeit und soziale Isolation sind dagegen schwere Krankheiten, vermutlich die wichtigste Todes-Ursache in der modernen Welt.

Die Leerheit von solchen Verblendungen und Ideologien der Isolation, Pseudo-Substanz und unterdrückten Vernetzung ist also wichtige Voraussetzung für ein glückliches Leben! Wir leben nicht isoliert und sind nicht in starre Teile getrennt. Das Gegenteil ist richtig. Wir können uns aktiv befreien und ein kreatives gemeinsames Leben mit Freude und Glück verwirklichen.

 Vertiefung zur Empathie

Sonntag, 12. September 2021

Dein Geist hier und jetzt ist Buddha


Das verblüfft dich vielleicht. Aber die künstliche Trennung des eigenen Geistes von der Natur ist nicht die Wahrheit des Lebens. Diese unnatürliche Isolation verursacht viel Leiden, daher rät Buddha die Trennung aufzuheben und ganzheitlich zu denken und zu handeln. Denn das Innen und Außen des Menschen sind nicht isoliert, sondern immer in lebender Einheit und Wechselwirkung. Diese Wirklichkeit können wir zudem so gestalten, dass wir ein erfülltes und gutes Leben führen. Im Zen heißt es bei Dogen:

„Was ist der feine, leuchtende und reine Buddha-Geist? Er ist Berge, Flüsse und die Erde, die Sonne, der Mond und die Sterne.“

Zu diesem Ganzen gehört auch die gute Verbindung von Geist und Praxis:

„Wenn wir den Geist erwecken und die Praxis-und-Erfahrung auch nur in einem ganz kurzen Augenblick verwirklichen, ist dieser Geist hier und jetzt Buddha.“ 

Gautama Buddhas Lehre der Wirklichkeit im Augenblick führt gerade heute aus dem fatalen Kreislauf des Leidens hinaus. Der Augenblick ist wie ein "Sprungbrett" zum wahren Leben. Es öffnet uns die Wirklichkeit für ein heilsames Leben.

Den befreiten Buddha-Geist können wir nicht allein durch theoretisches Denken erfassen und schon gar nicht verwirklichen, vor Allem nicht durch ein aufgeblasenes Ego und durch nazistische Überheblichkeit. Und die lebendige Verbindung mit der Natur wird in unserer technisierten Welt immer wichtiger. Gerade heute heißt es: "Zurück zu Natur!" Eine gesunde Natur ist also unbedingt wichtig für ein erfülltes Leben.

Dabei führt uns das Streben nach der Wahrheit wie mit einem Kompass auf den richtigen Weg. Dieser Geist hier und jetzt ist viel mehr als das intellektuelle Denken, denn er umfasst nach Dogen auch die Wirklichkeit des Bambus, der Berge, Flüsse, der Erde, der Sonne, des Mondes und der Sterne. Das sind gerade Dinge und Phänomene, die wir meist nur als äußere Form und aus materialistischer Sicht betrachten und verstehen. Aber das ist zu wenig.

Der Buddhismus lehrt ganz klar, dass wir lernen sollten, unseren dualen trennenden Geist zu erkennen, zu durchschauen und diese Trennung nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Das gelingt also besonders gut mit der Lehre Buddhas. Wie können wir das machen? Dogen sagt dazu:


Wenn wir den Willen (zur Wahrheit) niemals erweckt, das Praxis-Training niemals durchlaufen, den Bodhi-Geist niemals (verwirklicht) und Nirvana niemals (erfahren) haben, dann gibt es keinen Wahrheit von ´Geist hier und jetzt ist Buddha´“.


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Samstag, 28. August 2021

Erleuchtung: Die Pflaumenblüten sind die Buddha-Augen

 

Meister Dôgen liebte die Pflaumenblüten außerordentlich. In diesem Kapitel geht es um deine Wirklichkeit, Erleuchtung, um Schönheit und die tiefe Wahrheit der Natur und des Buddhismus. Weil Du nicht von ihnen getrennt bis, sind es auch deine Buddha-Augen. Und diese Augen sehen viel mehr, als die "normalen" Augen. Die reine Natur ist also unauflösbar mit deiner Klarheit, Freude und Erleuchtung verbunden. Dôgen untersucht hier und dichtet die große lebendige Einheit der tiefen und praktischen Lehre Buddhas und der direkten Kraft von dir selbst. Das ist die Erfahrung des umfassenden Lebens im Hier und Jetzt. Es passt kein noch so dünnes Blatt Papier zwischen Buddha, Natur und Selbst, wenn du die Täuschungen los bist. Es gibt dann keine Verzerrung des Selbst durch Ego-Stolz, keine Verhärtungen des lebendigen Entstehen in Wechselwirkung und keine buddhistischen Gifte. Es geht um die ersten Blüten des Pflaumenbaumes, wenn es noch kalt ist und die kühlen Winde des Winters noch wehen. Die weißen Schneeflocken wirbeln am Kloster in den Bergen, weiß wie die Pflaumen-Blüten. Diese Blüten können erblühen jeden Tag neu, auch für dich.

Dogen zitiert seinen eigenen Meister Tendô Nyojô mit diesem Gedicht, der auch ein großer Freund der Pflaumenblüten war:

„Tendôs erste Worte in der Mitte des Winters.
Der knorrige alte Pflaumenbaum.
Plötzlich treibt er Knospen – eine Blüte, zwei Blüten,
Drei Blüten, vier, fünf Blüten – unzählige Blüten.
Sie können sich ihrer Reinheit nicht rühmen,
Und nicht stolz sein auf ihren Duft.
Sie erschaffen das Gesicht des Frühlings,
Und weben duftend durch die Gräser und Bäume.“

Der Pflaumenbaum ist wie das wirkliche Leben des Menschen. Es gibt schwarze alte und knorrige Äste, auch mit Dornen. Und es gibt grüne junge Zweige mit runden Knospen und strahlend weißen Blüten. "Nur ein Zweig mit Pflaumen-Blüten".

Diese Blüten sind die Augen Buddhas, wie Dogen sagt. Sie haben keinen falschen Stolz und keine unterwürfige und falsche Bescheidenheit. Die weißen Blüten sind die Buddha-Weisheit, die von Indien nach China kam und dann in Japan mit Dogen ungeahntes Leben erschuf. Und diese Lehre verkümmert nicht auf beschriebenem Papier, sondern schafft die klare wunderbare Einheit mit den Menschen und den Blüten, genau hier und jetzt. Im Augenblick sind immer auch Vergangenheit und Zukunft verschmolzen. Eine Trennung vom jetzigen Augenblick ist in der Wirklichkeit unmöglich und überhaupt nicht nötig.

"Wahrheit der Pflaumenblüten im Hier, die ins Jetzt gekommen sind. Das Jetzt ist genau so wirklich und (Tendô) spricht von einem Ort, der beschwerlich und voller Dornen ist.“

Es gibt kein Leben, das wie der Winter und die kalten Winde ohne Beschwerden und Mühen ist. Aber die Blüten des Frühlings leuchten strahlend und tanzen in den milden Winden und Düften  des Frühlings. Genau wie in deinem Leben.

„Ein Neujahrsmorgen ist der Anfang des Glücks.

Die zehntausend Dinge sind alle neu und frisch.

Verehrte anwesende liebe Mönche.

Der Pflaumenbaum ist der erste Frühling.“


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Donnerstag, 19. August 2021

Die tiefen Weisheiten des Mittleren Weges


Diese tiefen Weisheiten können dein Leben zum Guten verändern.

Um das eigene Leben zum Guten und Heilsamen zu transformieren, braucht man eine zuverlässige Lebensphilosophie! Eine solche erprobte und auch heute zeitgemäße Grundlage ist der kraftvolle Weg der Mitte des indischen buddhistischen Meisters Nagarjuna. Auf diesem Weg entstehen für dich neue klare Kräfte, die dein Leben transformieren. Davon bin ich fest überzeugt, und zwar nach gründlichem Studium und eigener praktischer Erprobung.

Welche Fehler müssen wir heute bei einer zeitgemäßen Weltanschauung und neuen Lebensweise vermeiden? Wie können wir die ökologischen Probleme der Klima-Schäden und die Sinn-Entleerung unseres Lebens vermeiden? Warum plagen sich viele Menschen mit Vereinsamung, Leiden und Pessimismus herum? Wir brauchen eine Umkehr und bessere Ausrichtung unseres Lebens. Und was gibt es eigentlich für neue fundierten Erkenntnissen der Öko-Systeme und Gehirn-Forschung, die wir nutzen können? Diese sollten wir dann mit den tiefen und bewährten Weisheiten des Buddhismus verbinden! Das ist genau mein Anliegen.

Der Buddhismus hat eine Art Weltformel des Lebens und des Universums: Das gemeinsame Entstehen unserer Wirklichkeit in Vernetzung und Wechselwirkung.

Das klingt vielleicht einfach, hat es aber in sich. Es wurde bisher von der modernen Gesellschaft und westlichen Philosophie vernachlässigt oder vergessen. Aber die Wirklichkeit schlägt nun zurück, man kann sie auf die Dauer nicht täuschen. Als Zen-Meister sage ich dazu: Wir haben uns selbst "verarscht".

Alles Leben ist vernetzt und Wechselwirkung. Und wir können aktiv einwirken und mit gestalten. Das muss unsere Ausgangslage sein. Der Mensch ist das sozialste Lebewesen auf diesem wunderbaren Planeten. Er ist keine egoistische Maschine der Selbst-Maximierung. "Der Starke ist der Schwächste allein" und muss vereinsamt sterben. Der Egoist, âtman, hat überhaupt keine echte Lebensfreude.

Extreme und Übertreibungen sind fast immer Lüge, sie putschen uns emotional hoch und enden im Chaos und Niedergang. Böse Beispiele sind die Dogmen der Nazis und religiöse Extreme der Christen und Moslems. Daraus kommt nichts Gutes. Denn aus der Mitte kommt die wahre Kraft unseres Lebens und so können wir unsere Gesellschaft sinnvoll gestalten.

Ein aufgeblasenes und dogmatisiertes Ego oder ein immer nörgelndes und jammerndes Mini-Ich erzeugen überflüssiges Leiden:  für sich selbst und für andere. Also weg damit. Aber zeitlich gut gestaffelt, als Verlernprozess gestaltet und vor allem als Start zum neuen Lernprozess. Die Gehirnforschung weiß: Unser Glücks-Zentrum ist gleichzeitig unser Lern-Zentrum. Hättest Du das gedacht?

Zur eigenen Transformation braucht man einen längeren Atem und muss dran bleiben. Man braucht den klaren Entschluss zu eine neuen Lebensrichtung. Garantiert: Es lohnt sich, anfangen ist das Wichtigste.

Geben ist besser als Nehmen. Denn ethisches Handeln und gutes Karma sind gutes Leben. Sie befreien uns jetzt und in Zukunft von doktrinärer Verblendung. Das hat übrigens die Gehirnforschung ganz klar nachgewiesen, es ist kein veralteter Spruch.

Glück, Erleuchtung und Nirvâna sind die wirklichen Freiheiten des Menschen, hier und jetzt. Also genau in diesem Leben. Umgekehrt schadet es uns massiv, wenn wir in illusionären Fantasien oder finsteren Zukunfts-Welten verlieren. Grübeln bringt nichts.

Wir können uns von den drei Lebens-Giften: Gier, Hass und Verblendung entleeren und befreien. Das ist die wahre Bedeutung der Leerheit, die oft missverstanden wird. Mein Lehrer Nishijima Roshi sagte: Der Buddhismus ist eine durch und durch optimistische Lebensweisheit und Lebenspraxis. Er setzte auf positive Veränderungen und Überwindung unseres Leidens. Wir sind überhaupt nicht total abhängig und können den Sinn unseres Lebens weitgehend selbst gestalten.

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