Sonntag, 1. Januar 2023

Die leuchtende Perle

Dieses Kapitel hat einen starken Bezug zum Konkreten unseres Lebens und der Welt. Was will Dogen uns mit der Perle sagen, obwohl es soviel Elend und Unglück in der Welt gibt: Ungerechte Kriege, Natur-Katastrophen durch Verschulden der unersättlichen Menschen und allgemein Gier, Hass und Verblendung? Aber wie zu erwarten geht Dōgen weit über unsere oft enge westliche Vorstellung des Leidens, Materialismus und der Genusssucht hinaus. Denn das sind nur Teilrealitäten, von denen wir uns durch den Buddhismus wesentlich befreien können.[i]

Er zitiert den großen Meister Gensa, den er wegen dessen umfassender buddhistischen Praxis und klaren Weitsicht sehr schätzte:

„Das Universum in den zehn Himmelsrichtungen ist eine leuchtende Perle.“

Dieser Satz ist nach Dōgen das Herz des Buddha-Dharma. Das Leben und die Wirklichkeit des Universums werden als leuchtende Perle erlebt. Darin kommt etwas sehr Wichtiges zum Ausdruck, denn über das Schlechte und Negative wird zwar von negativen Menschen viel geklagt, und die materielle Gier ist gerade heute kaum zu steuern. Aber sie kann selbstverständlich grundsätzlich durch Buddhas Weisheit und Praxis gesteuert werden!

Dōgen schätzte das Gleichnis der leuchtenden Perle außerordentlich. Denn die Schönheit und der wunderbare Glanz der Welt, der Natur, der Pflanzen und Tiere und des menschlichen Lebens stehen gerade im Zen im Mittelpunkt als die wahre Wirklichkeit. Wir können aktive daran mit gestalten. Dann wird m. E. auch der Glücksstoff Dopamin ausgeschüttet und bringt Klarheit und Freude im unseren Geist

Die runde Form ist im Buddha-Dharma ein Symbol eines harmonischen und ausgeglichenen Lebens für Mensch, Natur  und Universum. Diese Rundheit wird wegen ihrer Schönheit von Dogen gerühmt. Ecken und Kanten oder gar Stacheln und Borsten werden im Buddhismus wenig geschätzt. Das Runde des Vollmondes ist der Inbegriff der Schönheit und Harmonie, und so ist auch eine runde Perle Ausdruck für ein schönes und waches Leben. Sie spiegelt die große Wahrheit wider, und ist damit ein Spiegel der reflektiert, was vor ihm erscheint: der Spiegel der Wirklichkeit.

Eine Perle hat die Eigenschaft zu rollen und sich zu bewegen und symbolisiert damit die ganz lebendige Erfahrung des Buddhismus: die Bewegung, den Wandel und das Handeln. Das Universum und alles in der Natur und im Leben bewegt sich fortwährend, nicht nur in geistiger und psychischer Hinsicht, sondern ganz konkret. Und wir können dabei bewusst steuern. Gensa sagte schließlich auf die Frage von Meister Seppo zur verzerrten Wirklichkeit:

„Letztlich kann ich mich nicht von anderen täuschen lassen.“

1. Link: Weiter Lesen, Perle

2. Link: Yudo´s Zen-Film, English, awards (!)


[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 1, S. 62ff.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wünsche ein frohes Neues Jahr mit viel Kraft und vielen Dank für diesen Blog