Sonntag, 24. Oktober 2021

Unser Handeln oder: Die Buddhas sind in der Flamme

 




Dōgen untersucht ein erstaunliches  Koān-Gespräch: Der große Meister Seppō sagte:

„Die Buddhas der drei Zeiten sind in der Flamme und drehen das große Dharma-Rad“.

Sein Schüler Meister Gensa nickte zustimmend und fügte hinzu:

„Die Flamme lehrt die Dharma-Wahrheit für die Buddhas der drei Zeiten. Und die Buddhas der drei Zeiten stehen auf dem festen Grund und hören den Dharma.“

Was haben diese verblüffenden Aussagen des Koâns mit der Dharma-Lehre und dem wahren, reinen Handeln zu tun? Was ist überhaupt damit gemeint, dass die Buddhas in der Flamme sind?

Ist es ist nicht respektlos, Buddha mit einer Flamme zu vergleichen und sogar zu behaupten, dass die Buddhas der Flamme zuhören? Warum wird die Flamme als Gleichnis für den Dharma und damit für die Wirklichkeit und Wahrheit des Handelns verwendet? Und diese beiden großen buddhistischen Meister lebten in der Blütezeit des Buddhismus in China. Sie redeten sicher keinen Blödsinn und waren keine Anfänger.

Einige Erläuterungen dazu: Die Flamme und Buddha sind nicht zu trennen. Im dauernden Veränderungsprozess verwirklicht sich der Dharma oder, wie es im Buddhismus häufig heißt, dreht sich das Dharma-Rad. Es hat also überhaupt keinen Sinn, etwas festhalten zu wollen und es als dauerhaftes Ding, statische Sache oder ewige Pseudo-Substanz zu verstehen. Das Leben oder das Dharma-Rad drehen sich wie das Handeln des Alltags bei normalen und erwachten Menschen. Wer die Wirklichkeit leugnet und in die Flammen greift, wird sofort schmerzlich lernen, dass Ideologien und Flammen nicht das selbe sind. Ähnlich geht es den Nihilisten, die meinen, es gibt überhaupt keine Flammen.

Bei Meister Gensa stehen die Buddhas auf der Erde und hören die große Dharma Lehre. Sie hören achtungsvoll zu und tun dies ohne Ablenkung und Eigennutz. Sie geben in Klarheit und Reinheit das große Gesetz der Welt wieder. Dadurch befreien sich die Menschen zur Wirklichkeit und Wahrheit. Denkt dran: Buddhas treffende Beschreibung unserer Wirklichkeit ist: "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung". 

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Die richtige
Meditation ist für den Befreiungsprozess unerlässlich und wird nach Dōgen im Zazen verwirklicht.

Die Aussagen von Meister, Seppō und Gensa entwickeln sicher auch bei dir große Tiefenschärfe und spirituelle, poetische Kraft. Die Flammen sind zweifellos auch Symbol der Reinheit und der Wärme. Ich nenne das die Feuer-Meditation. Das heißt, dass wahres Handeln nicht von Ehrgeiz und Mutwillen angetrieben wird, sondern dass es auch um das Geschehen-Lassen geht, das sich ereignet. Das betont Dogen in aller Klarheit. Besonders in der heutigen Zeit sollten wir uns vor Hetze, Aktionismus und digitaler Verblödung schützen

Handeln und Flammen vertiefen

 

Sonntag, 17. Oktober 2021

Buddhismus und Gehirnforschung(1): Bewegung und Handeln macht dich glücklich

Der berühmte Gehirnforscher Prof. Spitzer schreibt seinem neuen kleinen Buch über Glück: " Positive emotionale Erlebnisse und Bewegung sind ganz eng miteinander verknüpft". Beides liegt im Gehirn nahe bei einander und ist daher besonders eng vernetzt. Deshalb ist Bewegung mit Freude und Glück verknüpft:

 "Wenn wir uns bewegen, und zwar mit Spaß bewegen und am besten in der Gemeinschaft bewegen, dann macht uns das glücklich. Immer wieder, immer wieder." Das klingt doch wirklich einfach. Also beides machen: Bewegung und Meditation.

Es ist kein Geheimnis, dass wir uns in der modernen Zivilisation viel zu wenig bewegen. Das führt nicht nur zu Übergewicht und Problemen mit der Gesundheit sondern auch zu schlechter Stimmung und negativem Lebensgefühl. Wir sind dann häufiger schlecht drauf und reagieren negativ, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es erwarten. Wir ärgern uns dann häufiger und das ist eines der drei buddhistischen Gifte! Das können wir aber selbst aktiv ändern.

Buddha spricht vom "gemeinsamem Entstehen in Wechselwirkung", also vernetzt mit anderen etwas machen und sich körperlich bewegen. Das ist ein fundamental wichtiger Schlüssel zu einem gelungenen Leben und im Zen gut entwickelt. Tai Chi und Qigong sind natürlich besonders wirkungsvoll: Glück durch Bewegung. Aber beim japanischen Bogenschießen kannst du zum Beispiel wirklich Glückswellen erleben, die oft tagelang anhalten und dich tiefergreifend verändern.

Wusstest Du, dass Buddha immer von einem Ort zum anderen wanderte, um zu lehren und die Menschen therapeutisch zu unterstützen? Er hat also Bewegung, Meditation und Bodhisattva-Handeln optimal verbunden. Und der große Meister Nagarjuna hat in seinem fulminanten Werk zum Mittleren Weg und zur Leerheit das zweite Grundlagen-Kapitel dem Gehen und der Bewegung gewidmet. Das wird aus meiner Sicht bisher viel zu wenig beachtet!

Wir sollten uns mehrmals im Monat richtig und ausgiebig bewegen, am besten zusammen mit anderen und in der Natur.

Sport ist natürlich besonders gut. Aber nicht unbedingt mit Leistungs-Ehrgeiz, sondern wegen des gemeinsamen Glücks! Dann wirst du nicht durch Einsamkeit krank.

Freitag, 8. Oktober 2021

Das hohe natürliche Leben der Erwachten: Auch für Dich

 

Mein Lehrer Nishijima Roshi fasste das Wichtigste dieses großartigen Kapitels des Zen-Meisters Dôgen in unserem Gespräch so zusammen: „Nachdem wir die Wahrheit erlangt haben, wird unser Leben und Handeln insgesamt besser. Die Anstrengung der buddhistischen Praxis muss weitergehen, und alles in unserem Leben bewegt sich.“[i]

Bei der Erleuchtung und beim Erwachen handelt es sich ja nicht um einen statischen Zustand. Ein Buddha oder Erwachter setzt seine buddhistische Praxis selbstverständlich fort. Dôgen erklärt, dass er dabei die Klarheit hat, dass dies der natürliche Zustand und er damit Buddha ist. Nach dem Erlangen der Wahrheit leben Erwachte weiter ihr Leben wie bisher, und ein Außenstehender erkennt kaum den tiefgreifenden Unterschied gegenüber früher.

Solche erwachten Menschen fallen niemals durch heiliges Getue oder die Selbstdarstellung mit ihrer Erleuchtung auf. Sie sind bescheiden, liebevoll auf andere Menschen bezogen und leben vollständig im Augenblick und in der Realität dieser Welt. Sie haben ein umfassendes Mitgefühl, können sich mit anderen aufrichtig freuen und leben in Gleichmut.[ii] Für mich war Nishijima Roshi genau ein solcher Mensch.

Das Leben nach dem Erwachen ist also kein grundsätzlich anderes Leben und Handeln. Es gibt keinen fundamentalen „Urknall“, welcher der Beginn eines paradiesischen Lebens ist, das dann bis zum Tode ohne weitere Anstrengung und Praxis anhalten und vielleicht sogar darüber hinausgehen würde.

Nishijima Roshi formuliert dies in Zen-buddhistischer Weise recht drastisch: „Die gewöhnlichen Menschen erfreuen sich daran, lieber Bilder oder Idole (in die Welt) zu setzen, die sie verehren können, als mit ihrer eigenen Praxis voranzukommen, die manchmal zu langweilig und durchschnittlich erscheinen mag.“ Und über ein hilfreiches Kôan, das mit derartigen romantischen Illusionen aufräumt, sagt er: „Diese Kôan-Geschichte ist ein Eimer frischen kalten Wassers für jene, die von einer romantischen Sicht des Zen berauscht sind.“ Damit ist treffend auch der Inhalt dieses zentralen Kapitel des Shôbôgenzô zum Thema Leben nach dem Erwachen beschrieben.

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[i] Gespräch am 24. August 2010 in Tokyo

[ii] vgl. z. B. Kolk, Sylvia (Hrsg.): Meditationstexte des Pali-Buddhismus III

Freitag, 24. September 2021

Deine wirklichen Stimmen des Tales und deine wirkliche Form der Berge

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Wie können wir in der Natur zur nachhaltigen Freiheit und zum eigenen Glück kommen? Antwort: Die höchste Lebensphilosophie des Erwachens im Buddha-Dharma eröffnet den Weg. Das ergibt eine ganz neue Dimension und ungeahnte Tiefenschärfe für das Verständnis und Erleben der Schönheit und Kraft der Natur. Erst dann ist die Natur wirklich die Natur. Dann sind die Berge wirkliche Berge und die Flüsse wirkliche Flüsse, wie Dôgen sagt. Die Natur ist das umfassende Ganze und voller wunderbarer Einzelheiten. Wer in der Natur erwacht, fällt nicht zurück, wie es im Zen heißt.

Wir sind nicht von der Natur getrennt, sondern immer in lebendiger Wechselwirkung mit ihr. Nagarjuna sagt zum Weg der Mitte über die Natur: Die Wirklichkeit ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Darum dürfen wir die Natur nicht missbrauchen, denn dann missbrauchen wir uns selbst. wenn wir von der Natur getrennt sind, gibt es keine Wirklichkeit, sondern nur Spekulationen, schwankende Meinungen und Verblendungen.

Die in den Tälern fließenden Bäche und Flüsse werden von Dôgen als die Zungen Buddhas bezeichnet, die unaufhaltsam den wahren Dharma lehren. Denn die Flüsse und Bäche stehen niemals still. Die Form der Berge gleicht dem Körper Buddhas, der vor allem durch Reinheit und Frieden gekennzeichnet ist. Man könnte die Natur von Wasser, Erde, Feuer und Luft nur aus der materiellen Sicht und nach der äußeren Form verstehen und beschreiben. Aber das ist nur die ärmliche Dimension des Materialismus und diese ist einseitig und beschränkt. Wer die Natur nur ausbeuten will, beutet langfristig sich selbst aus. Ob er das nun weiß oder nicht. Die Wirklichkeit der Natur ist mehr als Meinungen, Gerede und Verdächtigungen. Wenn man ihre Vernetzung und ihre Gleichgewichte zerstört, wird man selbst von ihr in Wechselwirkung zerstört. Der Glaube an den Dualismus des Ich als großartiges Subjekt und der Natur als abhängiges Objekt ist ein verhängnisvoller Irrtum.

Dôgen macht deutlich, dass eine solche materialistische Sichtweise nicht die Wahrheit der buddhistischen Lehre treffen kann und nur eine ärmliche Teilwahrheit ist und bleibt. Die wirklich verstandene und erlebte  Natur geht weit über ihre stoffliche und materielle Dimension hinaus. Sie ist eine wunderbare Komposition der Wirklichkeit und kann den Menschen in seinem tiefsten Innern erfassen, aufschließen und beglücken. Ich kenne keinen Menschen, der sich nicht von der Schönheit der Natur anrühren lässt. Meine eigenen  Naturerlebnisse in der Sahara, in den Hoch-Alpen und im Sturm der Biskaya haben mich nachhaltig geprägt. Seitdem bin ich als normaler und abhängiger Konsument nicht mehr tauglich. So aktiv verstehe ich das Speicher-Wissen nach Vasubandhu im Yogacara. Es müssen nicht immer extreme Landschaften sein: Unsere Naturerlebnisse sind zu allen Jahreszeiten und an allen Orten lebenswichtig. Wir leiden, wenn die Schönheit und Klarheit der Natur durch materielle Gier zerstört wird.

Im alten China und Japan war die Verbundenheit oder, besser gesagt, die lebende Einheit mit der Natur fundamental für das Leben der Menschen. Es war unauflösbar mit den empfindenden Wesen, also den Tieren, und den nicht empfindenden Lebewesen wie Kiefern, Bambus oder Chrysanthemen und den vielen Pflanzen verschmolzen. Daher war der Bambus in seiner Direktheit und Natur heilig. Dies alles wird im Buddha-Dharma als Harmonie und natürliches Gesetz des Universums erlebt, erfahren und verstanden.

Dôgen zitiert eine berühmte Zen-Geschichte:

„Ein Mönch fragte Zen-Meister Chosa[i]: ‚Wie können wir die Berge, Flüsse und die Erde dazu bringen, dass sie zu uns gehören?‘

Der Meister sagte: ‚Wie können wir uns selbst dazu bringen, dass wir zu den Bergen, Flüssen und der Erde gehören?‘“

Die Frage des Mönchs geht von seinem abgegrenzten Ego aus und versteht das Erwachen fälschlich so, dass man sich die Berge, Flüsse und die Erde aneignet. Dann würden sie uns wie Objekte gehören. Wir wollen dann die Natur besitzen, beherrschen oder ausbeuten. Wir wollen sie uns gewissermaßen einverleiben. Aber das ist keine lebendige Wechselwirkung. Der Meister dreht diese Aussage um. Denn die Natur kann heilsam auf uns einwirken. Er sagt, dass wir uns selbst verändern müssen, wenn wir auf dem Buddha-Weg die notwendigen Lernprozesse verwirklichen . Dann erfahren wir die lebendige unzerstörbare Einheit mit den Bergen, Flüssen und der Erde.

Schließlich fasst Dôgen zusammen: Wer in der Natur das große Erwachen erfährt, fällt nicht zurück. Warum? Die Natur lügt nicht, macht uns nichts vor, gibt nicht an, will nichts von uns, macht keine leeren Versprechen und verkündet keine aufgeblasen Pseudo-Wahrheiten und sie ist leer von verführerischen  Ideologien und erstarrten Dogmen. Die Natur kann uns genau von diesen unheilsamen Verirrungen und Extremen heilen. Sie ist wie sie ist und sie wirkt wie sie wirkt!

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[i]          Meister Chosa Keishin starb 868 und war Dharma-Nachfolger von Meister Nansen.

Montag, 13. September 2021

Empathie, Befreiung und Leerheit sind im Buddhismus keine Gegensätze

 

Die wahre Wirklichkeit ist nach Buddha leer von den drei Giften Gier, Hass und Verblendung. Was ist nun Verblendung? Antwort: Vor Allem der falsche Glaube, dass es im Menschen und den Phänomenen einen ewigen und unveränderlichen Substanz-Kern gibt. Aber das ist der falsche Glaube an eine Pseudo-Substanz, die es gar nicht gibt. Es würde nämlich bedeuten, dass gerade unser Leiden, also ein Phänomen, und unsere anderen Probleme unveränderlich und substanzhaft seien und wir sie niemals überwinden könnten. Das wäre wirklich eine schlimme und finstere Welt, in der wir leben müssten. Aber zum Glück ist unsere Wirklichkeit anders beschaffen. Buddha erkannte das in aller Klarheit und fasste es in den Vier Edlen Wahrheiten zur Überwindung von Leiden und Schmerzen zusammen. Den Achtfachen Pfad beschreibt er dabei präzis als praktische Realisierung.

Dadurch können wir Plagen und Leiden überwinden und uns in Freiheit und Glück entfalten. Denn wie gesagt: Leiden kann von uns überwunden werden, weil es keine unveränderliche Pseudo-Substanz ist. Die Kernlehre des Buddhismus ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Und Entstehen ist ja das Gegenteil von ewiger Unveränderlichkeit. Wir haben wirklich Grund zum Optimismus, weil wir geistig und psychisch wachsen können. Wir können uns nachhaltig zum Besseren transformieren!

Leerheit ist also die Leerheit von der Verblendung, dass Menschen und Phänomene im Kern auf ewig unveränderlich und statisch sind. Im Gegenteil, wir haben die Freiheit zu handeln, unser Leiden zu überwinden und uns zu verändern.

Aber leider wird diese buddhistische Leerheit häufig falsch oder ungenau interpretiert. Besonders im Westen gibt es abenteuerliche und sehr pessimistische Vorstellungen, was Buddha und der große Meister Nagarjuna wirklich unter Leerheit verstanden haben.

Um es kurz zu sagen: Durch die Leerheit von Verblendungen, falschen Ideologien, Täuschungen und unbewussten Dogmen gewinnen wir Klarheit der Wirklichkeit von uns selbst und der Welt. Denn wir sind von Natur aus nicht statisch, sondern können uns wirklich und tiefgreifend umwandeln. Wir sind ständig in Wechselwirkung mit anderen Menschen und wir sind vernetzt mit der sich verändernden Umwelt. Ein sehr wichtiger Schritt zur Gewinnung von Klarheit ist also die tiefe Erkenntnis, dass die Wirklichkeit der Welt, der Natur und von uns selbst durch das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung gekennzeichnet ist, wie Buddha formuliert. Und diese Wechselwirkung können wir aktiv gestalten und zum Heilsamen verändern. Dadurch werden außerdem die falschen Extreme auf dem Mittleren Weg vermieden. Das sind die zentralen und tiefen Weisheiten des Buddhismus.

Was ist nun das Gegenteil der lebendigen verändernden Wechselwirkung? Wann und wodurch wird die vernetzte und lebende Veränderung also verhindert und zunichte gemacht? Antwort: Durch die Ideologie und Verblendung dass alles Wesentliche unveränderlich sei und einen konstanten Wesens-Kerne habe. Danach müssten die Menschen, Dinge und Phänomene also einen unveränderlichen und isolierten Substanz-Kern haben. Solche Ideologien leugnen aber die Vernetzung der Natur. Denn diese Veränderlichkeit und Vernetzung können wir überall in Natur und Ökologie direkt sehen und erfahren. Die falschen Ideologien behaupten im Übrigen, dass die angeblichen Substanz-Kerne ganz unsichtbar sind. Das ist aber eine pure Behauptung, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Mir scheint das fast wie Taschenspieler-Trick.

Durch die moderne verlässliche Forschung wissen wir, dass unserer Ökosysteme lebendig vernetzt und in Wechselwirkung sind. Wir haben leider durch die Verleugnung der Vernetzung und bisherige Ignoranz viele schwere Öko-Probleme zu beklagen und zu befürchten. Dazu gehören die Katastrophen von Überschwemmungen, Feuersbrünsten, Hitzewellen, Dürreperioden usw.. Hauptgrund ist die die falsche Ideologie der Unveränderlichkeit, fehlender Vernetzung und Isolierten Trennung der Phänomene. Wir sind gerade dabei, durch diese täuschenden Verblendungen unseren ganzen Planeten zu zerstören oder schwer zu schädigen. Die wirkliche Öko-Vernetzung wurde also bisher in der Industrie-Gesellschaft wissentlich oder unwissentlich verleugnet.

Aus der Gehirnforschung wissen wir außerdem, dass Veränderungen und Wechselwirkung maßgeblich für die Funktionen unseres Denkens, unserer Gefühle und unseres Willens sind. Die Wissenschaft bezeichnet das als Plastizität und Modularität des neuronalen Netzes. Das heißt vereinfacht: Unser Gehirn verändert sich dauernd und arbeitet mit Modulen und deren Wechselwirkungen. Die Ideologie der Statik, Starrheit und fehlenden Vernetzung ist überholt aber für uns sehr gefährlich! Es ist erstaunlich, dass der geniale Buddhas diese tiefe Wahrheit schon vor 2.500 erkannte und gegen dogmatische Erstarrungen durchgesetzt hat.
Beim Menschen ist die wechselseitige Empathie für ein heilsames Leben von größter Wichtigkeit. Das wird jedem einleuchten. Dann sind gute befriedigende Zusammenarbeit und gegenseitiges Helfen möglich. Denn der Mensch ist das sozialste Lebewesen, das wir kennen. Soziales wechselseitiges Lernen ist die Grundlage eines erfüllten Lebens. Einsamkeit und soziale Isolation sind dagegen schwere Krankheiten, vermutlich die wichtigste Todes-Ursache in der modernen Welt.

Die Leerheit von solchen Verblendungen und Ideologien der Isolation, Pseudo-Substanz und unterdrückten Vernetzung ist also wichtige Voraussetzung für ein glückliches Leben! Wir leben nicht isoliert und sind nicht in starre Teile getrennt. Das Gegenteil ist richtig. Wir können uns aktiv befreien und ein kreatives gemeinsames Leben mit Freude und Glück verwirklichen.

 Vertiefung zur Empathie

Sonntag, 12. September 2021

Dein Geist hier und jetzt ist Buddha


Das verblüfft dich vielleicht. Aber die künstliche Trennung des eigenen Geistes von der Natur ist nicht die Wahrheit des Lebens. Diese unnatürliche Isolation verursacht viel Leiden, daher rät Buddha die Trennung aufzuheben und ganzheitlich zu denken und zu handeln. Denn das Innen und Außen des Menschen sind nicht isoliert, sondern immer in lebender Einheit und Wechselwirkung. Diese Wirklichkeit können wir zudem so gestalten, dass wir ein erfülltes und gutes Leben führen. Im Zen heißt es bei Dogen:

„Was ist der feine, leuchtende und reine Buddha-Geist? Er ist Berge, Flüsse und die Erde, die Sonne, der Mond und die Sterne.“

Zu diesem Ganzen gehört auch die gute Verbindung von Geist und Praxis:

„Wenn wir den Geist erwecken und die Praxis-und-Erfahrung auch nur in einem ganz kurzen Augenblick verwirklichen, ist dieser Geist hier und jetzt Buddha.“ 

Gautama Buddhas Lehre der Wirklichkeit im Augenblick führt gerade heute aus dem fatalen Kreislauf des Leidens hinaus. Der Augenblick ist wie ein "Sprungbrett" zum wahren Leben. Es öffnet uns die Wirklichkeit für ein heilsames Leben.

Den befreiten Buddha-Geist können wir nicht allein durch theoretisches Denken erfassen und schon gar nicht verwirklichen, vor Allem nicht durch ein aufgeblasenes Ego und durch nazistische Überheblichkeit. Und die lebendige Verbindung mit der Natur wird in unserer technisierten Welt immer wichtiger. Gerade heute heißt es: "Zurück zu Natur!" Eine gesunde Natur ist also unbedingt wichtig für ein erfülltes Leben.

Dabei führt uns das Streben nach der Wahrheit wie mit einem Kompass auf den richtigen Weg. Dieser Geist hier und jetzt ist viel mehr als das intellektuelle Denken, denn er umfasst nach Dogen auch die Wirklichkeit des Bambus, der Berge, Flüsse, der Erde, der Sonne, des Mondes und der Sterne. Das sind gerade Dinge und Phänomene, die wir meist nur als äußere Form und aus materialistischer Sicht betrachten und verstehen. Aber das ist zu wenig.

Der Buddhismus lehrt ganz klar, dass wir lernen sollten, unseren dualen trennenden Geist zu erkennen, zu durchschauen und diese Trennung nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Das gelingt also besonders gut mit der Lehre Buddhas. Wie können wir das machen? Dogen sagt dazu:


Wenn wir den Willen (zur Wahrheit) niemals erweckt, das Praxis-Training niemals durchlaufen, den Bodhi-Geist niemals (verwirklicht) und Nirvana niemals (erfahren) haben, dann gibt es keinen Wahrheit von ´Geist hier und jetzt ist Buddha´“.


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Samstag, 28. August 2021

Erleuchtung: Die Pflaumenblüten sind die Buddha-Augen

 

Meister Dôgen liebte die Pflaumenblüten außerordentlich. In diesem Kapitel geht es um deine Wirklichkeit, Erleuchtung, um Schönheit und die tiefe Wahrheit der Natur und des Buddhismus. Weil Du nicht von ihnen getrennt bis, sind es auch deine Buddha-Augen. Und diese Augen sehen viel mehr, als die "normalen" Augen. Die reine Natur ist also unauflösbar mit deiner Klarheit, Freude und Erleuchtung verbunden. Dôgen untersucht hier und dichtet die große lebendige Einheit der tiefen und praktischen Lehre Buddhas und der direkten Kraft von dir selbst. Das ist die Erfahrung des umfassenden Lebens im Hier und Jetzt. Es passt kein noch so dünnes Blatt Papier zwischen Buddha, Natur und Selbst, wenn du die Täuschungen los bist. Es gibt dann keine Verzerrung des Selbst durch Ego-Stolz, keine Verhärtungen des lebendigen Entstehen in Wechselwirkung und keine buddhistischen Gifte. Es geht um die ersten Blüten des Pflaumenbaumes, wenn es noch kalt ist und die kühlen Winde des Winters noch wehen. Die weißen Schneeflocken wirbeln am Kloster in den Bergen, weiß wie die Pflaumen-Blüten. Diese Blüten können erblühen jeden Tag neu, auch für dich.

Dogen zitiert seinen eigenen Meister Tendô Nyojô mit diesem Gedicht, der auch ein großer Freund der Pflaumenblüten war:

„Tendôs erste Worte in der Mitte des Winters.
Der knorrige alte Pflaumenbaum.
Plötzlich treibt er Knospen – eine Blüte, zwei Blüten,
Drei Blüten, vier, fünf Blüten – unzählige Blüten.
Sie können sich ihrer Reinheit nicht rühmen,
Und nicht stolz sein auf ihren Duft.
Sie erschaffen das Gesicht des Frühlings,
Und weben duftend durch die Gräser und Bäume.“

Der Pflaumenbaum ist wie das wirkliche Leben des Menschen. Es gibt schwarze alte und knorrige Äste, auch mit Dornen. Und es gibt grüne junge Zweige mit runden Knospen und strahlend weißen Blüten. "Nur ein Zweig mit Pflaumen-Blüten".

Diese Blüten sind die Augen Buddhas, wie Dogen sagt. Sie haben keinen falschen Stolz und keine unterwürfige und falsche Bescheidenheit. Die weißen Blüten sind die Buddha-Weisheit, die von Indien nach China kam und dann in Japan mit Dogen ungeahntes Leben erschuf. Und diese Lehre verkümmert nicht auf beschriebenem Papier, sondern schafft die klare wunderbare Einheit mit den Menschen und den Blüten, genau hier und jetzt. Im Augenblick sind immer auch Vergangenheit und Zukunft verschmolzen. Eine Trennung vom jetzigen Augenblick ist in der Wirklichkeit unmöglich und überhaupt nicht nötig.

"Wahrheit der Pflaumenblüten im Hier, die ins Jetzt gekommen sind. Das Jetzt ist genau so wirklich und (Tendô) spricht von einem Ort, der beschwerlich und voller Dornen ist.“

Es gibt kein Leben, das wie der Winter und die kalten Winde ohne Beschwerden und Mühen ist. Aber die Blüten des Frühlings leuchten strahlend und tanzen in den milden Winden und Düften  des Frühlings. Genau wie in deinem Leben.

„Ein Neujahrsmorgen ist der Anfang des Glücks.

Die zehntausend Dinge sind alle neu und frisch.

Verehrte anwesende liebe Mönche.

Der Pflaumenbaum ist der erste Frühling.“


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Donnerstag, 19. August 2021

Die tiefen Weisheiten des Mittleren Weges


Diese tiefen Weisheiten können dein Leben zum Guten verändern.

Um das eigene Leben zum Guten und Heilsamen zu transformieren, braucht man eine zuverlässige Lebensphilosophie! Eine solche erprobte und auch heute zeitgemäße Grundlage ist der kraftvolle Weg der Mitte des indischen buddhistischen Meisters Nagarjuna. Auf diesem Weg entstehen für dich neue klare Kräfte, die dein Leben transformieren. Davon bin ich fest überzeugt, und zwar nach gründlichem Studium und eigener praktischer Erprobung.

Welche Fehler müssen wir heute bei einer zeitgemäßen Weltanschauung und neuen Lebensweise vermeiden? Wie können wir die ökologischen Probleme der Klima-Schäden und die Sinn-Entleerung unseres Lebens vermeiden? Warum plagen sich viele Menschen mit Vereinsamung, Leiden und Pessimismus herum? Wir brauchen eine Umkehr und bessere Ausrichtung unseres Lebens. Und was gibt es eigentlich für neue fundierten Erkenntnissen der Öko-Systeme und Gehirn-Forschung, die wir nutzen können? Diese sollten wir dann mit den tiefen und bewährten Weisheiten des Buddhismus verbinden! Das ist genau mein Anliegen.

Der Buddhismus hat eine Art Weltformel des Lebens und des Universums: Das gemeinsame Entstehen unserer Wirklichkeit in Vernetzung und Wechselwirkung.

Das klingt vielleicht einfach, hat es aber in sich. Es wurde bisher von der modernen Gesellschaft und westlichen Philosophie vernachlässigt oder vergessen. Aber die Wirklichkeit schlägt nun zurück, man kann sie auf die Dauer nicht täuschen. Als Zen-Meister sage ich dazu: Wir haben uns selbst "verarscht".

Alles Leben ist vernetzt und Wechselwirkung. Und wir können aktiv einwirken und mit gestalten. Das muss unsere Ausgangslage sein. Der Mensch ist das sozialste Lebewesen auf diesem wunderbaren Planeten. Er ist keine egoistische Maschine der Selbst-Maximierung. "Der Starke ist der Schwächste allein" und muss vereinsamt sterben. Der Egoist, âtman, hat überhaupt keine echte Lebensfreude.

Extreme und Übertreibungen sind fast immer Lüge, sie putschen uns emotional hoch und enden im Chaos und Niedergang. Böse Beispiele sind die Dogmen der Nazis und religiöse Extreme der Christen und Moslems. Daraus kommt nichts Gutes. Denn aus der Mitte kommt die wahre Kraft unseres Lebens und so können wir unsere Gesellschaft sinnvoll gestalten.

Ein aufgeblasenes und dogmatisiertes Ego oder ein immer nörgelndes und jammerndes Mini-Ich erzeugen überflüssiges Leiden:  für sich selbst und für andere. Also weg damit. Aber zeitlich gut gestaffelt, als Verlernprozess gestaltet und vor allem als Start zum neuen Lernprozess. Die Gehirnforschung weiß: Unser Glücks-Zentrum ist gleichzeitig unser Lern-Zentrum. Hättest Du das gedacht?

Zur eigenen Transformation braucht man einen längeren Atem und muss dran bleiben. Man braucht den klaren Entschluss zu eine neuen Lebensrichtung. Garantiert: Es lohnt sich, anfangen ist das Wichtigste.

Geben ist besser als Nehmen. Denn ethisches Handeln und gutes Karma sind gutes Leben. Sie befreien uns jetzt und in Zukunft von doktrinärer Verblendung. Das hat übrigens die Gehirnforschung ganz klar nachgewiesen, es ist kein veralteter Spruch.

Glück, Erleuchtung und Nirvâna sind die wirklichen Freiheiten des Menschen, hier und jetzt. Also genau in diesem Leben. Umgekehrt schadet es uns massiv, wenn wir in illusionären Fantasien oder finsteren Zukunfts-Welten verlieren. Grübeln bringt nichts.

Wir können uns von den drei Lebens-Giften: Gier, Hass und Verblendung entleeren und befreien. Das ist die wahre Bedeutung der Leerheit, die oft missverstanden wird. Mein Lehrer Nishijima Roshi sagte: Der Buddhismus ist eine durch und durch optimistische Lebensweisheit und Lebenspraxis. Er setzte auf positive Veränderungen und Überwindung unseres Leidens. Wir sind überhaupt nicht total abhängig und können den Sinn unseres Lebens weitgehend selbst gestalten.

Weiter lesen: Die Sieben tiefen Weisheiten des Meisters Nagarjuna


Samstag, 14. August 2021

Das Lotos-Sutra im Zen: Die wunderbare Dharma-Wahrheit

Mein Lehrer, der große Zen-Meister Nishijima, sagt zur zentralen Bedeutung des Lotos-Sutra: "Wie wunderbar ist das Universum, in dem wir leben".

Diese Sutra ist eines der wichtigsten Schriften des Mahayana-Buddhismus und besonders in Ost-Asien sehr weit verbreitet. Es wird häufig mit der Bibel im Christentum verglichen und fasst die zentralen Lehren Buddhas zusammen.

Was ist die Kernaussage? Was ist das Verständnis des Buddhismus und die Sicht von Meister Dogen? Dieser nennt das für ihn außerordentlich wichtige Lotos-Sutra: "Die Dharma Blume der großen Wahrheit des Dharma dreht die Blume des Dharma der Welt." Schon dadurch wird klar, dass der Buddhismus nicht pessimistisch oder gar nihilistisch ist.

Das Zitat erscheint dir vielleicht als doppelte Aussage und als redundante Wiederholung. Es ist jedoch von großer spiritueller Tiefe, obgleich man das eventuell nicht gleich erkennt. Häufig wird das Lotos-Sutra allerdings wie ein buddhistisches Märchenbuch mit fantastischen idealistischen Lehren und Gleichnissen verstanden. Aber das ist nicht richtig. Es übersteigt bei weitem den schwärmerischen naiven Volks-Buddhismus mancher Gegenden.

Ich möchte es nach meinem Verständnis erklären und beziehe mich auf die Meister Dogen, Nagarjuna und Nishijima. Von zentraler Bedeutung sind Dogens Aussagen:

"Wenn der Geist in Täuschung ist, dreht sich die Blume des Dharma.

Wenn der Geist in Verwirklichung ist, drehen wir die Blume des Dharma"


Wenn man dabei das Sutra häufig nur zitieren würde, aber die wahre Bedeutung nicht versteht, kehrt es sich nach Dogen sogar gegen uns selbst. Es wird unser Feind und verhindert gerade unsere Befreiung und unser Erwachen. Dies wird vor Allem durch den Dualismus und andere unheilsamen Dogmen verursacht. Sie haben keine heilsamen Wirkungen und können das Leidens nicht überwinden.

In der ersten Zeile dreht die Dharmablume für sich, getrennt und ganz ohne uns. Wir sind dann isoliert von Buddhas Weisheit und dessen heilenden Praxis. Dann sind wir unfrei, vereinsamen und leiden vielfach in unserem Leben.

In der zweiten Zeile sind wir mit dem blühenden Dharma verbunden und in heilsamer Wechselwirkung, zum eigenen Besten. Damit verbindet Dogen seine Aussage mit Meister Nagarjuna, der den Dualismus, also den gespaltenen isolierten Geist, mit philosophischer Präzision kritisierte. Er sagt mit Buddha: Das zentrale Gesetz der lebendigen Welt ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Es ist Grundlage für unseren gesamten Heilungs- und Therapie-Prozess.

Denn wir selbst sind Teil dieser aktiven Wechselwirkung und gestalten und formen damit den wahren Sinn unseres Lebens. So sagt  Buddha vom befreiten Menschen: "Unabhängig lebt er und haftet an nichts in der Welt." Genau dann drehen wir die Blume des Dharma und handeln für andere. Das ist das Bodhisattva-Ideal des Buddhismus: Geben ist besser als nehmen. Das ist durch die moderne Gehirnforschung übrigens wissenschaftlich präzise bestätigt. Wer zuviel will und voller Gier nimmt, wird unglücklich und vereinsamt. Der Egoismus will immer mehr, als er hat, er macht unglücklich und macht uns gerade nicht glücklich.

In der Wechselwirkung erkennen wir die Natur, wie sie ist; das Handeln wie es ist und erkennen das wahre Selbst, wie es ist. So finden wir unsere Mitte und unser Gleichgewicht. Und das ist in der Tat in der heutigen gestressten von geistigen Extremen beschädigten Welt besonders wichtig. Das ist die beste Medizin für die jetzige Corona-Krise: Geben ist besser als nehmen. Dann vereinsamen wir nicht und haben echte Freude im Leben.

 Weiter lesen zum Lotos-Sutra

 

Montag, 9. August 2021

Die mystische Kraft ist deine Buddha-Wirklichkeit


Mein Zen-Lehrer Nishijima Roshi sagt ohne Umschweife zur mystischen Kraft im Buddhismus: "
Mystisch bedeutet nicht übernatürlich sondern wirklich". Meister Dogen war überzeugt, dass mystische Kräfte genau diese Fähigkeiten sind, die wir in unserem normalen Leben benutzen. Das verblüfft sicher, besonders wenn wir fantastische Träume und Illusionen davon haben, wie uns die übernatürlichen Kräfte helfen, unser Leben auf wunderbare Höhen zu heben. Aber das von Gier, Hass und Verblendung gereinigte Handeln ist gerade natürliches Handeln und Sein und gerade nicht übernatürlich. Also: Entdecke deine mystischen wirklichen Kräfte!

Dogen sagt hier also nichts mehr und nichts weniger, dass unser wahres Leben mystisch ist. Wir können diese Mystik mit unserem Geist also nicht vollständig erfassen. Oder wissenschaftlich und nüchtern ausgedrückt: Unser Leben ist von Natur aus unendlich komplex. Und weiter: Mit buddhistischem Handeln, Denken und Fühlen haben wir einen klaren heilsamen Kompass in der Hand, um einen guten Weg in dieser Komplexität zu finden und zu gehen. Schritt für Schritt, mit immer größer werdende Klarheit und wachsender Lebensfreude. Das kann ich bestätigen, seitdem ich regelmäßig praktiziere, zum Beispiel Zen-Meditation.

Wir haben heute endlich in der Öko-Systemforschung und in den Neuro-Wissenschaften erkannt, dass hauptsächlich zwei typische Realitäten in unserem Leben wirksam sind: Erstens Modularität und zweitens lernfähige Plastizität. Wir können dabei nicht vollständig durchschauen, wie die Natur funktioniert, sie ist letztlich mystisch. Die Ausbeutung unserer Umwelt und die Klima-Katastrophen haben vor Allem ihre Ursache darin, dass wir diese Wahrheiten der Vernetzung nicht erkannt oder sie vergessen habe. Wir haben die Mystik des Lebens verdrängt. Um die Mystik des Lebens wieder zu erkennen, bedarf es der Klarheit und Bescheidenheit. Ego-manischer Narzismus und rücksichtslose Ausbeutung sind die falschen Wege. Darum mahnt uns die junge Generation: "Fridays for Future!" Und sie hat recht! Wenn wir das nicht erkennen "bestraft uns das Leben".

Du wirst es mir vielleicht nicht glauben: Buddha hat diese Vernetzung der Natur genial schon erkannt: Das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Ist es nicht ein großes Wunder, dass sich Menschen verstehen, ohne viel zu reden? Das ist die ungestörte Wechselwirkung zwischen den Menschen, die Buddha meint. Liebende haben ein solches wunderbares Verstehen, ohne zu reden. Im Zen wird in gleicher Weise das Verhältnis von Lehrer und Schülern verstanden.

Dazu ein Beispiel Dogens: Ein alter Meister sagte zu seinem Schüler, der ohne Worte und schon gar nicht durch Befehl genau so handelte, wie es im Augenblick für beide richtig war:

„ Der Schüler und Ich haben gerade eine mystische Kraft praktiziert, die noch eine Stufe über (dem Volks-Buddhismus) steht.“

Um es mit Buddha anders zu sagen: Das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung hat mystische Kräfte, die durch die Praxis und Lehre des Buddhismus sich voll und ungehindert entfalten können. Mit intellektueller Theorie kann man das nicht erfassen.

Aber wir erleben die wirklichen Kräfte des Zen: Erleuchtung und die alltäglichen mystische Kräfte sind "Wasser schöpfen und Feuerholz tragen". Das sind scheinbar simple Tätigkeiten aber in Wirklichkeit mystische Kräfte und tiefe Wahrheiten des Lebens! Das können wir im Buddhismus gut erlernen und das bringt uns wirklich weiter.

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Dienstag, 3. August 2021

Corona: Klares Handeln gibt uns tiefe Befriedigung und verlängert unser Leben


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Wahres Handeln gerade in der Corona-Krise wie jetzt: Denn Meister Dōgen weiß von zwei alten Meistern zum praktischen Handeln: 

"Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen". 

Und der zweite, als er alt war: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"

Wahres Handeln bringt uns gerade in der Krise weiter! Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel.

Das ist das edle Verhalten der handelnden Buddhas und Buddhisten. Handeln ist genau das Leben, also die Wirklichkeit und Wahrheit der Menschen. Ohne Handeln gibt es keine Wirklichkeit im Augenblick. Und sinnvolles aktives Handeln macht glücklich und schützt vor früher Demenz. Oder umgekehrt: Wer in der zweiten Lebenshälfte nicht körperlich und geistig aktiv ist, wird deutlich früher dement. Von der Gehirnforschung wissen wir: Wer eine zweite Sprache spricht, wird etwa fünf Jahre später dement. Die besten Medikamente bringen nicht einmal ein Jahr.

Ohne Handeln gibt es keine Wirklichkeit und kein menschliches Leben. Sowohl das Denken als auch die Wahrnehmung sind oft ungenau und sogar fehlerbehaftet, sie sind nur ein Teil, Abbild oder Schatten der Wirklichkeit. Denken und Reden können sich sogar von der Wirklichkeit völlig ablösen.

Dōgen arbeitet heraus, wie die Buddhas, Meister und Erleuchteten im täglichen Leben und im Gleichgewicht und in Harmonie handeln. Es geht dabei sowohl um die Meditation des Zazen als auch das Handeln im ganz normalen Alltag. Handelnde Buddhas strahlen nach Dōgen eine natürliche Wahrhaftigkeit aus, sodass wir dieses Handeln als edel bezeichnen können. Diese Handeln ist typisch für das direkte Handeln im Alltag, das man fast als „locker“ und "spielerisch" bezeichnen kann. So solltet wir auch im Beruf arbeiten und Stress, Versagensängste und unnötige Konkurrenzkämpfe vermeiden. Gute und effiziente Leistung wird gerade heute in unserer Gesellschaft wichtig, immer geachtet und lohnt sich: Für Körper und Geist. Locker und spielerisch: Damit ist keine Nachlässigkeit gemeint. Es geht um ein einfaches flexibles und dynamisches Verhalten. Und Dōgen bezeichnet ein solches Handeln der Buddhas und Meister als edel und wahrhaftig. Vor allem geht es dabei um soziales Handeln, also die heilsame Wechselwirkung der handelnden Menschen.

Um im Augenblick tatkräftig, „richtig“ und heilsam zu handeln, muss man über eine angemessene Freiheit verfügen und entspannt sein. Dies beschreibt Herrigel  in seinem berühmten Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens. Wir müssen entspannt im Zustand der fokusierten Spannung sein.  Ich selbst mache übrigens Zen-Meditation, spiele die Bambusflöte und praktiziere japanisches Bogenschießen . Nach einem gewissen Übungsweg gelingt dann spielerische Leichtigkeit und spirituelle Tiefe.

Der Bogenmeister sagte eines Tages zu seinem Schüler, dem deutschen Philosophen  Herrigel : „Soeben hat Es geschossen.“ Und weiter: „Sie verweilten diesmal völlig selbstvergessen und absichtslos in höchster Spannung; da fiel der Schuss von Ihnen ab wie eine reife Frucht.“ Und was heißt selbstvergessen? Antwort: Dann stört das Selbst nicht mehr und unsere natürlichen Fähigkeiten entfalten sich ganz ungehindert. Das ist das Momentum. Ich habe übrigens beim Bogenschießen kürzlich eine ganz ähnliche erstaunliche Erfahrung machen können.

Das war für den theoretischen Denker ganz neu. Eine völlig unbekannte Welle des Glücks und der Freude durchströmte ihn. Diese Weisheit hat mich als Schüler nachhaltig für mein ganzes späteres Leben beeinflusst. So habe ich übrigens mit 78 Jahren dieses Bogenschießen angefangen.

Wenn man das Glück hat, einen wahren buddhistischen Meister zu kennen und bei ihm zu praktizieren, ist man überrascht, wie unkompliziert und mit welch großer Freude er handelt und durch seinen Alltag geht. Die einzelnen Tätigkeiten werden mit Achtsamkeit und Freude wahrgenommen; es gibt keine Hetze und keine Verspannung. 

Der Buddhismus ist eine Lehre der Praxis der Wahrheit und des wirklichen Lebens,  Während die abendländische Philosophie dem Denken den höchsten Stellenwert einräumt, erkennt man im Buddhismus seit dem großen Genie Gautama Buddha das Handeln als ganz wichtig für das Leben. Dieses Handeln entscheidet vor allem über unser Glück und Unglück, über Freude und Leid. Das Handeln beinhaltet auch die Zazen-Meditation.

Nishijima Roshi fasst deshalb zusammen: „Gautama Buddha erklärte, dass das Leben im Wesentlichen aus Handlungen im Hier und Jetzt besteht.“

In der Tat handeln wir ununterbrochen, selbst wenn uns dies nur teilweise bewusst ist. Und das gilt besonders für unser Gehirn. Es handelt immer und verarbeitet fortwährend Informationen, solange wir leben, bei Tag und beim Schlafen in der Nacht. Statik ist das Gegenteil von Leben!. 

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Donnerstag, 22. Juli 2021

Wie kannst Du die Buddha-Natur verwirklichen?

Meister Dogen war auf der intensiven Suche nach der Buddha-Natur. Er hat viele Jahre vergeblich nach einer überzeugenden Lösung für dieses Problem gesucht. In Japan konnte ihm keiner wirklich helfen, weder die bekannten Meister noch das Studium schwierigster Schriften. Er fragte sich: Warum muss ich überhaupt anstrengende und andauernde buddhistische Praxis machen, wenn jeder die Buddha-Natur sowieso schon hat? Dann müsste es doch reichen, dass man sie einmal versteht und schon ist die Dauer-Lösung da. Die ungelöste Frage nach der Buddha-Natur führte Dogen sogar nach China. Dort fand er schließlich die überzeugende Lösung.

Deine Buddha-Natur ist nämlich klares erfülltes Leben und keine abstrakte Philosophie. Wohl klingende Worte oder Geheimniskrämerei vernebeln die Wirklichkeit und führen zu nichts. Allerdings sind treffende gute Worten zwar Hilfs-Werkzeuge aber nicht direktes Erleben. Mit reiner Theorie steht man da wie der Ochs vorm Berg. Philosophie und Intellekt können nur etwas beschreiben, aber sie sind nicht das wirkliche Erleben.

Es gibt viele theoretische und philosophische Beschreibungen der Buddha-Natur, die dir aber nicht viel bringen. Im Gegenteil. Sie verwirren meist und kommen nur unnötig gelehrt daher. Lass dich also nicht verblüffen. Was hältst du zum Beispiel von folgendem hochtrabenden Spruch: Die Buddha-Natur existiert im Nichts? Sicher wenig hilfreich. Das ist übrigens buddhistisch echter Blödsinn, obgleich man so etwas hören und lesen kann.

Die Buddha-Natur kannst Du als Wirklichkeit und Wahrheit direkt und ohne Zweifel selbst erleben. Sie ist KlarheitFreude und Fülle im Augenblick, also genau hier und jetzt. Im frühen Buddhismus ist die Geistes-Klarheit besonders wichtig. Wer es aber nicht gelernt hat, im Augenblick direkt zu leben, der kann die Buddha-Natur leider nicht erfahren.

Die Fülle und Tiefe des Augenblicks kannst Du verwirklichen, wenn Du deine Hemmnisse und Blockaden wegräumst. Buddha nennt fünf davon: übertriebene Hektik, Trägheit, gieriges Wollen, Übelwollen und nervende Zweifelsucht. Letztlich sind dies die von Buddha genannten Ursachen des Leidens Gier, Hass und Verblendung. Man kann sie durch Übung verschwinden lassen und so überwinden.

Buddha nennt dagegen positiv sieben Faktoren des Glücks und der Erleuchtung, die Dein Leiden zur Ruhe kommen lassen. Also Achtsamkeit, klare Unterscheidung, Energie, Freude, Gleichmut und Sammlung usw.. Besonders wichtig ist die Achtsamkeit in der Meditation und im guten Flow beim Handeln und Arbeiten.

Dogen zitiert den großen Meister Nagarjuna:

Wenn du deinen Ich-Stolz nicht überwindest, kannst du die Buddha-Natur nicht erfahren und sie nicht verwirklichen.

Es geht um das gemeinsame Entstehen in liebevoller Wechselwirkung, das ist die Kernlehre des Buddhismus. Dann erfährst du die Buddha-Natur wirklich. Die Ich-Sucht und der Ich-Stolz isolieren die Menschen und machen sie einsam und krank. Die Buddha-Natur ist kein Ding und keine unveränderliche Substanz. Sie ist gerade ohne eine solche Pseudo-Substanz, um es buddhistisch zu sagen. Man kann sie nicht wie ein Ding oder ein Goldstück greifen und dann hat man sie für immer. Davon träumen vielleicht manche, aber das geht nicht und ist eine böse Sackgasse. Um die Buddha-Natur zu verwirklichen, muss man Extreme vermeiden und die Lebenskraft aus der Mitte holen. Das ist der Mittlere Weg der Meditation und des Handelns. Dann verwirklichst du die Buddha-Natur.

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Dienstag, 13. Juli 2021

Die Zen-Meditation befreit und gibt dir jeden Tag einen neuen Energie-Schub

 


Für mich war und ist die Zen-Meditation wie ein Wunder. Sie gibt mir jeden Tag Energie, Ruhe und transformiert das Leben in eine erstaunlich gute Richtung. Für diese buddhistische Praxis bin ich aus tiefstem Herzen dankbar. Und eigentlich ist der Aufwand gering, man muss einfach dran bleiben. Ich bin fest überzeugt, dass ich durch Zazen eine schwere Berufs-Krise meistern konnte. Aus dem drohenden Desaster wurde ein tiefgreifender Erfolg, sowohl in dem schwierigen Projekt als auch in meiner ganzen Berufsentwicklung. Diese Meditations-Methode ist eine Bank gerade in der Corona-Krise!

Nishijima Roshi nennt die Zazen-Praxis die erste Erleuchtung. Und das erstaunliche ist dabei: Diese Methode funktioniert verlässlich an jedem Tag, an dem die Sonne auf- und wieder untergeht

Meister Dogen hat bei seiner Reise nach China erst durch Zazen die tiefe Erleuchtung erfahren, nachdem er in Japan mit der damaligen Theorie und Praxis nicht voran gekommen war. Er vergleicht diese Praxis  mit der großartigen Heilmethode der chinesischen Akupunktur. Wie inzwischen auch im Westen bewährt, werden die wirksamen Nadeln genau an den Stellen angesetzt, wo die Probleme verursacht werden. Das ist genau die Methode der Zen-Praxis. Dogen hält es für ausgeschlossen, dass man überhaupt Zugang zum wahren transformierenden Buddhismus findet, wenn man nicht Zazen praktiziert.

Diese ganzheitliche Praxis sei etwas ganz anderes ist als das übliche abstrakte Denken und geht weit darüber hinaus. Ein Mönch fragte dazu einen großen Meister, was dieser beim Zazen „im stillen-stillen Zustand denkt“. Antwort von Dogen:

„Wir sollten in der Praxis das Berg-stille Sitzen lernen, und wir sollten die authentische Übertragung des Berg-stillen Sitzens empfangen.“

Man sitzt dabei ruhig wie ein Berg. Dann verschwindet das übliche unterscheidende duale Denken und Fühlen. Dann ereignet sich die genannte erste Erleuchtung. Wenn man aber beim Zazen den ehrgeizigen Willen hat, etwas Großartiges wie das Allwissen zu erreichen, und treibt damit Denken und Fühlen gewollt in die Irre oder im Kreis herum. Dann kann sich die Heilwirkung der Zazen-Praxis nicht entfalten: Sie findet einfach nicht statt! Beim Zazen kommt es also darauf an, sich nicht durch egoistische Denkanstrengungen einzuengen oder dabei zu verkrampfen. Dōgen fragt uns:

„Wie kann es möglich sein, dass in dem ganz ruhigen, stillen Zustand kein Denken da ist? Und warum verstehen viele nicht den still-stillen Zustand jenseits von Denken und Nicht-Denken?“

Beim stillen, ruhigen Sitzen in der Zazen-Praxis müssen wir genau auf die richtige körperliche Haltung achten und den Kopf nach oben gestreckt halten. Dabei sollten wir den Blick schräg nach unten richten und auf die weiße Wand vor und schauen. Die Augen sind dabei halb geschlossen. Dann ereignet sich das nicht-dualistische umfassende und intuitiv unbegrenzte "Denken". Dann erstarkt unsere Mitte und entwickelt die erstaunliche transformierende Kraft, die den ganzen Menschen erfasst Also: "Nichts als Sitzen. Körper und Geist fallen lassen". Dōgen lehnt Konzentrations-Zen für die Zazen-Praxis grundsätzlich ab. Also: Just do it!

Man soll daher nicht auf den Geist „einprügeln“. Es ist überhaupt nicht sinnvoll, den Geist oder den Körper oder beide zu prügeln, um Erleuchtung zu erlangen. Auch Stolz auf das einseitige Beherrschen der Körperhaltung führt nicht weiter. Wer sich selbst in seiner Zazen-Haltung bewundert, ist einem gefährlichen Irrtum aufgesessen.

Dôgen sagt:

„Dies ist das authentische Siegel, das empfangen und weitergegeben wird, von einem-zum-anderen.“

Zazen ist die direkte Verwirklichung und Befreiung der Menschen. Diese Praxis ist für alle machbar, sie ist einfach und erzeugt keine Komplikationen und Verwirrungen in unserem Leben. Meister Dogen dichtet:



"Das wahre Tun eines jeden Buddha. Das Tun des Wahren eines jeden Meisters. Jenseits des Denkens: Verwirklichung. Jenseits des Komplizierten: Verwirklichung.


Die Verwirklichung ist natürlich und ist sichere Erfahrung. Es gab kein dogmatisches Richtig und da war keine trennende Isolation.


Das Wasser ist rein, klar und richtig bis zum tiefen Grund. Die Fische schwimmen als Fische! Der Himmel ist weit, klar und ohne Grenzen. Und die Vögel fliegen als Vögel!"


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Dogens authentische Beschreibung der Zen-Meditation

Mittwoch, 30. Juni 2021

Deine Wirklichkeit des Erwachens und der Erleuchtung

Als Meister Dogen nach seiner tiefen Erleuchtung aus China zurück kam, wurde er gefragt, was er erlangt habe. Seine Antwort: "Ich bin milde geworden". Er war vor seiner Reise schon ein genialer buddhistischer Denker, aber es muss etwas ganz Zentrales gefehlt haben: geistige Milde und sinnvolles Handeln im Alltag!

Die Erleuchtung oder das Erwachen hat im Buddhismus zentrale Bedeutung. Gibt es für dich wirklich diese neue Klarheit, lebendige Freude, die Milde und Empathie zu anderen Menschen? Gibt es wirklich die tiefe verwandelnde Verwirklichung in deinem Leben? Ich bin mit Buddha und den großen Meistern fest überzeugt: Ja, jeder Mensch kann sie erfahren und erleben! Und dabei erleben wir auch unvermittelt Glückswellen, die eine Zeit lang anhalten. Aber die Erleuchtung fällt nicht vom Himmel, es gehört auch ein Stück Arbeit und Ausdauer dazu.

Ich kenne zwei Menschen, die ich ohne Zweifel als verwirklicht und erleuchtet bezeichnen kann. Der eine ist mein Lehrer, Nishijima Roshi. Buddhistische Verwirklichung ist also keine Illusion oder Selbst-Täuschung sondern tatsächliches Leben und konkretes Handeln. Darauf kannst Du vertrauen. Am besten, du machst dich sofort auf den Weg, Schritt für Schritt.

Aber es ist auch bekannt, dass manche Pseudo-Lehrer und selbst ernannte Meister andere täuschen, aus welchen Motiven auch immer. Daher ist Vorsicht geboten, wenn du dich einem Lehrer anvertraust. Erleuchtung ist leider zu einem marktgängigen Produkt geworden. Und schon Dogen warnte vor falschen Meistern und Lehrern.

Durch die Verwirklichung haben wir mehr Lebensenergie, mehr Freude, mehr Klarheit und ruhen in unserer Mitte. Mit anderen Menschen kommen wir besser aus. Wir lassen uns nicht von Pessimismus, Fake News und Verschwörungstheorien anstecken. Das ist in der jetzigen Korona-Krise besonders wichtig.

Die Erleuchtung muss nicht unbedingt der große einmalige Sprung sein, das sagt auch Meister Dogen überzeugend. Und es ist sicher nicht der intellektuelle Super-Sprung zum All-Wissen, denn das gibt es für den Menschen nach meinem Verständnis nicht. Auch die Neuro-Wissenschaften können das bestätigen..

Statt des Sprungs zur großen Erleuchtung ist es vernünftiger, sich auf eine schrittweise gute Entwicklung einzustellen und sein Leben kontinuierlich zu verbessern. Dafür ist die klare Selbstbeobachtung oder Achtsamkeit besonders wichtig. In der Psychologie heißt das die Selbst-Wirksamkeit. Sie geht Hand in Hand mit unserer Übungspraxis und mit menschlich positiven Kontakten und Wechsel-Wirkungen. Dagegen sind Ideologien, Dogmen und Verblendung außerordentlich schädlich. Nach Nagarjuna sind das Pseudo-Substanzen.

Dôgen sagt, dass wir vor allem durch die Zen-Meditation zur Wirklichkeit und Wahrheit erwachen und damit ein erfülltes und kreatives Leben führen. Wer an der Zen-Meditation dran bleibt, wird sein Leben ganz sicher verbessern, je nach Stetigkeit seiner Praxis. Das kann ich aus eigener Erfahrung voll bestätigen.

Der Mensch hat also die Möglichkeit, die Voraussetzung und das Potential zum Erwachen, wie Buddha und die vielen großen Meister Indiens, Chinas und Japans lehren. Sie haben das Erwachen und die Erleuchtung selbst erfahren und nicht gelesen, gehört oder abgeschrieben. Das ist Buddhas glasklare Aussage, der ich vertraue

Mein Lehrer Nishijima Roshi war einer der glücklichsten und klarsten Mensch, den ich in meinem langen Leben kennen gelernt habe. Das ist für mich der verlässliche Beweis für das Erwachen. Ich war mehrere Wochen Gast und Schüler in seinem kleinen Appartement in Tokyo, kannte ihn also recht gut. Im Zusammenleben war er erstaunlich einfach und bescheiden. Es war ein großen Glück, ihn zu kennen und zu erleben. Er sprach übrigens kaum von Erleuchtung, sondern von Verwirklichung, um keine unnötige Verwirrung zu erzeugen. Also:" Just do it!"

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