Mittwoch, 10. März 2021

Dankbarkeit gibt inneren Frieden

 

Die Inhaftierten und Verurteilten der Gefängnisse haben meist ein schweres Leben und sind verbittert. Wie können sie wieder Lebensmut und Frieden mit sich, anderen und der Umwelt entwickeln? Das ist keine leichte Aufgabe, aber sehr sinnvoll und notwendig. Denn irgendwann geht es zurück in ein "normales" Leben. Aber was ist eigentlich normal in der heutigen Zeit mit Stress, Fake-News und Einsamkeit? Antwort: Wir alle sollten die Dankbarkeit wieder entdecken

In Japan wurde in den fünfziger Jahren die Methode Naikan entwickelt, die sich auch in Deutschland bewährt hat und kürzlich in BUDDHISMUS AKTUEL in zwei Artikeln sehr klar und für mich überzeugend beschrieben wird.[1]

Worum geht es dabei im Kern?  Dazu wurde eine wirksame und genau in Schritten ausgearbeitete Methode entwickelt die transformierende Kraft der Dankbarkeit, um trotz des schweren Schicksals zur Dankbarkeit zurück zu finden. Oder besser gesagt, eine neue psychische Energie zu schaffen, die eine Umkehr und einen Neustart des eigenen Weges leistet.

Verurteilte und Inhaftierte Menschen sind allein oft nicht in der Lage, den Zweifel oder Hass auf sich selbst und andere zur "Ruhe kommen zu lassen", wie Buddha sagen würde. Sonst kann es keine Dankbarkeit und kein Mitgefühl für andere geben, also für Verwandte und Freunde. Und auch für sich selbst. Aber wem schaden der eigene Hass und die eigene Undankbarkeit eines so getroffenen Menschen? Sich selbst! Wem den sonst. Weder ein aufgeblasener Heldenstatus noch die ich-zentrierte Verzweiflung überwinden das eigene Leiden. Denn "Kummer, Jammer, Gram und Verzweiflung" sind gerade zentrale Ursachen des Leidens, wie es in den Vier Edlen Wahrheiten überzeugend heißt.

Durch intensive und sehr konkrete Re-Aktivierung der eigenen Erlebnisse mit wichtigen Menschen in der Vergangenheit gelingt die Umwandlung von negativen gespeicherten Informationen und Gefühlen. Das ist ein konsequenter Weg in das eigene Innere, eine sehr wirksame Reise zu sich selbst. Diese Funktionen sind auch durch aktuelle Ergebnisse der Gehirnforschung nachgewiesen. Denn unser Gehirn ist "plastisch" und verändert sich durch eigene Initiative, durch geistiges und psychisches Handeln hier und jetzt, wie es im Zen heißt.


Bei der Methode von Naikan stehen drei Frage und deren Bearbeitung im Mittelpunkt:

Was hat der bestimmte Mensch für mich getan?

Was habe ich für diesen Menschen getan?

Womit habe ich ihm oder ihr Schwierigkeiten bereitet?

Daraus entwickelt sich Offenheit. Alte Krusten und dogmatisierte Abwehr-Mechanismen brechen auf und ein neuer Weg kann begangen werden. Oder einfacher gesagt: Die eigenen geistigen und psychischen Gifte werden entsorgt. Das ist Leerheit von Gier, Hass und Verblendung. Die Reise in neue Lebenswelten geht los! Mein Lehrer Nishijima Roshi hatte diese Reise gemacht. Er war der dankbarste und glücklichste Mensch, den ich kenne.

Dann brechen sogar im Knast Glückgefühle auf: "So viel Glück auf einmal! Mehr kann ich nicht aushalten." Sagt jemand, der wegen schwerer Verbrechen verurteilt wurde. Hättest du das gedacht?

Kritiksucht ist eines Fünf Hemmnisse auf dem Weg der Befreiung. Dankbarkeit überwindet solches Leiden: Genau hier und jetzt! Im Gefängnis und im normalen Leben.



[1] Buddhismus Aktuell, 1/2021, S. 50 - 57

Keine Kommentare: