Donnerstag, 7. Juli 2022

Das spirituelle umfassende ES in selbstvergessener Klarheit


Meister Dōgen untersucht in seiner erleuchteten Klarheit das sogenannte „ES“ im Buddhismus, das die umfassende Wahrheit und Wirklichkeit selbst ist. Diese ES ist nach der buddhistischen Lehre eigentlich etwas ganz Natürliches. Aber häufig wird das Natürliche, also unsere Buddha-Natur, verzerrt, eingeengt oder sogar in Gegenteil verfälscht! Denn dieses große ES übersteigt kleinliche Trennungen von Ich und Du, von Egoismus und Habgier und von den beiden anderen Giften Hass und Verblendung. Dieses große gemeinsame ES verschwindet im Kampf-Modus, als ob es nie existiert hätte.

Das ES umfasst das Ganze der Lebens im Augenblick, darin fehlt nichts Wichtiges und es enthält nicht Überflüssiges. Das ES verwirklicht sich vor allem im gemeinsamen Bodhisattva-Handeln.

So ist der Streit um Weltanschauungen und Religionen häufig nur ein Disput um unterschiedliche Bedeutungen der Begriffe, die sich subjektiv und bewertend bei den verschiedenen Menschen festgesetzt haben. Oft dominiert sogar der Kampf-Modus: Jeder möchte sein trainierte Ego in den Kampf führen, um sich selbst zu bestätigen und den anderen zu besiegen. Ein solches Ego gibt es jedoch nach dem Buddhismus in Wirklichkeit überhaupt nicht. Ein solches Ego ist ein Phantom und eine Fata Morgana ohne Wasser

Ich möchten die Bedeutung des ES, anhand des berühmten Buches" Zen in der Kunst des Bogenschießens" von Herrigel beleuchten. Er kam als deutscher Philosoph nach Japan. Seine dortigen Freunde überzeugten ihn, dass er eine praktische Zen-Disziplin erlernen müsse, um den Buddhismus zu „verstehen“, und er wählte die Kunst und den Weg des Bogenschießens, Kyudo. Er berichtet sein großes Problem, dass sich der Schuss des Pfeils in der "höchsten Spannung" des Körpers und Bogens wie von selbst lösen sollte. Aber das gelang überhaupt nicht, schon gar nicht durch intellektuelles Denken und verkrampften Willen.

Eines Tages, nach ausdauerndem Üben, löste sich plötzlich ein Schuss genau im Augenblick in selbstvergessener Klarheit und in höchster "Spannung" wie von selbst. Das war es! Zu seiner größten Überraschung verneigte sich sein Meister vor diesem Schuss und sagte: „ES hat geschossen!“ Das große ES hatte sich verwirklicht.

Dōgen zitiert einen alten Meister: „Wenn ihr das ES erlangen wollt, müsst ihr ein Mensch sein, der das ES ist. Da ihr bereits ein Mensch seid, der das ES ist: Warum macht ihr euch Sorgen, was das ES sei?“

Das Erwachen oder die höchste Wahrheit des Menschen werden hier mit dem Begriff „ES“ bezeichnet, das einerseits etwas Ungewisses benennt, aber andererseits etwas Wirkliches und Wahres ist.

Die Bezeichnung „ES“ mag uns Menschen des Westens verwundern, aber der Begriff sagt nachdrücklich, dass die großartige Wirklichkeit nicht im logischen Sinne eindeutig erfasst werden kann. Um für dieses ES offen zu sein, müssen wir die eigenen rotierenden und oft hektischen Gedanken und auch verzerrende Emotionen des Ego loszuwerden, damit es sich überhaupt zeigen und entwickeln kann. Dann kann ES schießen: einfach, gerade und zielsicher.

Dōgen sagt: "Deshalb mag das ES die Soheit der Klänge und Formen sein. Die Soheit von Körper-und-Geist mag des ES sein. Und die Soheit der Buddhas mag das ES sein.“ Das ES kann man daher auch als die eigentliche Wirklichkeit und Wahrheit bezeichnen.

Link: Das große ES der Umwandlung

 

Donnerstag, 30. Juni 2022

Was ist Buddhismus?

Buddha: Wechselwirkung Berlin und la Gomera. Bitte anklicken


Hier möchte ich die erprobten Wahrheiten des Buddhismus vorstellen, wie ich sie verstehe und erfahren habe. Bitte wähle die wichtigste für dich aus und verbinde dich mit ihr. Das wird dich verändern!

Buddhismus ist die tiefgreifende Umwandlung deiner ganzen Persönlichkeit zum Guten.

Das ist der Weg zur Befreiung, zum Glück und zur Überwindung von Leiden und  Angst.

So findest du Sinn und Erfüllung in deinem Leben.

Haupt-Lehre:

Buddhismus lehrt die Vermehrung von Freude und Glück und die Verminderung von Leiden und Angst.

Es gibt kein unveränderliches getrenntes Ich, denn das ist eine Täuschung mit fatalen Folgen. Es wäre der âtman, den Buddha überwunden hat.

Es gibt keine unveränderlichen Charakter-Eigenschaften, denn sie können umgewandelt werden: spirituell, körperlich und geistig.

Deine Mitte gibt dir Kraft, Gleichgewicht und Kreativität.

Ethisches Handeln, Denken und Fühlen helfen dem Menschen selbst. Das ist auch Bodhisattva-Handeln für andere.

Unmoralisches Handeln, Denken und Fühlen kommen wie ein Bumerang zurück.

Die Leerheit von den drei Giften: Gier, Hass und Verblendung hat zentrale Bedeutung für uns.

Das ´gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung´ und die lebendige Vernetzung sind das Grundprinzip deines Selbst und des Lebens.

Der Mensch kann sinnvoll in fünf Gruppen, Skandhas,  gegliedert werden: Form, Gefühl, Bewusstsein, Wahrnehmung und formende Kräfte. Sie sind in lebender Wechselwirkung.

 

Weitere Eckpunkte

Einheit von Körper und Geist im Hier und Jetzt

Die Vier Edlen Wahrheiten zum Erkennen, zur Befreiung und zur Überwindung des Leidens

Der Achtfache praktische Pfad zur Befreiung und Erleuchtung, z. B. rechtes Handeln, rechte Achtsamkeit und rechte Meditation

Keine Extreme, keine Dogmen und keine verhärteten Ich-Ideologien

Überwinden der Dualität und Trennung von Subjekt und Objekt, z. B. beim japanischen Bogenschießen 

Sieben Faktoren der Erleuchtung: Achtsamkeit, Unterscheidung, Energie, Freude, Gestilltheit, Sammlung/Vertiefung und Gleichmut

Fünf Hemmnisse der Befreiung: sinnliches Wollen, Übelwollen, Trägheit, Aufgeregtheit und Zweifelsucht.

Es gibt vier Stufen der Vertiefung in der Meditation: die ersten drei sind Konzentration und die vierte ist die Öffnung ohne Grenzen, ohne Zeit und Raum, fast eine De-Konzentration

Die vierte Vertiefung ist besonders wichtig für Befreiung und Erleuchtung

Meditation im ZEN: ´Nichts als Sitzen, Fallen-Lassen von Körper und Geist´, in korrekter Haltung, mit geradem Rücken und gestrecktem Kopf

Erleuchtung und Verwirklichung im ZEN ist ´Feuerholz tragen und Wasser schöpfen´, also Alltag. Gerade heute in Krisen-Zeiten

Kampf-Modus im ZEN: Lass den Angriff des Gegners ins Leere gehen und wende seine Kraft gegen ihn selbst


Dienstag, 7. Juni 2022

Feuer ist reines Handeln der Buddhas, sagen Zen-Meister

 

Der Buddhismus ist eine Lehre der Praxis und des wirklichen Lebens, bei der Handeln, geistiges Klärung und eigenes Erfahren von zentraler Bedeutung sind. Den das ist heilsames gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung. Ohne Übertreibungen und Extreme das kräftig Heilsame der Mitte. Auf keinen Fall ist damit gekünsteltes und starr an Formen und Vorschriften gebundenes zeremonielles Handeln gemeint, denn es geht um den Alltag des Hier und Jetzt. Dieses Handeln vollzieht sich in der Mitte des Gleichgewichts und ist damit als Tun und Handeln der Buddhas und großen Meister zu verstehen. Die Praxis des Zazen oder die erste Erleuchtung, die „den Körper und (denkenden) Geist fallen lässt“, ist ein wesentlicher Bereich solchen Handelns und darf keinesfalls als statisch verstanden werden. In der Praxis des Zazen befreien wir uns von einengenden und störenden Gedanken, von Zwängen, Ängsten und vor allem von der Gier nach Ruhm und Profit. In diesem Handeln werden der Geist und das Bewusstsein von egoistischen Zwängen befreit, die das Handeln einseitig aus dem Gleichgewicht bringen und uns ins Unglück rennen lassen.

Das reine, wahre Handeln der Buddhas und erwachten Menschen ist nach Dôgen frei von Berechnungen und Tricks. Durch das Handeln selbst eröffnet sich der Zugang zur wunderbaren Wirklichkeit, und diese schenkt den Menschen heitere Gelassenheit, aber auch schnelle und ausdauernde Tatkraft. Wie bekannt, entscheidet sich Wolfgang von Goethe am Beginn des Faust für die Aussage: „Am Anfang war die Tat“, und verwirft den Satz: „Am Anfang war das Wort“.

Dōgen zitiert eine bekannte Stelle aus dem Lotos-Sūtra, wo Buddha sagt:

„Die Lebensspanne, die ich durch meine ursprüngliche Praxis des Bodhisattva-Weges verwirklicht habe, ist auch jetzt noch nicht beendet.“

Er will damit sagen, dass sein Handeln als Bodhisattva und Buddha immer weiter geht, dass es nichts Bestimmtes zu erreichen gibt und dass das Tun und Handeln selbst das Wesentliche ist

Dōgen untersucht dann ein wichtiges Koān-Gespräch zweier Meister. Seppō lehrte: „Die Buddhas der drei Zeiten sind in der Flamme und drehen das große Dharma-Rad“.

Sein Schüler Meister Gensa äußerte sich dazu:

„Die Flamme lehrt den Dharma für die Buddhas der drei Zeiten, und die Buddhas der drei Zeiten stehen auf dem Grund und hören den Dharma.“

Meister Gensa sagt, dass die Flamme den Dharma für die Buddhas verkündet, dass die Buddhas auf der Erde stehen und den Dharma hören. Das heißt, die Buddhas hören achtungsvoll zu und tun dies ohne Ablenkung und Eigennutz. Die Aussagen der beiden oben genannten Meister, Seppō und Gensa, dass die Buddhas in der Flamme sind, dass die Flamme den Dharma verkündet und die Buddhas zuhören, sind in der Tat nicht leicht zu verstehen. Sie entwickeln jedoch, je mehr man sich mit ihnen beschäftigt, eine erhebliche Tiefenschärfe und spirituelle, poetische Kraft. Die Flammen sind zweifellos auch Symbol der Reinheit und der Wärme.

Vertiefen: reines Handeln, Feuer

Mittwoch, 25. Mai 2022

Die Natur gibt Ruhe, vermindert Angst: Wir sollten sie erleben und schützen

 


In diesem Kapitel öffnet Meister Dôgen die tiefe Weisheit unserer Verbindung und heilende Einheit mit der Natur, also mit Bergen, Flüssen, dem Meer und Bäumen, Blumen, Hecken, Büschen usw. In dem Augenblick, wenn diese lebende Ganzheit gelingt, verwirklicht sich bei uns die Buddha-Natur und entwickelt ihre heilende Kraft! So wird überzeugend berichtet, dass mehrere alte Meister das große Erwachen, inneres Gleichgewicht und ihre Erfüllung mit und in der Natur erlebten.

Im authentischen Buddhismus ist die Lotosblume seit der Zeit Gautama Buddhas ein poetisches und wunderbares Symbol des heilsamen Dharma und der menschlichen Wahrheit ohne Leiden. Bei meinem kürzlichen Wandern in Südtirol waren es für mich der blaue Enzian und die wunderbare Bergwelt.

In der Natur finden wir das ruhige Gleichgewicht und die Kraft des Mittleren Weges. Eine solche Balance wird dann weder durch galoppierende Gedanken noch durch aufgewühlte Emotionen gestört, denn sie ist stabil, auch bei äußeren und inneren Störungen. Die Natur hat in ihrer Reinheit und Schönheit eine tiefe, ausgleichende Wirkung auf den Menschen. Auch wenn man verunsichert, beunruhigt, geängstigt ist oder von endlosen Gedanken-Zirkeln umgetrieben wird, kann man sich für die erhabene Schönheit, Ruhe und den Frieden der Natur öffnen und findet zum inneren Frieden zurück. Die Blumen, Pflanzen und Bäume sind daher wirklich das Leitbild für ein ausgeglichenes menschliches Leben. Der Mensch findet zur Ruhe und Ausgeglichenheit zurück, wenn er die Natur ganz in sich aufnimmt. Denn wenn Du in der Natur wanderst und die Augen schließt, dann sind Außen und Innen das selbe. Versuche es selbst einmal selbst! Dadurch entstehen neue Klarheit, neuer Lebensmut und neue Kreativität in unserem Leben.

Für Nishijima Roshi sind Natur und Universum die Wahrheit und Wirklichkeit selbst. Danach gibt es zwischen der buddhistischen Wahrheit einerseits und der Natur andererseits überhaupt keinen Unterschied und keine Trennung, sondern im Gegenteil, es besteht eine umfassende lebendige Einheit. Nach seiner Erfahrung und seinem Denken sind das Universum und die Natur sogar mit Gott identisch. Er sagt einfach und klar, dass Gott nicht kleiner als das Universum sein könne. Und es ist nicht vorstellbar, dass Gott größer als das Universum und die Natur sei, weil dann eine Trennung von Gott und Universum behauptet würde; dies könne aber nicht sein. Damit ist für Nishijima Roshi ganz klar, dass die Natur und das Universum die göttliche Wahrheit selbst sind.

Dôgen berichtet von einem alten Meister, der von einem Mönch gefragt wurde:

„Kann die Natur den Buddha-Dharma lehren oder nicht?“

Der Meister antwortete: „Sie lehrt den Dharma immer kraftvoll und ohne Unterbrechung.“

Ein anderer großer Meister führte ein ähnliches Gespräch mit seinem eigenen Lehrer, um herauszufinden, wie die Natur ohne störende Emotionen den Dharma lehrt. Er verfasste dann das folgendes Gedicht:

„Welch ein Geheimnis, dass die Natur den Dharma lehrt.

Wenn wir ihn nur mit den Ohren hören, ist es letztlich schwer, ihn zu verstehen.

Wenn wir seine Stimmen auch durch die Augen hören,

können wir beides genau erkennen.“


Vertiefen und weiter lesen

 

 

Donnerstag, 5. Mai 2022

Der Wille zur Wahrheit ist Kompass in unserem Leben

Über den Willen zur Wahrheit sagt Dōgen:

„Bei dem Streben nach Buddhas Wahrheit sollten wir den Willen zur Wahrheit als das Wichtigste ansehen. Menschen, die wissen, was es mit dem Willen zur Wahrheit auf sich hat, sind (leider) selten. Wir sollten diese (Wahrheit nur) unter solchen Menschen erkunden, die sie klar erkennen.

Im Zen und im authentischen Buddhismus wird Wahrheit  pragmatisch und nicht absolut oder dogmatisch verstanden: Es geht um das Hier und Jetzt, sehr konkret um Handeln, Denken und Fühlen. Jeder Mensch, wird nach eigenem Erleben, eigenen Erfahrungen und eigenem Bedenken vorankommen. Die Lehre und ein Lehrer oder Meister können die Richtung weisen, fundierte und bewährte Hilfestellungen geben und hoffen, dass der Funke der Suche nach der Wahrheit überspringt. Dann können eigene Kräfte und Energien beim Schüler freisetzt und entwickelt werden. Der Wille zur Wahrheit wird sich auf dem Buddha-Weg immer mehr verfeinern und genauer werden. Das ist der fortschreitende Lernprozess . Das ist der Kompass, der uns auch bei Sackgassen und Fehlentwicklungen immer wieder in die richtige Richtung zurückführt. Aber Dōgen sagt nicht, dass diese Wahrheit ein abgegrenztes intellektuelles oder philosophischen Wissen ist, das sich nicht mehr weiterentwickelt und quasi dinghaft und endgültig ist. Denn Philosophie heißt Philosophieren und nicht nur statisches Wissen.

Dōgens Kapitel über den Willen zur Wahrheit hat also eine direkte Verbindung zum Achtfachen Pfad der Befreiung und eines heilsamen Lebens. Die Achtsamkeit und Meditations-Praxis spielen dabei eine ganz wesentliche Rolle. Dōgen selbst hatte auf seiner langen Suche nach der wahren buddhistischen Lehre in Japan und auch in China viele Schwierigkeiten zu überwinden, bis er endlich seinen wahren Lehrer gefunden hatte. Durch die Zazen-Praxis in Wechselwirkung mit der buddhistischen Lehre fand er schließlich den befreienden Ausweg aus dem Lebenslabyrinth

Er macht unmissverständlich deutlich, dass nur in dieser unauflösbaren Verbindung von Theorie und Praxis, von fundierter Lehre und Meditation, wirkungsvoll nach dem authentischen Buddha-Lehre gesucht werden kann. Auf diesem Weg verändert sich der ganze Mensch, es kommt zur Transformation der Persönlichkeit und zu einer neuen Klarheit psychischer und spiritueller Zustände und Wechselwirkungen.

Dogen gibt ein überraschendes Zitat für die Suche nach der Wahrheit:

"Die Praxis ist nicht durch das Sitzen selbst begrenzt, sondern sie schlägt den (großen) Raum an und klingt wie das Anschlagen der Glocke, das sich vor und nach dem Glockenschlag fortsetzt.“

In diesem Gleichnis wird die Wirkung der Meditation poetisch auf den Punkt gebracht: Wenn wir morgens und abends meditieren, bleibt die Wirkung am Tag in der Folgezeit erhalten, gibt Kraft und verleiht uns Klarheit und Handlungsfähigkeit im Alltag. Nishijima Roshi nennt dies die dauernde Kraft des Zazen:

„Der Einfluss der Zazen-Praxis ist niemals auf die Zeit begrenzt, in der man tatsächlich Zazen praktiziert.“

Dōgen rät uns, einen wirklich überzeugenden Menschen und Lehrer zu suchen, der die Wahrheit des Lebens klar erkannt und sein Leben deutlich danach eingerichtet hat. Gleichzeitig warnt er vor solchen Lehrern, die zwar behaupten, dass sie den Willen zur Wahrheit besitzen, aber in Wirklichkeit nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Man erkenne aber nicht immer sofort, ob jemand tatsächlich den Weg der Wahrheit suche oder es nur vorgebe.

Links: Neu: Buddhismus für Einsteiger

Vertiefung zur Wahrheit.


 

Dienstag, 26. April 2022

Auch in der Krise: Das Universum ist eine leuchtende Perle

Bitte anklicken

Die Worte der leuchtenden Perle des Zen-Meisters Gensa sind von großer Treffsicherheit und positiver Wirkung für unser praktisches und spirituelles Leben
. Aber was ist eigentlich unser Leben? Antwort: Das wirkliche Werden-Sein-und-Zeit in Wechselwirkung mit der Welt und dem Universum, also authentisch nach Buddha: "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung". Und das lebende Ganze ist nach Gensa eine leuchtende Perle. Das ist ein sogenanntes Koan uns scheinbar paradox. Aber in Wirklichkeit führt es uns aus einem verengten Geist hinaus zum erfüllten Leben und mehr Freiheit. Aber dominiert nicht das Schlechte und Negative in dieser Welt? Es wird so viel geklagt: Die dunklen und abgründigen Seiten der Welt werden so häufig beschworen. Wir müssen doch nur die Berichte der Medien anschauen und in den angeblich sozialen Netze surfen. Im Gegensatz dazu lehrte schon Buddha in aller Klarheit, dass Kummer, Jammer, Gram und Verzweiflung weitgehend selbst erzeugtes Leiden ist, das überwunden werden kann und soll.

Der Buddhismus ist alles andere als eine lebensfeindliche und negative Philosophie und Lebenspraxis, wie manchmal behauptet wird, sondern ganz das Gegenteil. Die Schönheit und der wunderbare Glanz der Welt, der Natur, der Pflanzen und Tiere und des menschlichen Lebens sind der Mittelpunkt, die als wahre Wirklichkeit erlebt und entwickelt werden.

Die runde Form ist im Buddhismus ein Symbol für ein harmonisches und ausgeglichenes Leben und für die Schönheit Universum. Ecken und Kanten oder gar Stacheln und Borsten werden im Buddhismus weniger geschätzt, sie sind meist menschliche Übertreibung und ohne anhaltende Kraft. Der Buddhismus ist nicht lasch und lau und schon gar nicht nicht pessimistisch. Im Gegenteil: tatkräftig und optimistisch im Hier und Jetzt! Er entwickelt gute Kräfte gerade in der jetzigen Krisenzeit.

Die Perle spiegelt alles ohne Verzerrung wider, was um sie herum da ist. Und sie gibt ihren Glanz noch hinzu. Sie leuchtet in vielen schimmernden Farben von wirklich ausgesuchter Schönheit. Die Perle ist das Symbol der Wirklichkeit:

„Das Universum in den zehn Himmelsrichtungen ist eine leuchtende Perle“


Der Mönch Gensa praktizierte mit aller Kraft und Ausdauer, wollte aber eines Tages das Kloster verlassen, auf Wanderschaft gehen und bei andere buddhistischen Meister lernen und praktizieren. Dabei stieß er mit seinem Fuß in den offenen Sandalen heftig gegen einen Stein am Wege. Er hatte große Schmerzen an dem verletzten Zeh, der stark blutete. Bei diesem plötzlichen schmerzhaften Erlebnis hatte er eine vollkommen klare Erkenntnis und es schoss ihm durch den Kopf: „Manche behaupten dieser Körper existiert nicht wirklich, woher kommt dann der Schmerz?

Gleichzeitig erkannte er, dass es sinnlos war, erneut auf Wanderschaft zu gehen und nach irgendetwas Entferntem zu suchen. Er kehrte daher sofort um und ging wieder zu seinem bisherigen Meister und wurde später dessen Nachfolger. Sein Meister fragte ihn, warum er denn zurückgekommen sei, und er antwortete:„Letztlich kann ich mich nicht von anderen täuschen lassen.“

Das ist heute bei den verzerrenden Informationen des offiziellen Russland über den Krieg in der Ukraine wohl noch durchschlagender als damals. Und es ist für mich typisch Zen-Buddhismus: Der Wirklichkeit direkt zu begegnen, die Schönheit der Perle zu entdecken und danach sein Leben auszurichten. Der Mönch Gensa erkannte blitzartig, dass Erleuchtung und Freiheit nur in aktiver Wechselwirkung mit der Realität entstehen können: Authentischer Buddhismus, Meditation und Handeln im Alltag sind unlösbar verbunden.

Zu einem intellektuell verstiegenen Schüler sagte er dagegen:

„Ich sehe, dass Du Dich sehr anstrengst, um in die Höhle eines Dämons im schwarzen Berg zu gelangen.“ 

Das ist aber ganz unsinnig und der Gegensatz zur leuchtenden Perle. Dieser Irrweg sollte von uns  wirklich vermieden werden!


Links:

Neu: Buddhismus für Einsteiger

Vertiefung zur Perle

 

 

Sonntag, 10. April 2022

Wirkungsvolle Meditation gegen die Krise: Entfaltung der eigenen Energie-Sonne und Neuro-Wissenschaft

Für die jetzige Krise des Ukraine Krieges und der Corona möchte ich meine eigenen Erfahrungen einer wirkungsvollen Power-Meditation von etwa zehn Minuten oder länger mit dir teilen. Die Horrorbilder aus der Ukraine drücken uns dann nicht mehr nieder. Denn was nützt depressive Stimmung und Mutlosigkeit für unseren Geist und unsere Gefühle in Krisen? Nichts, sie sind destruktiv und verstärken nur Leiden und Schmerzen, wie Buddha in den Vier Edlen Wahrheiten überzeugend sagt.

Seine authentische Meditation hat vier Stufen: drei mit Konzentration und eine mit Offenheit und ohne Grenzen.

1. Konzentration 

Es gibt sehr gute Konzentrations-Meditationen: Tiefe Weisheiten wie "alle Lebewesen retten" oder "grenzenlose Liebe und Mitgefühl" und "liebevolle Güte" usw.. Andere Meditierende verwenden verschiedene wirkungsvolle  Bilder: Strand am Meer, Blumen, Tal in den Bergen usw.. Wichtig dabei: Der Rücken ist gerade aufgerichtet und der Geist auf einen Punkt gerichtet. Das wirkt wie ein Energie-Sonne und strahlt in den ganzen Menschen! Ich meditiere zu Anfang der Konzentration mit der einfachen Methode des Zählens bis zehn. Dann fange ich beim Zählen wieder bei Eins. Bitte beim Ausatmen zählen und die Sonne unter dem Bauchnabel weiter wirken lassen. 

Diese einfache Meditation lässt negative Gedanken und Gefühle verschwinden und stärkt die Konzentrationskraft, die wir heute dringend nötig haben. Besonders wirksam ist dabei die Bauchatmung. Das sind also die ersten drei Stufen der Meditation. Dauer etwa fünf Minuten oder auch länger.

2. Offenheit ohne Grenzen: Freiheit und tiefe Ruhe

Die authentische Vierte Stufe nach Buddha, hat große positive Wirkung und heißt auch Zazen. Meister Dogen sagt: "Körper und Geist fallen lassen,  nichts als Sitzen" und Buddha formuliert: grenzenlose Weite, ohne Raum und Zeit, keine Gegenstände. Dabei bleibt die Energie-Sonne besonders wirksam, ohne spezielle Konzentration und wir sind entspannt ohne lasch und nachlässig zu sein. Es wird berichtet, dass Dogen damit tiefe Erleuchtung erlangte. Wenn diese ganzheitliche Tiefen-Entspannung gelingt, entsteht neues Freisein und Helligkeit fast wie von selbst. Dabei gibt es auch die klare Erfahrung der Leerheit. Wenn irgendwelche Gedanken und Gefühle aufkommen, lasse sie einfach ziehen und wieder fortgehen: wie die friedlichen Wolken am Himmel. Mein Lehrer Nishijima nannte diese Meditation die Erste Erleuchtung. Dauer: fünf Minuten oder auch länger.

3. Neuro-wissenschaftliche Erklärung 

Ein technischer Computer wird bei Störungen auf Null gestellt und fährt danach oft ohne Fehler wieder hoch. Ich bin fest überzeugt, dass unser eigener Neuro-Computer bei dieser Meditation der Vierten Stufe ganz ähnlich funktioniert: Er bereinigt sich selbst von Fehlern und Täuschungen, sodass wir dabei Körper und Geist nachhaltig verbessern können. Und dies fast ohne Anstrengung. Probiert es bitte selbst aus!

4. Nach der Meditation gilt dann der alte Zen-Spruch:´ Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen´, also klares ethisches Handeln und Denken im Alltag. Diese Meditation hat sich bei mir besonders in einer schweren Berufskrise sehr bewährt.

Links: Neu: Buddhismus für Einsteiger

Genaue Anleitung zur Meditation


Sonntag, 27. März 2022

Berge und Wasser sind Oasen der Ruhe in Krisenzeiten


Im Buddhismus sind Berge und Wasser die großartige heilsame Buddha-Welt, genau in dieser Natur hat sich Buddha selbst verwirklicht. Berge und Wasser vermitteln nach Meister Dōgen die Reinheit, Kraft und Schönheit dieser Buddha-Welt. Heute und damals suchen die Menschen besonders in Krisenzeiten wie jetzt, Corona und Ukraine-Krieg, die wunderbaren Augenblicke der Naturerlebnisse in den Bergen und auf den Gewässern. Solche Augenblicke geben Ruhe und Kraft und ihre heilsamen Spuren wirken lange nach, auch im Unbewussten. Der Sinn deines Lebens wird in und durch die Natur klarer und stützt dich in schwierigen Zeiten. Vor allem reduziert er die allgemeine Angst und die konkrete Furcht.

Meister Dōgen warnt aber, die wirklichen Berge und das wirkliche Wasser nicht mit den Begriffen und Vorstellungen zu verwechseln, die wir Menschen uns von ihnen machen. Diese verdecken, verzerren und vermindern häufig sogar das wirkliche Erleben. Dann erfahren wir die Berge und das Wasser nicht als Wirklichkeit und Kraftquelle, so wie sie sind, sondern wir sind getrennt von ihnen. Wir leben dann in der Welt unserer eigenen Ideen und Vorstellungen und immer wieder in der Welt der Bewertungen, Vorurteile, Ängste und unheilsamen aufgewühlten Emotionen.

Ein guter Freund von mir war durch eine schwere Trennung mutlos und depressiv geworden. Dann fuhr er nach La Gomera und erholte sich dort in der Natur und bei den dortigen Menschen. So kann man das wahre Selbst sanieren, einen neuen hoffnungsvollen Weg finden und ihn auch gehen. Genau das erfuhr dort mein Freund. Es müssen nicht immer die Kanaren sein. Gerade jetzt erleben wir hier den Zauber und die neue Kraft des Frühlings. Dadurch gibt uns das wahre Naturerlebnis in lebendiger Wechselwirkung die Kraft, die wir jetzt benötigen. Wie wir aus der Gehirnforschung wissen, reduziert wahres Natur-Erlebnis vor allem unsere Angst. Wir gewinnen dann innere Ruhe und Tatkraft für das, was getan werden muss. Denn Angst macht dumm und Freude macht klug und kreativ.

Dōgen zitiert hierzu einen großen Meister:

„Berge sind Berge, Wasser ist Wasser. Diese Worte bedeuten nicht, dass Berge gedachte Berge sind, sondern dass Berge wirkliche Berge sind. deshalb sollten wir die wirklichen Berge in der Praxis erleben. Wenn wir die Berge in der Praxis meistern, ist das dies gutes Handeln in den wirklichen Bergen. Solche Berge und solches Wasser bringen auf natürliche Art Weise und Heilige hervor.“

Er findet in diesem Kapitel kraftvolle Sätze, in denen er die Heilsamkeit der Berge beschreibt. Wie er sagt, sind sie die wahre Freiheit. Und Ethik wird durch die Berge verwirklicht, dann wird das Leben viel klarer und leichter. Er sagt:

„Da (die Berge und Wasser) schon lange existieren, sind sie kraftvolles Handeln in der Gegenwart.“

Mein eigener Lehrer Nishijima Roshi erklärte zu diesem Satz, dass die Berge und Wasser sich genau in der Natur seit der langer Vergangenheit offenbaren, aber ihr kraftvolles Handeln genau im gegenwärtigen Augenblick des Hier und Jetzt verwirklichen. Er sagt also, dass es ohne wahres Erleben im Augenblick keine kraftvolle Wirklichkeit geben kann.

Die Natur hilft dir. Sie lügt nicht, will dir nichts verkaufen, betrügt dich nicht, macht sich nicht wichtig, verbreitet keine Fake-News und übt keine Informations-Diktatur auf dich aus.

Links:Buddhismus für Einsteiger

Vertiefung Berge und Wasser

Samstag, 19. März 2022

Praktische Weisheit im Alltag: Gleichgewicht und tiefe Ruhe

Buddha und Meister Dogen haben klar erkannt, dass Extreme niemals wahr sein können, denn sie sind Übertreibungen und meist von Ideologien und Dogmen getrieben. Häufig ist den Menschen das gar nicht bewusst und sie merken den großen Irrtum erst, wenn sie sich selbst in Unglück, Leiden und Katastrophen manövriert haben. Es geht aber um Gleichgewicht, Ruhe und kluge Intuition, gerade in den heutigen schwierigen Zeiten.

Leider beobachte ich solche unguten Entwicklungen auch in Partnerschaften, die von beiden in unheilsamen Kämpfen und Verletzungen geführt werden. Dann wird der verletzende Kampfmodus fast zum Alltag. Und was ist typisch für diesen Kampf-Modus? Dass isolierte und aggressive Egos immer mehr wachsen, sich steigern und das heilsame Gemeinsame immer kleiner und schwächer wird. Dann wächst auch das Misstrauen zwischen den Menschen. Aber die Gehirnforschung sagt uns ganz eindeutig: Der Mensch ist das sozialster Lebewesen auf dieser Erde und Geben ist besser als Nehmen. Bei allem Unglück des furchtbaren Krieges in der Ukraine sind wir überwältigt von der großen gemeinsamen Hilfsbereitschaft und geschlossenen Gemeinsamkeit in unseren Ländern. Dadurch verwirklicht sich nach Dogen die große Weisheit des Menschen, weit über den Intellekt hinaus..

Die Ego-Kämpfe fallen zu lassen ist die zentrale Aussage dieses Kapitels und ist das Herzstück des berühmten Herz-Sutras. Isolierte geistige und psychische Bereiche gibt es in der wahren Wirklichkeit des Menschen genau so wenig wie isolierte Teile des Körpers. Dogen stellt dieses Sutra an den Anfang des zweiten Kapitels seines großen Werkes Shobogenzo, das für mich zu den größten spirituellen und geistigen Kulturleistungen der Menschheit gehört. Es hat mein Leben tiefgreifend verändert.

Der Sanskrit-Begriff Pāramitā bedeutet das „Erreichen des anderen Ufers“, also das Erwachen und Überschreiten des üblichen Denkens, Fühlens und der ungenauen oder sogar verblendeten Wahrnehmung. Damit kommen wir aus dem fatalen Kreislauf selbst verursachter Leiden und Plagen heraus. Dann entwickeln wir den "Willen zum Glück", auch in schwierigen Zeiten. Und der Wille zum Glück ist ein sehr guter Kompass für den Weg unseres Lebens. Denn Glück kommt von innen und sehr selten von außen. Glück ist vor allem gemeinsames Glück, wie es bei Nagarjuna heißt: "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung", also ohne unheilsame  Extreme. Aber auch naive Gläubigkeit kann unser Glück zerstören. Das Gegenteil ist kluge Intuition und auch Vorsicht.

Mein großer Lehrer Nishijima Roshi sagte zu diesem Kapitel:

Prajna-Weisheit wird intuitiv und unmittelbar erfahren, wenn Körper und Geist im Zustand des Gleichgewichts sind, und Zazen ist die Übungspraxis, durch die Körper und Geist in diesen Zustand gelangen.“


Links: Neu: Buddhismus für Einsteiger

Vertiefung zum weiter lesen

 

 

Donnerstag, 3. März 2022

Meister Dogen sagt uns: Unrechtes nicht tun !

 


Dogen sagt: Unrecht als solches gibt es nicht, es wird künstlich durch falsches Handeln erzeugt. Also müssen wir böses Handeln vermeiden, dann wird kein Unrecht erzeugt. Das klingt verblüffend und einfach. Besonders im sozialen Teil-System der Macht und Politik wird leider viel Unrecht erzeugt, wie wir gerade in der Ukraine erleben. Deshalb sollten wir unser eigenes Umfeld, die Beziehungen in der Familie, zu Freunden und im Beruf bewusst besser gestalten. Beim Kampf um die Macht, bleibt leider die Moral und Ethik oft auf der Strecke. Davon dürfen wir uns nicht anstecken lassen. Im Buddhismus steht daher das heilsame Handeln so sehr im Mittelpunkt, das ist Bodhisattva Handeln. In heilsamer Wechselwirkung mit anderen und mit sich selbst. Denn die Gifte der Menschen sind nach Buddha: Gier Hass und Verblendung. Das erleben wir heute.

Wann und wo? Genau und konkret hier und jetzt

Bei so viel Unrecht des Krieges in der Ukraine fragt man sich: wie kann Unrecht vermieden werden? Dōgen gelingt es bei dieser Frage, auf eine neue Ebene vorzustoßen und unergiebige, theoretische und illusionäre Erörterungen zu vermeiden: Unrecht als unveränderliche Substanz gibt es nicht in der Welt, sondern es wird von den Menschen durch unrechtes Handeln selbst erzeugt und künstlich hinzugefügt. Oder ganz kurz: Wenn unrechtes Handeln vermieden wird, gibt es kein Unrecht.

Das klingt verblüffend, denn meist wird gelehrt, dass das Böse eine eigene Existenz hat und zum Beispiel in Gestalt des bösen Gegenspielers oder Teufels des Guten und Göttlichen ist. Das Böse sei auch ein Teil des Menschen. In der Wirklichkeit des Buddhismus gibt es nur das unrechte böses Tun und Handeln der Menschen. Dieses Handeln verstößt gegen die Ethik und Moral und damit gegen die Gesetze des Universums, es schadet daher immer auch dem, der so handelt.

Klarheit und Kraft zum rechten Handeln erwächst uns durch die buddhistische Praxis, vor allem die Meditation des Zazen, Achtsamkeit und genaue Beobachtung, erklärt Dōgen. Schon wenn man die Worte hört, dass man kein Unrecht erzeugen soll, verändert dies meistens das Verhalten und Handeln des Menschen.

Er zitiert: Das Herz und der Geist öffnen sich auf natürliche Weise und werden rein, wenn man kein Unrecht erzeugt und das Rechte achtungsvoll tut.

Links: Neu: Buddhismus für Einsteiger

Vertiefen: Volltext

 

Dienstag, 22. Februar 2022

Der Wille zur Wahrheit: Zusammenarbeit statt Hass und Krieg

Dogens Kloster Eheiji

In China erlangte Meister Dogen das große Erwachen und die Erleuchtung. Daran besteht kein Zweifel, und er hatte vorher den Willen zur höchsten Wahrheit erweckt. Wir können seinen überlieferten Worten also vertrauen. Hier schildert er dazu sehr praktische Lebenserfahrungen. Die Medidation des Zazen gibt uns Kraft und Gleichgewicht gerade in der Krise. Auch zur Zeit Dogens gab es viele Kriege in Japan. Sein wahrer Buddhismus bleibt daher nicht im Unbestimmten und Abstrakten, sondern ist Grundlage für ein stabiles gutes Leben hier und Jetzt.

Nach seiner Rückkehr aus China suchte Dogen nach einem geeigneten Kloster für seine neue Zen-Lehre und -Praxis auf dem Weg zu Frieden und Freude. Da er das Richtige in Japan nicht finden konnte, baute er mit Unterstützung eines wohlhabenden Schülers ein neues Kloster nach den Plänen aus China. Dabei kam der Zazen-Halle für die Meditation zentrale Bedeutung zu. Dazu kamen Räume zum Sutra-Lesen, Werkstatt, Küche, Essen, Raum des Meisters usw.

Diese Rede des Willens zur Wahrheit hat Dogen vermutlich für seine Helfer, Arbeiter, Architekten, Techniker, Künstler usw. gehalten. Das waren sicher Menschen, die noch keine Erfahrung im Zen und im authentischen Buddhismus hatten. Es waren einfache Menschen, die gemeinsam an der guten Sache eines Klosters arbeiteten. Ihr Körper-und-Geist baute das Kloster. Oder, so würde Dogen fragen: Baute das neue Kloster die gemeinsam schaffenden Menschen? Oder beides, wechselwirkend?

Dort verfasste Dogen sein epochales Werk das Shobogenzo, die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges. Genau dieses Dharma-Auge öffnete sich dort für die Buddha-Länder. Und es öffnete sich für die Arbeiter, Handwerker und Künstler genau dort. Und genau für euch! Von dort ging das epochale Werk Dogens "die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges" in die buddhistische Welt. Denn dort wurde es von dem großen Zen-Meister Dogen geschaffen.

Wenn Du diesen Text liest, denke bitte an die Arbeiter von damals. Ohne ihr Materielles konnte Spirituelles und Geistiges nicht entstehen. Es ging also um gelungenes Handwerk, einfach, mit wunderbaren Materialien. Dann erfüllt es dich mit Ruhe, Freude und tiefer Gemeinsamkeit. Eben ZEN. Also Handwerk, sorgfältig ausgesuchte Stoffe und Kunst, in Einheit mit dem spirituellen Menschen.


Durch den Bodhi-Geist der Wahrheit entsteht der klare Entschluss, anderen Menschen und Lebewesen zu helfen und sie zu befreien, bevor man selbst die große Befreiung erlangt hat. Denn es würde zu lange dauern. Der Weg des Erwachens ist unlösbar mit dem Wir des Bodhisattva verbunden und verstärkt sich wechsel-wirkend, wie Nagarjuna sagt. Also frei und leer von den Giften Gier, Hass, ideologischer Verblendung und aufgeblasenem Ich

Das Wir ist das wahre Leben und nicht das isolierte und verkrampfte Ich. Der Bodhi-Geist ist voll lebendig, wenn wir anderen helfen, nach der Wahrheit streben, und nicht nur die eigene Vervollkommnung, Erleuchtung und sinnlose Ich-Maximierung im Kopf haben. 

Was ist zu tun? Im Gleichgewicht und in der Fülle des Augenblicks mit anderen leben und sinnvoll handeln. Deshalb ist dieses Kapitel so wichtig.

 Links: Neu: Buddhismus für Einsteiger

Vertiefung und weiter lesen

Vergl. : Meister Dogen, deutsch: Shobogenzo. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges. Band 3, S. 302 ff.

 

Montag, 14. Februar 2022

Erwachen, scharfer Geist und Blüten: Harmonie oder Gegensatz?

 Zaubernuss, Hamamelis

Ein alter Meister hatte über dreißig Jahre seines Lebens Zazen praktiziert. Das ist die spezielle im Zen täglich geübte Meditation, die keine  besondere Konzentration erfordert, sondern vor Allem in richtiger Körperhaltung verwirklicht wird. Meister Dogen sagt dazu; "Körper und Geist fallen lassen" oder "Nichts als sitzen". Das ist nach meinem Verständnis die authentische Meditation Buddhas der Vierten Vertiefung, Jhana, also einfach ohne Grenzen und offen in Wechselwirkung mit dem Universum sitzen.

Eines Tages blickte der alte Meister auf einer Wanderung in den Bergen von einer Anhöhe hinab in ein anmutiges Tal. Es war Frühling und die Pfirsichbäume standen in voller Blüte. Er war im Jetzt und Augenblick, ohne etwas Besonders zu wollen und ohne Ziel-Orientierung und ohne Ziel-Objekt. Er war entspannt und relaxt, wie wir heute sagen würden.

Plötzlich verwirklichte sich die große Wahrheit, direkt, ohne sich anzustrengen mit Glückswellen, die ihn durchströmten. Eigentlich ganz einfach. Ihm kam spontan folgendes Gedicht in den Sinn:

„Dreißig Jahre lang ein Wanderer auf der Suche nach dem Schwert.

Wie viele Male fielen die Blätter und sprossen die Knospen?

Mit einem Mal die Pfirsichblüten hier im Tal.

Angekommen im Jetzt. Ich habe keine Zweifel mehr.“

Das Schwert ist ein Symbol für die Präzision des Geistes, oft falsch gedeutet als Intellekt und Gedanken-Schärfe. Angeblich kann man durch äußerste gedankliche Konzentration die Leerheit verstehen und Erleuchtung erlangen. Man müsse sich nur genügend anstrengen. Das scharf trainierte Schwert werde alle Verwirrungen und Knoten des Lebens zerschlagen, so dass man zur Wirklichkeit gelangt: Schöne Worte, richtig beeindruckend! Da stimmt aber etwas nicht. Philosophie reicht eben nicht.

Das Schwert hat eine ähnliche symbolische Bedeutung wie der Diamant, der durch seine Schärfe das Dickicht aus vorgefassten Meinungen, Bewertungen und angelernten Gedanken zerschneiden soll. Müssen wir unseren Diamanten hart trainieren und mit aller Härte scharf machen?

Das Gedicht sagt etwas ganz anderes! Und ich finde es glaubhaft: Ein direktes klares Gefühl der Einheit in der Schönheit der Natur, die von selbst eine klaren Geist entstehen lässt. Ein intuitives Gemeinsames, das Ruhe, Gleichgewicht und Freude entstehen lässt. Der Frühling ist dafür eine besonders gute Zeit.


Aber ganz von allein kam die Befreiung und das Glück natürlich nicht: Der alte Meister hatte jeden Tag Zazen praktiziert und sich damit von unnötigen Zwängen des allzu normalen Lebens befreit. Das nennt mein Lehrer Nishijima Roshi die erste Erleuchtung. Er kannte natürlich die buddhistischen Schriften wie die Vier Edlen Wahrheiten und den Mittleren Weg; vor Allem die Lehren der großen Zen-Meister. Denn im Gedicht geht es um die große Erleuchtung. 

 Meister Dogens Texte:  zur Natur 

                             Das verwirklichte Universum 

                             Zen-Meditation

 


Sonntag, 6. Februar 2022

Eckpunkte des ZEN

 


Schülerinnen in Kamakura, Japan

Meister Dogen fasst die zentralen Punkte des ZEN-Buddhismus und der Meditation zusammen:

1. Buddhas Wahrheit zu erlernen, ist sich selbst zu erlernen.

Die Wahrheit Buddhas ist auch unsere eigene Wahrheit des Lebens. Beide Wahrheiten können wir erlernen und verwirklichen

2. Sich selbst zu erlernen, ist sich selbst zu vergessen.

Für diesen verändernden Prozess müssen wir unser altes verengtes und unglückliches Ich verlernen, um offen für ein neues und besseres zu sein.

3. Sich zu vergessen, ist von den unzähligen Dinge und Phänomene erfahren zu werden.

Es geht darum sich für die äußeren Phänomene zu öffnen, also die zu engen Ich-Grenzen abzubauen. Das ist gute Wechselwirkung mit der Welt.

4. Unseren Körper und Geist fallen zu lassen, ist von unzähligen Dingen und Phänomenen, Dharmas, erfahren zu werden.

Das ist der zentrale Punkt des Zen. Neben der Fähigkeit zur Konzentration und Fokussierung lehrt Dogen, dass wir in der Meditation loslassen und uns fallen lassen. Ihr werdet staunen, wie positiv sich das auf euer Leben auswirkt!

5. Die äußere Welt und deren "Körper und Geist" fallen lassen.

Eine ungewöhnliche Formulierung: Es ist wichtig, die äußeren Welt mit uns in Wechselwirkung zu bringen. Dann verschwindet die scheinbare isolierte Unveränderlichkeit der äußeren Welt und wir können uns von täuschenden dualistischen Ideologien befreien.

Was bleibt? Die Wirkung dieser oft "unbewussten Spuren sind lange, lange Zeit" wirksam (Dogen). Die Klarheit und Kraft der Zen-Meditation bleibt also in deinen Leben dauerhaft wirksam, ohne dass dir das alles bewusst ist. Genau so wie eine Glocke, die angeschlagen wird und lange nachhallt. Zen-Meditation und Handeln im Alltag führen nach Dogen zur nachhaltigen Verbesserung: "Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen".

Vereinfacht: Wenn du deinen Geist und deinem Neuro-Computer herunterfährst hat das Ähnlichkeit mit deinem technischen Computer, den du abschaltest: Er funktioniert nachher besser als vorher und hat manche Fehler selbst bereinigt!

Links: Neu: Buddhismus für Einsteiger

Genauer Text bei Meister Dogen

Siehe auch: Dogen, Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges, Band 1, S. 58, 

Samstag, 29. Januar 2022

Drei wertvolle Tipps zur Zen-Meditation: Alles loslassen, gute Körperhaltung und ruhiges Gleichgewicht

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Meister Dogen erlangte die große Erleuchtung erst, als er in China die wahre Zen-Meditation erlernte und praktizierte, das ist Zazen. Drei Eckpunkte sind dabei auch für dich hoch wirksam:

1) Die gute und korrekte Körperhaltung:

 Gerade aufgerichteter Rücken, Dreieck beim Sitzen von Steiß und den beiden Knien, Knie direkt auf dem Boden oder auf Stützkissen, erhobener Kopf und zusammengelegte Hände usw.. Das ist der Lotos-Sitz, der auch im Yoga von großer Wirksamkeit ist.

2) "Alles loslassen" oder wie Dogen sagt :"Körper und Geist fallen lassen"

Zazen ist also keine Meditation der Konzentration, bei der der Geist auf ein Objekt konzentriert und fokussiert wird, also auf ein Bild, eine Weisheit wie "Liebe und Mitgefühl" oder "unbegrenzte Menschenliebe" oder auch ein Koan, Mantra usw.. Die Fähigkeit sich "auf den Punkt" zu konzentrieren" ist dabei wichtig, und dabei sollte alles andere ausgeblendet werden. Das sind nach Buddha hervorragende Meditations-Übungen und die ersten drei Stufen der Vertiefung. Ich verwende am Anfang der Meditation gern die Konzentration des Zählens bis zehn  und gehe dann zur Zen-Meditation, Zazen,  über. Diese Meditation wird im Zen mit dem ganz konkreten Leben des Alltags verbunden, das ereignet sich in starker positiver Wechselwirkung. Wie es heißt: "Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen" zusammen mit Zazen. Übrigens: Multitasking schädigt massiv die eigene Konzentration-Fähigkeit,  die Buddha in Sanskrit ´Einspitzigkeit´ nennt

Zur Konzentration gibt es nach Dogen die Meditation des Zen: "Körper und Geist fallen lassen". Das ist der andere Pol der Meditation, sie hat große Ähnlichkeiten mit Yoga und verwendet die Haltung des Lotos-Sitzes. Beide Pole sind für uns wichtig, dann ´dreht und bewegt sich unser Leben´ heilsam.

Ist das Loslassen nach Dogen überhaupt authentische Meditation nach Buddha? Ja, daran besteht kein Zweifel. Denn sie ist die Vierte Vertiefung, Jhana, elevated state, und die authentische Meditation des Achtfachen Pfades. Die anderen Vertiefungen sind die drei obigen Konzentrations-Übungen.

Diese buddhistische Vierte Vertiefung wird wie folgt beschrieben: Unendliches Ausdehnen des Raumes, Bewusstseins und Geistes, kein Objekt, weder Wahrnehmung noch nicht Wahrnehmung.[1] also schlicht: Den bisher verengten Körper und Geist in der Meditation fallen lassen und sich ohne Grenzen ausdehnend öffnen. Das ist wirklich ein neuer befreiter Geist ohne Objekte und ohne Grenzen im Gleichgewicht! Außerdem ist dies aus meiner Sicht die Erfahrung der tiefen Weisheit des Herz-Sutra und Diamant-Sutra in der Meditation.

Die Vierte Vertiefung ist nach meiner festen Überzeugung also identisch mit der Zen-Meditation Dogens und unser wunderbares direktes Erleben der Leerheit. Also ohne philosophische Komplexität: Just do it im Augenblick. Offensichtlich hatte der große Meister Hui Neng genau dieses fundamentale Erlebnis, als er auf dem Merkt das Diamantra Sutra zum ersten Mal hörte. Er konnte bekanntlich weder schreiben noch lesen. Meister Dogen sagt dazu, dass die Zen-Meditation uns heilt wie die Akupunktur in der Medizin.

3) Ruhiges Gleichgewicht

Die Zen-Meditation hat große Wirksamkeit für deinen Körper, deine Gefühle und deinen Geist. Du fühlst dich wohl und bist im ruhigen Gleichgewicht. Zazen ist überhaupt keine Askese, es ist tiefe innere Ruhe, Frei-Sein und Offen-Sein. Mein Lehrer, Meister Nishijima, nennt es deswegen: die Erste Erleuchtung. Im Eingang seines Dojo in Tokyo war zu lesen: Zazen ist das Tor zum Frieden und zur Freude! Es ist sehr wirkungsvoll, nach der ersten Phase der Konzentration dann "Körper und Geist fallen zu lassen" und in die Vierte Vertiefung zu kommen. Also:

Gute Sitzhaltung, alles loslassen, sitzen im ruhigen Gleichgewicht.

Diese Praxis ist von großem Wert gerade in Krisenzeiten, wie in der jetzigen Corona-Pandemie! Das habe ich selbst erfahren, also kein Gerede und nicht abgeschrieben. Wichtig: bei Berufskrisen und auch bei Problemen in der Partnerschaft. Besonders heute, in einer Welt voll Stress, Hetze  und Negativität ist die Zen-Meditation von nachhaltiger positiver Wirkung für unsere innere Gelassenheit, Kreativität,  Intelligenz und allgemein für unser Lebensqualität!


Vertiefung zur Zen-Meditation

[1] Gäng, Peter: Buddhismus, S. 97 f.