Donnerstag, 22. Juli 2021

Wie kannst Du die Buddha-Natur verwirklichen?

Meister Dogen war auf der intensiven Suche nach der Buddha-Natur. Er hat viele Jahre vergeblich nach einer überzeugenden Lösung für dieses Problem gesucht. In Japan konnte ihm keiner wirklich helfen, weder die bekannten Meister noch das Studium schwierigster Schriften. Er fragte sich: Warum muss ich überhaupt anstrengende und andauernde buddhistische Praxis machen, wenn jeder die Buddha-Natur sowieso schon hat? Dann müsste es doch reichen, dass man sie einmal versteht und schon ist die Dauer-Lösung da. Die ungelöste Frage nach der Buddha-Natur führte Dogen sogar nach China. Dort fand er schließlich die überzeugende Lösung.

Deine Buddha-Natur ist nämlich klares erfülltes Leben und keine abstrakte Philosophie. Wohl klingende Worte oder Geheimniskrämerei vernebeln die Wirklichkeit und führen zu nichts. Allerdings sind treffende gute Worten zwar Hilfs-Werkzeuge aber nicht direktes Erleben. Mit reiner Theorie steht man da wie der Ochs vorm Berg. Philosophie und Intellekt können nur etwas beschreiben, aber sie sind nicht das wirkliche Erleben.

Es gibt viele theoretische und philosophische Beschreibungen der Buddha-Natur, die dir aber nicht viel bringen. Im Gegenteil. Sie verwirren meist und kommen nur unnötig gelehrt daher. Lass dich also nicht verblüffen. Was hältst du zum Beispiel von folgendem hochtrabenden Spruch: Die Buddha-Natur existiert im Nichts? Sicher wenig hilfreich. Das ist übrigens buddhistisch echter Blödsinn, obgleich man so etwas hören und lesen kann.

Die Buddha-Natur kannst Du als Wirklichkeit und Wahrheit direkt und ohne Zweifel selbst erleben. Sie ist KlarheitFreude und Fülle im Augenblick, also genau hier und jetzt. Im frühen Buddhismus ist die Geistes-Klarheit besonders wichtig. Wer es aber nicht gelernt hat, im Augenblick direkt zu leben, der kann die Buddha-Natur leider nicht erfahren.

Die Fülle und Tiefe des Augenblicks kannst Du verwirklichen, wenn Du deine Hemmnisse und Blockaden wegräumst. Buddha nennt fünf davon: übertriebene Hektik, Trägheit, gieriges Wollen, Übelwollen und nervende Zweifelsucht. Letztlich sind dies die von Buddha genannten Ursachen des Leidens Gier, Hass und Verblendung. Man kann sie durch Übung verschwinden lassen und so überwinden.

Buddha nennt dagegen positiv sieben Faktoren des Glücks und der Erleuchtung, die Dein Leiden zur Ruhe kommen lassen. Also Achtsamkeit, klare Unterscheidung, Energie, Freude, Gleichmut und Sammlung usw.. Besonders wichtig ist die Achtsamkeit in der Meditation und im guten Flow beim Handeln und Arbeiten.

Dogen zitiert den großen Meister Nagarjuna:

Wenn du deinen Ich-Stolz nicht überwindest, kannst du die Buddha-Natur nicht erfahren und sie nicht verwirklichen.

Es geht um das gemeinsame Entstehen in liebevoller Wechselwirkung, das ist die Kernlehre des Buddhismus. Dann erfährst du die Buddha-Natur wirklich. Die Ich-Sucht und der Ich-Stolz isolieren die Menschen und machen sie einsam und krank. Die Buddha-Natur ist kein Ding und keine unveränderliche Substanz. Sie ist gerade ohne eine solche Pseudo-Substanz, um es buddhistisch zu sagen. Man kann sie nicht wie ein Ding oder ein Goldstück greifen und dann hat man sie für immer. Davon träumen vielleicht manche, aber das geht nicht und ist eine böse Sackgasse. Um die Buddha-Natur zu verwirklichen, muss man Extreme vermeiden und die Lebenskraft aus der Mitte holen. Das ist der Mittlere Weg der Meditation und des Handelns. Dann verwirklichst du die Buddha-Natur.

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Dienstag, 13. Juli 2021

Die Zen-Meditation befreit und gibt dir jeden Tag einen neuen Energie-Schub

 


Für mich war und ist die Zen-Meditation wie ein Wunder. Sie gibt mir jeden Tag Energie, Ruhe und transformiert das Leben in eine erstaunlich gute Richtung. Für diese buddhistische Praxis bin ich aus tiefstem Herzen dankbar. Und eigentlich ist der Aufwand gering, man muss einfach dran bleiben. Ich bin fest überzeugt, dass ich durch Zazen eine schwere Berufs-Krise meistern konnte. Aus dem drohenden Desaster wurde ein tiefgreifender Erfolg, sowohl in dem schwierigen Projekt als auch in meiner ganzen Berufsentwicklung. Diese Meditations-Methode ist eine Bank gerade in der Corona-Krise!

Nishijima Roshi nennt die Zazen-Praxis die erste Erleuchtung. Und das erstaunliche ist dabei: Diese Methode funktioniert verlässlich an jedem Tag, an dem die Sonne auf- und wieder untergeht

Meister Dogen hat bei seiner Reise nach China erst durch Zazen die tiefe Erleuchtung erfahren, nachdem er in Japan mit der damaligen Theorie und Praxis nicht voran gekommen war. Er vergleicht diese Praxis  mit der großartigen Heilmethode der chinesischen Akupunktur. Wie inzwischen auch im Westen bewährt, werden die wirksamen Nadeln genau an den Stellen angesetzt, wo die Probleme verursacht werden. Das ist genau die Methode der Zen-Praxis. Dogen hält es für ausgeschlossen, dass man überhaupt Zugang zum wahren transformierenden Buddhismus findet, wenn man nicht Zazen praktiziert.

Diese ganzheitliche Praxis sei etwas ganz anderes ist als das übliche abstrakte Denken und geht weit darüber hinaus. Ein Mönch fragte dazu einen großen Meister, was dieser beim Zazen „im stillen-stillen Zustand denkt“. Antwort von Dogen:

„Wir sollten in der Praxis das Berg-stille Sitzen lernen, und wir sollten die authentische Übertragung des Berg-stillen Sitzens empfangen.“

Man sitzt dabei ruhig wie ein Berg. Dann verschwindet das übliche unterscheidende duale Denken und Fühlen. Dann ereignet sich die genannte erste Erleuchtung. Wenn man aber beim Zazen den ehrgeizigen Willen hat, etwas Großartiges wie das Allwissen zu erreichen, und treibt damit Denken und Fühlen gewollt in die Irre oder im Kreis herum. Dann kann sich die Heilwirkung der Zazen-Praxis nicht entfalten: Sie findet einfach nicht statt! Beim Zazen kommt es also darauf an, sich nicht durch egoistische Denkanstrengungen einzuengen oder dabei zu verkrampfen. Dōgen fragt uns:

„Wie kann es möglich sein, dass in dem ganz ruhigen, stillen Zustand kein Denken da ist? Und warum verstehen viele nicht den still-stillen Zustand jenseits von Denken und Nicht-Denken?“

Beim stillen, ruhigen Sitzen in der Zazen-Praxis müssen wir genau auf die richtige körperliche Haltung achten und den Kopf nach oben gestreckt halten. Dabei sollten wir den Blick schräg nach unten richten und auf die weiße Wand vor und schauen. Die Augen sind dabei halb geschlossen. Dann ereignet sich das nicht-dualistische umfassende und intuitiv unbegrenzte "Denken". Dann erstarkt unsere Mitte und entwickelt die erstaunliche transformierende Kraft, die den ganzen Menschen erfasst Also: "Nichts als Sitzen. Körper und Geist fallen lassen". Dōgen lehnt Konzentrations-Zen für die Zazen-Praxis grundsätzlich ab. Also: Just do it!

Man soll daher nicht auf den Geist „einprügeln“. Es ist überhaupt nicht sinnvoll, den Geist oder den Körper oder beide zu prügeln, um Erleuchtung zu erlangen. Auch Stolz auf das einseitige Beherrschen der Körperhaltung führt nicht weiter. Wer sich selbst in seiner Zazen-Haltung bewundert, ist einem gefährlichen Irrtum aufgesessen.

Dôgen sagt:

„Dies ist das authentische Siegel, das empfangen und weitergegeben wird, von einem-zum-anderen.“

Zazen ist die direkte Verwirklichung und Befreiung der Menschen. Diese Praxis ist für alle machbar, sie ist einfach und erzeugt keine Komplikationen und Verwirrungen in unserem Leben. Meister Dogen dichtet:



"Das wahre Tun eines jeden Buddha. Das Tun des Wahren eines jeden Meisters. Jenseits des Denkens: Verwirklichung. Jenseits des Komplizierten: Verwirklichung.


Die Verwirklichung ist natürlich und ist sichere Erfahrung. Es gab kein dogmatisches Richtig und da war keine trennende Isolation.


Das Wasser ist rein, klar und richtig bis zum tiefen Grund. Die Fische schwimmen als Fische! Der Himmel ist weit, klar und ohne Grenzen. Und die Vögel fliegen als Vögel!"


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Dogens authentische Beschreibung der Zen-Meditation

Mittwoch, 30. Juni 2021

Deine Wirklichkeit des Erwachens und der Erleuchtung

Als Meister Dogen nach seiner tiefen Erleuchtung aus China zurück kam, wurde er gefragt, was er erlangt habe. Seine Antwort: "Ich bin milde geworden". Er war vor seiner Reise schon ein genialer buddhistischer Denker, aber es muss etwas ganz Zentrales gefehlt haben: geistige Milde und sinnvolles Handeln im Alltag!

Die Erleuchtung oder das Erwachen hat im Buddhismus zentrale Bedeutung. Gibt es für dich wirklich diese neue Klarheit, lebendige Freude, die Milde und Empathie zu anderen Menschen? Gibt es wirklich die tiefe verwandelnde Verwirklichung in deinem Leben? Ich bin mit Buddha und den großen Meistern fest überzeugt: Ja, jeder Mensch kann sie erfahren und erleben! Und dabei erleben wir auch unvermittelt Glückswellen, die eine Zeit lang anhalten. Aber die Erleuchtung fällt nicht vom Himmel, es gehört auch ein Stück Arbeit und Ausdauer dazu.

Ich kenne zwei Menschen, die ich ohne Zweifel als verwirklicht und erleuchtet bezeichnen kann. Der eine ist mein Lehrer, Nishijima Roshi. Buddhistische Verwirklichung ist also keine Illusion oder Selbst-Täuschung sondern tatsächliches Leben und konkretes Handeln. Darauf kannst Du vertrauen. Am besten, du machst dich sofort auf den Weg, Schritt für Schritt.

Aber es ist auch bekannt, dass manche Pseudo-Lehrer und selbst ernannte Meister andere täuschen, aus welchen Motiven auch immer. Daher ist Vorsicht geboten, wenn du dich einem Lehrer anvertraust. Erleuchtung ist leider zu einem marktgängigen Produkt geworden. Und schon Dogen warnte vor falschen Meistern und Lehrern.

Durch die Verwirklichung haben wir mehr Lebensenergie, mehr Freude, mehr Klarheit und ruhen in unserer Mitte. Mit anderen Menschen kommen wir besser aus. Wir lassen uns nicht von Pessimismus, Fake News und Verschwörungstheorien anstecken. Das ist in der jetzigen Korona-Krise besonders wichtig.

Die Erleuchtung muss nicht unbedingt der große einmalige Sprung sein, das sagt auch Meister Dogen überzeugend. Und es ist sicher nicht der intellektuelle Super-Sprung zum All-Wissen, denn das gibt es für den Menschen nach meinem Verständnis nicht. Auch die Neuro-Wissenschaften können das bestätigen..

Statt des Sprungs zur großen Erleuchtung ist es vernünftiger, sich auf eine schrittweise gute Entwicklung einzustellen und sein Leben kontinuierlich zu verbessern. Dafür ist die klare Selbstbeobachtung oder Achtsamkeit besonders wichtig. In der Psychologie heißt das die Selbst-Wirksamkeit. Sie geht Hand in Hand mit unserer Übungspraxis und mit menschlich positiven Kontakten und Wechsel-Wirkungen. Dagegen sind Ideologien, Dogmen und Verblendung außerordentlich schädlich. Nach Nagarjuna sind das Pseudo-Substanzen.

Dôgen sagt, dass wir vor allem durch die Zen-Meditation zur Wirklichkeit und Wahrheit erwachen und damit ein erfülltes und kreatives Leben führen. Wer an der Zen-Meditation dran bleibt, wird sein Leben ganz sicher verbessern, je nach Stetigkeit seiner Praxis. Das kann ich aus eigener Erfahrung voll bestätigen.

Der Mensch hat also die Möglichkeit, die Voraussetzung und das Potential zum Erwachen, wie Buddha und die vielen großen Meister Indiens, Chinas und Japans lehren. Sie haben das Erwachen und die Erleuchtung selbst erfahren und nicht gelesen, gehört oder abgeschrieben. Das ist Buddhas glasklare Aussage, der ich vertraue

Mein Lehrer Nishijima Roshi war einer der glücklichsten und klarsten Mensch, den ich in meinem langen Leben kennen gelernt habe. Das ist für mich der verlässliche Beweis für das Erwachen. Ich war mehrere Wochen Gast und Schüler in seinem kleinen Appartement in Tokyo, kannte ihn also recht gut. Im Zusammenleben war er erstaunlich einfach und bescheiden. Es war ein großen Glück, ihn zu kennen und zu erleben. Er sprach übrigens kaum von Erleuchtung, sondern von Verwirklichung, um keine unnötige Verwirrung zu erzeugen. Also:" Just do it!"

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Sonntag, 20. Juni 2021

Deine großen Momente, das wirkliche Leben und die Zeit

 


Dieses Kapitel Dōgens über die Zeit, deine lebendige Wirklichkeit, die Dynamik, der Augenblick und die großen Momente unseres Lebens ist eine geniale Leistung des Zen und überhaupt des Buddhismus.[1] Stark verkürzt sagt Dogen, dass der Augenblick und die dynamische Zeit untrennbar mit der Wirklichkeit deines Leben verknüpft sind. Die großen Momente sind Höhepunkte unseres Lebens. Sie  prägen uns mehr, als uns vielleicht bewusst sind. Das Leben und die Wirklichkeit gibt es also nur zusammen mit dieser lebendigen wirklichen Zeit, das ist ein gemeinsamer Prozess und wahres Handeln. Es geht um die dynamische Sein-Zeit im Hier und Jetzt. Und wenn jemand durch Gier, Hass und Verblendung fixiert ist, geht sein Handeln ins Leere und hat keine gute Wechsel-Wirkung. Wenn unser Handeln leer von den drei Giften ist, entfaltet sich die glückhafte Wirklichkeit!

Damit greift Dogen die zentrale Wahrheit Buddhas auf: Das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Diese Dynamik und Vernetzung sollte ohne Störungen und Blockaden vor sich gehen. Das können wir auch ´erleuchtetes Leben´ nennen.  Leider hat die westliche Philosophie meines Wissens diese Wahrheit noch nicht klar erkannt, obgleich die moderne Neuro-Wissenschaft damit genau übereinstimmt. Es gibt für dich und überhaupt für die Welt keine Statik, die unabhängig von der Dynamik der Zeit ist. Es gibt kein statisches sondern nur ein dynamisches Sein in der Wirklichkeit. Und in diesem dynamischen strahlenden Augenblick sticht die Klarheit des Jetzt und des Augenblicks wunderbar heraus. Das sind deine big moments! Denn wann kannst du dein Leben zum Besseren verändern? Antwort: Genau jetzt durch Handeln in die richtige Richtung. Und wie kannst Du eine falsche Entwicklung verhindern? Antwort: Indem du dein Handeln genau jetzt änderst. Wie denn sonst?

Und das alles in Wechselwirkung mit anderen Menschen, deiner Umgebung und dir selbst. Wer erstarrt, hat ein unglückliches Leben. Wer in verblendeten Ideologien steckt, entwickelt sich nach unten und leidet. Wer von Gier, Hass und Trägheit programmiert ist, verliert seine menschliche Freiheit. Denn Alternativen haben und verwirklichen, heißt Freiheit haben. Und wenn du mehr Freiheit realisierst, wirst du glücklicher. Eigentlich ganz einfach. Ein alter erfahrener Mediziner der bekannten Charité in Berlin sagte mir dazu kürzlich: "Wer im Bett liegt, stirbt".

Dogen hatte dank seiner genialen Intelligenz die damalige buddhistische Theorie in Japan so gründlich studiert, wie kaum eine anderer. Aber Erleuchtung und Befreiung konnte er nicht realisieren. Erst bei seiner China-Reise fand er tiefe Erleuchtung durch die Meditation des Zazen: "Nichts als sitzen mit gradem Rücken, ohne konzentriertem Denken und rotierende Gefühle. Körper und Geist fallen lassen" Das ist so, als ob du dein gesamtes Selbst auf Null stellst und dann wieder neu startest, fast wie einer Störung des Computers.

Das ist ist eigentlich nicht so schwer. Ich habe es selbst ausprobiert: Es funktioniert!

Dein Geist und dein Gehirn sind immer in Bewegung, auch im Schlaf. Und davon bekommen wir wenig mit. Daher ist es Illusion zu glauben, dass in deinem Leben irgend etwas unverrückbar statisch ist und dass es eine absolute Wahrheit gibt, die unveränderlich ist. Das wäre sogar Starrheit und Starrsinn. Warum startest du nach der Corona-Krise nicht in einer verbesserter Richtung deines Lebens mit Freude und Freiheit? Das ist sicher einfacher, als du denkst. "Just do it!"

Dogen sagt: Du existierst nicht außerhalb oder neben der Welt. Zum Beispiel wirkt auch bei dir die Erdanziehung und Schwerkraft. Und wann wirkt sie wirklich? In der Vergangenheit oder Zukunft? Sicher nicht. Genau im Hier und Jetzt und im Moment wirkt die Wirklichkeit. Und deiner Schwerkraft und Physik kannst du nicht entfliehen Warum auch? Also wann ist die Wirklichkeit wahr und wirklich? Genau im Augenblick ohne Verblendungen und ohne unheilsame Ideologien. Die Meditation, etwa Zazen, gibt dir dann erstaunliche Kräfte, um in deiner eigenen guten Richtung zu gehen und auch schwierige Kampf-Situationen zu meistern. Mit Zazen kannst du den Kampf-Modus einschalten und wieder ausschalten, wie es erforderlich ist. Und das können wir heute wirklich gut gebrauchen.

Dogen rät uns schließlich, dass wir uns mit dieser Wahrheit der dynamischen Sein-Zeit immer wieder beschäftigen sollen, dass wir uns darauf fokussieren und dann wieder loslassen. Und wir wissen aus der Gehirnforschung, dass die Schulung des Selbst am besten mit Freude und Wiederholung funktioniert.

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[1] Vgl. auch mein Buch: "Strahlende Zeit zum Handeln"

Mittwoch, 9. Juni 2021

Freiheit und Glück werden verwirklicht, wenn dein wahres Selbst handelt

 

Meister Dogen sagt ganz klar, dass wir Freiheit und Glück realisieren, wenn wir das Richtige und Gute tun und das Falsche vermeiden.

Das stimmt, selbst wenn es so einfach klingt. Wie kann das laufen? Antwort: Wenn wir uns an die bewährte Lehre Buddhas halten, werden wir uns Schritt für Schritt aus dem Leiden befreien und Falsches nicht mehr tun. Buddha und die großen Meister sagen uns dann im Einzelnen, wie rechtes Handeln, Denken, Fühlen und die Vier edlen Wahrheiten verwirklicht werden. Vor Allem: Nicht zuletzt, indem wir unrechtes Handeln vermeiden.

Ihre zentrale Botschaft ist: Du kannst dich zum Guten und zum glücklichen Frieden verändern, wenn du deiner eigene Veränderung vertraust und das Falsche und Unrechte vermeidest. Denn dieses Vermeiden kannst Du wie fast alles erlernen und weiter verbessern. Also das Gute tun zu lernen und das Falsche gründlich zu verlernen.

Denn eigentlich gibt es das Falsche und das Unrecht nicht wie ein Ding, wie etwas Festes oder wie eine Entität, wie Philosophen sagen. Das Unrecht ist nach Nagarjuna in der Welt nicht als Substanz vorhanden und ergreift dich daher auch nicht gegen deinen Willen. Das Falsche ist keine harte Materie, kein Wesenskern oder etwas Unveränderliches in dir, obgleich viele Menschen das vielleicht glauben. Daher nenne ich diese zentrale Wahrheit mit Buddha und Nagarjuna: Die Pseudo-Substanz des Menschen und des Universums ist ein Irrtum und eine grundlegende Täuschung. Also ist das substanzhafte Unrecht ebenfalls eine täuschende Pseudo-Substanz.

Denn das Unrechte ist im Gehirn plastisch und veränderlich. Es kann durch Übung und eigene Klarheit  in unserem Geist und Gehirn weg trainiert werden. Das hat die heutige Gehirnforschung zweifelsfrei bewiesen und ist bei uns im Westen erst jetzt durch die Neuro-Wissenschaften klar erkannt worden. Es ist aber leider noch nicht allgemein bekannt.

Mich fasziniert, dass Buddha diese Wahrheit schon vor mehr als zweitausend Jahren erkannt und selbst erfahren hat. Er hat sich seine Lehren nicht philosophisch ausgedacht , sondern selbst erprobt und getestet. Extreme Askese und übertriebene Entsagung sind dabei für ein erfülltes und gutes Leben nicht nötig und auch nicht sinnvoll. Dagegen sind Meditation und gute Selbst-Beobachtung besonders nützlich und gut wirksam! Buddhas Methoden sind für Lebens-Krisen besonders effizient.

So bin in einer schweren Berufs-Krise zum Zen gekommen, weil sich die Meditation des Zazen so gut bewährt hat. Dadurch konnte ich meine Power und Ausdauer nachhaltig verbessern und fachlich und menschlich besser handeln. Danach bin ich natürlich beim Zen und Buddhismus geblieben.

Dogen zitiert dazu einen alten Meister, der dies auf den Punkt bringt:

Tue nichts Falsches, sondern tue das Richtige, dann wird dein Geist auf natürliche Weise rein. Dies ist die Lehre der vielen Buddhas.“[i]

Auf natürliche Weise“, bedeutet, dass sich beim richtigen Handeln unsere wahre Natur, unser wahres Wesen und das Universums verwirklichen. Es geht darum, durch richtiges Handeln im Einklang mit dem Natürlichen zu leben.

Nishijima Roshi fasst das so zusammen:

„Moral ist, genau das Rechte tun und das Falsche nicht tun.“


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[i] Shobogenzo, engl. Fassung, Bd. 1, S. 97

Sonntag, 30. Mai 2021

Dein verwirklichtes Leben!

Nishijima Roshi
 

Dogen beschreibt seine eigene Erfahrung des Erwachens und der Erleuchtung, die er in China erlebte. Vorher, in Japan, konnte er trotzt intensivster Bemühung, besonders in der Theorie, dabei nicht weiter kommen, vermutlich weil er so ehrlich zu sich selbst war. In seinem berühmten Werk Shobogenzo beschreibt er in seiner mächtigen Sprache dann die Befreiung und das Erwachens aus dem kleinem Ich und aus der Pseudo-Wirklichkeit. Denn es geht um die selbst erlebte Wahrheit, zusammen mit seinem wahren Meister.

"Buddhas Wahrheit zu erlernen ist sich selbst zu erlernen. Sich selbst zu erlernen ist sich selbst zu vergessen. Sich zu vergessen ist von unzähligen Dharmas erfahren zu werden, (also von den Dingen und Phänomenen der Welt). Von den unzähligen Dharmas erfahren zu werden ist unseren Körper und Geist fallen zu lassen, genau so wie den Körper und Geist der externen Welt"

Das sind für mich Worte wie Hammerschläge der großen Wahrheit. Das ist ZEN ohne Wenn und Aber von jemandem, der nicht abschreibt, sondern selbst erfahren und erlebt hat, was er schreibt. Das sind Wahrheiten, die wir im Westen so dringend brauchen, im Westen mit abgegriffenem Medien-Sprech, mit populistischen digitalen Netzen, mit Horror-Videos und dem geheuchelten Glück der Werbung.

Was sagt uns Dogen? Ist diese berühmte Kurzfassung der Erleuchtung nicht paradox und in sich widersprüchlich? Nein, ganz im Gegenteil! Dogen spricht von zwei verschiedenen Welten, einer der normalen Seichtigkeit und einer des Erwachens, also dessen Klarheit, Freude und des Glücks.

Denn wir müssen unser altes kleines unselbständiges Ich durch Buddhas Praxis und Erfahrung zur Ruhe kommen lassen, also vergessen. Dann sind wir offen für die großen Wahrheit. Sie gibt uns das wahre Glück, von der die Werbung nur lügt. Dann sind wir offen für die wunderbare Wirklichkeit der Dinge und Phänomene unseres Lebens, also unserer Familie, unserer Freunde, unseres Berufs und der Natur.

Eine solche Erleuchtung sei nicht immer bewusst, sagt Dogen. Denn der Intellekt und das eigene alte Bewusstsein sind zu begrenzt für Buddhas große Wahrheit, die wir selbst verwirklichen. Der Erwachte vergisst vielleicht sogar die Erinnerungen und Spuren daran. Aber die Wirkung dieser "vergessenen Spuren" der Freiheit ist für uns und andere eine "lange, lange" Zeit wirksam.

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Dienstag, 18. Mai 2021

Öffne das Tor zur Wahrheit deines Selbst

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Dogen beginnt das erste Kapitel seines berühmten Werkes Shobogenzo mit Zen-Worten, die wie die Schläge einer Glocke im Jetzt wiederhallen und weit in Raum und Zeit tragen:

"Wenn die Buddhas den höchsten Zustand der Wahrheit erfahren und wirklich erleben, sind sie im Besitz des Höchsten, das ohne unheilsame Absicht ist".[1]

Dogen spricht die wirklich erleuchtete Meister der großen und authentischen Übertragungslinien häufig als Buddhas an. Warum? Weil sie dem historischen Buddha gleichkommen. Sie wussten, dass jeder Mensch diese höchste Form des Lebens verwirklichen kann. Also auch Du und ich.

Die Methode ist die Meditations-Praxis des Zazen, wenn Körper, Geist und Gefühle zur Ruhe kommen oder "fallen gelassen" werden, wie Dogen sagt. Dann verschwinden unheilsame Dogmen und Vorurteile genau wie Zwangs-Gefühle und Zwangs-Gedanken. Auch das tägliche oberflächliche geistige Geplapper verschwindet natürlich und fast von selbst. Wir leeren uns von den drei Giften Gier, Hass und Verblendung. Wir lassen den Glauben an Pseudo-Substanzen verschwinden. Und wir sind frei von Verkrampfungen, Wiederholungs-Zwängen und heiligem Getue. Wie Meister Bodhidharma zum chinesischen Kaiser sagte: "Nichts von heilig, leere Weite" und dann kommt die ganze wunderbare Fülle des Lebens zu uns!

"Diese einzigartige Methode ist Samadhi und Zazen, wenn wir das Selbst empfangen und es als unser Leben benutzen".


Welches Selbst ist gemeint? Sicher nicht der dogmatisierte âtman, nicht das aufgeblasene Ego und auch nicht das jammernde Mini-Ich. Und schon gar nicht ein fantasiertes Nichts. Gemeint ist das Selbst der Zazen-Methode, einfach sitzen, weder grübeln noch von Gefühlen überwältigt sein. Einfach in der authentischen Sitzhaltung sitzen, mit geradem und aufrechtem Rücken. Genau so kannst du die Sperren wegräumen.

Öffne jetzt die Tür zu deinem wahren Selbst, aufmachen für die ganze Fülle des Lebens!

Hört sich das wie ein Wunder an? Ja, und ich bin nach 50 Jahren Zazen-Praxist fest davon überzeugt: Es ist ein Wunder, das wir wirklich erfahren und erleben. Ein Selbst das unabhängig und voll Empathie sein kann. Ein Selbst, das auch den Kampf-Modus in unsere Welt auspacken und wieder einpacken kann, wenn es sein muss.

Auch wenn wir diese Wirklichkeit nicht logisch restlos erklären können. Wozu auch, wenn es tatsächlich wirkt und funktioniert. Das ist das authentische Tor Buddhas zum Frieden und zur Freude. Nach Nagarjuna ist die Leerheit von Gier, Hass und Verblendung, also von Dogmen und Nichtwissen, genau der Türöffner zum Befreiungs-Weg.

Wie öffnet sich dieses Tor? Einfach jeden Tag Zazen praktizieren, morgens und abends 10 Minuten oder auch mehr. Die positive Wirkung ist garantiert. Mein Lehrer Nishijima nannte es die Erste Erleuchtung und er hat recht. Ich bin übrigens überzeugt, dass dabei auch das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird und unser Gehirn flutet.

Dogen weiter: "Diese große Wahrheit ist im Überfluss in den Menschen vorhanden". Aber sie bleibt unsichtbar, wenn wir nicht praktizieren und sie nicht erfahren. Diese Wahrheit kann dann nicht verwirklich und erlebt werden.


Authentische Zazen-Meditation

[1] Dogen, Shobogenzo, englische Fassung von Nishijima S. 1, deutsche Fassung von mir


Samstag, 1. Mai 2021

Die Sieben tiefen Weisheiten deiner Mitte

 

Die zentrale Botschaft des Mittlerer Weges, MMK, lautet: Das dynamisches lebendige Ganze und die wahre Mitte des Menschen sind nicht zu trennen. Buddha und Nagarjuna bezeichnen dieses Ganze als gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung, das im Gleichgewicht ist.. Dabei geht es besonders um verbundenen Funktionen der lebenden Netze und deren Teilsysteme, wie die Neurowissenschaften und Ökologie verlässlich sagen. Oder anders ausgedrückt: der Mensch ist ein selbst lernendes interaktives System. Übrigens sind die modernen sozialen digitalen  Netze unserem Neuro-Netz nachgebildet. Sie sind also selbst-lernend und deshalb so leistungsfähig. Wenn wir uns in diesem Ganzen und unserer Mitte bewegen und uns von den drei Giften, also Gier, Hass und Verblendung, befreien, erlangen wir Freiheit, Glück und Erleuchtung. Wir können das Leiden nach den Vier Edlen Wahrheiten überwinden und den Achtfachen Pfad mit Buddhas Theorie und Praxis gehen und verwirklichen.

Besonders die Verblendungen sind häufig unbewusst verfestigt und nicht immer leicht zu erkennen. Sie sind durch Extreme, Radikalismus und Egoismus aber auch durch das Gegenteil wie Kummer, Jammer, Gram, Klagen und Verzweiflung gekennzeichnet. Wer den Verblendungen durch doktrinäre Schein-Werte und Pseudo-Substanzen im Geist und überhaupt in der Natur erliegt, hat nach Buddha und Nâgârjuna keine Chance auf Freiheit und Erleuchtung. Denn die Verblendung ist ja eines der drei fundamentalen Gifte des Buddhismus und die zu Grunde liegende Philosophie ist fehlerhaft und in sich widersprüchlich. Die spirituellen Genies Buddha, Nagarjuna und Meister Dogen haben klar erkannt und gelehrt, dass wir uns von diesen Giften befreien könne. Denn der Mensch sowie die Dinge und Phänomene sind von Natur leer von giftigen Ideologien und Verblendungen des Pseudo-Selbst. Das ist die wichtigste Bedeutung der Leerheit im Mittleren Weg. Wir müssen uns also von erstarrten Ego-Ideologien und Pseudo-Werten entgiften, um frei zu sein. Nagarjuna untersucht nun im MMK mit großer philosophischer Präzision die grundsätzlich falschen Doktrinen der Pseudo-Natur, des Pseudo-Ich und der Pseudo-Substanzen in damaligen angeblich buddhistischen Sekten. Er verwendet zur Falsifizierung eine ausgefeilte Logik und beweist, dass die Philosophie des Pseudo-Ich und der Pseudo-Substanz falsch sind. Damit entlarvt er den Dualismus.

 Die zentralen Aussagen des Mittleren Weges sollen nun in sieben tiefen Weisheiten zusammengefasst werden:

Erleuchtung und Freiheit kommen aus der Mitte und nicht aus Ideologien und Extremen. In der Mitte ist die Kraft des inneren Friedens und des guten Handelns. In der Mitte verwirklichen wir unser Gleichgewicht und die Mitte  macht den Unterschied!

Befreiung ist das gemeinsame gute Entstehen in Wechselwirkung und die volle Ganzheit des Lebens. Dagegen erzeugen verblendete Pseudo-Substanzen und Zerstückelungen Leiden und Plagen. Was ist eine der wunderbarsten Wechselwirkungen? Die Dankbarkeit zu anderen und zum eigenen Leben!

Leerheit ist die Befreiung von den drei Giften, also Gier, Hass und Verblendung. Durch diese Entgiftung entstehen Freude, Glück und geistige Klarheit. Das ist die wahre Natur. Besonders wirkungsvolle Wege zur rechten Leerheit sind nach meiner Erfahrung die Zen-Übungen der Meditation, Zazen, des japanischen Bogenschießens und der Zen-Flöte.

Das âtman-Selbst und die Philosophie der sogenannten  Eigen-Substanzen sind Pseudo-Wahrheiten. Sie blockieren unsere Freiheit, verhindern wichtige Lernprozesse und die Überwindung unseres Leidens.

Geben ist besser als Nehmen. Denn ethisches Handeln und gutes Karma sind heilsames Leben. Sie befreien uns jetzt und in Zukunft von doktrinärem Ballast. Das ist übrigens durch die Gehirnforschung klar nachgewiesen.

Nirvâna ist die wirkliche Freiheit des erwachten Menschen im Hier und Jetzt, genau in diesem Leben. Es macht keine Sinn, sich in illusionären Zukunfts-Welten zu verlieren.

Die Zwölf Glieder der Befreiung Buddhas führen zur Erleuchtung. Das ist der berühmte Mittlere Weg zur Freiheit des Geistes und der Lebenspraxis. Er wird dann nicht durch Extremismus, Unmoral ein Pseudo-Ich blockiert, denn diese führen Schritt für Schritt ins Leiden.

 Weiterlesen Sieben Weistheiten

Empathie, Wechselwirkung und Gehirnforschung

 Ist wirklich alles Leiden?

Donnerstag, 22. April 2021

ZEN: Dein wirkliches Leben ist wie eine gut gestimmte Saite

Buddha sagt, dass ein gutes Leben wie eine richtig gestimmte Saite ist. Wenn die Saite zu starke Spannung hat, gibt sie keinen guten Ton oder reißt vielleicht sogar. Wenn sie zu schlapp oder gar nicht gespannt ist, gibt sie eine flauen oder überhaupt keinen Ton. Wenn sie richtig gestimmt und gespannt ist, gibt sie einen guten klingenden Ton, wird zur Musik und ist volles Leben. Das ist der Weg der Mitte und auch die die tiefe Lebens-Wahrheit  des ZEN. Dann können wir Lebensprobleme wie im der jetzigen Corona-Krise viel besser meistern!

Dann kann der Spieler Melodien und Harmonien erzeugen für andere Menschen und für sich, am besten beides zusammen. Wenn wie uns von den drei Giften Gier, Hass und Verblendung entleert haben, sind wir erfüllt von gemeinsamer Musik. Dann gibt es kein isoliertes Subjekt und kein statisches Objekt, wir sind in harmonischer Wechselwirkung.

Dann gibt es keinen Stress, keine Langeweile und keine Schlappheit. Dann stören keine Dissonanzen, kein verhärteter Geist, keine spitzfindigen Theorien und auch keine militanten Ideologien. Das die tiefe Bedeutung des Herz-Sutras.

Und das ist nach meinem Verständnis die uns von Buddha und Nagarjuna gegebene tiefe Weisheit der Leerheit: Der volle harmonische Ton des Mittleren Weges, ohne ausgehöhltem Materialismus, ohne verhärtete Ideologien ohne Überspanntheit und ohne Trägheit. Aber Leerheit kriegt man nicht geschenkt, man muss schon etwas dafür in der Praxis tun.

Im Sinne von Nagarjuna sind wir dann mit Körper und Geist leer von erstarrtem Doktrinen und illusionären Schein-Substanzen. Buddha nennt dies die Befreiung von der Verblendung, die zusammen mit den beiden anderen Giften die vielfältigen menschlichen Plagen und Leiden erzeugen.

Leerheit ist wie eine Saite in der mittleren harmonischen Spannung. Sie gibt den großen Ton des Lebens!

Freitag, 16. April 2021

Leerheit ist deine Befreiung von den drei Giften


Die Leerheit wird im Buddhismus manchmal verwirrend und auch kontrovers diskutiert und sogar diffus gelehrt. Daher möchte ich versuchen, nach meinem Wissen und meiner Praxis mehr Klarheit einzubringen. Was war eigentlich das große Anliegen Buddhas und seiner genialen Nachfolger bei der Leerheit, die zum Beispiel in dem berühmte Herz-Sutra beschrieben wird? Und was kann Meditation zur guten Wirkung der Leerheit beitragen? Und was vielleicht nicht?

Im Einklang mit den meisten bin ich fest davon überzeugt, dass Buddha keine neue abstrakte Philosophie entwickeln wollte, denn davon gab es zu seiner Zeit schon mehrere Duzend. Aber es gab viel Leiden, viele Plagen und Ungerechtigkeiten, deren Ursachen er erkennen wollte und deren Überwindung er dann lehren könne.

Er erprobte die damals vorherrschen Theorien und Meditationen sowie die körperliche Askese bis an die Grenzen des Menschen möglichen. Aber Sie erwiesen sich als zu idealistisch und brachten keine dauerhaften Verbesserungen. So ging er zurück auf die Grundlagen des Lebens überhaupt. er war ein hervorragender Beobachter der lebenden Welt und kein theoretischer Philosoph. Dann wurde er Therapeut, also psychologischer und mentaler Arzt, wie wir heute wohl sagen würden. Er hatte hervorragende Kenntnisse der Wechselwirkungen des Bewussten und Unbewussten und dem ganzen Menschen.

Er entdeckte, dass die drei Gifte Gier, Hass und Verblendung die zentralen Ursachen der Leiden und Plagen der Menschen sind. Durch die Vier Edlen Wahrheiten zur ´Entgiftung´ von diesen drei Giften auf dem Achtfachen Pfad kann und wird das Leiden maßgeblich vermindert und kann sogar ganz ausgeschaltet werden. Das ist seine Botschaft!

Und Verblendung ist vor allem das Gift des Geistes und der Psyche, zum Beispiel durch dogmatische Verhärtungen, extreme Ideologien, Rassismus und nicht zuletzt durch Egoismus und Narzissmus.

Was bedeutet das? Antwort: Wenn wir uns von diesen Giften befreien, haben wir uns von diesen Giften des Lebens entleert. Daher mein Vorschlag für eine einfache und sinnvolle Arbeits-Definition der Leerheit:

Leerheit ist die Befreiung von den drei unheilsamen Giften: Gier, Hass und Verblendung.

Durch Buddhas Theorie und Praxis können wir uns wirkungsvoll von diesen Übeln entgiften, wir können diesen Gifte auf dem Achtfachen Pfad ausscheiden und werden leer von ihnen! Wenn wir die Gifte los sind, kann sich unsere wahre gute Natur entfalten. Dann werden wir die Fünf Hemmnisse los und entwickeln die Sieben Faktoren der Erleuchtung immer weiter, wie sie Buddha beschreibt. Durch die Vergiftung ist unsere wahre Natur aber unwahr geworden und kann sich nicht kreativ entfalten und erweitern.  Durch die Leerheit und Entgiftung eröffnet sich vor allem der Mittlere Weg der Freude und Lebenskraft, wie der große Meister Nagarjuna sagt. Dann vermeiden wir nicht zuletzt die Leid bringenden Extreme von Dogmen und Vorurteilen. Sie sind kein verlässlicher Halt!

Was sind wichtige Mittel und Werkzeuge der Befreiung? Antwort: Bodhisattva-Handeln, Mitgefühl, Achtsamkeit und Meditation.

Montag, 29. März 2021

Buddha sagt dir: Nicht grübeln sondern machen


Die Meditation hat im Buddhismus  eine große Bedeutung auf dem Weg der Befreiung von Leiden und Plagen. Dies wurde auch durch die heutige Gehirnforschung wissenschaftlich bestätigt. In bestimmten Stufen der Vertiefung können wir zunächst geistige Bereiche des Mitgefühls und glücklicher Gefühle durchlaufen. Schließlich gelangen wir in die Erfahrung der Weite von Raum, Bewusstsein, frei von störenden Dingen und Wahrnehmungen und ohne äußere und innere Verzerrungen. [1] Das hört sich komplizierter an, als es in der Praxis ist. Ich verstehe diese Meditation beispielsweise als Zazen im Zen-Buddhismus: Nichts als Sitzen. Und gerade nicht Grübeln und kein Denken in Teufels-Kreisen.

Wie ist die Wirkung? Mein Lehrer Nishijima Roshi sprach vom Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems, das ansonsten dem bewussten Willen kaum zugänglich ist. Und Glückgefühle entstehen auch durch die Ausschüttung vom Glückshormon Dopamin in Gehirn, das gleichzeitig die geistige Klarheit signifikant verbessert. Er bezeichnete Zazen daher als Handeln und erste Erleuchtung. Im Alltag verbessern wir danach deutlich unser Handlungs-Potential.

Kennt Ihr das Gleichnis vom giftigen Pfeil? Buddha sagte:" Ein Mann wurde von einem vergifteten Pfeil getroffen. Seine Freunde und Bekannte rufen ihm einen heilkundigen Arzt. Er weigert sich aber, sich den Pfeil herausziehen zu lassen, solange er nicht vorher Antwort auf wichtige Fragen erhält: Wer hat den Pfeil abgeschossen? Wie ist seine Hautfarbe? Welcher Kaste gehört er an? Woher stammt er? Wie ist der Pfeil beschaffen? ...Dieser Mann hätte keine Gelegenheit, die Antwort zu erhalten. Er stürbe zuvor."[2]

Sind das nicht ähnliche Fragen, die wir häufig in der Corona-Krise hören anstatt selbst zu handeln? Und kennt ihr das nicht von lamentierenden Gesprächen im Freundeskreis? Werden dadurch Glücks-Hormone ausgeschüttet und verbessert sich unser Potential zu handeln. Wohl kaum! Nichts gegen klares Denken. Aber es geht häufig um einfaches direktes Handeln, um Gefahren zu vermeiden und Gutes zu bewirken. Wie Nishijima Roshi sagte: "Actions are carved in the universe!" Handeln ist in das Universum eingraviert.

Weiterlesen: Handeln


[1] Vgl.: Gäng, Peter: Buddhismus, S. 97 ff.

[2] Zitiert nach Gäng, Peter, Buddhismus, S. 121

Sonntag, 21. März 2021

Die tiefe Weisheit des Herzsutra für dich

 

Das Herzsutra spricht den ganzen Menschen an und bezieht sich nicht nur auf den Geist oder Verstand, es wirkt direkt zum Herzen. Es wird von dem Bodhisattva Avalokiteshvara verkündet, der für wechselwirkende und helfende Verbindung den Menschen direkt und ohne Umwege hilft. Er sagt nicht nur schlaue wohlklingende Sprüche. Er hilft also, dass wir uns von den drei Giften Gier, Hass und Verblendung fernhalten und diese Gifte loswerden. Wir können so die drei Gifte entsorgen. Wir können unser Herz von diesen gefährlichen und zerstörerischen Giften befreien, uns von ihnen entleeren und uns entgiften! Das ist die Kern-Aussage und tiefe Weisheit des Herzsutra und Buddhas.

Das Herzsutra verbindet heilsames  Handeln mit heilsamem Geist. Und dieser wird durch den authentischen klugen Schüler Buddhas, Shariputra, vertreten.

Was sind nun die Kernaussagen dieses kurzen und weltweit rezitierten Herzsutras? Antwort: Unsere Gifte lassen uns erstarren. Sie sind vor allem durch Verblendungen geprägt und werden durch gefährliche Dogmen und Vorstellungen erzeugt. Heute besonders durch Verschwörungs-Theorien und Internet-Verdummung. . Sie gaukeln uns vor, dass der Mensch, seine Fähigkeiten und Eigenschaften unveränderlich und damit statisch sind. Aber gerade dadurch erstarren wir, das sind die Gifte des geistigen Starr-Krampfes. Besonders die Ideologie eines unveränderlichen âtman-Selbst und der unveränderlichen Dinge, Phänomene und Eigenschaften des Menschen und in der Welt. Das ist schlicht falsch und absurd.

Mit solchen unheilsamen Dogmen ist der Mensch wie erstarrt und eigentlich nicht mehr lebendig. Er ist der Ideologie verfallen, dass er entweder dauerhaft grandios und ohne Fehler ist, ein Egoist und Narzisst, oder im Gegenteil ewig ein Haufen Elend, ein Pessimist oder Nihilist. Beides ist fundamental falsch und unheilsam, denn die Kraft der lebendigen positiven Veränderung kommt aus der Mitte und nicht aus den Extremen. Extreme schaffen im Gegenteil Leiden und sind immer unwahr. Das sagen überzeugend sowohl Buddha als auch die großen Meister Nagarjuna und Dogen. Und diese Lehren haben sich glänzend bewährt, das kann ich Euch bestätigen.

Eine Kernaussage des Herzsutra sagt also, dass wir uns von der Ideologie der Starrheit und Statik befreien und entleeren müssen, um gut zu leben und zufrieden zu sein. Auf diesem Weg geht es in Richtung Freiheit und Erleuchtung. Zum Beispiel bedeutet die Leerheit der Form im Herzsutra, dass wir die Form nur dann klar erkennen und lebendig erfahren, wenn wir die Dogmatik der Statik, Erstarrung und Unveränderlichkeit überwinden. Wir müssen dieses geistige Gift entsorgen, das ist Leerheit vom Gift. Damit ist das Dogma der Schein-Natur einer eingebildeten Substanz überwunden, die so viel Leid erzeugt und Zwietracht säht.

Gleiches gilt im Herzsutra für unsere Wahrnehmung mit den Augen, Ohren usw. und den angeblich getrennten Objekten. Denn unsere Augen, die Wahrnehmung und die Objekte sind in Wechselwirkung und "funktionieren" zusammen genau auf diese Weise. Wir können dann den fatalen Dualismus überwinden, dass es eine Trennung von Subjekt und Objekt geben soll. Diese Trennung gibt nicht es in unserer natürlichen Natur!

Gemäß dem Mittleren Weg ist die Wirklichkeit durch gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung gekennzeichnet. Und diese Wechselwirkung bezeichnet Nagarjuna als Leerheit von Giften und Dogmen. Die Menschen und die Welt sind von Natur aus ohne das unheilsame Dogma einer eingebildeten Substanz. Denn das ist eine Schein-Substanz, in Sanskrit svabhâva.

Im Herzsutra heißt es, dass der Bodhisattva frei von solchen unheilsamen Dogmen und daher lebendig und ohne Angst ist. So kann er anderen direkt helfen.

Das ist eine großartige Lehre, ein Mantra, das unvergleichlich ist. Wir gehen dann ins Nirvana, und zwar genau hier und jetzt und nicht im virtuellen Wolken-Kukucks-Heim: wunderbar!

Gate, gate, para sam gate. Bodhi svaha.

Zum Weiterlesen

Urtext des Herz-Sutra

Leerheit bei Meister Nagarjuna

Rezitation Herzsutra

Mittwoch, 10. März 2021

Dankbarkeit gibt dir inneren Frieden

 

Die Inhaftierten und Verurteilten der Gefängnisse haben meist ein schweres Leben und sind verbittert. Wie können sie wieder Lebensmut und Frieden mit sich, anderen und der Umwelt entwickeln? Das ist keine leichte Aufgabe, aber sehr sinnvoll und notwendig. Denn irgendwann geht es zurück in ein "normales" Leben. Aber was ist eigentlich normal in der heutigen Zeit mit Stress, Fake-News und Einsamkeit? Antwort: Wir alle sollten die Dankbarkeit wieder entdecken

In Japan wurde in den fünfziger Jahren die Methode Naikan entwickelt, die sich auch in Deutschland bewährt hat und kürzlich in BUDDHISMUS AKTUEL in zwei Artikeln sehr klar und für mich überzeugend beschrieben wird.[1]

Worum geht es dabei im Kern?  Dazu wurde eine wirksame und genau in Schritten ausgearbeitete Methode entwickelt die transformierende Kraft der Dankbarkeit, um trotz des schweren Schicksals zur Dankbarkeit zurück zu finden. Oder besser gesagt, eine neue psychische Energie zu schaffen, die eine Umkehr und einen Neustart des eigenen Weges leistet.

Verurteilte und Inhaftierte Menschen sind allein oft nicht in der Lage, den Zweifel oder Hass auf sich selbst und andere zur "Ruhe kommen zu lassen", wie Buddha sagen würde. Sonst kann es keine Dankbarkeit und kein Mitgefühl für andere geben, also für Verwandte und Freunde. Und auch für sich selbst. Aber wem schaden der eigene Hass und die eigene Undankbarkeit eines so getroffenen Menschen? Sich selbst! Wem den sonst. Weder ein aufgeblasener Heldenstatus noch die ich-zentrierte Verzweiflung überwinden das eigene Leiden. Denn "Kummer, Jammer, Gram und Verzweiflung" sind gerade zentrale Ursachen des Leidens, wie es in den Vier Edlen Wahrheiten überzeugend heißt.

Durch intensive und sehr konkrete Re-Aktivierung der eigenen Erlebnisse mit wichtigen Menschen in der Vergangenheit gelingt die Umwandlung von negativen gespeicherten Informationen und Gefühlen. Das ist ein konsequenter Weg in das eigene Innere, eine sehr wirksame Reise zu sich selbst. Diese Funktionen sind auch durch aktuelle Ergebnisse der Gehirnforschung nachgewiesen. Denn unser Gehirn ist "plastisch" und verändert sich durch eigene Initiative, durch geistiges und psychisches Handeln hier und jetzt, wie es im Zen heißt.


Bei der Methode von Naikan stehen drei Frage und deren Bearbeitung im Mittelpunkt:

Was hat der bestimmte Mensch für mich getan?

Was habe ich für diesen Menschen getan?

Womit habe ich ihm oder ihr Schwierigkeiten bereitet?

Daraus entwickelt sich Offenheit. Alte Krusten und dogmatisierte Abwehr-Mechanismen brechen auf und ein neuer Weg kann begangen werden. Oder einfacher gesagt: Die eigenen geistigen und psychischen Gifte werden entsorgt. Das ist Leerheit von Gier, Hass und Verblendung. Die Reise in neue Lebenswelten geht los! Mein Lehrer Nishijima Roshi hatte diese Reise gemacht. Er war der dankbarste und glücklichste Mensch, den ich kenne.

Dann brechen sogar im Knast Glückgefühle auf: "So viel Glück auf einmal! Mehr kann ich nicht aushalten." Sagt jemand, der wegen schwerer Verbrechen verurteilt wurde. Hättest du das gedacht?

Kritiksucht ist eines Fünf Hemmnisse auf dem Weg der Befreiung. Dankbarkeit überwindet solches Leiden: Genau hier und jetzt! Im Gefängnis und im normalen Leben.



[1] Buddhismus Aktuell, 1/2021, S. 50 - 57

Samstag, 20. Februar 2021

Was passiert nach der wahren Erleuchtung?

Nach der wahren Erleuchtung befreit man sich von Illusionen, engen Doktrinen und falschen Lehrern. Die Abhängigkeiten von Worten weicht dem vollen direkten Leben. Das volle Leben gewinnt also. Aber wie? 

Ein großer Zen-Meister beschrieb einmal einen Menschen, der sich über die Vorstellung von Buddha hinaus entwickelt hat, zur wahren Freiheit:

„Es ist ein großer Mensch, der keinen illusionären Samen der Buddha-Natur hat. Wenn er den (unwahren) „Buddha“ trifft, tötet er einen solchen Buddha. Wenn er nur die illusionären Worte „Vorfahren im Dharma“ trifft, tötet er solche „Vorfahren im Dharma“. Der Himmel kann ihn nicht annehmen und auch die Hölle hat kein Tor, um ihn einzulassen. Mönche (!) kennt ihr einen solchen Menschen oder nicht?“

Nach dieser Frage entstand eine Pause bei den Zuhörern, keiner wusste zu antworten und der Meister fügte hinzu:

„Der Mensch, der vor euch steht, ist nicht besonders klug. Er schläft viel und redet eine Menge im Schlaf.“

Zweifellos: Dieser Meister ist ein natürlicher einfacher Mensch, aber war voll erwacht! Warum? Worte, Begriffe, Illusionen und Dogmen sind zur Ruhe gekommen. Denn die Buddha-Natur ist die wahre Natur und keine gelernte Vorstellung. Und Illusionen werden häufig durch Dogmen erzeugt. Sie können nicht mehr stören und keine Extreme oder Übertreibungen erzeugen. Dogmen und Extreme sind unwahr, denn es geht um den freien Weg der Mitte. Dogmen verhärten die Bedeutungen der Worte und Gedanken, sie spalten und erzeugen Hass und Verachtung in den menschlichen Gruppen. Und Hass führt bei allen betroffenen Menschen zum Leiden: Bei denen, die hassen, und denen, die gehasst werden! Hass ist kein Heldentum sondern das Gegenteil.

Was bedeutet ein solcher fast brutaler Zen-Spruch nun wirklich? Ist damit gemeint, dass man den wahren lebenden Buddha töten muss, um frei zu werden und sich weiterzuentwickeln? Das kann wohl nicht sein.

Dōgen erläutert, dass sich ein solcher Mensch aus der einseitigen Abhängigkeit von seinen eigenen sechs Sinnen befreit hat. Eine solche Abhängigkeit wäre Materialismus. Seine Augen zeigen uns, dass er nicht von Gier, Leidenschaften, Hass Narzissmus und ungesteuerten Emotionen abhängig und getrieben wird.

Er hat die illusionären Bilder und Vorstellungen einer äußerlich goldenen Buddha-Figur hinter sich gelassen, denn diese sind letztlich nur Bilder und nicht die Wirklichkeit des buddhistischen Lebens. Genauso hat er die negativen Sichten eines „Schlamm-Buddha“ verlassen. Sein Buddha ist einfach aus Holz geschnitzt, wie dies früher häufig in China anzutreffen war. Und dieser Holzbuddha eröffnet den wahren Buddha. Seinen Geist hat er in der buddhistischen Praxis viele Jahre lang geschult und geklärt, so dass er einem „alten zerbrochenen Holzlöffel“ gleicht, der viele Jahre lang benutzt wurde.

Wenn es die Hölle gäbe, würde er dort gar keine Aufnahme finden, weil er nicht hineinpasst. Er wäre zum Beispiel als Höllenwächter völlig ungeeignet. Er passt auch nicht in einen illusionären Himmel von Heiligen und Helden

Ein solcher Mensch muss nicht besonders intelligent sein und hat vielleicht kein großartiges komplexes Wissen aufzuweisen. So steht er einfach da, lächelt und lebt sein natürliches Leben mit den anderen. Und jeder sieht: Er ist ein befreiter zufriedener Mensch.

Aber er hat ein umfassendes, tiefes Verständnis der Berge und der ganzen Erde; sie sind ihm vertraut und ans Herz gewachsen. Er ist nicht mehr einsam in den menschlichen Gruppen und leidet nicht unter Frustrationen. Damit werden nach Meister Dōgen die täuschenden und nur idealistischen aber auch die verflachten materiellen Bereiche des Lebens überschritten.

Weiterlesen: Nach der Erleuchtung

Freitag, 29. Januar 2021

Bogenschießen in der Corona-Krise. Eine Zen-Praxis für dich?

Kurt Österle: ZEN im Weg des Bogenschießens


Der bekannte Zen-Meister und Lehrer des Bogenschießens spricht aus seiner tiefen eigenen Erfahrung, dass wir so die Kraft, aus der wir leben, entwickeln und zur Blüte bringen. Ist Bogenschießen eine wahre Kraftquelle? Ja, sie ist. Wie ereignet sich Zen-Bogenschießen? Es schießt! Unser Stress, Grübeln, unsere Sorgen und unser Pessimismus kommen zur Ruhe und verschwinden. Nichts als schießen. Dass macht frei. Und auch dieses Jahr kommt der Frühling.

Zen-Handeln gibt Ruhe, Gleichgewicht, neue Spiritualität und die klare Kraft des Augenblicks. Eine wunderbare Kraft, die beim ruhigen Ausziehen gesammelt, gespeichert, fort gelassen wird und dich dann auf dem Punkt entspannt. Dann steht dein Körper ruhig da, bevor Bewegung neu zu dir kommt. Das ist der Zen-Augenblick in reiner Form mit seiner ruhigen Power. Dann kann unerwartet Erleuchtung und Erwachen entstehen. Das kleine quälende Ich löst sich auf. "Es hat geschossen!" Wie Herrigel in seinem berühmten Buch "Zen in der Kunst des Bogenschießens" sagt. Das war nämlich sein ganz neues Erleben, damals in Japan. Das war mehr als sein bisheriger Beruf des Denkens und der Philosophie: Klares einfaches Leben mit tiefer Freude. Und das Denken löst sich heraus aus unnötiger Intellektualität und wird lebendiger: Nichts als schießen!

 Im Buch vom Meister Österle heißt es:

" Zen-Meditation trifft Bogenschießen. Zielsicher das eigene Selbst erfahren. Das Geheimnis der Lebenskunst besteht nicht darin, besser zu treffen - sprich etwas zu erreichen - sondern leichter loszulassen"

Dieses ausgezeichnete und informative Buch möchte ich ausdrücklich empfehlen.

Daher mein Tipp: Nutzt die Zeit der jetzigen Pandemie, um Bogenschießen vorzubereiten und anzufangen. Das gibt einen neuen Schub in deinem Leben. Jetzt, im Lock Down, kann man sich sehr gut vorbereiten: ein Buch wie dieses zu besorgen oder im Internet spannende Videos zum Bogenschießen zu finden. Zu Hause kann man schon gute Übungen anfangen, für Muskeln, Faszien Gleichgewicht und Lebensfreude.

Was ist das Besondere bei Meister KyuSei, den ich gut kenne und bei dem ich selbst mit dem Bogenschießen begonnen habe? Er hat einen Zen-Weg für uns im Westen entwickelt, der mit dem gebräuchlichen West-Bogen direkt und ohne Umwege erlernt werden kann. Dieser Weg ist besonders wirkungsvoll in Wechselwirkung mit dem Zen-Buddhismus. Denn Zen ist schnörkelloses direktes Handeln und unabhängig von Ideologien, Dogmen, Vorurteilen und Glaubens-Festlegungen. Zen wirkt direkt mit dem ganzen Menschen zusammen.

Das Geheimnis des guten Lebens findest Du nicht zuletzt in deinem Körper und nicht einseitig über Intelligenz. Denn hast Du schon einmal beobachtet, dass besonders intelligente Menschen die glücklichsten und beliebtesten in unserer Gesellschaft sind. Ich nicht.

Nach meiner festen Überzeugung trainiert das Bogenschießen in besonderer Weise unser Faszien-System. Dieses wird in der modernen Zivilisation viel zu sehr vernachlässigt und zwar besonders beim Sitzen am Computer und Smartphone. Im Spitzensport ist das Training der Faszien übrigens fester Bestandteil für die bestmögliche Performance. 

Dicke Muskeln sind zu wenig für Spitzenleistungen. Die Faszien sind von zentraler Bedeutung für unseren ganzen Körper und das gute Leben. Sie gliedern sich in ein elastisches federndes Gesamt-System, die Lymphe und das größten internen Informations-System des Menschen. Die Faszien wurden im Westen viel zu lange vernachlässigt und sind äußerst wichtig für alle Lebensprozesse!

Beim Bogenschießen wirst du Augenblicke tiefer innerer Freude erleben. Das kann ich aus eigener gesicherter Erfahrung sagen. Und wenn die Restriktionen der Pandemie vorbei sind, macht es besondere Freude, in einer Gruppe und in guter Luft gemeinsam zu schießen.

Auf gehts!

Link: Zen und Bogen

Link zur Kritik an der westlichen Philosophie