Donnerstag, 6. Juni 2019

Buddha-Natur: Entdecke die Fülle und die Magie des Lebens !


(Aus meinem Buch: "Geheimnis der Buddha-Natur)


Im Buddhismus geht es geht um die Ganzheit und das Zusammen-Wirken unseres Lebens und des ganzen Universums, die Dôgen als „Schiene aus Eisen“ bezeichnet. Das ist das spirituelle unauflösbare Ganze und gerade keine Dualität von Subjekt und Objekt. Dasselbe japanische Wort verwendet er dafür, dass bei der Zazen-Praxis Körper und Geist fallen gelassen werden: Die theoretische Bedeutung, ob wir die Buddha-Natur wie ein Objekt „haben“ also „besitzen“ muss man also ganz fallen lassen, um zur umfassenden Gesamtheit des wahren Lebens zu kommen.

Um die rigide Bedeutung von „haben“ und "Objekt" aufzulösen, bezeichnet Dôgen die Buddha-Natur auch als "Weg der Vögel". Das klingt eigenartig. Was meint er damit? Im chinesischen Buddhismus steht bei diesem Beispiel im Mittelpunkt, dass die Vögel beim Fliegen in der Luft keine dinglichen oder gar unethischer Spuren hinterlassen. Dies ist ein Gleichnis dafür, dass bei unserem Handeln und überhaupt im Leben kein schlechtes Karma und kein Schaden bei anderen Menschen zurückbleibt. Der Himmel ist außerdem ein Symbol für den Raum, der kein Ende hat, also eine Raum-Unendlichkeit darstellt, und er ist ein Gleichnis für den höchsten Zustand des Menschen.[i] Dabei ergibt sich ein wichtiger Zusammenhang mit der Vierten Vertiefung (Jhana) der Meditation und des Samâdhi im frühen Buddhismus. Diese Vertiefung wird mit verschiedenen Begriffen der Unendlichkeit, zum Beispiel der Raum-Unendlichkeit, beschrieben.[ii]
 
Dôgen fasst mit folgendem Satz zusammen, der gleichzeitig eine aufschlussreiche Umkehrung ist: „Deshalb besitzt die Natur aller Buddhas die vielen Lebewesen.“

Das heißt, die Buddha-Natur besitzt alle Lebewesen und uns Menschen, wir sind nichts anderes als die wahre Natur, die Buddha-Natur. Diese Umkehrung bedeutet das direkte Zusammenwirken und keine Unterteilung in Subjekt und Objekt. Dôgen ergänzt, dass diese Aussage in besonderer Weise die Lebewesen und gleichzeitig die Buddha-Natur erhellt, also das Wesentliche unseres Lebens bezeichnet. Ein dingliches simples und unzureichendes Verständnis der Buddha-Natur als Ding, Objekt oder Substanz wird damit aufgelöst

Wir vergessen laut Dôgen manchmal, dass wir selbst die Wahrheit sind, und gleichzeitig ist die Wirklichkeit im Augenblick der Gegenwart immer anwesend und lebendig. Dazu gehören die vier Elemente und die fünf Komponenten der Welt (Skandas), also die einzelnen Dharmas der Wahrheit.

Es ist von zentraler Bedeutung, dass verbale Aussagen zur Buddha-Natur durch unser ganzes ganzes Leben erfasst werden und dass alle einzelnen Augenblicke unseres Lebens mit solchen fundamentalen Wahrheiten direkt und unmittelbar verknüpft sind.


[i] vgl. Kap 2, ZEN Schatzkammer, Bd. 1, S. 36 ff.: „Die große intuitive Weisheit, die das Denken überschreitet (Makahannya haramitsu)“
[ii] vgl. Gäng, Peter: Buddhismus, S. 94 ff.


Keine Kommentare: