Mittwoch, 10. Mai 2023

Die natürliche mystische Kraft des Lebens und Universums


Bodhidharma

Meister Dōgen erklärt im, dass die Wirklichkeit und Wahrheit des Lebens und der Welt selbst das Wunderbarste sind. Dagegen sind illusionäre Doktrinen meist unheilsam und sogar gefährlich. Dies kann jedoch durch die authentische buddhistische Lehre und Übungspraxis, also vor allem durch Zen-Meditation, richtig erkannt, erfahren und erlebt werden. Die Wirklichkeit und Wahrheit des Lebens und der Welt sind in der Tat mystisch und nicht vollständig erfassbar, aber sie entstehen laut Nāgārjuna gleichwohl in Wechselwirkung ganz real und können daher als leer von unsinniger Metaphysik bezeichnet werden. Es handelt sich nach Dōgen gerade nicht um „übernatürliche“ Wunder, sondern um die „natürliche mystische Kraft“ des Lebens und Universums. Das gibt uns Selbstvertrauen, unsere Mitte und Gleichgewicht. Dann entwickeln sich in und mit uns ganz neuer Energien.

Er zitiert einen alten buddhistischen Meister, der auf die Frage, was die mystische Kraft der Buddhas sei, antwortet: „Wasser holen und Brennholz tragen.“ Dies ist in der Tat eine verblüffende Antwort, da beide Tätigkeiten nach dem "gesunden Menschenverstand" eher einfach, um nicht zu sagen banal sind und sicher vielen Menschen eher als lästig und unangenehm erscheinen. Wir verbinden sie im normalen Sprachgebrauch nicht mit natürlichen mystischen Kräften. Im Zen-Buddhismus werden die Wirklichkeit und Wahrheit des Handelns besonders bei den scheinbar einfachen Tätigkeiten außerordentlich hoch geschätzt. Darin offenbaren sich wahre buddhistische Handlungskraft und wahrer buddhistischer Geist, der ganz ohne doktrinäre Täuschungen und Doktrinen ist. Es kommt nicht so sehr darauf an, was man tut, sondern wie man es tut. Das Handeln und die Meditation sind die sicheren Grundlagen für die Erfahrung der Wirklichkeit

Diese alltäglichen Handlungen, wie Wasser schöpfen und Brennholz holen, gewinnen aus buddhistischer Sicht eine ganz neue Tiefenschärfe und verwirklichen neue, lebendige Verbindungen zu vielen anderen wesentlichen Lebensbereichen. Wenn man dieses wirklich erfährt, sind es nach Dōgen wirklich mystische Kräfte, die sich durch die buddhistische Lehre und Übungspraxis im Leben ganz real zeigen und entfalten.

 

Montag, 1. Mai 2023

Der Geist hier und jetzt ist Buddha

 

Unser Geist ist weit mehr als das Denken, denn er ist nach Dōgen auch die Wirklichkeit des "Bambus, der Berge, Flüsse, der Erde, der Sonne, des Mondes und der Sterne." Ist das ein Zen-Paradox?

Nein, das ist auch die bittere Ökologie der Gegenwart, und daraus entstehen die Klima-Katastrophen von heute. Denn was ist der Kern des Übels? Dass sich der menschliche Geist von der Ökologie aus Einfältigkeit oder Arroganz getrennt hat und das zum Drama werden musste. Gerade für den menschlichen Geist und die hoch gezüchtete Intelligenz gilt, dass die Trennung von der Natur, also von den Bergen Flüssen und der Sonne und deren Zusammen-Wirken den Herzschlag unsere Welt gefährdet. Buddha hat m. E. als erster klar erkannt, dass das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung die große Wahrheit des Universums und des Lebens ist.

Er arbeitet diese tiefe Weisheit in mehreren scharfsinnigen Dialogen mit dem alt-indischen Denker Senika heraus. Er beweist diesem die Unsinnigkeit, Widersprüchlichkeit und große Gefahr der Abspaltung des Geistes von der Natur. Der alte Denker kann der fundierten Weisheit und Praxis Buddhas über das lebendigen Zusammen-Wirken nichts entgegensetzen. Dadurch öffnet sich bis heute der Weg zur kraftvollen und heilsamen Befreiung und zum Erwachen. Senika erkennt aber nicht die lebenden Zusammenhänge von Geist und Ökologie. Und das ist eine fatale Sackgasse!

Dōgen lehnt diese kurzsichtige Lehre Senikas mit Nachdruck ab und erläutert dies anhand des berühmten Satzes „Der Geist hier und jetzt ist Buddha“. Es geht dabei nicht um Glauben, Wünsche, abstrakte Vorstellungen und eine unsichtbare Geist-Essenz, sondern um die reale Wirklichkeit hier und jetzt, ob wir sie nun mögen oder nicht. Und diese Wirklichkeit können wir entscheidend mit gestalten. Und eine Flucht aus der Wirklichkeit, in Dogmen, in schöne Wunschträume oder unbeherrschbare Ängste ist  eine wesentliche Ursache für das Leiden, und Schmerzen und ökologische Probleme.

Was bedeutet nun der zitierte Satz, dass der Geist hier und jetzt Buddha ist? Ein berühmter Zen-Meister sagt dazu

„Der Geist hier und jetzt ist Buddha“ darf nicht nur das Bewusstsein kennzeichnen sondern auch den Körper" und den ganzen Menschen, also auch unsere Psyche.

Dies ist im Buddhismus das Symbol eines klaren Spiegels, der das Ganze reflektiert, was vor ihm erscheint, ohne etwas hinzuzufügen, wegzulassen oder zu verzerren. Die Flucht der Menschen vor der Wirklichkeit und der Wahrheit ist die Ursache der meisten geistigen und psychischen Leiden ist, die wir in der heutigen Zeit leider genauso kennen wie früher. Dadurch entstehen auch ökologische Katastrophen.

Dōgen sagt daher:

„Wenn wir den Willen (zur Wahrheit) niemals erweckt, das Praxis-Training niemals durchlaufen, den Bodhi-Geist niemals (verwirklicht) und Nirvāna niemals (erfahren) haben, dann gibt es keinen Geist, hier und jetzt ist Buddha‘.“


Link:  Vertiefung

Montag, 17. April 2023

Zazen ist Sitzen wie ein Berg

 

Meditatiion und sinnvolles Handeln sind die Eckpunkte zur Befreiung von Leiden und Schmerzen. Die Methode des Zazen ist besonders wirkungsvoll und wird in Ost-Asien zu Recht mit der Heilwirkung der Akkupunktur verglichen.

Man verwendete dafür geeignete Bambusnadeln. Der japansche Begriff für „Nadel“ lautet shin. Damit ist auch die Heilung von Körper-und-Geist gemeint und bezeichnet eine Praxis, die den Menschen von physischen, psychischen und mentalen Leiden und Unwohlsein befreit – im Zen-Buddhismus also die Meditationspraxis des Zazen.

Außerdem verwendet man diesen Begriff für kurze, markante Sätze. Vor allem für Verse der buddhistischen Lehre, die in der Lage sind, den Menschen direkt zu helfen und einen Wandel zum Heilsamen herbeizuführen. Das ist die markante typische Ausdrucksform fähiger Zen-Meister!

Dōgen zitiert und kommentiert im Kapitel Zazenshin ein berühmtes Kōan-Gespräch:

Der große Meister Yakusan Igen saß im Zazen, als ein Mönch ihn fragte:

„Was denken Sie im stillen, stillen Zustand?“

Die Bedeutung für diesen Zustand des Zazen lässt sich am besten mit „bewegungslos auf einem hohen Niveau“ wiedergeben. Der japanische Begriff bezeichnet ursprünglich einen majestätischen Tafelberg, der oben flach ist und Verbindung mit dem Himmel zu haben scheint. Damit wird der Zustand des Gleichgewichts und der Ruhe in der Zazen-Praxis beschrieben und gleichzeitig dessen starke Kraft und ruhige Ausstrahlung gekennzeichnet. Sitzen wie ein Tafelberg!

Der Meister antwortete dem Mönch mit einer der berühmtesten Aussagen des Zen-Buddhismus: „Den konkreten Zustand des Nicht-Denkens denken.“

Das klingt zunächst paradox. Im Klartext heißt dies meines Erachtens: Der Mönch glaubt, dass der Meister etwas ganz Wunderbares im erleuchteten Zustand denkt, während der Meister sagt, dass er nicht intellektuell und nicht unterscheident und wie üblich denkt. Da der Mönch diese Antwort nicht verstand, fragte er weiter: „Wie kann der Zustand des Nicht-Denkens gedacht werden?“ Der Meister erwiderte darauf kurz und bündig: „Es ist Nicht-Denken.“

Die einengenden Grenzen des logischen Denkens werden aufgelöst und die Blockaden von Gefühlen und Dogmen lösen sich einfach auf. Wie es im Zen heißt:

"Körper und Geist fallen lassen"

Nishijima Roshi fügt hinzu, dass beim Zazen durchaus fließenden Gedanken im Bewusstsein auftauchen können, die jedoch wieder von alleine verschwinden, wenn wir uns nicht auf sie fixieren. Dōgen betont:

„Wir sollten in der Praxis das wahrhaft stille Sitzen lernen, und wir sollten die authentische Übertragung des wahrhaft stillen Sitzens empfangen.“

Sein Gedicht beginnt mit den Versen:

„Zentrale Kraft eines jeden Buddhas.

Lebendiger Kern jedes wahren Meisters.

Jenseits des Denkens: Verwirklichung,

jenseits der Komplikation: Verwirklichung.

Jenseits des Denkens: Verwirklichung.

Die Verwirklichung ist natürlich und unmittelbar.


Zazen bringt Ruhe, Selbstvertrauen und Glanz in dein Leben



Link: Vertiefen und weiter lesen

Link: Authentische Beschreibung des Zazan

 

Dienstag, 4. April 2023

ZEN: Befreiung im Leben und Tod


In diesem Kapitel des Shōbōgenzō beschreibt Dōgen sein tiefes Verständnis für die großen Fragen von Leben und Tod in der Wirklichkeit des Buddhismus.[i] Wir erfahren, was der Zen zur Bewältigung von Leben, Altern und Tod für uns leisten kann. Wer regelmäßig Zazen praktiziert, entwickelt sich garantiert positiv und heilsam weiter, gerade im Alter und als Stärkung in der Krankheit.

Buddha wusste schon, dass unser Leiden zum großen Teil von selbst erzeugt wird und der von uns unabhängige Teil von außen meist nicht die eigentliche Verursachung ist. Er beschreibt in den Vier Edlen Wahrheiten die wichtigsten Ursachen unseres Leidens: Jammer und Verzweiflung Oder, dass man nicht genau das man bekommt, was man unbedingt haben will. Dabei ist klar: Wir erzeugen selbst manches Leiden und können es daher auch ändern. Das gilt gerade für Krankheit, Alter und Tod. Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Welche Hilfen gibt uns Dōgen dabei?

Er bearbeitet dieses Thema auf der Grundlage seiner umfassenden buddhistischen Praxis und Lehre. Gerade im Hinblick auf die stark mit Emotionen und Ängsten besetzte Frage nach dem Tod und dem leidvollen Leben ist er überzeugt, dass ein intellektuelles, nur theoretisches Verstehen dessen, was Tod und Leben bedeuten, unzureichend ist. Besonders gefährlich seien weltfremde Doktrinen, die nicht wirklich weiterhelfen. Die Zen-Lehre der Erfahrungen der Wirklichkeit im Jetzt darf nicht mit hoch abstrakten Doktrinen verwechselt werden.

Dōgen erklärt:

„Weil es im Leben-und-Tod Buddha (als Wirklichkeit) gibt, gibt es nicht Leben und Tod (als übliche Vorstellung und Idee).

In dieser Aussage werden die buddhistische Wirklichkeit von Leben-und-Tod und die gewöhnliche Vorstellung des Lebens und des Todes einander gegenübergestellt und voneinander unterschieden. Dōgen betont hier, dass wir uns von zementierten Vorstellungen, Dogmen und Begriffen, nicht zuletzt der Angst, lösen können, um auch "das Alter zu genießen" und ein sinnvolles aktives Leben zu führen! Diese Wirklichkeit kann nur im Augenblick erfahren werden, sodass der Gedanke an den Tod im Augenblick des Lebens nicht der Wirklichkeit entspricht, sondern nur eine Aktivität und Konstruktion des Gehirns ist. Das ist auch eine Kern-Aussage des großen indischen Meisters Vasubandhu. Dōgen fährt fort:

„Ein Mensch, der sich vom Leben und Tod befreien will, sollte genau diese Wahrheit erhellen."

Dōgen will damit bildhaft und eindeutig ausdrücken, dass die Befreiung von Leben und Tod als Leiden nur durch das Erleben der Wirklichkeit von Leben-und-Tod. Dazu gehört die Verwirklichen des Buddha-Wahrheit und durch kraftvolles ethisches Handeln.

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[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 4, S. 277ff.
ZEN Schatzkammer, Kap. 92, Bd. 3, S. 293ff.: „Die Befreiung von Leben und Tod im Buddhismus (Shōji)“

Donnerstag, 16. März 2023

Lotos Sutra: Die Blume der Buddhas transformiert Dich und die Welt

 


Die Lotos-Blume ist das Symbol der Schönheit und buddhistischen Wahrheit, also des Dharma und Erwachen . Sie wurzelt im Schlamm des Teiches, wächst nach oben zum Licht und entfaltet so ihre ganze Pracht 

Das Gleichnis bedeutet m. E. vereinfacht: Wenn Du die Buddha-Wahrheit in Dir entwickelst, verbessern sich gerade durch Dich die Welt und die anderen. Diese klare Wahrheit wird dann positiv auf Dich zurück gekoppelt. Das ist die lebende Wechselwirkung und Vernetzung in der Welt. Das Symbol für diese buddhistisch gute Entwicklung ist die drehende Lotos Blume

.Dōgen beschreibt die Dharma-Blume als zentrales Symbol des Lebens und damit der Welt und des Universums. So verwirklicht sich als: Gemeinsames Entstehen und Wachsen in Wechselwirkung. Dabei gibt es keine Verzerrungen durch Extreme.

Die Dharma-Blume dreht sich nach Dôgen durch die authentischen Praxis des Bodhisattva-Weges, vor allem bei der Zen-Meditation. Sie weicht nicht davon ab. Es ist die tiefe uns zugängliche Weisheit der Buddhas, die den verengten Intellekt und die kalte Logik hinter sich lässt. Sie ist im Buddha-Jetzt der Wirklichkeit gegründet. Damit hängt also die höchste Weisheit zusammen, die dem Menschen überhaupt erreichbar ist, wie Dôgen an anderer Stelle sagt. Diese umfassende Weisheit ereignet sich nach Dōgen vor allem in der Zen-Praxis. Die Buddhas sind darin zusammen mit den Buddhas lebendig und wirklich, weil sich die Dharma-Blume dreht.

Gleichzeitig offenbaren sich die konkreten Dinge und Phänomene dieser Welt in großer Klarheit und Wirklichkeit, vor allem im Handeln. Man verliert sich nicht in fantastischen Illusionen, denn so etwas endet oft in Enttäuschungen und Depressionen. Im Gegensatz dazu enthüllt, offenbart und verwirklicht sich die Dharma-Blume. Sie öffnet den Zugang und die Wechselwirkung zum großen Universum.

„Die Buddhas zusammen mit den Buddhas können vollständig verwirklichen, dass alle Dharmas wirkliche Form sind.“

Das ist die Lotosblume. Diese Blume der Dharma-Wahrheit öffnet und dreht sich, wenn wir das brennende Haus die Welt von Gier, Hass und Verblendung verlassen und in die offene Ebene der Selbst-Findung und Entwicklung gelangen.

Mit der Blume des Dharma gibt es die Orte wirklich, gibt es den Raum, den großen Ozean und die große Erde, und diese sind für die Menschen das eigene vertraute Land. Wenn sich die Dharma-Blume dreht, ist sie dies Handeln, das lebendig, veränderlich und beweglich ist. Das ist das gemeinsame Entstehen in Wechselwirkung, das wir bisher in der Ökologie vergessen hatten und die große Gefahr der Klima-Katastrophe zur Folge hat.

Erst seit wenigen Jahren sind uns im Westen diese tiefen Weisheiten Buddhas zur Natur und Umwelt durch die Öko-Systemforschung wieder bekannt!

Und: Wer die Blume des Lotos dreht und bewegt, ist mit dem zufrieden, was er hat

Link: Vertiefung zum Lotos-Sutra

Link :Zum Film Buddha und Bogenschiessen, english