Dienstag, 26. April 2022

Auch in der Krise: Das Universum ist eine leuchtende Perle

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Die Worte der leuchtenden Perle des Zen-Meisters Gensa sind von großer Treffsicherheit und positiver Wirkung für unser praktisches und spirituelles Leben
. Aber was ist eigentlich unser Leben? Antwort: Das wirkliche Werden-Sein-und-Zeit in Wechselwirkung mit der Welt und dem Universum, also authentisch nach Buddha: "Gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung". Und das lebende Ganze ist nach Gensa eine leuchtende Perle. Das ist ein sogenanntes Koan uns scheinbar paradox. Aber in Wirklichkeit führt es uns aus einem verengten Geist hinaus zum erfüllten Leben und mehr Freiheit. Aber dominiert nicht das Schlechte und Negative in dieser Welt? Es wird so viel geklagt: Die dunklen und abgründigen Seiten der Welt werden so häufig beschworen. Wir müssen doch nur die Berichte der Medien anschauen und in den angeblich sozialen Netze surfen. Im Gegensatz dazu lehrte schon Buddha in aller Klarheit, dass Kummer, Jammer, Gram und Verzweiflung weitgehend selbst erzeugtes Leiden ist, das überwunden werden kann und soll.

Der Buddhismus ist alles andere als eine lebensfeindliche und negative Philosophie und Lebenspraxis, wie manchmal behauptet wird, sondern ganz das Gegenteil. Die Schönheit und der wunderbare Glanz der Welt, der Natur, der Pflanzen und Tiere und des menschlichen Lebens sind der Mittelpunkt, die als wahre Wirklichkeit erlebt und entwickelt werden.

Die runde Form ist im Buddhismus ein Symbol für ein harmonisches und ausgeglichenes Leben und für die Schönheit Universum. Ecken und Kanten oder gar Stacheln und Borsten werden im Buddhismus weniger geschätzt, sie sind meist menschliche Übertreibung und ohne anhaltende Kraft. Der Buddhismus ist nicht lasch und lau und schon gar nicht nicht pessimistisch. Im Gegenteil: tatkräftig und optimistisch im Hier und Jetzt! Er entwickelt gute Kräfte gerade in der jetzigen Krisenzeit.

Die Perle spiegelt alles ohne Verzerrung wider, was um sie herum da ist. Und sie gibt ihren Glanz noch hinzu. Sie leuchtet in vielen schimmernden Farben von wirklich ausgesuchter Schönheit. Die Perle ist das Symbol der Wirklichkeit:

„Das Universum in den zehn Himmelsrichtungen ist eine leuchtende Perle“


Der Mönch Gensa praktizierte mit aller Kraft und Ausdauer, wollte aber eines Tages das Kloster verlassen, auf Wanderschaft gehen und bei andere buddhistischen Meister lernen und praktizieren. Dabei stieß er mit seinem Fuß in den offenen Sandalen heftig gegen einen Stein am Wege. Er hatte große Schmerzen an dem verletzten Zeh, der stark blutete. Bei diesem plötzlichen schmerzhaften Erlebnis hatte er eine vollkommen klare Erkenntnis und es schoss ihm durch den Kopf: „Manche behaupten dieser Körper existiert nicht wirklich, woher kommt dann der Schmerz?

Gleichzeitig erkannte er, dass es sinnlos war, erneut auf Wanderschaft zu gehen und nach irgendetwas Entferntem zu suchen. Er kehrte daher sofort um und ging wieder zu seinem bisherigen Meister und wurde später dessen Nachfolger. Sein Meister fragte ihn, warum er denn zurückgekommen sei, und er antwortete:„Letztlich kann ich mich nicht von anderen täuschen lassen.“

Das ist heute bei den verzerrenden Informationen des offiziellen Russland über den Krieg in der Ukraine wohl noch durchschlagender als damals. Und es ist für mich typisch Zen-Buddhismus: Der Wirklichkeit direkt zu begegnen, die Schönheit der Perle zu entdecken und danach sein Leben auszurichten. Der Mönch Gensa erkannte blitzartig, dass Erleuchtung und Freiheit nur in aktiver Wechselwirkung mit der Realität entstehen können: Authentischer Buddhismus, Meditation und Handeln im Alltag sind unlösbar verbunden.

Zu einem intellektuell verstiegenen Schüler sagte er dagegen:

„Ich sehe, dass Du Dich sehr anstrengst, um in die Höhle eines Dämons im schwarzen Berg zu gelangen.“ 

Das ist aber ganz unsinnig und der Gegensatz zur leuchtenden Perle. Dieser Irrweg sollte von uns  wirklich vermieden werden!


Links:

Neu: Buddhismus für Einsteiger

Vertiefung zur Perle

 

 

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Geschichte von Gensa höre ich immer wieder gerne!

Danke.

Anonym hat gesagt…

Ja,lieber Yudo, sich nicht in intellektuelle Sphären versteigen, sondern mit einer optimistischen Grundeinstellung und Tatkraft den Zenweg gehen, das ist ein großer Gewinn. Dann bleibt die uns umgebende Welt eine leuchtende Perle, trotz gelegentlich blutendem Zeh. Deshalb sehr schön, Deine Dharma-Namenswahl für mich!

Yudo J. Seggelke hat gesagt…

Vielen Dank!
Zum ersten Kommentar: Wenn man eine inhaltsvolle Geschichte wie diese Koan mehrfach liest oder hört, hat das die Wirkung eines Lernprozesses. Denn die Geschichte ist beim zweiten Mal nicht identisch mit dem ersten Mal. Warum? Dein eigen Geist hat sich verändert, er bleibt niemals gleich. Er hat mit der Geschichte ein Entstehen und Verändern in Wechselwirkung. Das wird in der westliche Kultur oft nicht verstanden.
Zum Zweiten Kommentar: Dies ist sicher eines der genialen alten Koans, die Dogen behandelt und an uns weiter gibt. Wir haben ja immer wieder etwas Neues darin entdeckt! Zum Beispiel den Fisch mit den goldenen Schuppen, der von allein in das Netz geht. Soll man auf ihn warten? Dogen rät wohl eher davon ab. Für Deinen Weg wünsche ich Dir das aller Beste.
Herzlich Yudo