Sonntag, 9. Dezember 2018

Der Wendepunkt Buddhas: Erwachen in der Natur


(Aus dem Buch: "Begegnung mit dem wahren Drachen" von G. W. Nishijima, Übersetzung Yudo J. Seggelke)

Buddha erkannte (nach langer schmerzhafter Askese), dass Asketentum kein Weg zur Wahrheit war, sondern nur zum Tod. Er wusste auch, dass der Tod nicht die Freiheit war, nach der er suchte.
Diese Erkenntnis war ein grundsätzlicher Wendepunkt im Leben Gautama Buddhas. Bis dahin hatte er nach der Wahrheit wie nach einem Wunschtraum gestrebt. Dieser Traum hatte ihn dazu gebracht, alle möglichen Arten von extremen Übungen zu versuchen und große Schmerzen, Entbehrungen und Härten durchzustehen. Aber jetzt erkannte er, dass solche extremen Praktiken ihn niemals zum Frieden bringen konnten und ihm niemals Glück und eine ausgeglichene Lebensweise ermöglichen würden.

Daher verließ Gautama Buddha kurz entschlossen ohne Bedauern und ohne weitere Erklärung den Ort seiner asketischen Praxis und wanderte am Ufer eines kleinen Flusses entlang. Dort traf er ein Mädchen, das einen Krug mit Milch trug. Als das Mädchen die elende und abgemagerte Gestalt des ehemaligen Prinzen sah, wusste sie, dass er unbedingt Nahrung brauchte, um nicht zu sterben. Sie bot ihm ihre Milch an, er nahm sie an und trank sie langsam voller Dankbarkeit.

Bald kehrten auch die früheren Kräfte in seinen gequälten Körper zurück. Er fühlte sich zum ersten Mal seit Jahren entspannt und wohl. Er verstand auf eine direkte und einfache Weise die große Bedeutung von Essen und Trinken im Leben der Menschen. Er sah zum ersten Mal, dass ein gesunder Körper und ein friedlicher Geist kein Gegensatz sind. Er entschied sich, ein neues Leben zu beginnen: ein einfaches und maßvolles Leben mit einfachen und angemessenen Aktivitäten.

Er fand einen schönen Baum am Ufer eines Flusses und unter den schützenden Ästen bereitete er sich einen angenehmen Sitzplatz. Als er dort unter dem Baum saß, ließ er sich in der natürlichen Sitzhaltung mit gekreuzten Beinen nieder, die ihm seit seiner Zeit der asketischen Schulung vertraut war. Jetzt saß er jedoch ohne besonderes Ziel und ohne asketische Absicht. Er saß nur – ruhig und friedlich.

 In der Ruhe dieses friedlichen Zustandes konnte Gautama Buddha sehen, was wirklich um ihn herum war. Er sah Bäume, Steine und Blätter. Er hörte die Vögel singen. Er spürte das Schlagen seines Herzens und die Kühle des Schweißes auf seiner Stirn. Er sah und fühlte alles genauso, wie es war und dies war wirklich wunderbar.

Ganz früh am Morgen, als er unter dem Baum saß, sah er einen einsamen Stern, hell und strahlend am östlichen Himmel. In diesem Augenblick entdeckte er, dass das ganze Universum wunderbar und lebendig war. Jeder Stern, jeder Baum, jeder Grashalm hat gleichen Anteil an dieser Vollkommenheit, die das gesamte Universum umfasste.

Gautama Buddha wusste, dass diese Vollkommenheit die große und einfache Wahrheit ist, die er so viele Jahre lang gesucht hatte. Er wusste nun ohne jeden Zweifel und mit klarer Sicherheit, dass die Wahrheit in jedem Ding und jeder Sache gegenwärtig ist  an jedem Ort und in jedem Augenblick. Er wusste, dass der Weg der Wahrheit, der Weg des Wissens und der Erfahrung dieser Wahrheit darin besteht, direkt an der sich entfaltenden Wirklichkeit des Lebens teilzuhaben. Die Wahrheit besteht darin, sich selbst im einfachen Handeln, im Tun, zu verwirklichen, so z. B. mit ganzem Herzen und mit ganzem Geist zu sitzen. Das Sitzen, der reine und einfache Vorgang des Sitzens, in der alten Haltung der Meister, war für Gautama Buddha das Tor zum wunderbaren Universum, das Tor zur wirklichen Welt. Dies war die Wahrheit selbst.


Donnerstag, 29. November 2018

Videos: Aussteigen und die Mitte finden

Liebe Freundinnen und Freunde des Buddhismus,



mein Freund Ronald arbeitet an einem Film mit Crowd Funding über die neue Dimension der Freiheit auf La Gomera: Aus Stress und Einsamkeit in Deutschland aussteigen und dort in die großartige Natur und Menschlichkeit wieder einsteigen. So kann man neue Energie tanken. Denn Energie und Freude kann man sehr gut gebrauchen, um den Stress abzuschütteln und den Sinn im Leben wiederzufinden.

Ronald hat nun zwei kurze Videos von meinen Beiträgen zum Buddhismus ausgewählt, die Euch vielleicht interessieren. Auf La Gomera wurde in der Nähe des neuen Dojos und in Berlin auf dem Potsdamer Platz gedreht. Bitte anklicken:

https://youtu.be/ZiwttHjs_3k

https://youtu.be/qiJuAC5a2v0





Super: Das Fundingziel von 5.000,- wurde erreicht. Vielen Dank !!
Nun kann Ronald seine professionelle Arbeit mit Eurer Hilfe weiterführen.



Mit herzlichen Grüßen
Yudo

Samstag, 17. November 2018

Buddhas Gleichnis zu Achtsamkeit und Flow: Holz-Arbeiten

(Aus meinem neuen Buch: "Sternstunden des Buddhismus")


Die fundamentale Bedeutung der Achtsamkeit erläutert Buddha neben der Meditation  durch die Arbeit eines Handwerkers, eines Drechslers.[i] Dabei ist wichtig, dass das Handeln des Drechslers eine ganz praktische und von ihm häufig ausgeführte Tätigkeit ist und er nicht in der Abgeschiedenheit eines Klosters arbeitet. Hier zeigt sich eine enge Verbindung zum Zen-Buddhismus, der das praktische Alltagshandeln zum Beispiel bei Handwerkern im Hier und Jetzt in Klarheit und sozialer Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.

So erklärte ein berühmter Zen-Meister: „Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen.“ Eine andere Formulierung mit ähnlicher Bedeutung lautet: „Ein Tag ohne Arbeit ist ein Tag ohne Essen.“ Diese Aussage wird einem alten Meister zugeschrieben, dem die Mönche im Kloster die Werkzeuge für die Arbeit auf dem Feld und im Garten weggenommen hatten, weil sie meinten, er sei zu gebrechlich, um noch arbeiten zu können.

Der Meister hat daraufhin abgelehnt zu essen, ist also in den Hungerstreik getreten, um klarzumachen, dass er nicht bereit war weiterzuleben, ohne seinen Anteil an der im Kloster anfallenden Arbeit beizutragen. So musste man ihm sein Werkzeug zurückgeben. Gewiss konnte er nicht mehr so viel leisten wie die jungen kräftigen Mönche. Aber ist das wichtig?

Zurück zum Gleichnis vom Drechsler, in dem Buddha sagt:
„Gleich wie ihr Mönche ein geschickter Drechsler oder Drechslergeselle, wenn er lang anzieht, erkennt: ‚ich ziehe lang an‘, wenn er kurz anzieht: ‚ich ziehe kurz an‘."

In der gleichen Weise solle man in der Meditation beim Atmen vorgehen und bewusst und klar beobachten. Das Handeln steht dabei im Vordergrund, und der Geist, die Beobachtung, läuft gewissermaßen mit; dadurch wird das Handeln selbst bewusst und Geistes-klar. Handeln und Geist sind sich in einer harmonischen aktiven Wechselwirkung und sind nicht voneinander zu trennen. Dadurch entstehen Glücksgefühle. Das ist der wahrer Flow!


Buddha sagt nicht, dass der Wille und das Bewusstsein allein steuern. Das gilt auch für den Drechsler, der eine gründliche Ausbildung durchlaufen haben muss, um seine Arbeit präzise ausführen zu können. Wenn er unachtsam ist, kann er sich schwer verletzen! Es geht darum, sein Handwerk durch gründliche und andauernde Übung so weit zu vervollkommnen, dass die Feinkoordinierung mit offenem, achtsamem Geist ohne Schwierigkeiten, Ungenauigkeiten und mit innerer Befriedigung erfolgt. Der Geist ist dabei weder ein Störfaktor, noch ist er umgekehrt durch Ehrgeiz, Ängste, Doktrinen oder Ich-Zentriertheit in der Konzentration beeinträchtigt: Der Geist "fühlt sich wohl".

Buddha spricht auch von unbewussten Bereichen des Geistes, die für ein sinnvolles und erfülltes Leben zusammen mit der Achtsamkeit wichtig sind. Dies leuchtet beim Drechsler sofort ein: Die meisten seiner feinmotorischen Steuerungen laufen unbewusst ab und haben sich im Lauf des Übungsweges im neuronalen Netz immer feiner ausgebildet. Oder buddhistisch ausgedrückt: Alle fünf Komponenten des Menschen (skandhas) sind aktiv und miteinander harmonisch vernetzt.

Das Wichtige ist also die gute Wechselwirkung von bewusster Achtsamkeit, unbewussten Steuerung, ruhigem dynamischen Gleichgewicht und erlernter Fähigkeiten. Wie wir aus der Gehirnforschung wissen, werden dabei die speziellen Teilsysteme immer weiter trainiert und verfeinert. Und wer ganz bei seinem Tun weilt, empfindet eine tiefe, fast unerklärliche Freude, er ist zur Ruhe gekommen: Ruhe im Flow der bewussten Bewegung: Angst und Stress sind verschwunden.




[i] Gäng, Peter, Hrsg., Meditationstexte des Pali-Buddhismus I, S. 19 f.

Freitag, 2. November 2018

Wahrer Lebens-Entwurf: Kernpunkte des Buddhismus


Retreat in Schleswig-Holstein



Das kürzliche Retreat Im Blockhaus von Kükelühn, nicht weit von der Ostsee, haben wir nach dem Muster meines Lehrers, Nishijima Roshi, durchgeführt: Insgesamt sechs Zazen-Sitzperioden, auch mit Kinhin-Meditation. Für den Geist habe ich mehrere buddhistische Beiträge zu meinem Buch "Sternstunden des Buddhismus" gegeben, Themen: Authentische Buddha-Worte, Kraft des Mittleren Weges mit Leerheit und ZEN.

Bei den authentischen Buddha-Texten ging es um die Fünf Hemmnisse auf dem Weg der Befreiung, z. B. Aufgeregtheit und Unruhe, Trägsein und Übelwollen. Dagegen setzt Buddha die Sieben Faktoren der Erleuchtung, also Achtsamkeit, Freude, Energie, Gleichmut, Genauigkeit usw.. Daraus wird mehr als deutlich, dass Buddha nicht gelehrt hat, dass alles Leid sei; das ist schlicht ein Übersetzungsfehler. Buddhismus ist ein Lebensentwurf der Freude, Energie und Entwicklung. Angst macht dumm, Freude macht klug und kreativ.

Denn es heißt beim Buddha zwar: "Dies ist das Leiden" aber gerade nicht "Alles ist Leiden". Dann zählt er die wichtigsten Bereiche des Leidens und der Plagen auf, wie Krankheit, Altern, Kummer, Jammer, Gram, Verzweiflung usw. auf. Also ist der Buddhaweg der Befreiung vor allem Freude, Energie und Meditation. Im Achtfachen Pfad werden dann die verschiedenen Lebensbereiche für die Verwirklichung im Einzelnen aufgezählt.

Der Mittlere Weg Nagarjunas warnt eindringlich vor den Extremen von Ideologien, Fake-News und absolutistischen Verdrehungen, Verfälschungen usw.. Die Wirklichkeit wird ganz modern als Vernetzungen in der Welt und beim Menschen herausgearbeitet: "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung" und wie wir Stress, Leid, Angst und Einsamkeit zur Ruhe kommen lassen. Diese natürliche reale Wechselwirkung ohne Ideologien, Doktrinen, Verfälschungen und Vorurteilen nennt Nagarjuna die Leerheit

Welches sind nun die wichtigsten verfälschenden Doktrinen? Antwort: Dass die Dinge und Phänomene (Dharmas) eine unveränderliche Eigen-Substanz haben und dass der Mensch ein unveränderliches ewiges âtman-Selbst hat. Dann könnten wir dem Leiden nicht entkommen und wir könnten Freude und Gleichmut nicht entwickeln.

Da es diverse illusorische und verfälschte Aussagen zur authentischen Erleuchtung gibt, hier deren vollständige und erschöpfende Gliederung:
- Achtsamkeit
- Unterscheidung
- Energie
- Freude
- Gestilltheit
- Sammlung und Meditation
- Gleichmut

Die Erleuchtung oder Befreiung wird auf dem Achtfachen Pfad Buddhas geübt und praktiziert. Das ist als Ganzes das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung (pratitya samutpada), und zwar ohne Doktrinen, Vorurteile und Ideologien.

Und welches sind die Kernaussagen des ZEN? In der Meditation Körper und Geist und deren Fixierungen fallen lassen. Und im Alltag: "Erleuchtung ist Feuerholz-Tragen und Wasser-Schöpfen". Im Hier und Jetzt können wir also Befreiung erlangen, dieses Hier und Jetzt ist so das wahre Nirvana.

Das ist nach meiner festen Überzeugung ein sehr wirkungsvoller Lebens-Entwurf der heutigen Zeit zur Überwindung von Stress, Angst, Leiden und Einsamkeit!


Und was sagt Buddha: "Unabhängig lebt er und haftet an nichts in der Welt"

Montag, 29. Oktober 2018

Dokumentation Buddhismus und La Gomera: Spendenaufruf

Mein Freund, der Filmemacher Ronald Urbanczyk, bat mich, einen Beitrag zum Buddhismus für seine Doku von La Gomera einzubringen. Dem bin ich gerne nachgekommen: Die seit langem bewährten Lebenshilfen Buddhas sind aktueller und wirkungsvoller den je, um gerade Stress und Vereinsamung in unserer Industriegesellschaft zu überwinden.

Ronald wollte sich nicht von Auftraggebern abhängig machen und drehte den Film daher in eigener Verantwortung und Finanzierung. Bitte unterstützt hiermit sein gutes Projekt:

Link:

Mit Dank
Yudo

Sonntag, 21. Oktober 2018

Stress, Angst und Buddhismus


(Aus meinem neuen Buch "Sternstunden des Buddhismus")

Buddha bezeichnet bei den Fünf Hemmnisses der Befreiung und des Erwachens den Stress und die damit verbundenen Angst als  Aufgeregtheit und Unruhe.
Stress und Angst sind neben der Einsamkeit die Haupt-Leiden der modernen Welt und die häufigsten Ursachen für Krankheit. Denn sie schwächen unser Immunsystem ganz entscheident.

Die hektische Betriebsamkeit ohne Rast und Ruh ist also ein typisches Merkmal der postindustriellen Gesellschaft. Oft ist sie mit materieller Gier gepaart und führt letztlich zu ineffizientem Handeln, sodass der Zeit- und Energieaufwand höher ist als bei einer Vorgehensweise, die auf Ausgeglichenheit und Übersicht basiert. Wenn wichtige Entscheidungen in einem Zustand der Aufgeregtheit und Unruhe gefasst werden, ist der Prozentsatz an Fehlentscheidungen hoch, die wiederum zu erhöhtem Aufwand führen, weil sie korrigiert werden müssen. Wer dagegen im Zustand des inneren und äußeren Gleichgewichts und mit guter Übersicht auch in schwierigen Situationen sich selbst und die gegebene Situation beobachten kann, wird schnell und sogar intuitiv die richtigen Entscheidungen fällen können. Diese Kräfte entwickeln wir im ZEN-Buddhismus. Hierbei ist es von großer Bedeutung, sich selbst klar zu analysieren und Defizite mutig zu erkennen, um vorhandene Hektik und Stress abzubauen und in Zukunft zu vermeiden. Stress ist immer selbst gemacht, auch wenn er von außen erregt wird. Er kann auch selbst gesteuert werden.

Von großer Bedeutung im Buddhismus ist daher die meditative Vertiefung, die meistens als Sammlung bezeichnet wird. Buddha nennt sie bei den Sieben Gliedern der Erleuchtung und beim Achtfachen Pfad . Man kann diese Sammlung als Vollendung der acht Bereiche auf dem Weg der Befreiung ansehen. Sie ist das Gegenteil von Zerstreutheit und Fragmentierung der Gedanken und Gefühle, von Stress, Übelwollen und Kritiksucht. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass oberflächliches Multitasking unserem natürlichen Geist grundsätzlich fremd ist, oder um es klarer auszudrücken, dass es von unserem Geist überhaupt nicht geleistet werden kann.

Der Gehirnforscher Manfred Spitzer formuliert es so: „Man kann nicht zwei Bücher gleichzeitig lesen.“[i] Es ist also eine Illusion, dass unser Geist in der Lage wäre, mehrere Bereiche gleichzeitig gründlich zu analysieren oder, wie es bei Buddha heißt, achtsam zu behandeln. Ähnliches gilt für die sozialen Netze: Wie kann man achtsam leben, wenn uns das Smartphone all sechs bis zehn Minuten unterbricht, denn das ist der gegenwärtige Durchschnittswert in Deutschland. Achtsamkeit und Multitasking schließen sich aus. Solche Netze sind Informations-Epidemien!

Ein weiters Glied des Erwachens ist die Gleichmut. Es handelt sich dabei um das Gleichgewicht unseres Gemüts und unseres Geistes, also unsere Gestimmtheit und unseren geistig-psychischen Zustand. Die wirkungsvolle Vorgehensweise gegen Stress und Angst besteht darin, dass wir die Achtsamkeit innen, außen und sowohl innen als auch außen vertiefen und üben. Gleiches gilt für das Entstehen und Vergehen von Gleichmut.

Und so heißt es bei Buddha: "Unabhängig lebt er und haftet an nichts"




[i] Spitzer, Manfred: Cyberkrank, S. 61

Sonntag, 30. September 2018

Geistiges Wachsen durch Achtsamkeit



Durch geistiges und spirituelles Wachsen erleben wir ganz individuell eigene Sternstunden des Lebens, so wie es uns Buddha und die großen buddhistischen Meister vorgemacht haben. In den Sternstunden des Buddhismus haben die genialen Menschen wie Budhha, Nagarjuna und Dogen eine ganz neue Philosophie der Entfaltung unseres wahren Selbst entwickelt. Von ihnen können wir gut lernen.

Denn sie erkannten, dass in den meisten Menschen viel mehr geistiges und spirituelles Potential steckt, als die Menschen vielleicht selbst ahnen. Sie können durch die Achtsamkeit wirklich wachsen: Geistig und spirituell größer und freier werden.

Ich möchte ein Beispiel geben für die körperliche Größe und das mögliche genetische Potential: In Japan sind die Menschen in den letzten 20 Jahren im Durchschnitt über 12 cm größer geworden. Wie kann man das erklären, da sich die Gene der Japaner in diesen 40 Jahren nicht verändert haben?

Ganz einfach: Sie konnten sich vorher nicht richtig ernähren, weil die dortigen verfügbaren Nahrungsmittel nicht ausreichten. Ihnen fehlten es durch die Mangelernährung an Calcium, daher blieben sie kleiner, als es genetisch eigentlich "vorgesehen" (Manfred Spitzer). Umgekehrt war die geistige und spirituelle "Ernährung" in Japan nicht zuletzt durch den Buddhismus besonders gut.

Bei uns im Westen ist es wohl umgekehrt: Wir haben eine ausreichende körperliche Ernährung. Aber wie steht es mit unsere geistigen und psychischen Ernährung? Nutzen wir wirklich unser eigenes psychisches Potential? Sind wir geistig vielleicht deutlich kleiner als wir sein könnten? "Ernähren" wir uns also geistig richtig: wohl kaum!

Die buddhistische Achtsamkeit, Meditation und das Bodhisattva-Handeln sind bewährte wirksame Mittel, um sich geistig und spirituell zügig weiter zu entwickeln. Sie sind die geistige Nahrung, die wir im Westen heute so dringend benötigen. Und diese geistige Entfaltung kann im ganzen Leben weitergehen, bis in das hohe Alter.

Dann entwickeln sich unsere eigenen Sternstunden. Das ist der Morgenstern, den Buddha zum ersten Mal mit seiner Erleuchtung klar und wirklich sehen konnte.

Unser wahres Selbst und unseren Geist können wir also viel besser "ernähren", als die meisten glauben. Denn die wahre Natur der Befreiung und des Erwachens führen zur Entfaltung eines gelungenen und erfüllten Lebens: Dann starten wir zu einem neuen Weg. Und er beginnt mit einem ersten realisierten Schritt. Das schafft Vertrauen zu uns selbst und für unsere weitere Entfaltung. Auf die Veränderung kommt es an.

Passiver Konsum minderwertiger Informationen macht uns einsam und depressiv. Wir sollten uns also geistig und psychisch gut ernähren und aktiv auswählen. Dabei hilft der Buddhismus in bewährter Weise. Das erkannte intuitiv bereits der Buddha:

Unser Lern-Zentrum der Entfaltung in unserem Gehirn ist gleichzeitig unser Glücks-Zentrum.
Das ist in der Neuro-Wissenschaft eindeutig nachgewiesen.


Freitag, 21. September 2018

Sternstunden des Buddhismus: neues Buch

Buddhawort, Mittlerer Weg und ZEN

Nun ist es 22 Jahre her, dass ich an den Texten des genialen japanischen Meisters Dogen zum ZEN-Buddhismus und des genialen indischen Meisters Nagarjuna zum Mittleren Weg arbeite. Das Ergebnis möchte ich Ihnen jetzt mit meinem neuen Buch vorstellen. Dabei war es mir vergönnt, viele Jahre mit Nishijima Roshi zusammen zu arbeiten, sicher einer der größten Zen-Meister des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Übersetzung des Mittleren Weges aus dem Sanskrit gelang zusammen mit der Indologin Elisabeth Steinbrückner. Das Vorwort schrieb Doris Zölls Roshi.

Bei diesen äußerst wertvollen Werken ist aus meiner Sicht größtmögliche Verlässlichkeit für die Übersetzung der Basistexte erforderlich, die unbestritten das maßgebliche Fundament für die weltweite Verbreitung des Buddhismus sind; bis hin zu uns heute im Westen.

Sie werden mit Recht fordern, dass dieses Buch außerdem bestmöglich verständlich geschrieben ist und seine großen Schätze damit für Sie öffnet. Dies gilt besonders für die Erläuterungen und Interpretationen. Das war und ist mein großes Ziel.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude und tiefe buddhistische Weisheits-Erlebnisse, wenn Sie zu diesem Buch greifen. Oder es vielleicht zu Weihnachten verschenken.

Jetzt auch als günstiges E-Book

Mit herzlichen Grüßen
Yudo J. Seggelke

Freitag, 7. September 2018

Die Erleuchtung des Mörders Angulimala (Teil 2)

(Aus meinem neuen Buch "Sternstunden des Buddhismus, erscheint demnächst)


Gleichgewicht und Glück statt Verbrechen

Buddha erkannte sofort das positive Potenzial und die Entwicklungs-Möglichkeiten dieses Mörders und forderte ihn ganz einfach auf:

„Tritt ein und sei ein Mönch“

Und tatsächlich: Der Mörder Angulimala würde auf der Stelle Mönch, vom Mörder zum Mönch, welch ein Wandel! Ein Mitglied in Buddhas Sangha, hier und jetzt

Buddha weihte ihn sogar höchst persönlich zum Mönch. Die unglaubliche Verwandlung des gefürchteten Mörders und die Aufnahme in Buddhas Sangha erregten in der Umgebung großes Aufsehen. Viele hielten das für eine Fake-News, wie man heute sagen würde. Inzwischen hatten die Menschen sogar den König Pasenadi um Hilfe gerufen, der sich mit seinen 500 Reitern auf den Weg gemacht hatte, um diesen bisher unbezwingbaren Mörder endlich auszuschalten.

Aber nun musste er mit seinen Soldaten überhaupt nicht gegen Angulimala antreten, weil dieser bereits ein friedlicher, bescheidener Mönch und Mensch der buddhistischen Sangha geworden war. Ihn verlangte nicht nach Reichtum und zweifelhaftem Ruhm eines gefürchteten Verbrechers. Er lebte das Leben eines Einsiedlers und praktizierte ausdauernd und hoch motiviert. Er hatte seinen wahren Lebensweg gefunden..

„Er übte allein für sich, unermüdlich und eifrig, und erreichte bald das höchste Ziel des reinen Lebenswandels schon in diesem Leben.“

Eines Tages wurde er allerdings auf einem Almosengang erkannt und von den empörten Einwohnern wutentbrannt angegriffen und verprügelt. Nur mit großer Mühe und lebensgefährlichen Verletzungen entkam er schließlich: „Mit blutendem Kopf, zerbrochener Schale und zerrissenem Gewand kam er zum Erhabenen.“ Buddha sagte zu ihm:

„Nimm es geduldig hin, Heiliger. Die Taten für die du sonst viele tausend Jahre in der Hölle büßen müsstest, die büßt du schon jetzt in diesem Leben ab.“

Und im folgenden Gedicht heißt es:
„Wer früher träge war und sich dann tüchtig macht,
der leuchtet wie der Mond in wolkenloser Nacht.
Wer alte Übeltat durch Guttat ausgeglichen,
der leuchtet wie der Mond, wenn Wolken sind gewichen.“

Dies ist eine wirklich spektakuläre Geschichte: durch eine alles verändernde Begegnung und Weichenstellung eröffnen sich dem Mörder völlig neue Alternativen für ein friedliches und erfülltes Leben. Die direkte Begegnung mit Buddha bewirkte, dass sich Angulimala radikal von seinen menschenverachtenden Taten abwenden und sein Leben ändern konnte. Wie es heißt, erlangte er schon in diesem Leben durch die buddhistische Praxis Erleuchtung und die höchste für Menschen mögliche Lebensform.

Nun leben wir heute nicht mehr im Zeitalter Buddhas, haben aber nach der buddhistischen Lehre mindestens die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie der Mörder Angulimala. Es kommt darauf an, dass wir unsere Chancen erkennen, tatkräftig ergreifen und uns damit ganz neue Lebensdimensionen eröffnen. So verwirklichen wir in diesem Leben Befreiung, Emanzipation und Glück.

Donnerstag, 30. August 2018

Die Erleuchtung des Mörders Angulimala (Teil 1)

(Aus meinem neuen Buch: "Sternstunden des Buddhismus")

In den Lehrreden Buddhas wird von einem grausamen Räuber und Mörder namens Angulimala berichtet. Dieser trieb ohne Erbarmen und mit äußerster Brutalität sein Unwesen, ohne durch sein Gewissen oder Regeln der Ethik kontrolliert zu werden. Er verachtete seine Opfer, ermordete sie und fädelte triumphierend ihre Fingerknochen zu einer Kette auf, die er stolz um den Hals trug.

In allen Kämpfen und Mordtaten war er äußerst geschickt und bisher unbesiegt, vor allem, weil er extrem schnell laufen konnte und sehr beweglich war. Er prahlte, dass er Elefanten, Pferde und Menschen jederzeit einholen könne und hielt sich für unbesiegbar. So griff er meist von hinten an und überwältigte alle Opfer fast ohne Gegenwehr. Der Wald, in dem Angulimala hauste, war weit und breit gefürchtet, ihn zu durchqueren glich dem eigenen Todesurteil.

Buddha wollte nun auf einer Wanderung seinen Weg durch diesen Wald nehmen, wurde aber von den dortigen Bewohnern eindringlich vor Angulimala gewarnt. Buddha solle einen Umweg machen, um zu überleben, rieten sie. Er ließ sich jedoch trotz dieser mehrfachen Warnungen nicht von seinem Weg durch den Wald abhalten. Als Angulimala ihn kommen sah, war er sich sicher, ein neues Opfer gefunden zu haben, und wartete zunächst ab, um dann von hinten anzugreifen:

Es heißt: „Er ergriff Schwert, Schild, Bogen und Pfeile und verfolgte den Erhabenen. Dieser aber bewirkte durch seine außergewöhnlichen Kräfte, dass Angulimala ihn nicht einholen konnte, obwohl Buddha selbst nicht schneller als gewöhnlich ging, während jener mit Aufbietung aller Kräfte lief“, um schneller voranzukommen.

Das heißt, dass seine große Schnelligkeit und seine brutalen Kräfte gegenüber Buddha unwirksam waren, er konnte sie nicht einsetzen. So etwas war ihm noch nicht passiert. Verblüfft rief er daher Buddha zu, er solle sofort stehen bleiben. Zu Angulimalas Erstaunen antwortete Buddha, der sich zwar umgedreht hatte, aber weiterging, dass der Mörder ja selbst stehen würde (!). Denn gegen seinen eigenen Willen kam dieser keinen Schritt näher an sein vermeintliches Opfer heran und sagte daher sogar in Gedichtform:

„Du gehst, Asket, und sagst, ich stehe still.
Obwohl ich stehe, nennst du mich ruhelos.
Wie soll ich das verstehen? Sag mir das:
Du stehst still und ich sei ruhelos.“

Es geht in diesem Gleichnis einerseits um die körperliche Dimension des Gehens, Laufens und Stehens, aber sicher noch um viel mehr, nämlich um die geistigen, spirituellen und psychischen Kräfte. Es ist nicht verwunderlich, dass ein Mörder keine Ruhe findet, obgleich er körperlich still steht, und dass der erleuchtete Buddha geht, aber dabei ruhig erscheint. Buddha antwortete in diesem Sinne:

„Ich stehe still Angulimala, sag ich, weil ich den lebenden Wesen nichts zu Leide tue. Du aber wütest gegen Lebewesen, drum steh ich still und du kommst nicht zur Ruhe.“

Diese Aussage verwirrte den Mörder Angulimala zutiefst und er gestand dem Buddha:
„Längst hätte ich das Böse aufgegeben, wäre mir dein Wahrheits-Wort zuteil geworden.“






Montag, 20. August 2018

Die wirklichen Berge und Gomera-ZEN




Dōgen zitiert einen ewigen Buddha zu Bergen und Wasser, also zur wahren Natur:

„Berge sind Berge, Wasser ist Wasser.’ Diese Worte bedeuten nicht, dass Berge (gedachte) Berge sind, sondern dass Berge (wirkliche) Berge sind."

Also sind gedachte Berge keine Berge und gedachtes Wasser kein Wasser

Aber wenn wir Zazen meditieren und auf dem Weg sind, können wir die wirklichen Berge in der Praxis verwirklichen

"Wenn wir die Berge in der Praxis meistern, ist es das Handeln in den (wirklichen) Bergen. Solche Berge und solches Wasser bringen auf natürliche Art die Weisen und Heiligen hervor.“

Und was gilt dann?
Die Berge sind Berge und das Wasser ist Wasser.

Im Buddhismus sind Berge und Wasser die großartige Buddha-Welt, und in dieser Natur hat sich Buddha selbst verwirklicht. Berge und Wasser sind Teil der "unbelebten Natur" und des Universums, wie manche behaupten. Es sind aber Erscheinungen, die wir mit unseren ganzen Sinnen wahrnehmen. Und nach dem Buddha-Dharma gehen sie über die vordergründige Wahrnehmung und äußere Form hinaus und vermitteln die Reinheit und Schönheit der Buddha-Welt. Heute wie damals suchen die Menschen die wunderbaren Augenblicke der Naturerlebnisse in den Bergen und auf den Gewässern.
 
Wir wollen in der Natur auf La Gomera wahre Berge und wahres Wasser erleben und erfahren.

Dōgen warnt immer wieder davor, die wirklichen Berge und das wirkliche Wasser mit den Begriffen und Vorstellungen zu verwechseln, die wir Menschen uns fast automatisch von ihnen machen, die aber das wirkliche Erleben oft verdecken, verzerren und verändern. Wenn wir dabei steckenbleiben, erfahren wir die Berge und das Wasser eben nicht mehr als Wirklichkeit, so wie sie ist, sondern wir erfahren uns mehr oder minder getrennt von ihnen.

Wir leben dann in der Welt unserer eigenen Ideen und Vorstellungen und nicht zuletzt in der Welt der Bewertungen und Vorurteile. Dadurch verkümmert das eigentliche Naturerlebnis: Uns entgehen die Kraft und heilende Energie der Berge und Wasser! Das muss nicht sein.

Übrigens können Sie die Bilder durch Anklicken vergrößern.


Freitag, 3. August 2018

Edle Leerheit und die Vier Edlen Wahrheiten


Es ist an der Zeit, Klarheit zu Begriff und Bedeutung der Leerheit im Buddhismus zu schaffen. Hier mein kurzer Vorschlag.

Worum geht es dem Buddha eigentlich wirklich? Antwort: Um eine zuverlässige Philosophie und einen praktikablen Weg der eigenen Befreiung und Emanzipation, also des menschlichen Glücks. Dabei geht er kritisch und nicht gerade zimperlich gegen die damalige Religion des Brahmanismus vor. Diese hatte die zutiefst unmoralische Kasten-Diskriminierung religiös abgesegnet und verewigt. Buddha war also eine große und nicht überhörbare Stimme der damaligen Moderne. Das ist m. E. mindestens vergleichbar mit der heutigen Moderne der Philosophen Nietzsche, Husserl, Sartre, Wittgenstein usw..

Nach über 600 Jahren gab es dann aber wieder gravierende Fehlentwicklungen, sodass bereits ein überwundener Fake-Glaube sein Unwesen trieb und sich im Buddhismus eigenartige Doktrinen verbreiteten, die ihn z. T. ins Gegenteil verkehrte. Dagegen setzte Nagarjuna den Begriff und die wahre Bedeutung der Leerheit.
Die gründlichste Beschreibung der Leerheit finden wir m. E. daher in dem Lehrgedicht des Mittleren Weges des großen indischen Meisters Nagarjuna, das etwa um 150 n. Chr. entstanden ist. Besonders ist das Kapitel 24 zu nennen. Das MMK ist vor allem eine philosophische sehr präzise Abhandlung über Fehlentwicklungen, Missverständnisse und sogar Perversionen der ursprünglichen Lehre Buddhas.
 
Die kraftvollen Vier Edlen Wahrheiten Buddhas verkamen in manchen Doktrinen zu den kraftlosen vier unedlen Nicht-Wahrheiten. Vermutlich war das den Akteuren nicht immer bewusst.

Dagegen setzte nach meiner festen Auffassung Nagarjuna das Prinzip der Edlen Leerheit. Denn er brauchte einen neuen Begriff. Und der Begriff der Leerheit verblüfft in der Tat damals und auch heute. Das ist sicher bewusst so gewollt. Was ist gemeint? Diese Leerheit bedeutet Bereinigung von verschwommenen und in sich widersprechenden Doktrinen und Glaubensdogmen, die zwar schnelles Glück und schnelle Freiheit versprechen, aber das Gegenteil bewirken. Kurz zusammengefasst: Pragmatische Realisierung des Achtfaches Pfades anstatt wuchernde und unverständliche Metaphysik
Edle Leerheit heißt demnach:

Befreiung durch den pragmatischen Buddhismus der Wirklichkeit und Überwindung des absolutistischen Fake-Glaubens.

Aber Nagarjuna verharrt gerade nicht in der Destruktion und nicht im Nihilismus, wie manche Autoren behaupten, sondern setzt auf die Wechselwirkung des gemeinsamen Entstehens im Leben und in der Welt. Es macht auch keinen Sinn, die Leerheit zu mystifizieren, z. B. als unsagbare Ein-Einheit des Nichts, als das Große Eine, in der alle Unterschiede und Gegensätze dieser bösen Welt jäh verschwinden. Und dies sei zugleich die unwandelbare absolute Wirklichkeit und absolute Wahrheit. Wer kann das verstehen? Solche Fantasien destruiert Nagarjuna ohne Zögern als metaphysischen Unsinn und als weltfremde Traum-Gebilde. Und ich folge ihm dabei. Wie sollen solche Fantasien und Träume unser Leiden konkret beenden und zur Freiheit im Hier und Jetzt führen? Das kann nicht gelingen. Buddhismus erfordert wie das MMK  kritische Fragen und eigene solide Erfahrung, gestützt durch mutige Selbstbeobachtung und Achtsamkeit.

Was sagt Bodhidharma noch zum chinesischen Kaiser Wu auf die aufgeplusterte Frage nach der ewigen absoluten heiligen Essenz der Buddhismus? "Nichts von heilig, leere Weite!" Nichts als leere Weite.

Also weg mit Fantastereien, Gerede, romantischen und esoterischen Selbstlügen, Populismus, weg mit unterwürfigem naivem Glauben, den Verdeckungen, überflüssigen Verzierungen und störenden Ornamenten. Sie verhindern die klare Selbstanalyse der Achtsamkeit und den Befreiungsweg, und führen zu Abhängigkeit und zum Leiden. Dann haben unechte Lehrer, unechte Gurus und angebliche Meister leichtes Spiel. Und das sind auch die Begriffe der Moderne (vgl. den Philosophen Figal) zum Beispiel der Philosophie, Kunst und Architektur vor und nach der Katastrophe des ersten Weltkriegs: Zurück zur Einfachheit und Klarheit. Oder wie Shunryu Suzuki sagt: "Zen-Geist ist Anfänger-Geist".

Diese Edle Leerheit ereignet sich besonders in der Zazen-Meditation: Körper und Geist fallen lassen. Nichts als sitzen, Shikantaza!

Das "Nichts-Als" und "Ohne" sind das Einfache, sind die Edle Leerheit, das Wirkliche, sind ohne Fake. So leitet Nagarjuna m. E. die zweite Epoche der buddhistischen Moderne ein, die China, Tibet und Japan außerordentlich dynamisiert hat und jetzt zu uns in den Westen gekommen ist.

Samstag, 14. Juli 2018

Wer hat eigentlich die die Buddha-Natur?




Dôgen zitiert wortgetreu den großen nationalen Zen-Meister Enkan Sai-an[i], der lehrte: „Alle Lebewesen haben die Buddha-Natur!“[ii] Und der Mensch sei nur ein Beispiel für die verschiedenen Lebewesen auf der Welt. Dôgen fügt hinzu, dass alle Lebewesen einen Geist haben. Er setzt offensichtlich Geist und Buddha-Natur gleich. Das bringt m. E. mehr Klarheit in den recht unbestimmten Begriff des Geistes, denn die Buddha-Natur beschreibt Dogen recht genau aufgrund seiner eigenen tiefgründigen Erfahrung. Er stellt dabei das jeweilige Handeln in den Mittelpunkt und lehnt die Vorstellung als Ding im Gegensatz zu anderen eindeutig ab.

Und er erweitert mit diesem Zitat die Bedeutung der Buddha-Natur: Bisher war nur von Menschen die Rede, und es ging um die Frage, wann und ob sie die Buddha-Natur haben und ob sie die Buddha-Natur sind oder nicht. Dôgen geht sogar noch weiter als Enkan Sai-an, indem er die Buddha-Natur außerdem auf die belebte und die nicht-belebte Natur bezieht. Dabei wird der Unterschied zur westlichen Philosophie besonders deutlich: Wir postulieren nicht nur, dass allein der Mensch die Qualität des Geistes besitzt und sich damit von den Tieren fundamental unterscheidet, beziehungsweise sich über sie erhebt, sondern wir unterscheiden auch rigoros zwischen der belebten und nicht-belebten Natur. Dagegen sagt Dôgen:

„Gras, Bäume und Länder sind selbst Geist. Weil sie Geist sind, sind sie lebende Wesen. Und weil sie lebende Wesen sind, haben sie die Buddha-Natur.“

Damit wir die Ganzheit von Mensch, Lebewesen und Natur unterstrichen und der Dualismus negiert. In diesem Sinne zählt er dann auch die Sonne, den Mond und die Sterne auf und erklärt, dass sie „selbst Geist sind“.

Als logische Schlussfolgerung heißt das, sie sind auch Buddha-Natur. Hier betonen Nishijima und Cross[iii], dass aufgrund der Bedeutung des von Dôgen verwendeten japanischen Wortes zugleich ganz klar ist, dass auch sie die Buddha-Natur sind und nicht nur haben. Wie in der tradierten Aussage von Gautama Buddha dürfen wir die Formulierung „die Buddha-Natur haben“ auch hier nicht im Sinne des Besitzens oder Nicht-Besitzens verstehen, sondern als lebendige Wahrheit. Und diese Wahrheit ist untrennbar mit der Buddha-Natur verbunden Dann folgt ein verblüffender Satz:

„Jene, die ganz und gar verschieden von den Lebewesen (Buddhas) sind, mögen jenseits davon sein, die Buddha-Natur zu haben.“

Wer unklar ist, glaubt also an die Buddha-Natur als Ding, die man haben kann. Hierzu erläutern Nishijima und Cross, dass mit den Lebewesen hier die Buddhas gemeint sind.[iv] Damit wird die Aussage bekräftigt, dass alle Lebewesen die Buddha-Natur sind.

Dôgen regt uns nachdrücklich an, dass wir dem nationalen Meister folgende Frage stellen sollen: „Haben alle Buddhas die Buddha-Natur oder nicht?“ Auf diese Weise sollen wir den großen buddhistischen Meister auf die Probe stellen, um zu erfahren, wie er seine Aussage begründen würde. Und mit Nachdruck wiederholt er, dass der nationale Meister sich von dem Begriff des Habens und als Ding unbedingt verabschieden muss.



[i] Enkan Sai-an war Nachfolger von Baso Do-itsu, er starb 842.
[ii] Shinji Shobogenzo, Bd. 2, Nr. 15
[iii] Shobogenzo, englische Fassung, Bd. 2, S. 22, Fußnote 99
[iv] ebd., Fußnote 100

Samstag, 23. Juni 2018

Buddha-Natur, Magie des Augenblicks



Bei der Zazen-Medition erfahren wir unmittelbar die Magie des Augenblicks und die Buddha-Natur: Der Augenblick der Gegenwart öffnet unser Potential, ein neuer menschlicher und spiritueller Kosmos. Er lässt hemmende unheilsame Muster und ungute Prägungen auslaufen und zur Ruhe kommen. Aus dieser Ruhe können neuen Kräfte, eine neue Lebensfreude und eine neue Kreativität wachsen, für die kommenden Augenblicke des Tages und das weitere Leben. Das sind dynamische Augenblicke mit der Kraft aus der Ruhe, die uns trägt.

Dabei ist die oft missverstanden Leerheit vor Allem und gerade die Leerheit und Befreiung von hemmenden und verzerrenden Prägungen, den unguten Mustern des Denkens, Fühlens und Handeln. Also weg damit! Lebensfreude entsteht dann wie eine sich öffnende Lotos-Blüte. Dreht sie sich dabei, wie Dogen und Hui Neng sagen? Ich meine, ja, so ist es. Dieser Prozess ist unlösbar mit der Buddha-Natur verbunden, denn die Buddha-Natur kann es ohne dieses Entfalten und Wachsen nicht geben. Oder wie Buddha sagt: Dies ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung (pratitya samutpada). Also eben kein Ding und kein Gegenstand, und wenn diese noch so vergoldet dargestellt werden. Leben ist kein Ding und keine isolierte Entität, ein solches Ding müsste dann "verhungern" und schrumpfen. Nichts gegen Gold aber sicher nicht als das fiktive fleckige Gold erstarrter Dogmen, Doktrinen und hemmender Prägungen. Eine solche Befreiung und Emanzipation ist die zentrale Botschaft von Nagarjunas Mittlerem Weg.

Dôgen skizziert, wie das wahre Bild eines Menschen der Buddha-Natur aussehen sollte und welche Funktion es haben muss:

Wenn wir die Augen darauf richten und es genau ansehen, sollten wir direkt in der Gegenwart ankommen und zufrieden sein, also keinen (unnützen) Hunger mehr nach einer (doktrinären) Wahrheit haben.“

Im Gegensatz dazu berichtet Dôgen von einem drückenden Erlebnis auf einer seiner Reisen zu den verschiedenen Klöstern in China, zum Beispiel zum Kori-Zen-Tempel, einem der fünf wichtigsten der Song-Periode. Neben den Darstellungen anderer authentischer Meister der Linie gab es ein Bild Nâgârjunas, den Dogen außerordentlich schätzte. Das kann ich gut nachvollziehen, denn ich erkenne immer mehr den tiefen umfassenden klaren, wenn auch kritischen, Geist dieses großen indischen Meisters in den Schriften Dogens. So ging es auch meinem Lehrer Nishijima Roshi.

Dôgen wurde damals von einem Mönch im Kloster herumgeführt, der ihm allerdings ohne Engagement die verschiedenen Sehenswürdigkeiten zeigte und zur Enttäuschung Dôgens gerade das Bild Nâgârjunas ohne jede innere Anteilnahme vorstellte. Er beschreibt das Verhalten des Mönchs folgendermaßen:

Dabei hat er keine Nüstern in seinem Wesen und keine Worte in seiner Stimme.“

Diese ungewöhnliche Formulierung bedeutet, dass der Mönch leblos erscheint – die Nüstern sind das Symbol für das Leben und den Atem. Seine Sprache sei ausdruckslos und teilnahmslos. Dôgen sagte zum Mönch:

„Dies scheint wirklich das Bild eines Reiskuchens zu sein!“ Hier hat der Begriff die abwertende Bedeutung, dass der Reiskuchen nämlich nicht zum Essen und den Hunger im wahren Leben taugt. Das Bild eines Reiskuchens ist ein berühmter Ausspruch für fehlende Wirklichkeit und fehlendes Leben. Der Mönch lachte daraufhin seltsamerweise von ganzem Herzen und verstand offenbar überhaupt nicht, dass Dôgens Worte eine harsche Kritik an ihm selbst und seinem flauen Engagement im Buddhismus waren.


Auch die anderen Mönche des Klosters, die das Gespräch mit anhörten, zeigten kein Verständnis für das Bild des großen Meisters Nagarjuna. Dôgen nennt sie „Hautsäcke“, um auszudrücken, dass sie eigentlich keine wahren Menschen auf dem Buddha-Weg sind, nicht ernsthaft praktizierten und den Dharma nicht kannten. In diesem Zusammenhang bedauert er den Niedergang des chinesischen Buddhismus, der sich im 13. Jahrhundert schon abzeichnete.

„Zusammenfassend scheinen (solche Hautsäcke) die Grenze des klaren Verstehens verloren zu haben: "Für die Worte ‚die Buddha-Natur haben‘ und ‚ohne (Täuschung) zu sein‘.“
„Sie erwachen nicht aus ihren (fixierten) Ansichten und Meinungen und (wissen nicht), dass die Buddha-Natur mit dem lebendigen Denken, der Achtsamkeit und Verwirklichung zusammenhängt.“

Genauso falsch sei es aber , beim Thema Buddha-Natur ganz stumm zu bleiben, keine Fragen zu stellen und die Vernunft nicht ernsthaft zu bemühen, um tiefer einzudringen: „Denkt daran, dieser Zustand der Nachlässigkeit kommt daher, dass sie aufgehört haben, sich zu bemühen (und zu praktisieren).“
Abschließend hält Dôgen fest:

„Der Dharma kann nicht isoliert im Bild dargestellt werden.“ Denn dazu bedarf es der Unmittelbarkeit und Direktheit der Wirklichkeit des Künstlers. Und er bedauert sehr, dass er kein wirklich lebendiges Bild der Rundheit des Mondes und der Buddha-Natur des großen Meisters Nâgârjuna sehen konnte Denn genau das werde berichtet. Dann und genau dann erfahren wir die Magie des Augenblicks und die Rundheit des Mondes.


Freitag, 15. Juni 2018

Magie des Augenblicks im ZEN und westliche Philosophie: Ein Gegensatz?



Gegenwärtig trainiere ich häufiger Bogenschießen: Ein großartiges Beispiel für die buddhistische Praxis, das Wunder des Augenblicks, das eigene Gleichgewicht, sowie Veränderung und Dynamik. Also Einüben in der Kunst des Zen als Weg des Bogens, des traditionell mit höchstem Können verleimte Bambus aus Japan. Es gibt dabei vier wichtige Zustände:

Man hat sich aufgestellt, hält den Bogen in einer Hand, hat den Pfeil in die Sehne eingenockt, schaut auf das Ziel und hält Bogen, Sehne und Pfeil in einer leichter Vorspannung.

Der Bogen ist angehoben, gespannt, in Spannung und Dehnung des Rückens und der Armen. Dies wird auch als Ankern bezeichnet

Das Wunder des Augenblicks, Gleichgewicht in höchster Spannung: Der Pfeil löst sich und schlägt in die Zielscheibe ein.

Man steht entspannt, bleibt ruhig und „hält nach“.

Das ist sicher eine Beschreibung wichtiger Zustände. Aber was fehlt? Haben wir mit diesen Zuständen den Prozess, den Flow, die Veränderung und Dynamik und das wahre eigene Erleben wirklich voll erfasst und beschrieben? Sicher nicht. Denn zwischen den Zuständen ereignen sich ja gerade Veränderungen und Wandlungen von Körper, Geist und Psyche. Diese darf man nicht verbergen und weggelassen. Die Magie des Augenblicks ist damit unlösbar verbunden!

Menschen sind keine Zustände von Gegenständen und Sachen. Von entscheidender Bedeutung sind gerade der Bewegungsablauf und fortlaufender Prozess. Sie bauen die für den Schuss notwendige Spannung auf, bei gleichzeitiger ruhiger Konzentration und Achtsamkeit. Es geht weiter zum entscheidenden Augenblick, zum Ereignis, auf den alles ankommt, der Schuss, die Magie des Augenblicks. Dann kommt das Loslassen des Pfeils, das Release: Wow, das ist es !

Die Bewegung zum Lösen des Pfeils muss im Augenblick der höchsten Spannung, ruhig und zügig erfolgen. Jede Verkrampfung sei es aus Angst, das Ziel zu verfehlen, oder sei es aus Überheblichkeit einer falschen Sicherheit und damit ohne klare Achtsamkeit, sind falsch und führen in der Wirkung gerade zu schlechten Schüssen.

Das Ziel kann mit einem verkrampften Geist nicht "wie von selbst" getroffen werden: Die Harmonie von Körper, Psyche und Geist im Augenblick kann sich nicht ereignen. Danach fliegt der Pfeil auf seiner Bahn zum Ziel. Man beobachtet diesen Flug, der umso besser zum Ziel führt, wenn bei ihm in klarer Aufmerksamkeit kein falscher Ehrgeiz zu Verkrampfungen führt. Dann würde das kleine Ich mächtig stören und sich bei jedem "Fehlschuss" ärgern!  Dann ist die Magie weg. Aber ganz im Gegenteil, gelungene Schüsse geben Freude, Lockerheit und geradezu eine spirituelle Klarheit des Hier und Jetzt. Genau darin liegt auch die Bedeutung des intuitiven und spirituellen Bogenschießens. Gute Augenblicke und Schüsse setzen sich durch den Tag als freudiges länger anhaltendes Ereignis weiter fort.

Den gesamten Ablauf des Bogenschießens können wir wie bei Buddha, Nagarjuna und Dogen als Prozess verstehen, der die drei Phasen hat: Entstehen, Andauern und Vergehen. Dabei hat Entstehen einen bestimmten Vorlauf und zur Ruhe-Kommen einen Nachlauf. Und alles hängt als lebender Prozess zusammen. Aber das Beste: Gelungene Schüsse, die Magie des Augenblicks, erzeugen eine fast unbegreifliche Freude, die noch länger anhält, manchmal einen halben oder ganzen Tag. Und sie lösen miese Stimmungen, Frustrationen und Enttäuschungen durch Dritte auf.

Es wird klar, dass der fortlaufende Prozess sich jeweils aus sich selbst entwickelt, sich mit der Übung immer mehr verfeinert und immer weniger willentlich gesteuert werden muss. Das trainiert die über den Verstand hinausgehende Intuition.

Bis es wie bei Herrigel heißt: „Es hat geschossen“. Das Entscheidende ist der Augenblick und der dynamische Ablauf, also der Prozess von Mensch, Bogen, Sehne, Pfeil, Ziel usw.. Nach dem Ablauf dieser Dreiheit Entstehen, Dasein und Vergehen, die beim japanischen Bogenschießen zwischen 6 und 20 Sekunden dauert, kann ein neuer Prozess für einen zweiten Schuss ablaufen.

Diesen Ablauf können wir als Dharma der Dynamik auffassen, da er die drei Phasen Entstehen, Andauern und Vergehen umfasst. Nagarjuna beschreibt dieses Phänomen im Mittleren Weg, MMK, in dem oft missverstanden siebten Kapitel. Beim Bogenschießen wird klar: Entstehen, Dasein, Augenblick und Vergehen können nicht getrennt werden, sie wirken aufeinander. Oder ganzheitlich: Gemeinsames vernetztes Entstehen in Wechselwirkung (pratitya samutpada).

Ich finde es erstaunlich, dass Buddha, Nagarjuna und Dogen jeder auf seine Weise diese grundlegenden Regeln des Lebens und seiner Entwicklungen so klar erkannt und präzise analysiert haben.

Philosophische Anmerkung zum griechischen Denken: Heidegger hat sich wohl in seinen späten Jahren mit Zen und Tao beschäftigt und nach Reinhard May in seine Philosophie integriert: "Heideggers verborgenen Quellen". Für Heidegger ergibt sich m. E. das Ereignis als Zeit und Sein, also die Ganzheit von Sein-Ereignis-Zeit. Das Sein ist bei ihm nach meiner Einschätzung nicht wie meist in der klassischen westlichen Philosophie von der Zeit unabhängig, also ewig und unveränderlich. Im Gegenteil: Es gibt dann Sein in der Gegenwart und damit im Augenblick der Zeit. Die traditionelle Metaphysik des Seins, aus dem Seienden entwickelt, könne man nach Heidegger auf sich beruhen lassen, (Vortrag "Zeit und Sein" 1962). Und weiter zu seinem zentralen Begriff des Ereignisses: "Mit dem Ereignis wird überhaupt nicht mehr griechisch gedacht (May, S. 63).

Heidegger sagt m. E. nichts anderes, als dass er die bisherige Philosophie auf der Basis des griechischen Denkens mit der Bedeutung des Ereignisses weitgehend verlassen habe. Er fügt hinzu, nach May allerdings verschlüsselt formuliert, dass er im Kontakt mit der ostasiatischer Philosophie des Tao und Zen neu ansetzt und diese in seine Philosophie integriert, vermutlich weil er sie für ergiebig und zukunftsweisend hält. Das finde ich wirklich spannend: Und zwar auch und gerade für die zentrale philosophische Frage nach dem Sein.

Er nennt seinen eigenen Denkweg die "tiefverborgenen Verwandschaft" (mit Tao und Zen).

Buddha und Nagarjuna könnten dem m. E. weitgehend zustimmen und Dogen würde zudem das Handeln im Augenblick betonen. Die westliche Philosophie könnte nach Derridá auch so aus ihrer Euro-Zentrierung herauskommen. Eine solche Wechselwirkung ist auch das Ziel meiner eigenen Arbeit: Die östliche Philosophie hält große Schätze für die eigene Befreiung und Emanzipation bereit, praktisch und theoretisch.