Sonntag, 26. April 2020

Der große Shunryu Suzuki, ein wahrer ZEN Meister !

Hilfen zur Suche und Wahl eines guten Lehrers, Videos

Bitte Bild anklicken

Auf meinem Weg zum Buddhismus hatte ich großes Glück: Ich hatte eine Meisterin als Lehrerin und einen Meister als Lehrer, die erleuchtet sind und waren. Erwachen und Erleuchtung hat Meister Dogen in zwei Kapiteln authentisch beschrieben. Wie erkennt man nun einen lebenden wahren Meister und eine Meisterin? Ihr seid vielleicht erstaunt, wenn ich sage: Vor allem an ihrer Lebensfreude und dem witzigen Humor - gepaart mit verantwortungsvoller Ernsthaftigkeit und tiefem Verständnis des authentischen Buddhismus. Ein guter Lehrer muss natürlich sehr gut zuhören können!

Wahre buddhistische Lehrer und Lehrerinnen haben die Aufgabe, den  kraftvollen Mittleren Weg zu lehren. Er besteht aus allen Bereichen des Achtfachen Pfades. Denn gerade diese rechte Kombination ist der Weg zum Erwachen und zum Glück. Wie geht das? Ich möchte sagen: Menschliche Ausstrahlung, spirituelle klare Einfachheit und Fachkompetenz des authentische Buddhismus. Von der Gehirnforschung wissen wir: Freude macht klug und kreativ. Angst und Schmerzen machen dumm und unwissend. So lehrt man heute wie früher Zazen und den wahren Buddhismus.

Wenn ein Lehrer die Zazen-Praxis durch Schmerzen übertreibt, glaubt er vielleicht, dass Askese zur Erleuchtung führt. Das hat bereits Buddha als ganz falschen Weg erkannt, das ist ein falsche Lehre. Wenn starke Schmerzen nachlassen, ist das gerade  kein Erleuchtungs-Erlebnis, wie manche sagen. Wer lehrt, dass man Schmerzen beim Zazen haben muss, lehrt zum Beispiel nicht die Meditation von Meister Dogen, der Schmerzen in seinen Büchern überhaupt nicht erwähnt, weil sie nicht relevant sind.  Vielleicht meditiert ein Schmerz-Zenlehrer selbst noch nicht richtig. Das Heldentum der Überwindung von Schmerzen stärkt sogar das Ego (!) und erschwert damit den Befreiungsweg. Denn Zazen ist das Tor zum Frieden und zur Freude, so stand es über dem Eingang von Nishijimas Dojo in Tokyo geschrieben. Und dazu braucht man vor allem ein senkrechtes Rückgrat beim Sitzen und eben den großen Frieden.

Nicht zuletzt: Die große menschliche Zuwendung zu den Schülern und allen Menschen kennzeichnet den wahren Meister und seine pädagogische Kompetenz!  Es ist zwar notwendig den Alltag loszulassen, aber das ist nicht hinreichend für unser Glück und unseren Frieden. Weder körperliche Askese noch geistige Einseitigkeit führen zum Erwachen und Glück. Es ist die Verwirklichung des natürlichen Mittleren Weges, die Buddha-Natur. Das ist  der ganze Mensch. Wahre Ethik lernt man von handelnden Menschen und nicht aus Büchern und Vorschriften, nicht durch Kritik und schon gar nicht durch Erniedrigung. Es bringt auch wenig, der buddhistischen Exotik von Aussteigern nachzulaufen. Solche Exotik hat für unser praktisches Leben hier und jetzt wenig Wert und wird nur in medialen Show-Welten gut vermarktet. Manche Lehrer und Lehrerinnen können der Verführung durch solche Medien leider nicht widerstehen.

Wahre Meister wirken auf mich ganz einfach und sympathisch, ohne heiliges Getue und aufgesetzte Spiritualität. Sie wollen den Schülern nicht durch unnütze Paradoxien imponieren. Dazu ein Beispiel: "Es ist der Sinn des Lebens, dass das Leben keinen Sinn hat". Das ist tatsächlich Nihilismus und Blödsinn, der nur naive Schüler beeindrucken kann. Andere überhöhen sich mit unverständlichen komplexen Philosophien. Leerheit und Erleuchtung sind dafür beliebte Themen, die bei Schülerinnen und Schülern die gewollte Verwirrung stiften. Manche selbst ernannte Lehrer versuchen die follower in totale Abhängigkeit und Unfreiheit zu bringen. Das wird sicher schief gehen. Meister Dogen warnt uns im Shobogenzo (Kapitel Bendowa) eindringlich vor falschen Lehrern. Sie würden bei den Schülern großen Schaden anrichten, der oft nicht wieder zu heilen ist. Daher sei es dann besser, gar keinen Lehrer zu wählen. Besonders gefährlich sind Narzisten und Sex-Süchtige, gerade wenn sie im Gewand eines Lehrers oder Meisters daher kommen. Schnellste Trennung ist dann unvermeidlich, bevor es zu spät ist!  Dagegen können Schüler den  tiefgründigen Lehren Dogens wirklich vertrauen.

Der Philosoph Kant rät uns eindringlich, den Mut (!) zu haben, selbst zu denken. Dann werden falsche Lehren durchschaut: Check your master. Gautama Buddha lehrt uns genau so den Weg der Befreiung! 

Und nun etwas ganz Wichtiges: Je mehr man wahre Lehrer und Meister kennen lernt, desto mehr schätzt man sie. Kurz: Sie sind eher bescheiden und versprechen nicht zu viel. Sie erzeugen keine zu großen Erwartungen, die sich später nicht erfüllen. Dann wäre man später frustriert und enttäuscht. Nicht zuletzt bilden Reden und Handeln bei ihnen eine überzeugende Einheit und lebendige Wechselwirkung. Vielleicht ist das Handeln sogar noch wichtiger als das Reden. Achtet genau auf das Handeln

Bei dem großen japanischen Meister Shunryu Suzuki kommen diese Eigenschaften besonders klar heraus. Er brachte den wahren Zen nach Amerika. Er hat uns im Westen also den Zugang zum wahren Zen-Buddhismus eröffnet. Der Titel seines berühmten Buches lautet: "ZEN-Geist ist Anfänger-Geist". Ihr findet alte Videos unten zum Anklicken. Wer nicht so gut Englisch kann, sollte einfach auf das Gesicht, das humane Handeln und die Mimik von ihm achten. Was vermittelt uns Shunryu Suzuki? Wie fühlt ihr euch selbst, wenn ihr ihn seht? Möchtet ihr ihn als Freund oder Lehrer auf dem ZEN- Weg haben? Möchtet ihr so ähnlich werden wie er, wenn ihr alt werdet?

Mein Lehrer Nishijima Roshi hatte eine ganz ähnliche Ausstrahlung. Als ich auf einer Umwelt-Konferenz in Tokyo war und  ihn noch nicht kannte, schrieb er mir ein Fax ins Hotel, dass er sich auf einen "talk" über Buddhismus mit mir freue. So einfach und menschlich. Das hat mich damals sehr berührt, denn er kannte mich gar nicht. Ich hatte sofort Vertrauen zu ihm

Er hatte gerade seine bahnbrechende Übersetzung des großen Werks Shobogenzo von Meister Dogen beendet. Dann lernte er Sanskrit und begann die Arbeit am Mittleren Weg von Nagarjuna. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man ohne diese beiden epochalen authentischen Werke den Buddhismus heute erlernen und verwirklichen kann, wir er es vorgemacht hat. Und was sagte er, als er über 90 Jahre alt war? "Ich bin glücklich".

Schließlich darf sich nur jemand ZEN Meister nennen, der ein offizielles Dokument der Dharma Transmission nachweisen kann und zentral in Japan als Roshi registriert ist.

Shunryu Suzuki Roshi: 
Video 1
Video 2


Dienstag, 14. April 2020

Lebens-Energie und spirituelle Antikörper durch Meditation, Video


In der jetzigen Corona-Krise ist viel von Antikörpern gegen die Viren die Rede. Nach überstandener Krise ist man dann immun gegen die Krankheit. Wie können wir unsere Energie gegen Krisen stärken und "spirituelle Antikörper" entwickeln? Was kann Zen und der Buddhismus für Antikörper generieren, die unser gesamtes Immunsystem stärken? Dann können die Schädigung und das psychische Leiden milde bleiben oder ganz überwunden werden.

Meister Dogen und wir empfehlen die Zazen-Meditation. Das ist körperlich korrektes aufrechtes Sitzen, ohne besondere Affekte und ohne komplexe geistige Arbeit: Einfach nur Sitzen.

Dieses Zazen ist die erste Erleuchtung, wie mein Meister Nishijima es nannte und selbst erfahren hatte. Und was heißt hier Erleuchtung und Erwachen? Zunächst und vor Allem "gut drauf sein und im flow handeln" also auch in Krisen gut zurecht kommen. Das klingt recht einfach und bedeutet keine geistige Schwerstarbeit und auch keine körperlichen Qualen.

Diese Meditation hat erstaunliche positive Wirkungen. Ähnlich wie Yoga werden Heil-Kräfte durch alte bewährte Körper-Haltungen erzeugt und aktiviert. Wer dran bleibt, kann so Erwachen und Erleuchtung erlangen. Auf jeden Fall kann man besser leben und hat mehr Freude. Denn Freude macht klug und kreativ, wie Gehirnforscher sagen. Stress und Angst machen dagegen dumm und depressiv.

Der große Meister Dogen hatte viele Jahre intensiv in Japan Buddhismus studiert und große Meister befragt, wie er Befreiung und Erleuchtung erlangen könnte. Aber ohne Erfolg. Deshalb beschloss er, nach China zu reisen. Und tatsächlich: Nachdem er seinen wahren Meister Tendo Nyojo getroffen und Zazen praktiziert hatte, erlebte er das großen Erwachen und die ganzheitliche Befreiung. Diese Praxis ist heute genau so wirksam wie damals. Sie erzeugt wirksame und ganzheitliche spirituelle Antikörper gegen Krisen!

Hier das Video von Eberhard-Gensa aus unserer "Dogen Sangha Mittlerer Weg". 

Anklicken:
Video Meditation

Montag, 30. März 2020

Gleichnis der zwei Pfeile: Krisen meistern


Nishijima Roshi: Vortrag zu Meister Dogen und dem Mittlerer Weg

Handeln befreit und ist ein wirkungsvoller Impfstoff gegen die Krise!

Der Buddhismus sagt realistisch und seit langer Zeit, dass wir in unserem Leben in Krisen geraten können. Krisen sind also in gewisser Weise normal. Buddha zeigt dazu aber den Weg auf, wie wir das Leiden solcher Krisen überwinden oder zumindest deutlich verringern. Diese jetzige Corona-Krise trifft uns unverhofft von außen, wir haben sie nicht selbst erzeugt. Was ist zu tun?

In den Vier Edlen Wahrheiten nennt Buddha die Leiden: Jammer, Gram und Verzweiflung, also Panik, Hoffnungslosigkeit, Angst und Stress. Das sind die wichtigen Formen des Leidens, die wir auch in dieser Krise haben und beobachten können. 

Buddha sagt, dass durch seine Lehre und Praxis diese Leiden zur Ruhe kommen und dass sie überwunden werden können. Also weder Panik noch Leichtsinn, wie uns die übertreibenden Medien einimpfen wollen. Solche Extreme sind immer unwahr. Buddha lehrt dagegen, dass wir durch den Mittleren Weg zur Befreiung und Erleuchtung kommen können, auch und gerade in der Krise. Das klingt wirklich verblüffend! Wie kann das erklärt werden?

Buddha war ein großer Therapeut, wie wir heute sagen würden. Er setzt also bei der Psyche und dem Geist des Menschen an, denn genau dort entsteht das Leiden. Wo denn sonst? Gerade bei solchen Krisen entsteht also das Leiden eigentlich nicht durch die objektiven äußeren Faktoren sondern vor allem durch uns selbst. Zum Beispiel durch Unklarheit, Aufgeregtheit, Trägheit, Abhängigkeit und Übelwollen oder auch Hass. 

Und was hat es nach Buddha mit dem Gift der Gier auf sich? Die Informations-Gier nach Negativem und Hoffnungslosem ist das neue Gift, verabreicht durch viele Medien. Das ist die Gier nach Informationen über Verzweiflung, Jammer, Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit und Niedergang, Das könnt ihr in den tägliche Katastrophen-Informationen der Medien  klar analysieren. Ist das nicht eigenartig und völlig sinnlos? Die  Medien verstärken unser Leiden der schädlichen Informations-Gier. Diese Gier ist die Ursache für neues zusätzliches und völlig überflüssiges Leiden. In der Krise brauchen wir aber Optimismus, Kreativität und neue Tatkraft, auch für die Zeit nach der Krise.

Wissenschaftlich handelt es sich übrigens bei Corona um eine sog. Ereignis-Krise, die nicht so lange anhält und bald in die Erholungs-Phase überleitet. Sie  unterscheidet sich daher grundsätzlich positiv von der spekulativen Finanz-Krise 2008, die selbst verursacht war und länger dauerte.

Wie können wir uns von dieser Leid bringenden Gier  nach Negativ-Informationen befreien? Was empfiehlt Buddha als Wahrheit der Heilung und Befreiung? Klare Sichtweise, rechte Entscheidungskraft, rechtes Handeln, klare Selbstbeobachtung und nicht zuletzt Meditieren, z. B. Zazen. Denn ohne das tägliche Meditieren verpassen wir schlicht und einfach die Heilungs-Energie dieser wirkungsvollen Praxis. Diese Energie, chinesisch Chi, ist bewährt und kommt beim Meditieren effizient zum Fließen. Der Energie-Fluss wird dann nicht mehr blockiert, er versiegt nicht und kann wieder frei laufen und sich gut und heilsam entwickeln. Ich folge dieser Lehre und Praxis.

Durch die jetziger Krise können wir nach Buddha also auf dem Weg der Befreiung vorankommen. Das ist in Tat verblüffend.  Nach der Krise haben wir dann für unser Leben viel an Können und Klarheit dazu gelernt und werden zukünftige Schwierigkeiten deutlich besser meistern. 

Das Gleichnis der zwei Pfeile:
Der erste Pfeil trifft uns in einer Krise von außen, ohne unser Zutun. Den zweiten Pfeil schießt ihr euch durch Jammern, Klagen und Verzweiflung selbst ins Knie. Dann könnt ihr in der Krise nicht mehr laufen! Der zweite Pfeil ist in Wirklichkeit das selbst verursachtes Leiden. Die Wahrheit Buddhas lautet: Der zweiten Pfeil erzeugt das Leiden, aber nicht der erste. Und dieses Leiden könnt ihr durch gute Praxis überwinden. 

Also: Trainiert durch Buddhismus euer psychisches Immun-System gegen Krisen. Das hilft!

Grübeln, Klagen, Panik, selbst erzeugter Stress und Schimpfen bringt also in einer Krise überhaupt nichts. Im Gegenteil, es verstärkt durch zusätzliches Leiden die eigene Krise. Es blockiert den eigenen guten Energie-Fluss und schadet dem eigenen Geist erheblich. Es schwächt besonders unser Immun-System, dessen positive Wirkung wir gerade in der Krise dringend  benötigen. 

Im Zen empfehlen wir daher aktives sinnvolles Handeln im Augenblick und das tägliche Meditieren des Zazen, mit geradem Rücken. Einfach senkrecht sitzen. Es ist nicht schwer und hilft wirklich. Das habe ich selbst erfahren und kann es bezeugen.


Mittwoch, 18. März 2020

Die Krise überwinden und zur eigenen Entwicklung nutzen


Nishijima Roshi, bitte anklicken

Keine Frage: Wir stehen am Beginn einer umfassenden Krise. Aber Buddha lehrte aus eigener existentiellen Erfahrung: Auch eine schwere Krise geht vorbei.

Der Buddhismus ist in Krisen entstanden und hat sich in sehr schweren Zeiten bewährt, in Indien, China, Japan und jetzt bei uns im Westen. In Japan tobte 130 Jahre lang ein grausamer Bürgerkrieg und der Zen entwickelte und bewährte sich gerade dabei. Nicht zuletzt deswegen bin ich am Zen dran geblieben.

Mein Lehrer erlebte die schwere Zeit des zweiten Weltkriege in Japan und ist dran geblieben. Nicht zuletzt deswegen hatte ich großes Vertrauen zu ihm. Auf diese Lehre und Praxis  kann man sich seit 2500 Jahren verlassen. Das sind also keine Glasperlenspiele, ob es überhaupt eine Wirklichkeit gibt und derartige intellektueller Spielchen: Im Gegenteil, Handeln hier und jetzt, mit der Kraft unserer klaren Mitte.

Ich selbst habe als junger  Informatiker eine harte Krise mit bösen Versagens-Ängsten im Beruf erlebt.  Dann habe ich die Zazen-Meditation gefunden, erlernt und morgens und abends praktiziert. Ich konnte dann wieder ruhig schlafen, der Angstdruck löste sich auf und mein damaliges Können kam zurück. Denn Angst macht dumm, wie die Gehirnforscher wissen. Und das kann man in Krisen am wenigsten gebrauchen. In der IT begann dann für mich zusammen mit einem großartigen neuen Team die wohl kreativste und auch erfolgreichste Berufszeit. Wir beschritten in der Pionierzeit der IT neue Wege für die sinnvolle Nutzung. Das hat tiefe nachhaltige Freude gemacht! Deshalb bin ich dran geblieben.

Und nach dem zweiten Weltkrieg erlebte ich als Kind die Überwindung der ganz schweren Krise.

Aber jede Krise entsteht, hat ihre Zeit und kommt zur Ruhe. So wird es auch mit dieser Krise gehen. Sie geht zu Ende, wenn der neue wirksamer Impfstoff  produziert und eingesetzt wird. Dann wird sich auch die Wirtschaft erholen. Gerade in  solchen Schwierigkeiten ist die zentrale Lehre Buddhas: Aktiv, verantwortungsvoll und klar mit anderen handeln, jetzt im Augenblick.

Unser Leiden kann zur Ruhe kommen, auch Jammer und Verzweiflung. Und der bewährte Buddha-Weg ist der Achtfache Pfad, also Klarheit, Handeln, Entscheidungskraft, Ausdauer, Achtsamkeit und Meditation.

Krisen sollte man nutzen, um sich vom Ballast des Lebens zu befreien, sich auf das wirkliche Wichtige im Leben zu besinnen und kreative neue Wege für die eigene Entwicklung zu finden und zu gehen. Buddhismus ist eine positive Lebens-Philosophie, um Leiden zu überwinden und nicht um darin hängen zu bleiben. Packen wir es an, lasst die Energie fließen!

Mittwoch, 11. März 2020

Buddha und die Corona-Krise: Stabiles Gleichgewicht und klare Achtsamkeit



Die Medien überschlagen sich mit Extrem-Behauptungen und Katastrophen-Prognosen zur Ansteckung mit dem Corona-Virus. Medien übertreiben fast immer: Katastrophen-Infos bringen nämlich die meisten Klicks und Anschalt-Zeiten und damit die höchsten Werbe-Einnahmen. Das ist das kapitalistische Geschäfts-Modell der Medien.

Was hätten Buddha und Dogen wohl geraten? Nach der Überlieferung lehrte Gautama Buddha kurz vor seinem Tod die acht Wahrheiten eines wirklich großen Menschen, also eines Buddhas oder eines Bodhisattva. Sie sind eine Zusammenfassung der Weisheit des Mittleren Weges. Zwei dieser Weisheiten möchte ich euch heute nennen. Im letzten Kapitel des großen Werkes Shōbōgenzō, das Dōgen schrieb, als er schon schwerkrank und vom Tode gezeichnet war, sind die acht Wahrheiten ebenfalls das Thema.

Diese letzte Lehrrede fasst die wichtigsten Regeln für ein wahres buddhistisches Leben recht einfach und praxisorientiert zusammen.[i] Die Regeln sind keine Dogmen, sondern ähnlich wie die Bodhisattva-Gelöbnisse als Hilfe für unser tägliches Leben zu verstehen. Sie zeugen vom Realitätssinn des Mittleren Weges und von der konsequenten Vermeidung von idealisierten und dogmatisierten Übertreibungen und Extremen im Zen. Sie beinhalten keine Extrem-Aussagen und moralisch überzogenen Forderungen, die auch manchen Traditionen des Buddhismus leider nicht fremd sind, aber bei Buddha nicht vorkommen. Mit solchen Doktrinen kann man das Leiden nicht überwinden und keine Erleuchtung erlangen, sondern erzeugt Angst und Negativität die eigene Entwicklung. Und damit arbeiten die Medien in Sachen Corona.

Dōgen schreibt am Anfang seines Kapitels, dass man den ruhigen und ausgeglichenen Lebenszustand erreicht, wenn man diese Wahrheiten verwirklicht. Dabei verwendet er wie Nāgārjuna den Ausdruck „zur Ruhe kommen“. Er spricht davon, dass man in das Nirvāna eingeht und meint damit vor allem den Zustand des Gleichgewichts und der Befreiung im Hier und Jetzt.

Das Gleichgewicht der ZEN-Meditation verwirklichen
Dies bedeutet, dass wir ohne Störung im Gleichgewicht der Meditation und im Buddha-Dharma verweilen. Nishijima Roshi betont, dass es ohne die Meditation, zum Beispiel des Zazen, keinen Buddhismus gibt, und Gautama Buddha erklärt, dass durch die Steuerung des Geistes der Zustand der inneren und äußeren Balance eintritt. Dann zerstreut sich unser Geist nicht, sondern ist gesammelt. Buddha vergleicht ihn mit einem Leitungssystem für Trinkwasser, das kein Leck hat und dicht ist, sodass kein Wasser unnütz versickert und verloren geht. Klingt vielleicht etwas eigenartig, aber hat Power: Lasst euch nicht die eigene gute Energie und den guten Fluow wegnehmen!"

Nicht die rechte Achtsamkeit verlieren
Hier geht es vor allem um die wahre Achtsamkeit für andere und nicht um den sentimentalen Selbstbezug und das Selbstmitleid, die heute häufig festzustellen sind. Der Begriff der Achtsamkeit ist also nach Dōgen umfassend zu verstehen. Wenn man dauernd um sich selbst kreist, sich krampfhaft beobachtet und interpretiert, entspricht das bestimmt nicht der sinnvollen Achtsamkeit. Dōgen setzt dabei vor allem auf gute Lehrer, denen wir uns anvertrauen und unter deren Anleitung wir auf dem Mittleren Weg Buddhas weiterlernen.

Gestärkt durch eine solche Achtsamkeit können uns „die Banditen der Not“ nicht erobern und wir bleiben im Gleichgewicht. Wir sollten deshalb unsere Gedanken und Gefühle steuern, vor Extremen bewahren und sie im richtigen Ort des Geistes halten. Wer seine Achtsamkeit verliert, verliert seine Tugend und Lebensfreude. Durch die Achtsamkeit seien wir im Kampf des Lebens wie durch einen Panzer geschützt.


Vertiefung: ZEN-Meditation


[i] Dōgen: Shōbōgenzō. Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges (deutsche Übersetzung), Bd. 4, S. 291ff.