Samstag, 14. August 2021

Das Lotos-Sutra im Zen: Die wunderbare Dharma-Wahrheit

Mein Lehrer, der große Zen-Meister Nishijima, sagt zur zentralen Bedeutung des Lotos-Sutra: "Wie wunderbar ist das Universum, in dem wir leben".

Diese Sutra ist eines der wichtigsten Schriften des Mahayana-Buddhismus und besonders in Ost-Asien sehr weit verbreitet. Es wird häufig mit der Bibel im Christentum verglichen und fasst die zentralen Lehren Buddhas zusammen.

Was ist die Kernaussage? Was ist das Verständnis des Buddhismus und die Sicht von Meister Dogen? Dieser nennt das für ihn außerordentlich wichtige Lotos-Sutra: "Die Dharma Blume der großen Wahrheit des Dharma dreht die Blume des Dharma der Welt." Schon dadurch wird klar, dass der Buddhismus nicht pessimistisch oder gar nihilistisch ist.

Das Zitat erscheint dir vielleicht als doppelte Aussage und als redundante Wiederholung. Es ist jedoch von großer spiritueller Tiefe, obgleich man das eventuell nicht gleich erkennt. Häufig wird das Lotos-Sutra allerdings wie ein buddhistisches Märchenbuch mit fantastischen idealistischen Lehren und Gleichnissen verstanden. Aber das ist nicht richtig. Es übersteigt bei weitem den schwärmerischen naiven Volks-Buddhismus mancher Gegenden.

Ich möchte es nach meinem Verständnis erklären und beziehe mich auf die Meister Dogen, Nagarjuna und Nishijima. Von zentraler Bedeutung sind Dogens Aussagen:

"Wenn der Geist in Täuschung ist, dreht sich die Blume des Dharma.

Wenn der Geist in Verwirklichung ist, drehen wir die Blume des Dharma"


Wenn man dabei das Sutra häufig nur zitieren würde, aber die wahre Bedeutung nicht versteht, kehrt es sich nach Dogen sogar gegen uns selbst. Es wird unser Feind und verhindert gerade unsere Befreiung und unser Erwachen. Dies wird vor Allem durch den Dualismus und andere unheilsamen Dogmen verursacht. Sie haben keine heilsamen Wirkungen und können das Leidens nicht überwinden.

In der ersten Zeile dreht die Dharmablume für sich, getrennt und ganz ohne uns. Wir sind dann isoliert von Buddhas Weisheit und dessen heilenden Praxis. Dann sind wir unfrei, vereinsamen und leiden vielfach in unserem Leben.

In der zweiten Zeile sind wir mit dem blühenden Dharma verbunden und in heilsamer Wechselwirkung, zum eigenen Besten. Damit verbindet Dogen seine Aussage mit Meister Nagarjuna, der den Dualismus, also den gespaltenen isolierten Geist, mit philosophischer Präzision kritisierte. Er sagt mit Buddha: Das zentrale Gesetz der lebendigen Welt ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Es ist Grundlage für unseren gesamten Heilungs- und Therapie-Prozess.

Denn wir selbst sind Teil dieser aktiven Wechselwirkung und gestalten und formen damit den wahren Sinn unseres Lebens. So sagt  Buddha vom befreiten Menschen: "Unabhängig lebt er und haftet an nichts in der Welt." Genau dann drehen wir die Blume des Dharma und handeln für andere. Das ist das Bodhisattva-Ideal des Buddhismus: Geben ist besser als nehmen. Das ist durch die moderne Gehirnforschung übrigens wissenschaftlich präzise bestätigt. Wer zuviel will und voller Gier nimmt, wird unglücklich und vereinsamt. Der Egoismus will immer mehr, als er hat, er macht unglücklich und macht uns gerade nicht glücklich.

In der Wechselwirkung erkennen wir die Natur, wie sie ist; das Handeln wie es ist und erkennen das wahre Selbst, wie es ist. So finden wir unsere Mitte und unser Gleichgewicht. Und das ist in der Tat in der heutigen gestressten von geistigen Extremen beschädigten Welt besonders wichtig. Das ist die beste Medizin für die jetzige Corona-Krise: Geben ist besser als nehmen. Dann vereinsamen wir nicht und haben echte Freude im Leben.

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Montag, 9. August 2021

Die mystische Kraft ist deine Buddha-Wirklichkeit


Mein Zen-Lehrer Nishijima Roshi sagt ohne Umschweife zur mystischen Kraft im Buddhismus: "
Mystisch bedeutet nicht übernatürlich sondern wirklich". Meister Dogen war überzeugt, dass mystische Kräfte genau diese Fähigkeiten sind, die wir in unserem normalen Leben benutzen. Das verblüfft sicher, besonders wenn wir fantastische Träume und Illusionen davon haben, wie uns die übernatürlichen Kräfte helfen, unser Leben auf wunderbare Höhen zu heben. Aber das von Gier, Hass und Verblendung gereinigte Handeln ist gerade natürliches Handeln und Sein und gerade nicht übernatürlich. Also: Entdecke deine mystischen wirklichen Kräfte!

Dogen sagt hier also nichts mehr und nichts weniger, dass unser wahres Leben mystisch ist. Wir können diese Mystik mit unserem Geist also nicht vollständig erfassen. Oder wissenschaftlich und nüchtern ausgedrückt: Unser Leben ist von Natur aus unendlich komplex. Und weiter: Mit buddhistischem Handeln, Denken und Fühlen haben wir einen klaren heilsamen Kompass in der Hand, um einen guten Weg in dieser Komplexität zu finden und zu gehen. Schritt für Schritt, mit immer größer werdende Klarheit und wachsender Lebensfreude. Das kann ich bestätigen, seitdem ich regelmäßig praktiziere, zum Beispiel Zen-Meditation.

Wir haben heute endlich in der Öko-Systemforschung und in den Neuro-Wissenschaften erkannt, dass hauptsächlich zwei typische Realitäten in unserem Leben wirksam sind: Erstens Modularität und zweitens lernfähige Plastizität. Wir können dabei nicht vollständig durchschauen, wie die Natur funktioniert, sie ist letztlich mystisch. Die Ausbeutung unserer Umwelt und die Klima-Katastrophen haben vor Allem ihre Ursache darin, dass wir diese Wahrheiten der Vernetzung nicht erkannt oder sie vergessen habe. Wir haben die Mystik des Lebens verdrängt. Um die Mystik des Lebens wieder zu erkennen, bedarf es der Klarheit und Bescheidenheit. Ego-manischer Narzismus und rücksichtslose Ausbeutung sind die falschen Wege. Darum mahnt uns die junge Generation: "Fridays for Future!" Und sie hat recht! Wenn wir das nicht erkennen "bestraft uns das Leben".

Du wirst es mir vielleicht nicht glauben: Buddha hat diese Vernetzung der Natur genial schon erkannt: Das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung. Ist es nicht ein großes Wunder, dass sich Menschen verstehen, ohne viel zu reden? Das ist die ungestörte Wechselwirkung zwischen den Menschen, die Buddha meint. Liebende haben ein solches wunderbares Verstehen, ohne zu reden. Im Zen wird in gleicher Weise das Verhältnis von Lehrer und Schülern verstanden.

Dazu ein Beispiel Dogens: Ein alter Meister sagte zu seinem Schüler, der ohne Worte und schon gar nicht durch Befehl genau so handelte, wie es im Augenblick für beide richtig war:

„ Der Schüler und Ich haben gerade eine mystische Kraft praktiziert, die noch eine Stufe über (dem Volks-Buddhismus) steht.“

Um es mit Buddha anders zu sagen: Das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung hat mystische Kräfte, die durch die Praxis und Lehre des Buddhismus sich voll und ungehindert entfalten können. Mit intellektueller Theorie kann man das nicht erfassen.

Aber wir erleben die wirklichen Kräfte des Zen: Erleuchtung und die alltäglichen mystische Kräfte sind "Wasser schöpfen und Feuerholz tragen". Das sind scheinbar simple Tätigkeiten aber in Wirklichkeit mystische Kräfte und tiefe Wahrheiten des Lebens! Das können wir im Buddhismus gut erlernen und das bringt uns wirklich weiter.

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Dienstag, 3. August 2021

Corona: Klares Handeln gibt uns tiefe Befriedigung und verlängert unser Leben


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Wahres Handeln gerade in der Corona-Krise wie jetzt: Denn Meister Dōgen weiß von zwei alten Meistern zum praktischen Handeln: 

"Erleuchtung ist Feuerholz tragen und Wasser schöpfen". 

Und der zweite, als er alt war: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"

Wahres Handeln bringt uns gerade in der Krise weiter! Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel.

Das ist das edle Verhalten der handelnden Buddhas und Buddhisten. Handeln ist genau das Leben, also die Wirklichkeit und Wahrheit der Menschen. Ohne Handeln gibt es keine Wirklichkeit im Augenblick. Und sinnvolles aktives Handeln macht glücklich und schützt vor früher Demenz. Oder umgekehrt: Wer in der zweiten Lebenshälfte nicht körperlich und geistig aktiv ist, wird deutlich früher dement. Von der Gehirnforschung wissen wir: Wer eine zweite Sprache spricht, wird etwa fünf Jahre später dement. Die besten Medikamente bringen nicht einmal ein Jahr.

Ohne Handeln gibt es keine Wirklichkeit und kein menschliches Leben. Sowohl das Denken als auch die Wahrnehmung sind oft ungenau und sogar fehlerbehaftet, sie sind nur ein Teil, Abbild oder Schatten der Wirklichkeit. Denken und Reden können sich sogar von der Wirklichkeit völlig ablösen.

Dōgen arbeitet heraus, wie die Buddhas, Meister und Erleuchteten im täglichen Leben und im Gleichgewicht und in Harmonie handeln. Es geht dabei sowohl um die Meditation des Zazen als auch das Handeln im ganz normalen Alltag. Handelnde Buddhas strahlen nach Dōgen eine natürliche Wahrhaftigkeit aus, sodass wir dieses Handeln als edel bezeichnen können. Diese Handeln ist typisch für das direkte Handeln im Alltag, das man fast als „locker“ und "spielerisch" bezeichnen kann. So solltet wir auch im Beruf arbeiten und Stress, Versagensängste und unnötige Konkurrenzkämpfe vermeiden. Gute und effiziente Leistung wird gerade heute in unserer Gesellschaft wichtig, immer geachtet und lohnt sich: Für Körper und Geist. Locker und spielerisch: Damit ist keine Nachlässigkeit gemeint. Es geht um ein einfaches flexibles und dynamisches Verhalten. Und Dōgen bezeichnet ein solches Handeln der Buddhas und Meister als edel und wahrhaftig. Vor allem geht es dabei um soziales Handeln, also die heilsame Wechselwirkung der handelnden Menschen.

Um im Augenblick tatkräftig, „richtig“ und heilsam zu handeln, muss man über eine angemessene Freiheit verfügen und entspannt sein. Dies beschreibt Herrigel  in seinem berühmten Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens. Wir müssen entspannt im Zustand der fokusierten Spannung sein.  Ich selbst mache übrigens Zen-Meditation, spiele die Bambusflöte und praktiziere japanisches Bogenschießen . Nach einem gewissen Übungsweg gelingt dann spielerische Leichtigkeit und spirituelle Tiefe.

Der Bogenmeister sagte eines Tages zu seinem Schüler, dem deutschen Philosophen  Herrigel : „Soeben hat Es geschossen.“ Und weiter: „Sie verweilten diesmal völlig selbstvergessen und absichtslos in höchster Spannung; da fiel der Schuss von Ihnen ab wie eine reife Frucht.“ Und was heißt selbstvergessen? Antwort: Dann stört das Selbst nicht mehr und unsere natürlichen Fähigkeiten entfalten sich ganz ungehindert. Das ist das Momentum. Ich habe übrigens beim Bogenschießen kürzlich eine ganz ähnliche erstaunliche Erfahrung machen können.

Das war für den theoretischen Denker ganz neu. Eine völlig unbekannte Welle des Glücks und der Freude durchströmte ihn. Diese Weisheit hat mich als Schüler nachhaltig für mein ganzes späteres Leben beeinflusst. So habe ich übrigens mit 78 Jahren dieses Bogenschießen angefangen.

Wenn man das Glück hat, einen wahren buddhistischen Meister zu kennen und bei ihm zu praktizieren, ist man überrascht, wie unkompliziert und mit welch großer Freude er handelt und durch seinen Alltag geht. Die einzelnen Tätigkeiten werden mit Achtsamkeit und Freude wahrgenommen; es gibt keine Hetze und keine Verspannung. 

Der Buddhismus ist eine Lehre der Praxis der Wahrheit und des wirklichen Lebens,  Während die abendländische Philosophie dem Denken den höchsten Stellenwert einräumt, erkennt man im Buddhismus seit dem großen Genie Gautama Buddha das Handeln als ganz wichtig für das Leben. Dieses Handeln entscheidet vor allem über unser Glück und Unglück, über Freude und Leid. Das Handeln beinhaltet auch die Zazen-Meditation.

Nishijima Roshi fasst deshalb zusammen: „Gautama Buddha erklärte, dass das Leben im Wesentlichen aus Handlungen im Hier und Jetzt besteht.“

In der Tat handeln wir ununterbrochen, selbst wenn uns dies nur teilweise bewusst ist. Und das gilt besonders für unser Gehirn. Es handelt immer und verarbeitet fortwährend Informationen, solange wir leben, bei Tag und beim Schlafen in der Nacht. Statik ist das Gegenteil von Leben!. 

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Donnerstag, 22. Juli 2021

Wie kannst Du die Buddha-Natur verwirklichen?

Meister Dogen war auf der intensiven Suche nach der Buddha-Natur. Er hat viele Jahre vergeblich nach einer überzeugenden Lösung für dieses Problem gesucht. In Japan konnte ihm keiner wirklich helfen, weder die bekannten Meister noch das Studium schwierigster Schriften. Er fragte sich: Warum muss ich überhaupt anstrengende und andauernde buddhistische Praxis machen, wenn jeder die Buddha-Natur sowieso schon hat? Dann müsste es doch reichen, dass man sie einmal versteht und schon ist die Dauer-Lösung da. Die ungelöste Frage nach der Buddha-Natur führte Dogen sogar nach China. Dort fand er schließlich die überzeugende Lösung.

Deine Buddha-Natur ist nämlich klares erfülltes Leben und keine abstrakte Philosophie. Wohl klingende Worte oder Geheimniskrämerei vernebeln die Wirklichkeit und führen zu nichts. Allerdings sind treffende gute Worten zwar Hilfs-Werkzeuge aber nicht direktes Erleben. Mit reiner Theorie steht man da wie der Ochs vorm Berg. Philosophie und Intellekt können nur etwas beschreiben, aber sie sind nicht das wirkliche Erleben.

Es gibt viele theoretische und philosophische Beschreibungen der Buddha-Natur, die dir aber nicht viel bringen. Im Gegenteil. Sie verwirren meist und kommen nur unnötig gelehrt daher. Lass dich also nicht verblüffen. Was hältst du zum Beispiel von folgendem hochtrabenden Spruch: Die Buddha-Natur existiert im Nichts? Sicher wenig hilfreich. Das ist übrigens buddhistisch echter Blödsinn, obgleich man so etwas hören und lesen kann.

Die Buddha-Natur kannst Du als Wirklichkeit und Wahrheit direkt und ohne Zweifel selbst erleben. Sie ist KlarheitFreude und Fülle im Augenblick, also genau hier und jetzt. Im frühen Buddhismus ist die Geistes-Klarheit besonders wichtig. Wer es aber nicht gelernt hat, im Augenblick direkt zu leben, der kann die Buddha-Natur leider nicht erfahren.

Die Fülle und Tiefe des Augenblicks kannst Du verwirklichen, wenn Du deine Hemmnisse und Blockaden wegräumst. Buddha nennt fünf davon: übertriebene Hektik, Trägheit, gieriges Wollen, Übelwollen und nervende Zweifelsucht. Letztlich sind dies die von Buddha genannten Ursachen des Leidens Gier, Hass und Verblendung. Man kann sie durch Übung verschwinden lassen und so überwinden.

Buddha nennt dagegen positiv sieben Faktoren des Glücks und der Erleuchtung, die Dein Leiden zur Ruhe kommen lassen. Also Achtsamkeit, klare Unterscheidung, Energie, Freude, Gleichmut und Sammlung usw.. Besonders wichtig ist die Achtsamkeit in der Meditation und im guten Flow beim Handeln und Arbeiten.

Dogen zitiert den großen Meister Nagarjuna:

Wenn du deinen Ich-Stolz nicht überwindest, kannst du die Buddha-Natur nicht erfahren und sie nicht verwirklichen.

Es geht um das gemeinsame Entstehen in liebevoller Wechselwirkung, das ist die Kernlehre des Buddhismus. Dann erfährst du die Buddha-Natur wirklich. Die Ich-Sucht und der Ich-Stolz isolieren die Menschen und machen sie einsam und krank. Die Buddha-Natur ist kein Ding und keine unveränderliche Substanz. Sie ist gerade ohne eine solche Pseudo-Substanz, um es buddhistisch zu sagen. Man kann sie nicht wie ein Ding oder ein Goldstück greifen und dann hat man sie für immer. Davon träumen vielleicht manche, aber das geht nicht und ist eine böse Sackgasse. Um die Buddha-Natur zu verwirklichen, muss man Extreme vermeiden und die Lebenskraft aus der Mitte holen. Das ist der Mittlere Weg der Meditation und des Handelns. Dann verwirklichst du die Buddha-Natur.

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Dienstag, 13. Juli 2021

Die Zen-Meditation befreit und gibt dir jeden Tag einen neuen Energie-Schub

 


Für mich war und ist die Zen-Meditation wie ein Wunder. Sie gibt mir jeden Tag Energie, Ruhe und transformiert das Leben in eine erstaunlich gute Richtung. Für diese buddhistische Praxis bin ich aus tiefstem Herzen dankbar. Und eigentlich ist der Aufwand gering, man muss einfach dran bleiben. Ich bin fest überzeugt, dass ich durch Zazen eine schwere Berufs-Krise meistern konnte. Aus dem drohenden Desaster wurde ein tiefgreifender Erfolg, sowohl in dem schwierigen Projekt als auch in meiner ganzen Berufsentwicklung. Diese Meditations-Methode ist eine Bank gerade in der Corona-Krise!

Nishijima Roshi nennt die Zazen-Praxis die erste Erleuchtung. Und das erstaunliche ist dabei: Diese Methode funktioniert verlässlich an jedem Tag, an dem die Sonne auf- und wieder untergeht

Meister Dogen hat bei seiner Reise nach China erst durch Zazen die tiefe Erleuchtung erfahren, nachdem er in Japan mit der damaligen Theorie und Praxis nicht voran gekommen war. Er vergleicht diese Praxis  mit der großartigen Heilmethode der chinesischen Akupunktur. Wie inzwischen auch im Westen bewährt, werden die wirksamen Nadeln genau an den Stellen angesetzt, wo die Probleme verursacht werden. Das ist genau die Methode der Zen-Praxis. Dogen hält es für ausgeschlossen, dass man überhaupt Zugang zum wahren transformierenden Buddhismus findet, wenn man nicht Zazen praktiziert.

Diese ganzheitliche Praxis sei etwas ganz anderes ist als das übliche abstrakte Denken und geht weit darüber hinaus. Ein Mönch fragte dazu einen großen Meister, was dieser beim Zazen „im stillen-stillen Zustand denkt“. Antwort von Dogen:

„Wir sollten in der Praxis das Berg-stille Sitzen lernen, und wir sollten die authentische Übertragung des Berg-stillen Sitzens empfangen.“

Man sitzt dabei ruhig wie ein Berg. Dann verschwindet das übliche unterscheidende duale Denken und Fühlen. Dann ereignet sich die genannte erste Erleuchtung. Wenn man aber beim Zazen den ehrgeizigen Willen hat, etwas Großartiges wie das Allwissen zu erreichen, und treibt damit Denken und Fühlen gewollt in die Irre oder im Kreis herum. Dann kann sich die Heilwirkung der Zazen-Praxis nicht entfalten: Sie findet einfach nicht statt! Beim Zazen kommt es also darauf an, sich nicht durch egoistische Denkanstrengungen einzuengen oder dabei zu verkrampfen. Dōgen fragt uns:

„Wie kann es möglich sein, dass in dem ganz ruhigen, stillen Zustand kein Denken da ist? Und warum verstehen viele nicht den still-stillen Zustand jenseits von Denken und Nicht-Denken?“

Beim stillen, ruhigen Sitzen in der Zazen-Praxis müssen wir genau auf die richtige körperliche Haltung achten und den Kopf nach oben gestreckt halten. Dabei sollten wir den Blick schräg nach unten richten und auf die weiße Wand vor und schauen. Die Augen sind dabei halb geschlossen. Dann ereignet sich das nicht-dualistische umfassende und intuitiv unbegrenzte "Denken". Dann erstarkt unsere Mitte und entwickelt die erstaunliche transformierende Kraft, die den ganzen Menschen erfasst Also: "Nichts als Sitzen. Körper und Geist fallen lassen". Dōgen lehnt Konzentrations-Zen für die Zazen-Praxis grundsätzlich ab. Also: Just do it!

Man soll daher nicht auf den Geist „einprügeln“. Es ist überhaupt nicht sinnvoll, den Geist oder den Körper oder beide zu prügeln, um Erleuchtung zu erlangen. Auch Stolz auf das einseitige Beherrschen der Körperhaltung führt nicht weiter. Wer sich selbst in seiner Zazen-Haltung bewundert, ist einem gefährlichen Irrtum aufgesessen.

Dôgen sagt:

„Dies ist das authentische Siegel, das empfangen und weitergegeben wird, von einem-zum-anderen.“

Zazen ist die direkte Verwirklichung und Befreiung der Menschen. Diese Praxis ist für alle machbar, sie ist einfach und erzeugt keine Komplikationen und Verwirrungen in unserem Leben. Meister Dogen dichtet:



"Das wahre Tun eines jeden Buddha. Das Tun des Wahren eines jeden Meisters. Jenseits des Denkens: Verwirklichung. Jenseits des Komplizierten: Verwirklichung.


Die Verwirklichung ist natürlich und ist sichere Erfahrung. Es gab kein dogmatisches Richtig und da war keine trennende Isolation.


Das Wasser ist rein, klar und richtig bis zum tiefen Grund. Die Fische schwimmen als Fische! Der Himmel ist weit, klar und ohne Grenzen. Und die Vögel fliegen als Vögel!"


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Dogens authentische Beschreibung der Zen-Meditation