Donnerstag, 15. März 2018

ZEN im Film von La Gomera




Der bekannte Filmemacher Ronald Urbanczyk macht mit seinem Team eine sorgfältige und vielschichtige Dokumentation von La Gomera. Er geht den Fragen nach: Warum zieht es viele Menschen aus Deutschland und anderen Ländern dorthin? Was suchen sie dort? Sind sie den Stress und die Beton-Wüsten der Städte leid? Und Stress gibt es in den Städten, wo die eigene Freiheit und die Gestaltung des Lebens den Menschen zusammenschnürt und wo wir fremd gesteuert werden.

Ich bin sicher, dass die unberührte Natur von oft Atem-beraubende Schönheit, das ausgeglichene sonnige Klima von La Gomera und die große Chance der Selbst-Befreiung durchschlagend sind. Vor zwei Tagen bin ich wegen der Bauarbeiten am kleinen ZEN-Zentrum von dort zurückgekommen: Jetzt blüht die Insel.

Ronald hat mit mir dort gedreht: Ihn hat die Wechselwirkung der Insel mit dem ZEN fasziniert. Zuerst wurden die laufenden Bauarbeiten gefilmt. Denn Zen ist Handeln.

Was sagt nun Meister Dogen zur Kraft der Natur?
Eine bekannte Geschichte beschreibt den buddhistischen Weg eines alten Meisters, der bereits über dreißig Jahre seines Lebens praktiziert hatte, aber wohl zu sehr durch Theorie gebunden war. Eines Tages blickte er bei einer Wanderung in den Bergen von einer Anhöhe hinab in ein anmutiges Tal. Die Pfirsichbäume waren im Frühling voll erblüht: Da verwirklichte er plötzlich die große Wahrheit des Lebens und der Welt und verfasste ein Gedicht:

„Dreißig Jahre lang ein Wanderer auf der Suche nach dem Schwert (der Wirklichkeit).
Wie viele Male fielen die Blätter und sprossen die Knospen?
In diesem Augenblick, als ich die Pfirsichblüten sah,
Bin ich direkt angekommen im Jetzt und habe keine Zweifel mehr.“

Das Schwert ist Symbol der Klarheit von Körper-und-Geist. Es durchschlägt die Verwirrungen, Knoten und angehäuften unnützen Muster des Lebens. Die Wirklichkeit öffnet sich so im unmittelbaren Erleben ! Das Schwert hat ähnliche Bedeutung wie der Diamant, der auch durch seine Schärfe das Dickicht aus vorgefassten Meinungen, Bewertungen und angelernten Gedanken zerschneidet. Dann sind wir offen für die Schönheit und Kraft der Natur.

Dies habe ich dort beim Interview klar machen wollen.
Dazu passt die Meditationsflöte Shakuhachi besonders gut, die ich so gern spiele.

Den Sonnenuntergang im Westen der Insel haben wir mit Bogenschießen am Meer verbracht. Das Selfie des Teams wurde übrigens von einer Drohne aus gemacht. Anfang nächsten Jahres soll der Film fertig sein.



Mittwoch, 28. Februar 2018

Gemeinschaft und ZEN


Lebendige Weisheit und Gemeinschaft des Zen kontra Einsamkeit


"Buddhas Wahrheit zu erlernen bedeutet, uns selbst zu erlernen", sagt Meister Dogen. Dann können wir den andauernden Stress der Moderne durchschauen, abschütteln und wirklich zur Ruhe kommen.

Chronischer Stress und Depressionen sind vermutlich die häufigsten Krankheiten der heutigen Industriegesellschaft. Kurzfristiger Stress kann zwar bei großer Gefahr das Leben retten, aber Dauerstress ist viel gefährlicher als die meisten meinen und wissen:

Dauerstress und Angst erzeugen Konzentrationsstörungen, Entschlusslosigkeit, Grübeln, Wiederkäuen von negativen Gedanken, Pessimismus, sich sündig fühlen, Selbstvorwürfe und Todesgedanken. Stress speziell bei Buddhisten: Angst vor einer miserablen Wiedergeburt und die schwere Last eines ergrübelten schlechten Karmas: Vielleicht sogar im Zusammenhang mit Macht-Missbrauch. Aber das ist nicht der wahre Buddhismus!

Stress entsteht vor allem, wenn wir die Kontrolle über wichtige Lebensbereiche verlieren und Dauerstress ist selbst erzeugt. Er ist nicht maßgeblich durch äußere angebliche Fakten der Umgebung bestimmt. Daher können wir selbst den Stress und seine Folge zur Ruhe kommen lassen und steuern.

Und wie? Durch Meditation, Relaxen und sinnvolles aktives soziales Handeln, durch Bodhisattva-Handeln: "Erleuchtung im Alltag ist Zazen-Meditation, Feuerholz tragen und Wasser schöpfen". Zur Ruhe-Kommen durch die Zen-Künste Bogenschießen, Meditations-Flöte, Tee-Zeremonie, Blume-Stecken usw. Genau so Yoga, Tai chi, asiatische Praxis. Ganz besonders: Gemeinsame Erlebnisse in der  Natur, beim Sport und in der Musik.

Also sollten wir unser Leben umstellen, unseren Körper-und-Geist umwandeln und die Kraft der Mitte entwickeln. Nicht hektisch, übereilt und idealistisch-überzogen, sondern Schritt für Schritt: mit Achtsamkeit und klarer werdender Selbstbeobachtung. Das ist dann die neue Freiheit und der natürliche Flow.

Meister Dogen sagt in dem berühmten Kapitel "Das verwirklichte Leben und Universum (Genjō-kōan)"[1]:

„Buddhas Wahrheit zu erlernen bedeutet, uns selbst zu erlernen. Uns selbst zu erlernen bedeutet, uns zu vergessen. Uns zu vergessen bedeutet, von den vielen, vielen Dharmas (der Wirklichkeit  und anderer Menschen ) erfahren zu werden. Von den vielen, vielen Dharmas erfahren zu werden bedeutet, unseren eigenen (eingezwängten) Körper und Geist und den Körper und Geist der äußeren Welt fallen zu lassen.“

Wir sollten uns auf dem Buddha-Weg von vorgefassten und eingefahrenen Gedanken, Vorstellungen und Gefühlen, Doktrinen und vor allem von Stress und Angst befreien, um offen für neue Entwicklungen und Wahrheiten zu werden. Dabei ist es befreiend, sich für die lebendigen Vielfalt der Welt zu öffnen und sie wirklich zu erfahren: Nicht nur oberflächlich, gerade kein multitasking und übertriebener Aktionismus in "sozialen" Netzen. Das ist zu wenig! Wir brauchen verlässliche gute Freunde. Besser ist es, wenn der Geist genau beobachtet und handelt, im Hier und Jetzt. Und in der Gemeinschaft zur Ruhe kommt.

Es ist von fundamentaler Bedeutung, sich von der Fixierung auf den subjektiven Körper und den intellektuell-denkenden Geist, also dem kleinen verkrampften Ich, zu befreien und, wie Dōgen sagt, „Körper und (intellektualisierten) Geist fallen zu lassen“. Wir können uns selbst wirklich erkennen, wenn wir unser altes verengtes und gestresstes Ich vergessen: „Zen-Geist ist Anfänger-Geist“, nannte das Meister Shunryu Suzuki. Wir sollten dabei die Extreme der scheinbar objektiven Welt des Äußeren und des Körpers sowie den subjektiven eigenen ruhelosen Geist „fallen lassen“.

Was sagt nun die Gehirnforschung dazu: Dauerstress erzeugt letztlich Zellsterben im Gehirn (Hipocampus), ein Areal das für Klugheit, Planen, Kombinieren, Kreativität, Lernen, Raum-Intelligenz und für die Bewältigung des Alltags zuständig ist und mit unserem gesamten Körper-und-Geist wechselwirkt. Dieses Areal wirkt wie ein Kurzzeitspeicher für das Gehirn und hat eine sehr wichtige Funktion, weil die Informationen von dort in den Langzeitspeicher übernommen wird. Ein Beispiel: Bei Soldaten, die drei Jahre im Stress der Kriegsfront waren und ihn nicht steuern konnten, ist die Hälfte dieses Areals, abgestorben: Sie konnten ihren Alltag danach nicht mehr bewältigen.[2] Aber leben wir wirklich in der realen Kriegsfronten? Sicher nicht. Wir müssen unsere virtuelle Kriegsfronten fallen lassen, die wir uns selbst durch unbegründete Angst, Gier, Hass, falschen Wettbewerb usw. erzeugen.

Also: Die Gedanken des Scheiterns abstellen, sich selbst steuern (Selbstwirksamkeit) und nicht passiv abhängig sein, auch nicht von dem Stress und der Negativität anderer.
Mehr Steuerung und Kontrolle: Das Leben selbst in die Hand nehmen. Dann wachsen sogar die Nervenzellen dort nach, wo sie kaputt gehen.
Dann vermeiden wir den neuronaler Zelltod, eine gehemmte Verdauung, Magengeschwüre, Impotenz, Libidoverlust usw. Durch Stress wird das Immunsystem insgesamt bedeutend gehemmt und das Krankeitsrisiko dauerhaft erhöht
Stress ist das, was wir dafür halten, aber nicht die objektive Realität. Wir können uns daher selbst ändern, relaxen und den Stress zur Ruhe kommen lassen. Dauerstress ist kein Schicksal, das wir passiv erleiden müssen, sondern wir ihn aktiv runterfahren. 

Man kann in die Natur nach La Gomera fahren. Und Buddha rät, in Ruhe unter einem schützenden Baum und in der Natur zu meditieren. Er sagt im Sutra der Achtsamkeit bei den sieben Gliedern des Erwachens und beim Achtfachen Pfad?[3]:

"Unabhängig lebt er und er haftet an nichts in der Welt"



[1] Dogen: Shobogenzo deutsche Fassung Bd.1, S. 58
[2] Manfred Spitzer: Gehirnforschung
[3]Peter Gäng: Meditationstexte des Pali-Buddhismus Bd. I, S.51

Freitag, 9. Februar 2018

Gomera-ZEN



Gerade bin ich von La Gomera zurückgekommen: Dort wollen wir ein kleines Zen-Zentrum für Winter-Sesshins bauen und einrichten, denn dort ist in unserem Winter ja der Frühling. Das wussten schon die alten Griechen.
Wie auf den Bildern zu sehen ist, grünt es jetzt dort, nachdem einiger Regen gefallen ist. Also ein Wetter etwa wie bei uns im Mai oder Juni. Die Fotos habe ich vor ein paar Tagen aufgenommen. 

Noch eine spannende Info zur Lage: La Gomera liegt ziemlich genau auf dem selben Breitengrad wie Buddhas Wirkungsstätten in Nord-Indien. In dieser Gegend ist ja der Buddhismus entstanden: Sonne, Mond, Gestirne, Klima usw. sind sehr ähnlich. Diese Landschaft und Lage ist wohl besonders gut für uns Menschen. 

Der Dojo liegt in einem halb verlassenen Dorf und war bisher ein Stall, der etwa 100 Jahre alt ist. Also kein Luxus sondern Natur und klare Energie pur.

Nachdem wir bei einer ähnlichen Sesshin in Südtirol in einem kleinen einfachen Kloster praktiziert hatten und wirklich ganz neu durchatmen konnten, konkretisierte sich der Plan, auch für das Winter-Halbjahr ein kleines Meditations-Zentrum einzurichten.

Man muss erst einmal ca. 100 Meter zu Fuß und einige Stufen hinauf gehen, um dort zu sein. Es gibt auch keine Durchgangsstraße, dort ist für Autos Schluss.
Wir wollen wie in Südtirol hauptsächlich im Freien praktizieren: Dazu die Holzterrasse.

Nun wünsche ich allen einen baldigen Frühling auch hier!

Yudo





Dienstag, 16. Januar 2018

Worte des Erwachten


Die überlieferten authentischen Lehrreden Buddhas bilden ohne Zweifel die Grundlage für alle späteren buddhistischen Texte. Sie wurden zunächst mündlich weitergegeben und später aufgeschrieben, sie sind die Quellentexte in den verschiedenen Übertragungslinien in Asien und heute im Westen.

Um eine Beziehung zu Nagarjunas Mittleren Weg, an der ich gerade arbeite, zu stützen, möchte ich eine aussagekräftige Auswahl zu treffen, um die Kernpunkte der Befreiungslehre Buddhas für gründliche Untersuchung bereitzustellen.

Folgende Die Quellentexte seiner Befreiungslehre sind aus meiner Sicht von zentraler Bedeutung:

– Die Sieben Glieder des Erwachens
– Die Vier Edlen Wahrheiten zur Überwindung des Leidens
– Der Achtfache Pfad zur Aufhebung des Leidens
– Die Himmlischen Verweilungen (zur Ethik im frühen Buddhismus) 
– Der Mittlere Weg und die Vermeidung von Extremen
– Wichtige authentische Gleichnisse Buddhas
– Die Fünf Hemmnisse der Befreiung

Nicht zuletzt geht es Buddha und auch Nâgârjuna um das Vermeiden von unheilsamen unvereinbaren Extremen, also um die praktikable und fruchtbare Weiterentwicklung des Menschen auf dem Mittleren Weg, indem er im Lebensprozess seine eigene Mitte findet und damit Glück und Zufriedenheit in dieser Welt und im Zusammenleben mit anderen Menschen erlangt.

Der Buddhismus ist eine positive und lebensbejahende Lehre und Praxis, die uns Menschen kurz gesagt in zwei großen Entwicklungsschritten aus überflüssigen oder oft selbst verursachten Problemen, Leiden und Schmerzen herausführen kann um heitere Befreiung zu erlangen. Im ersten Schritt geht es darum, ein „normales“ Leben zu führen. Dazu müssen wir natürlich unser Leiden möglichst klar erkennen und die Ursachen und Wechselwirkungen mit verschiedenen Faktoren und Einflüssen gründlich und möglichst ohne Tabus analysieren: Das ist die zentrale Aussage der Vier Edlen Wahrheiten Buddhas für Körper, Psyche und Geist.[1]

Von besonderer Bedeutung sind dabei die Achtsamkeit und die rechte Sichtweise. Es bringt uns zum Beispiel nicht weiter, entweder einseitig immer bei anderen die Schuld für das eigene Leiden zu suchen oder umgekehrt sich immer nur selbst anzuklagen und sich alle Schuld zu geben, da beide Extreme der psychischen und sozialen Wirklichkeit nicht entsprechen.

Buddhismus ist der Mittlere Weg in der Wechselwirkung – gerade bei der Überwindung des Leidens und der Gewinnung möglichst großer Freiheit und Selbstbestimmung. Extreme sind meist hohle Ideologien, die uns verhärten, aber sie führen nicht zur freudigen psychischen, geistigen und spirituellen Bewegung und Befreiung. Der Mittlere Weg markiert Bewegung, Entwicklungen und die Überwindung eines erstarrten Ich-Kerns.

Aber der Buddhismus bleibt nicht beim ersten Schritt stehen, sondern er lehrt vielfältig und überzeugend den zweiten Schritt zum Erwachen und zur Erleuchtung. Laut Buddha kann jeder Erleuchtung erlangen, wenn er tatkräftig und fortlaufend wirkungsvoll praktiziert und seinen Geist schult.

Es geht darum, aus einem schwierigen dunklen, durch Angst, Kummer, Jammer, Gram und Verzweiflung bestimmten Leben herauszukommen, das Leiden zu überwinden und zur Freiheit und Leichtigkeit des Lebens zu gelangen, um an der Kraft und Wahrheit des Kosmos und des Lebens mit seinen fast unbegrenzten Möglichkeiten teilnehmen zu können.







[1] Gäng, Peter: Meditationstexte des Pali-Buddhismus I, S. 53ff.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Zen und Bogenschießen: Spannung oder Loslassen?



In Herrigels weltbekannten Buch: "ZEN in der Kunst des Bogenschießens" heißt die berühmte Stelle:

"Da, eines Tages, nach einem Schuss, verbeugte sich der Meister tief und brach den Unterricht ab. ´Soeben hat Es geschossen´ rief er aus , als ich ihn fassungslos anstarrte". Und weiter: Dann "konnte ich die jäh aufbrechende Freude nicht unterdrücken".[1]

Der Autor, Philosoph von Beruf, beschreibt hier seine Erlebnisse von einem Japan-Aufenthalt, als er die Philosophie des Zen studieren wollte. Seine japanischen Freunde überredeten ihn zum Glück, eine praktische Zen-Kunst zu erlernen. Denn mit einseitigem noch so klugen Denken käme man beim Zen nicht wirklich weiter, ohne Praxis und Üben ginge es nicht. Das ist zweifellos richtig. Ich bin fest überzeugt, dass die geschulte Körper-Klugheit einer Zen-Kunst und das unglaubliche Potential des befreiten Unbewussten unser Leben gewaltig aktivieren, befreien und emanzipieren können. So eröffnen sich ganz überraschende neue Wirklichkeiten:

Das Es hätte dann auch in deinem Leben geschossen. Das Es, das ist "die jäh aufbrechende Freude". Warum sollte man diese Lebensfreude des Es denn auch unterdrücken?

Das Es ist kein Ding und keine Idee, nicht Subjekt und nicht Objekt und schon gar nicht die dualistische Trennung vom sogenannten Ich, dem Bogen, dem Pfeil, der Luft, dem Ziel usw.. Das Es ist die dynamische Wechselwirkung des gemeinsamen Entstehens (pratitya samutpada) und der gemeinsamen Entwicklung, wie Buddha sagte: Das ist die zentrale Kraft auf dem Achtfachen Pfad der Befreiung.

Meister Dogen hat dem Es oder Etwas ein eigenes Kapitel in seinem fulminanten Werk Shobogenzo gewidmet: "Was ist das Etwas, das uns jäh begegnet, jenseits von Denken und Wahrnehmung?" [2]Dieses Es oder Etwas sei die Wahrheit und Wirklichkeit selbst und nach der buddhistischen Lehre etwas ganz Selbstverständliches und Natürliches. Dogen sagt dazu:

"Deshalb mag das Etwas die Soheit der Klänge und Formen sein. Die Soheit von Körper-und-Geist mag das Etwas sein. Und die Soheit des Buddha mag das Etwas (oder Es) sein". Denn diese Soheit sei frei und leer von Ideologien, Doktrinen, Vorurteilen, Absolutismen, Extremen usw..

Wir wissen aus der modernen Gehirnforschung, dass Freude der beste "Lern-Turbo"[3] ist und nicht Tragik, Krise und Drama, wie manche uns vielleicht im Westen glauben machen wollen. Das wäre das falsche Erbe der griechischen Kultur und Philosophie. Und Herrigel war ja ein westlicher Philosoph, der sicher im festen Wissen der Überlegenheit westlichen Denkens nach Japan reiste aber dort etwas fundamental Neues lernte: Die aufbrechende Freude des klaren Augenblicks der größten Spannung und zugleich der Entspannung des Loslassens: Und dann fliegt der Pfeil auf seiner Bahn, genau mit deiner Energie und Genauigkeit des Augenblicks von Spannung-und-Loslassen.

In einem Video zum japanischen Bogenschießen Kyudo wird die Gehirnspannung eines alten Bogen-Meisters und eines amerikanischen guten Bogenschützens gezeigt: Genau im Moment des  Schusses sinkt die Gehirn-Spannung beim Japaner deutlich ab und steigt markant beim Amerikaner. Der Meister hat sicher dabei die tiefe Freude des wahren Bogenschusses, über den Amerikaner wird nichts berichtet.

Und was sagt Nietzsches Zarathustra dazu: "Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinauswirft, und die Sehne seines Bogen verlernt hat, zu schwirren"! Lassen wir also die Sehne schwirren und den Pfeil fliegen.

Das japanische Bogenschießen Kyudo zu erlernen, ist ein sehr langwieriger und komplexer Prozess. Daher versuchen wir gerade das meditative und dynamische Zen-Bogenschießen auch mit westlichen Bögen zu verwirklichen. Die Handhabung dieser Bögen lässt sich für uns im Westen viel zügiger erlernen.[4] Der umfassende ganzheitliche Zen-Körper-und-Geist kann sich dabei natürlich auch verwirklichen.
Dann gilt: "Es hat geschossen"!





[1] Herrigel, Eugen: Zen in der Kunst des Bogenschießens, Fischer Taschenbuch Verlag 2005, S.51
[2] Seggelke, Yudo J.: ZEN Schatzkammer, Einführung in Dogens Shobogenzo, Kap. 29, DONA-Verlag Berlin, Bd. 1, S. 261 ff.
[3] So der Gehirnforscher Manfred Spitzer
[4] Vgl. :Österle, Kurt: Zen im Weg des Bogens, Verlag Via Nova, 2016